mini|60 Jahre Kronprinz AG (1957)

Das Unternehmen Kronprinz mit Sitz in Solingen ist ein Hersteller von Rädern aus Stahl für Autos, Lastkraftwagen, Traktoren und Baumaschinen.

Das Unternehmen wurde am 27. Juli 1897 von Rudolf Kronenberg und Carl Prinz unter der Firma Kronprinz AG für Fahrradteile in Ohligs, seit 1929 ein Stadtteil von Solingen, gegründet, wobei „Kronprinz“ als Zusammenziehung beider Familiennamen gewählt wurde. Sie stellten geschweißte und nahtlose Präzisionsrohre und Felgen für Fahrräder und Autos her. Im Jahr 1903 meldete das Unternehmen ein Automobil-Stahlrad mit abnehmbarer Felge zum Patent an. Im Jahr 1907 starb Carl Prinz. 1930 begann die Fertigung von Pkw-Stahlscheibenrädern. 1934 starb mit Rudolf Kronenberg der zweite Mitbegründer des Unternehmens. Da es keine Erben gab, übernahm Mannesmann das Unternehmen.

Kronprinz AG Die Gründer mini|Rudolf Kronenberg, Denkmal im Werk Kronenberg Solingen-Ohligs Rudolf Kronenberg (* 4. März 1859 im Lochbachtal in Wald; † 9. November 1934 in Solingen) war unter elf Kindern das älteste. Sein Vater war ein kleiner selbständiger Schirmdrechsler. Rudolf Kronenberg erlernte bei der Firma Gebrüder Dültgen das Schlosserhandwerk und wurde Technischer Zeichner. Er ging dann auf Wanderschaft und wurde Meister bei Rump & Söhne in Altena. Dort lernte er Carl Prinz (* 1857 in Altena; † 1907 auf einer Reise nach Kalifornien) kennen, einen jungen Unternehmer, der aus begüterter Familie kam und in Altena eine Nietefabrik betrieb.

Rudolf Kronenberg kehrte 1888 von Altena nach Solingen zurück und machte sich zusammen mit seinem Schwager Karl Süß (* 1859) selbständig. Er fertigte Rippen für Schirmgestelle, Schlitzrohre für Schirmstöcke und Ladestöcke, sowie Speichen und Nippel für die stark im Wachsen begriffene Fahrradindustrie. Er stellte Fahrradfelgen und Stahlrohre aus Bandstahl her. Solange das Schweißen noch unbekannt war, musste die Stoßstelle der Felgen durch genietete oder gelötete Laschen verbunden werden. Die ersten dünnwandigen Rohre für Fahrräder, die Kronenberg herstellte, wurden wie die Fahrradfelgen gelötet.

Schon als das Elektroschweißen noch in den ersten Kinderschuhen steckte, entwickelte Kronenberg ein Verfahren mit dem Felgen elektrisch stumpfgeschweißt werden konnten. Die von ihm konstruierte Schweißmaschine wurde von Akkumulatoren gespeist, die im Keller unterhalb der Schweißmaschine standen. Als es mit der Anwendung des autogenen Schweißens gelang, eine Schweißnaht ohne Zusatz zu erzeugen, war ein wichtiger Schritt vorwärts getan. Mehr und mehr konnte jetzt das Löten der Rohrlängsnaht durch das Schweißen ersetzt werden. Mit den bei Kronprinz gebauten Autogen-Schweißmaschinen wurden damals Durchlaufgeschwindigkeiten von etwa einem Meter in der Minute erreicht.

Carl Prinz hatte seine Nietefabrik aus dem engen Lennetal auf ein verkehrsgünstiges Grundstück am Bahnhof Immigrath verlegt. Rudolf Kronenberg und Carl Prinz gründeten am 27. Juli 1897 in Ohligs die Kronprinz Actien-Gesellschaft für Fahrradteile, wobei „Kronprinz“ als Zusammenziehung beider Familiennamen Kronenberg und Prinz gewählt wurde. Das Grundkapital betrug 1,4 Millionen Mark. Die Kronprinz AG verfügte schon damals über die Fertigungsstätten Ohligs und Immigrath. Als unternehmerischen Berater und Aufsichtsratsvorsitzenden gewann Kronenberg den Chemiefaserindustriellen Hans Jordan.

In Werk Ohligs wurden Felgen und Schutzbleche für Fahrräder nach patentierten Verfahren statt wie bisher aus Holz, aus Bandeisen gemacht. In Werk Immigrath wurde neben der Nietenfabrikation die Erzeugung von nahtlosen Rohren aufgenommen. Die Rohre wurden für die Herstellung von Rahmen, Vordergabeln und Lenkstangen von Fahr- und Motorrädern benötigt.

Jahre des Aufbaus Im Jahre 1886 hatte Daimler das erste Automobil gebaut. Es glich in seiner äußeren Form noch einer Kutsche. Als diese neuen Fahrzeuge dann immer schneller wurden, änderte man auch ihre Gestalt. Die Entwicklung des Autos beeinflusste die Konstruktion der Autoräder. Rudolf Kronenberg interessierte sich für dieses Gebiet. Er stellte 1898 in Ohligs die ersten Autoräder her.

Zur Sicherung ihrer Rohstoffversorgung beteiligten sich Kronenberg und Prinz 1899 mit je 25 % an der Neugründung der Eisen- und Stahlwerks-GmbH in Ohligs. Die Beteiligung führte zur Namensänderung aus Kronprinz Actien-Gesellschaft für Fahrradteile in Kronprinz Aktiengesellschaft für Metallindustrie. Das Werk Eisen- und Stahlwerks-GmbH Ohligs lieferte bis 1929 die Stahlblöcke für das Werk Immigrath.

In Immigrath wurde die elektrische Erhitzung der Schweißkanten für die Herstellung von Längsnähten bei Rohren eingeführt.

Um die Jahrhundertwende eröffnete Kronprinz in Frankreich und Italien eigene Fertigungsbetriebe, um für ihre Erzeugnisse neue Absatzgebiete zu erschließen.

Die Firma erhielt 1903 ein Patent auf ein Pkw-Stahlrad, womit sie als einer der ersten von der abnehmbaren Felge zum ganzen Rade überging. Auch dieses Rad war noch ein Speichenrad. Die Konstruktion ähnelte der Flachbettfelge.

Carl Prinz, rastlos und immer neuen Zielen zustrebend, schied 1907 aus dem Gemeinschaftsunternehmen aus. Ihn lockten andere Aufgaben. Er gründete neue Unternehmen im Solinger Raum und erwarb in Kalifornien eine Kupfermine, die er 1907 besuchen wollte. Auf dieser Reise starb Carl Prinz. Kronenberg führte das Kronprinz-Unternehmen allein fort und baute das Werk weiter aus.

Rohre Für die Erzeugung nahtloser Rohre wurde in Immigrath ein Rohrwalzwerk errichtet, in dem Blöcke nach dem Ehrhardt-Verfahren gelocht und gezogen und anschließend auf Schwedengerüsten fertiggewalzt wurden. Neben dem Luppenbedarf für die eigene Rohrzieherei wurden in kleinerem Umfang warmgewalzte Siederohre hergestellt.

Ab 1906 wurden die Knüppel vom Stahlwerk Ohligs im Bandwalzwerk Immigrath zu Bändern von einer Breite bis etwa 200 mm ausgewalzt. Diese Bänder wurden dann teilweise im Immigrather Kaltwalzwerk weiterbearbeitet. Aus ihnen entstanden Felgen, Schutzbleche und gelötete Rohre. Seine ersten dünnwandigen Rohre lötete Kronenberg wie die Fahrradfelgen und später schweißte er sie längs und quer. Die Versuche zum elektrischen Schweißen blieben in ihren Anfängen stecken, denn da brach der Erste Weltkrieg aus.

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte Kronenberg eine Maschine zum elektrischen Längsschweißen von Rohren für das Werk Immigrath. Nach dem Krieg gelang es zunächst, bei Felgen nach der Querschweißnaht auch die Lötung der Bandränder zur Bildung des Felgenrohres durch ein Widerstandsschweißverfahren zu ersetzen. Während dieser Zeit erfolgte der Übergang des Werkes Immigrath an die Kronprinz A.-G. für Metall-Industrie, Werk Immigrath K.-G.

Kronenberg konnte schon 1910 das Grundkapital seiner AG auf 2,8 Millionen Mark bereits verdoppeln. Infolge des Ersten Weltkrieges wurden Vermögenswerte in Frankreich und Italien im Wert von 1,8 Millionen Goldmark beschlagnahmt. Durch den Ausgang des Ersten Weltkrieges gingen die Fertigungsbetriebe in Italien und Frankreich verloren.

Durch Vermittlung Jordans wurde Kronprinz während des Ersten Weltkriegs Großeinkäufer von Luppen bei den Mannesmann-Röhrenwerken, da im eigenen Rohrwalzwerk nur ein Teil der benötigten Vorrohre hergestellt werden konnte. Seitdem Kronprinz auch Präzisionsrohre herstellte, kamen sich die beiden Firmen näher.

1927 erfand er eine Maschine zum Stumpfschweißen der Längsnähte geschlitzter Rohre, mit der er als erster in der Welt produzieren konnte. Ab 1929 wurden mit neuen, ähnlichen Maschinen erneute Versuche zum Widerstandsschweißen der Längsnähte von Rohren aufgenommen. Innerhalb von zwei Jahren gelang es, die Maschinen so weit zu entwickeln, dass sie imstande waren, Rohre produktionsmäßig herzustellen.

Das Werk Eisen- und Stahlwerks-GmbH Ohligs wurde 1929 stillgelegt und später verkauft.

Bei Erneuerung des Röhren-Verbandes trat die Gesellschaft diesem bei. Die Quote wurde für die Dauer des Vertrages an die Mannesmannröhren-Werke gegen Jahreszahlungen übereignet.

Seit etwa 1930 arbeitete das Rohrwalzwerk jedoch ausschließlich für den Eigenbedarf und ab dieser Zeit fast ausschließlich für Rohre aus legierten Stählen. Von diesem Zeitpunkt an wurden laufend neue Maschinen gebaut, bis der Betrieb vollständig von Autogen- auf Elektroschweißung umgestellt war. Ab 1934 stellte die Kronprinz AG nur noch elektrisch geschweißte Stahlrohre her.

Autofelgen und Autoräder Kronprinz begann 1908 in einem Neubau in Ohligs die Großproduktion von Autofelgen und -Autorädern. Die Firma erhielt 1921 durch Patenttausch als einzige in Deutschland das Herstellungsrecht und den Vertrieb des abnehmbaren Drahtspeichenrades mit Schnellverschluss von Rudge-Whitworth, das im Automobilsport unentbehrlich wurde. Es wurde von Kronprinz bis Ende der 50er Jahre hergestellt.

Ab 1921 musste sich Kronprinz dem Lkw-Rad widmen, als sich die Luftbereifung hier durchsetzte. 1925 brachte Kronprinz eine geteilte Felge mit einseitig angewalztem, festem Seitenring und mit eingewalzter Ringnut für den Sprengring heraus, die patentiert wurde.

Seit 1927 fertigte er die Ringscheiben der Automobilräder durch Kegelwalzen von Flacheisen statt durch Ausstanzen großer Scheiben aus viereckigen Blechtafeln.

Die Fertigung von Pkw – Stahlscheibenrädern begann 1930. Zuvor kannte der Markt nur Speicherräder. Das war ein wesentlicher Fortschritt hin zu einem billigeren Automobilrad. 1930 brachte Kronprinz eine Tiefbett-Sicherheitsfelge für Lkw heraus, die größere Sicherheit gegen das Herausspringen des Reifens bot.

Ab 1932 zielten weitere Verbesserungen auf eine Herabsetzung des Radgewichtes. Dabei wurde die Möglichkeit ausgenutzt, die Scheibe nach dem äußeren Umfange hin zu verjüngen, ohne dass die Tragfähigkeit des Rades vermindert wurde. Zunächst ließ sich die konische Formgebung der Radscheibe nur durch spanabhebende Bearbeitung verwirklichen, ein langwieriges, kostspieliges Verfahren. Die Kronprinz AG fand mit der Entwicklung von Radscheibenwalzwerken eine wirtschaftliche Lösung, um verjüngte Scheiben herzustellen.

Seit den Anfängen der Luftfahrtindustrie lieferte Kronprinz auch für sie nahtlose Präzisions-Stahlrohre, Drahtspeichen-Lauf- und Spornräder und ab 1932 die ersten Federbeine für die Ju 52, genannt „Tante Ju“.

Kronprinz AG und Mannesmannröhren-Werke AG mini|Aktie über 1000 RM der Kronprinz AG für Metallindustrie vom Juni 1935

1930 erwarb der Konzern Mannesmannröhren-Werke Düsseldorf 20 % der Kronprinz-Aktien.

Rudolf Kronenberg war bis zum Tode am 9. November 1934 Generaldirektor der Kronprinz AG. Kronenberg blieb bis an sein Lebensende Vorstandsmitglied und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender seiner Firma. Nach ihm ist in Solingen-Ohligs der Rudolf-Kronenberg-Weg benannt.

Er hinterließ keine Erben, die zur Führung eines solchen Unternehmens geeignet waren. Kronenbergs Erben waren bereit, sich von ihrem Aktienbesitz zu trennen und die Mannesmannröhren-Werke kauften weitere Kronprinz-Aktien auf. Die „Mannesmannröhren-Werke“, Düsseldorf, vermehrten ihren Besitz an Aktien der Gesellschaft weiterhin erheblich. Schon 1936 hatte dieses große Röhrenunternehmen eine Beteiligung an der Kronprinz AG von über 50 Prozent erreicht und besaß damit die absolute Mehrheit des Aktienkapitals der Gesellschaft. Auch als die Kronprinz AG nahezu in den Alleinbesitz des Mannesmann-Konzerns übergegangen war, behielt sie den eigenen Verwaltungsapparat, den selbstständigen Ein- und Verkauf. Der im In- und Ausland in vier Jahrzehnten erfolgreich eingeführte Name Kronprinz wurde beibehalten.

Werk Solingen-Ohligs In die Zeit zwischen 1936 und 1939 fiel auch bei Kronprinz die Umstellung auf rüstungswirtschaftliche Aufgaben. Rohre und Räder wurden jetzt in großen Mengen für die verschiedensten Zwecke der Rüstungsindustrie benötigt.