Die Regierung des historischen Königreichs Aschanti in Westafrika war mehr als nur ein reines Instrumentarium für die öffentliche Verwaltung des gemeinsamen staatlichen Gemeinwesens im Königreich Aschanti. Sie war politisch gesehen in erster Linie ein Machtgarant für den herrschenden Adel, über den es in der Vergangenheit immer wieder gelang, absolutistischen Bestrebungen seitens der Herrscherpersönlichkeiten und aus deren Umkreis zu unterdrücken bzw. vorzubeugen. Die zahlreichen Entthronungen, die es im Verlaufe der aschantischen Geschichte gegeben hat, sind ein anschauliches Zeugnis von dieser eigentlichen Macht des Adels, die im Regierungssystem ihre Legitimation und Basis hatte.
Allgemein spricht man innerhalb der Regierung und öffentlichen Verwaltung der Akan-Staaten von „Stühlen“, womit Ämter bezeichnet werden, die mit einer besonderen Autorität ihres Amtsinhabers verbunden sind.
Aufbau und Struktur Die Regierung von Asante bestand aus folgenden Hauptsäulen: der König (Titel: Asantehene (Führer der Aschanti), Osai (König), Nana (Clanältester)) die Aristokratie die Königinmutter (Asantehemaa oder Ohemmaa) der Kotoko-Rat der Rat der Ältesten (Mpanyimfo) die Asantemanhyiamu (später: die Allgemeine Versammlung)
Der Kotoko-Rat Der Kotoko war eine Art Regierungs-Rat in der Asante-Regierung. Er wurde in der Vergangenheit auch als das Aschanti-Stachelschwein (engl. Ashantee porcubine) bezeichnet, was andeuten soll, dass „niemand es wagen sollte, ihn anzurühren....“ Politisch bildete er das Gegengewicht zum Ältestenrat beim König und verkörperte im Grunde genommen die Adelspartei in der Regierung. Zu Zeiten der Regierung des Osai Bonsu (reg.1801-1824) bestand der Kotoko-Rat aus folgenden Personen:
der König (Asantehene Osai) (Der König von Asante ist der Besetzer des „Goldenen Stuhles“ und wird traditionell vom Oyoko-Clan gestellt.) die Königinmutter (Asantehemaa oder nur Ohemaa) die drei ersten Häuptlinge des Landes der Mamponghene (Der Mamponghene ist der Besetzer des „Silbernen Stuhles“ und als solcher der Vizekönig Asantes. Er wird traditionell vom Bretuo-Clan gestellt.) der Juabenhene (auch: Dwabinhene oder in ähnlichen Schreibweisen) der Bekwaihene vier Aristokraten aus Kumasi der Kumasi Akwamuhene der Kumasi Gyaasehene (der „Finanzminister“) der Adumhene der Kontihene (oder Krontihene) (Der Kontihene war der Oberbefehlshaber der Aschanti-Armee bei Abwesenheit des Königs.)
Alle Mitglieder des Kotoko-Rates wurden auch als Abrempon bezeichnet. Nach der Einführung des Adamfo-Amtes waren die unter 3. aufgeführten Personen „außenstehende Abrempon“, die bei Hofe vom Adamfo vertreten wurden.
Die Häuptlinge des Kotoko-Rates waren zumeist auch die „Vizekönige“ oder „Statthalter“ Asantes für die eroberten und tributpflichtigen Staaten. So war zu Zeiten der Regierung Bonsus z. B. der Kumasi Gyaasehene, Opoku Frefre, zuständig für Akim und Akwamu, der Kumasi Akwamuhene, Kwakye Kofi, zuständig für Denkira oder der Krontihene und Kumasi Nsafohene, Amankwatia, zuständig für Assin, Wassaw, Twifo, Sefwi sowie für weite Teile des Südwestens.
Die Aufgaben der territorialen Verwaltung wurden zumeist bezüglich kleinerer Territorialeinheiten an auserwählte Offiziere weiterdelegiert. So ernannte der erwähnte Amankwatia einen Kwini Akim zum Provinzgouverneur für Assin, der ebenfalls seine Verwaltungsaufgaben weiter nach unten delegierte, in dem er bspw. einen Akasse als verantwortlichen Verwalter für den Kyikyiwari-Distrikt einsetzte.
Eine Ausnahme hiervon bildete Accra. Da in Accra drei europäische Nationen anwesend waren, war die aschantische Provinzverwaltung für Accra auch dreigeteilt, wobei jeder der drei Provinzgouverneure auch für eine der europäischen Nationen zuständig war. So war z. B. während der Regierung Bonsus ein Mann namens Akwa Amankwa für die Briten und ein anderer namens Bekwa für die Dänen zuständig. Die Provinzgouverneure gehörten alle auch dem Ältestenrat beim König (Mpanyimfo) an.
Die Mpanyimfo Die Mpanyimfo ist allgemein bei den Akan-Völkern die Versammlung der ältesten Mitglieder einer von ihnen repräsentierten Gruppe. In der Regel vertreten sie eine, sich matrilinear definierende Lineage. Sie gelten allgemein als Vertreter des Volkes in der Regierung. In der Vergangenheit waren hierunter mitunter auch einflussreiche Händler und Vertreter der Erbaristokratie anzutreffen. Ihre Nachfolge in eventuellen Führungspositionen wurde im Allgemeinen mutterrechtlich vererbt.
Die Asantemanhyiamu (engl.: „Union Council“, auch: „The General Assembly of the Caboceers and Captains of the Ashantee Nation“)
Der Asantemanhyiamu war eine Art Bundesrat von Asante, welcher mindestens einmal im Jahr zusammentrat. Der König, der ebenfalls Ratsmitglied war, führte bei den Zusammenkünften den Vorsitz. Der Rat bestand aus den Vertretern der einzelnen matrilinearen Familienclans, welche von der Königinmutter und den mächtigsten Häuptlingen unter mehreren, von den Lineages aufgestellten Kandidaten gewählt und ernannt wurden. Dies wurde als ein sehr wirksames System angesehen, welches Asante weitgehend, wenn auch nicht immer, vor verheerenden Thronfolgestreitigkeiten verschonte.
Die Kwadwo’sche Verwaltungsreform Die Ämter der Regierung und öffentlichen Verwaltung in Asante wurden während der Regierung des Asantehene Osei Kwadwo (reg. 1764–1777) in einer großen Verwaltungsreform völlig neu organisiert bzw. im Rahmen dieser überhaupt erst kreiert. Man ging dabei zu folgender Gruppeneinteilung über:
Die Gruppe der Adehyedwa-Stühle Die Adehyedwa-Stühle sind jene Ämter, die ursprünglich einmal unabhängig vom König waren, d. h. es waren entweder prä-aschantische Stühle, die nach der Gründung des Königreiches mit in das aschantische Verwaltungssystem eingegliedert worden waren oder es waren Nicht-Aschanti-Stühle, welche man später, aufgrund besonderer Treue und Loyalität in das aschantische Verwaltungssystem übernommen hat. Die Nachfolge im Amt war zumeist mutterrechtlich geregelt mit Ausnahme des Asafo-Stuhles von Kumasi. Mutterrechtliche (matrilineare) Nachfolge bedeutet, dass der Nachfolger für das Amt eines Adehyedwa-Stuhles durch die Wahl eines für das Amt geeigneten Adligen innerhalb der adelsstellenden mütterlichen Blutsverwandtschaft ermittelt wurde.
Die Gruppe der Poduodwa-Stühle Die Poduodwa-Stühle sind jene Ämter, welche vom König kreiert worden waren und deren Besetzung erblich einer bestimmten Lineage übertragen worden war.
Beispiel: der Bantama-Stuhl in Kumasi (Titel: Bantamahene oder Bantahene)
Bantama ist jener Ort, in welchem sich das Mausoleum der königlichen Familie befindet. Der Bantahene, d. h. das Oberhaupt des Ortes und der Chef des Mausoleums wird traditionell vom Asante Krontihene (dem Oberbefehlshaber der Aschanti-Armee) ausgeübt.
Die Gruppe der Esomdwa-Stühle (einschließlich der Mmammadwa-Stühle) Die Esomdwa-Stühle sind alle jene Ämter der öffentlichen Verwaltung („Esom“), die nicht in die Kategorie a) oder b) fallen. Unter ihnen sind auch die Mmammadwa-Stühle, d. h. diejenigen Ämter, deren Nachfolge über das „Fekuw“-System organisiert war, d. h. über Verwandtschaftsbeziehungen, die sich aus der väterlichen Blutslinie ergaben. Allerdings hatte der König das Recht in die Nachfolge einzugreifen und selbst einen Nachfolger zu ernennen.
Beispiel: der Pinanko-Suhl (= das Amt des Gyaasehene = der Finanzminister)
Alle Amtsinhaber eines Stuhles der genannten drei Kategorien hatten den Treueeid auf den König zu schwören, d. h. diese „Stühle“ (Ämter) waren dem obersten aller Stühle, dem „Goldenen Stuhl“, welcher vom Asantehene besetzt wird, untergeordnet. Sie werden daher streng abgegrenzt zur Gruppe der Abusuadwa-Stühle, die nicht dem „Goldenen Stuhl“ unterstanden.
Zur Ausübung der staatlichen Exekutivgewalt standen den Häuptlingen der regionalen und überregionalen öffentlichen Verwaltung die Ahenfie, d. h. die örtliche Palastpolizei zur Verfügung.
Die Gruppe der Abusuadwa-Stühle Die Abusuadwa-Stühle sind alle Ämter innerhalb eines (sich über die mütterliche Blutslinie definierenden) Familienclans, die keine öffentliche Funktion erfüllen und deren Funktion, Besetzung und Nachfolge einzig und allein die Angelegenheit der jeweiligen matrilinearen Abusua ist.
Beispiel: der Oyokohene (das Oberhaupt des Oyoko-Clans)
Mit der Kwadwo’schen Verwaltungsreform wurde u. a. auch die Asokwafo, d. h. die bisherige Truppe der königlichen Hornbläser in eine Art „Personal-Pool“ für die Ausbildung und das Training zukünftiger Regierungsbeamte umgewandelt. Aus der Gemeinschaft der Asokwafo rekrutierte dann der König seine Beamten für die verschiedensten administrativen Aufgaben. Chef der Asokwafo war der Batahene, der auch gleichzeitig für das Management der staatlichen Handelsorganisation Asantes verantwortlich war. Der unter Kwadwo neugeschaffene Posten des Okyeame (Sprecher des Königs) wurde bspw. mit Leuten aus dem Kreis der Asokwafo besetzt. Ebenso waren die Verbindungsmänner zu den Europäern während Osai Bonsu's Regierungszeit zuvor Mitglieder der Asokwafo gewesen.
Zum Amt des Gyaasehene Der Gyaasehene (früher: Gyaasewahene) war der Leiter des Schatzmeisteramtes am Hofe des Königs von Asante. Er war verantwortlich für die Durchführung einer allgemeinen finanziellen Budget- und Ausgabenkontrolle des Königreiches Asante und er führte den Vorsitz am Finanzgericht (engl.: „Exchequer Court“). Das vom Gyaasehene besetzte Amt nannte sich auch der Pinanko-Stuhl, ein Begriff, der parallel zu „Gyaasewa“ als Stuhlbezeichnung verwendet wurde. Ihm unterstellt waren der Sanaahene, der für die Routineverwaltung der „Großen Truhe“ (Schatzkammer) verantwortlich war, d. h., über den sämtliche Zahlungen mit Goldstaub aus der königlichen Schatzkammer abgewickelt wurden. Dem Sanaahene (und damit auch dem Gyaasehene) unterstellt war der Fotosanfohene, welcher der Chef der Kassierer und Goldabwieger war. Das Amt des Fotosanfohene nannte sich auch Nnimbi-Stuhl.
Der Gyaase(wa)hene (Kumasi Gyaasehene) hatte auch einen Sitz im Kotoko-Rat von Asante. Da alle Mitglieder des Kotoko-Rates auch gleichzeitig Vizekönige oder Statthalter für Gebiete außerhalb Asantes mit aschantischer Oberherrschaft waren, so kam auch dem Gyaasehene ein solches Amt zu. So war bspw. Opoku Frefre zu Zeiten des Asantehene Osai Bonsu (reg. 1801–1824) auch Vizekönig für Akwamu und Akim.
Gyaasehene als Inhaber des Pinanko-Stuhles waren in der Vergangenheit:
Inhaber Zeitraum Kommentar Asumadu Opoku Frefre ernannt unter Osai Kwadwo (Kudscho) (reg.1764–1777) bis ca. 1818, danach pensioniert, starb ca. 1826 Adu Damete 1818 bis 1826 starb 1826 Nantwiri Kwahu Boahen Adu Bofuo 1869 bis 1876 starb ca. 1876 Kofi Poku starb ca. 1884 Opoku Dum starb 1888 Opoku Mensah starb 1900 Manwere Okoku starb 1900 Kwame Tuah 1905 bis 1922 Asubonte 1922 bis 1937 Kwadwo Poku 1937 bis 1942 Kofi Poku 1942 bis 1946 Adu Nantwiri 1946 bis 1958 Kwesi Adu Bofuo 1958 bis ? Opoku Mensah
Das Amt des Gyaasehene in Asante, d. h., einen Schatzmeister gab es in Asante natürlich bereits lange vor einem Asumadu, aber das Amt wurde im Zuge der Kwadwo’schen Verwaltungsreform von der mutterrechtlichen Erbfolge freigestellt und wurde vor allem mit administrativen Aufgaben ausgestattet (vielleicht schon eher), so dass man erst ab hier von wirklichen „Finanzministern“ sprechen kann.