mini|Gutshaus Mallenchen. 2009. Mallenchen, , ist ein Gemeindeteil von Groß Jehser, das ein Ortsteil der Stadt Calau ist. Der Ort liegt im Westen des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Der Ort wurde vergleichsweise spät 1521 erstmals urkundlich erwähnt.
Lage Mallenchen liegt in der Niederlausitz im Naturpark Niederlausitzer Landrücken am Drehnaer See.
Nördlich des Ortes liegt der Calauer Ortsteil Zinnitz mit seinem Gemeindeteil Bathow. Nordöstlich liegt Groß Jehser, östlich dessen Gemeindeteil Erpitz sowie der Ortsteil Buckow der Stadt Calau. Im Südosten folgt der Ortsteil Kemmen mit Säritz und Schadewitz. Im Süden liegt Klein Mehßow und im Südwesten grenzt Mallenchen an den Luckauer Ortsteil Fürstlich Drehna und dessen Gemeindeteil Tugam.
Die Gemarkung wurde 1950 mit der Gemarkung Gliechow vereinigt und heißt heute Gemarkung Gliechow, obwohl der Ort Gliechow 1978/79 devastiert wurde. Südlich des Ortes fließt heute die Dobra vorbei, ein künstlicher Wasserlauf, der nach einigen Kilometern in die Spree mündet. Von Süden kommend mündet die Schuche bei Mallenchen in die Dobra. Vor dem Braunkohlenabbau westlich des Ortes floss westlich am Ort die Schrake vorbei, die zwischen Lichtenau und Hänchen (heute Schönfeld) in die Dobra mündete, die vor dem Anfahren des Braunkohletagebaus Schlabendorf-Süd 1975 einen völlig anderen Verlauf hatte. Die Schrake trieb westlich des Ortes die Mallenchener Wassermühle an.
Geschichte mini|Gutshaus Mallenchen um 1861/62, Sammlung Alexander Duncker. Mallenchen wurde erstmals im Jahr 1521 urkundlich erwähnt. Durch die späte Überlieferung des Namens ist keine sichere Namensdeutung möglich. Möglich ist eine Ableitung vom niedersorbischen Wort maly für klein. Dies bezieht sich auf die zahlreichen kleinen Seen, die sich in der Umgebung befanden. Der heutige sorbische Ortsname Jarzorce ist eine Verkleinerungsform des Wortes Jazor für See. Dieses Wort liegt in Jazory dem Namen des benachbarten Ortes (Groß) Jehser zugrunde. In Abgrenzung dazu wurde der Name Klein Jehser Malke Jazorce oder Malenke Jazorce gebildet. Daraus entwickelte sich die deutsche Namensvariante Mellenichen 1587 und Mallenichen im 18. Jahrhundert. In den Jahren 1761 und 1880 wurden die niedersorbischen Ortsnamen Jazorze und Jazorcy genutzt. Der Name Klein Jehser wurde so zu Mallenchen. Ernst Eichler schließt eine Beziehung zum sorbischen Wort Malina für Himbeerstrauch aus. Nach Lehmann war die ursprüngliche Dorfstruktur eine Zeile.
Die frühe Besitzgeschichte 1521 erteilte Heinrich Tunckel von Bernitzko, Landvogt der Niederlausitz, seinen Zustimmung zur Verpfändung der zur Herrschaft Drehna gehörigen Dörfer Deutsch Drehna, Tugam, Schrakau, Babben, Bergen, Bresinchen und einiger Zinsen im Dorf Mallenchen durch Caspar von Minckwitz zu Drehna an Georg von Schlabrendorf, Johanniterordensmeister in der Mark, für ein Darlehen in Höhe von 3.000 rheinischen Gulden, für das 150 Gulden Jahreszins fällig waren. 1549 schichteten die Brüder Caspar und Wolf von Minckwitz zu Drehna ihre Schulden in Höhe von 3.000 Gulden um. Sie mussten nun die 150 Gulden Zins an Hans von Küstrin, Markgraf von Brandenburg-Küstrin entrichten. Unter dem Pfandgut waren wiederum Zinsen in Mallenchen.
Am 25. November 1527 empfing Bartusch von Mielen zu Briesen (Lkr. Spree-Neiße) die Dörfer Mallenchen und Schadewitz zu Lehen, wie das seine vorfarren Innegehabt zu Lehn entpfangen haben. Es handelte sich um eine Wiederbelehnung nach dem Wechsel in manu dominante, d. h. nach dem Tod von Ludwig II., dem König von Böhmen, Ungarn und Kroatien in der Schlacht von Schlacht bei Mohács 1526 und dem Regierungsantritt seines Nachfolgers Ferdinand I. Dies heißt, dass die von Mielen schon geraume Zeit vorher im Besitz von Mallenchen waren. Allerdings war in diesem Lehen nicht das ganze Dorf enthalten; einige Zinsen gingen an die Herrschaft Drehna. 1519 hatte Bartusch von Mielen die Lehen seines Vaters Jan von Mylen/Mielen in der Herrschaft Cottbus, Briesen, Brahmow, einen Anteil von Guhrow, Kunersdorf und Ruben übernommen. Wir dürfen in diesem Jan von Mylen/Mielen wohl auch den Vorbesitzer von Mallenchen vermuten. Das nachweislich ab 1527 mit Mallenchen verbundene Schadewitz gehörte ursprünglich den von Buxdorf auf Bornsdorf und wurde 1489 an Götz von Wolffersdorf verkauft. Von diesem von Wolffersdorff dürfte es bald darauf an Jan von Mylen gekommen sein, und von diesem an dessen Sohn Bartusch. Bartusch von Mielen ließ schon zu seinen Lebzeiten, am 24. August 1538, seine Lehen Mallenchen und Schadewitz auf und überließ sie seinen Söhnen Wolff, Christian, Bartusch d. J. und Hans.
Die von Kracht’sche Besitzzeit Die vier Brüder von Mielen behielten die beiden Lehen Mallenchen und Schadewitz nicht, sondern verkauften die beiden Dörfer noch im selben Jahr an Bartusch von Kracht auf Groß Rietz (Gem. Rietz-Neuendorf) und Lindenberg (Gem. Tauche). Dieser Bartusch von Kracht war mit Sophie von Schlieben aus dem Hause Baruth verheiratet. Mit ihr hatte er die drei Söhne Albrecht, Abraham und Isaac sowie die Tochter Anna (verheiratet mit Christoph von Schade). In der brüderlichen Teilung von 1577, nach des Vaters Tod, übernahm Abraham Groß Rietz, Isaac (1547–1617) das Gut Lindenberg und Albrecht die Güter Mallenchen und Schadewitz.
Albrecht von Kracht erhielt 1577 den Lehenbrief über Mallenchen und Schadewitz. Er war mit Margaretha von Zabeltitz verheiratet. 1581 kaufte er noch den Besitzteil des Esaias von Minckwitz auf Pademagk, den dieser in Mallenchen hatte, hinzu. Dies waren zwei Mallenchener Bauern mit ihren Verpflichtungen zu Pferdediensten, Korn- und Geldzinsen. Albrecht von Kracht kaufte später noch eine Hälfte des Dorfes Groß Jehser, und 1585 die Dörfer Erpitz und Garrenchen von Friedrich von Minckwitz. Das halbe Dorf Groß Jehser tauschte er aber 1596 gegen das Gut Klein Mehßow ein, das Ulrich von Wolfersdorf gehört hatte. Albrecht von Kracht ist um/vor 1597 gestorben, denn am 15. Oktober 1597 wurden seine Söhne Baltzer, Hektor und Achilles – die letzteren beiden waren noch minderjährig – mit Mallenchen, Schadewitz und Klein Mehßow belehnt. Sicher erhielten sie auch Lehnbrief(e) über Klein Mehßow, Erpitz und Garrenchen, die sich aber nicht erhalten haben.
1601 waren die drei Brüder Baltzer, Hektor und Achilles, Söhne des Albrecht von Kracht, entweder verstorben oder, was wahrscheinlicher erscheint, sie hatten ihren Besitz an Isaak von Kracht (1547–1617) auf Lindenberg verkauft. 1601 war Isaak von Kracht auf Mallenchen, Schadewitz, Erpitz und Lindenberg Lehnszeuge bei der Belehnung des Joachim von der Schulenburg auf Löcknitz, Lübbenau, Lieberose etc. durch den damaligen Landvogt der Niederlausitz Heinrich Anselm, Freiherr von Promnitz. 1614 wird er als Bürge mit Sitz auf Mallenchen genannt. Isaac von Kracht war mit Eva von List aus dem Hause Komptendorf verheiratet, mit der er zehn Söhne und zwei Töchter hatte. Er hatte zahlreiche militärische Engagements und zivile Ämter inne, u. a. war er auch Direktor des Calauischen Kreises in der Niederlausitz. Er starb am 2. Oktober 1617 und wurde auf seinem Gut Lindenberg begraben.
Erbe von Mallenchen (mit Schadewitz und Erpitz) und Klein Mehßow war der Sohn Georg von Kracht. Am 6. Mai 1618 belehnte der brandenburgische Kurfürst Sigismund den Georg von Kracht mit Lindenberg, zwei Mühlen und anderen Gütern. Die Belehnungsurkunde mit Mallenchen und Klein Mehßow hat sich nicht erhalten. Aber am 18. Februar 1619 verleibdingte Georg von Kracht seine Frau Ursula Magdalene von Zabeltitz, Tochter des Wolf von Zabeltitz auf Reuden mit dem Gut Mallenchen. Das Gut Klein Mehßow musste er allerdings 1624 an Andreas von Klitzing auf Göllnitz und Dollenchen verkaufen. 1625 wird von einem (Groß-)Brand in Mallenchen berichtet. Georg von Kracht hatte allerdings bei der Erbteilung nach dem Tod des Vaters hohe Schulden übernehmen müssen, die er nicht tilgen konnte. So musste er 1638 für eine Schuld von 12.088 Talern bei seinem Bruder Hildebrand, Oberst und Oberhauptmann der Festung Küstrin, diesem sein Gut Mallenchen überlassen. Georg starb bald darauf am 26. Februar/8. März 1638. Hildebrand suchte noch die Lehen nach, starb jedoch ebenfalls noch im selben Jahr.
Hildebrand von Kracht hatte 1613 Anna Maria von Rintorf geheiratet, mit der er den Sohn Dietrich und zwei Töchter hatte. Anna Maria von Rintorf starb am 30. Juni 1630 in Küstrin. Hildebrand heiratete danach in zweiter Ehe Elisabeth Sophia von Rohr, Tochter des Klaus von Rohr auf Schönberg, mit der er noch die Tochter Hedwig Sophie (* 17. März 1633) hatte. Am 19. August 1638 starb Hildebrand von Kracht in Küstrin. Das Gut Lindenberg fiel an seine Tochter Hedwig Sophie, Mallenchen mit Schadewitz und Erpitz an den Sohn Dietrich von Kracht.
Dietrich von Kracht legte am 30. August 1651 den Lehenseid für Mallenchen und sein Zubehör ab. Er war mit Dorothea Magdalena Marschallin von Herrngosserstädt verheiratet. Er war Kommandant in Breslau und starb 1657 ohne Kinder zu hinterlassen. Die Witwe Dorothea Magdalena führte das Gut zunächst weiter; 1660 wurde Mallenchen versteigert. Nach der Familiengeschichte der von Zabeltitz soll 1660 noch ein von Zabeltitz Besitzer von Mallenchen gewesen sein. Quellen werden nicht genannt. Aufgrund der Besitzabfolge ist dies eher unwahrscheinlich. Denkbar wäre allenfalls, dass ein von Zabeltitz als ein Gläubiger des Dietrich von Kracht kurzzeitig im Pfandbesitz von Mallenchen war. In der Versteigerung 1660 konnten Elisabeth Sofie von Kracht, die Stiefmutter des Dietrich von Kracht und ihre Tochter Hedwig Sofie, seine Stiefschwester, Mallenchen für 8.000 Taler ersteigern. Ihr Lehensträger Alexander Jacob von Hoym auf Kittlitz wurde am 18. Dezember 1660 mit Mallenchen belehnt. Elisabeth Sofie von Kracht (geb. Rohr) starb 1662, und 1663 wurde Mallenchen in ein Erblehen umgewandelt. Alleinige Besitzerin war nun Hedwig Sophie, die in erster Ehe mit Bernhard von Arnim verheiratet war, der jedoch mit nur 40 Jahren starb. Sie heiratete dann in zweiter Ehe den kurbrandenburgischen Geheimrat und Hofkammerpräsidenten Raban Freiherr von Canstein, mit dem sie drei Söhne hatte. Der älteste Sohn Friedrich Wilhelm starb jung, der zweite Sohn Philipp Ludwig fiel als Königlich-Preußischer Oberst in der Schlacht bei Malplaquet (bei Mons, Belgien) am 11. September 1709, und der dritte Sohn Carl Hildebrand stiftete später die bekannte Cansteinsche Bibelanstalt. Raban von Canstein starb am 22. März 1680 in Küstrin. Am 2. April 1680 verkaufte seine Witwe Hedwig Sophie Mallenchen mit Schadewitz und Erpitz für 11.600 Taler an Christoph von Möllendorf, der am 21. November 1682 die Belehnung erhielt. Nur wenig später verkaufte Christoph von Möllendorf die Güter für 11.700 Taler an Johann Patow, den kurbrandenburgischen Amtmann auf Arendsee in der Altmark. Mit ihm begann die Patowsche Besitzzeit, die bis 1945 andauerte.
Die (von) Patow auf Mallenchen