(3290) Azabu ist ein Asteroid jenseits des äußeren Hauptgürtels. Am 19. September 1973 entdeckten ihn Cornelis Johannes van Houten und Ingrid van Houten-Groeneveld an der Universität Leiden auf Aufnahmen, die von Tom Gehrels am Palomar-Observatorium in Kalifornien gemacht worden waren. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass das Objekt bereits am 8. April 1954 am Palomar-Observatorium fotografiert worden war.

Der Asteroid ist benannt nach Azabu, dem ehemaligen Standort des Astronomischen Observatoriums von Tokio. Das Recht zur Namensgebung wurde von Gehrels mit den japanischen Entdeckern des nachfolgend nummerierten Asteroiden (3291) Dunlap getauscht.

(3290) Azabu wird zwar zu den Hauptgürtelasteroiden gezählt, bewegt sich aber weit außerhalb der Hecuba-Lücke und ist ein Mitglied der Hilda-Gruppe. Diese bewegt sich in einer 3:2-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter um die Sonne.C. E. Spratt: The Hilda group of minor planets. In: Journal of the Royal Astronomical Society of Canada. Band 83, 1989, S. 393–404, (PDF; 173 kB). Obwohl der gegenseitige Bahnabstand (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Jupiter und (3290) Azabu immer wieder zwischen 0,44 und 0,51 AE schwankte, sind sich die beiden Himmelskörper durch die Bahnresonanz in den vergangenen 10.000 Jahren nie näher gekommen als bis auf etwa 1,93 AE (289 Mio. km).

Wissenschaftliche Auswertung Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot speziell für Mitglieder der Hilda-Gruppe führte 2012 für (3290) Azabu zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 10,2 km bzw. 0,32.T. Grav, A. K. Mainzer, J. Bauer, J. Masiero, T. Spahr, R. S. McMillan, R. Walker, R. Cutri, E. Wright, P. R. Eisenhardt, E. Blauvelt, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, E. Hand, A. Wilkins: WISE/NEOWISE Observations of the Hilda Population: Preliminary Results. In: The Astrophysical Journal. Band 744, Nr. 2, 2012, S. 1–15, doi:10.1088/0004-637X/744/2/197 (PDF; 3,45 MB).

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 4. Juni 1994 am La-Silla-Observatorium in Chile. Aus der nur während etwa drei Stunden aufgezeichneten Lichtkurve wurde auf eine Rotationsperiode von >12 h geschlossen.M. Dahlgren, J. F. Lahulla, C.-I. Lagerkvist, J. Lagerros, S. Mottola, A. Erikson, M. Gonano-Beurer, M. Di Martino: A Study of Hilda Asteroids. V. Lightcurves of 47 Hilda Asteroids. In: Icarus. Band 133, Nr. 2, 1998, S. 247–285, doi:10.1006/icar.1998.5919. Weitere Beobachtungen erfolgten vom 16. bis 18. April 2017 am Center for Solar System Studies (CS3) in Colorado und Kalifornien. Die Lichtkurve wurde zu einer Periode von 7,670 h ausgewertet.B. D. Warner, R. D. Stephens: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2017 April thru July. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 44, Nr. 4, 2017, S. 331–334, (PDF; 3,99 MB).

Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion dagegen eine sehr viel längere Rotationsperiode von 168,4 h bestimmt werden.J. Ďurech, M. Vávra, R. Vančo, N. Erasmus: Rotation Periods of Asteroids Determined With Bootstrap Convex Inversion From ATLAS Photometry. In: Frontiers in Astronomy and Space Sciences. Band 9, 2022, S. 1–7, doi:10.3389/fspas.2022.809771 (PDF; 1,01 MB).

Siehe auch Liste der Asteroiden

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Hauptgürtelasteroid unter 50 km Durchmesser Kategorie:Hilda-Gruppe