Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist eine deutsche Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutzorganisation. Der eingetragene Verein mit Sitz in Hannover engagiert sich für den Klimaschutz, die Erhaltung der biologischen Vielfalt, eine auf Effizienz und regenerativen Quellen basierende Energieversorgung, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft, saubere Luft, nachhaltige Mobilität und Verbraucherschutz.
Die als gemeinnützig anerkannte Organisation ist ein klageberechtigter Verbraucherschutzverband nach dem Unterlassungsklagengesetz, besitzt nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz das Recht zur Verbandsklage und ist berechtigt, Musterfeststellungsklagen und Abhilfeklagen zu führen. Die DUH ist gemäß Lobbyregistergesetz im Lobbyregister eingetragen. Der Verein unterhält Geschäftsstellen in Berlin, Radolfzell und Hannover sowie Projektbüros in Köthen und Erfurt.
Geschichte Der Verein wurde am 5. August 1975 als „Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Umweltschutzes e. V.“ gleichzeitig mit dem BUND-Landesverband Baden-Württemberg von Hermut Ruland, Gerhard Thielcke und Rudolf L. Schreiber gegründet. Der ursprüngliche Vereinszweck war das Generieren von Spenden für den BUND, wozu im Gegensatz zu anderen Umweltverbänden auch Gelder aus der Privatwirtschaft gehören durften. In den ersten 13 Jahren ihres Bestehens konzentrierte sich die DUH auf die Finanzierung von Naturschutzprojekten sowie die Umweltbildung. Die damalige Geschäftsstelle lag in Öhningen (Baden-Württemberg). Initiiert von der Deutschen Umwelthilfe, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) wurde 1987, im ersten Europäischen Umweltjahr, die Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur) zur Unterstützung von Naturschutzprojekten in ganz Europa gegründet. 1988 bezog die DUH eine neue Geschäftsstelle in Radolfzell. Zu dieser Zeit erweiterte die DUH ihr Umweltbildungsengagement, erstellte und verbreitete Informationsbroschüren zu Natur- und Umweltschutzthemen, führte Haus- und Straßensammlungen zur Unterstützung von jährlich mehreren hundert überwiegend lokalen Natur- und Umweltschutzprojekten durch, startete die Aktion Jugend erlebt Natur und entwickelte sich so als eigenständiger Verband.
1990 schrieb die DUH erstmals einen bundesweiten Wettbewerb für kommunalen Umweltschutz aus. Erster Träger der Auszeichnung Bundeshauptstadt für Natur- und Umweltschutz war die Stadt Erlangen.
Aus dem internationalen Bodensee-Umweltschutzprojekt der DUH ging 1994 die Bodensee-Stiftung für Natur und Kultur hervor. Schwerpunkte waren das Eintreten für nachhaltiges Wirtschaften, etwa in Form von umweltfreundlichem Tourismus, Biotopschutz, ressourcenschonender Verkehr, ökologische Landwirtschaft und der Schutz des Trinkwasserspeichers Bodensee.
1998 entstand unter Mitwirkung der DUH die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF), die sich als internationale Stiftung um den Erhalt von Wasser-Ökosystemen bemüht. Das größte Projekt des GNF ist das Lebendige-Seen-Netzwerk Living Lakes mit weltweit über 112 Partnern und rund 60 Seen im Jahr 2021.
2001 wurde eine Geschäftsstelle in Berlin eröffnet.
2004 erkannte das Bundesverwaltungsamt die DUH als klageberechtigten Verbraucherschutzverband an.Jahresbericht 2004 (PDF; 246 kB), Deutsche Umwelthilfe e. V., Jahresbericht 2004. 2008 erkannte das Umweltbundesamt den Verein als klageberechtigte Vereinigung nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz an.
Im Jahr 2023 gewannen die DUH und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gegen die Bundesregierung. Gegenstand des Verfahrens waren fehlende Sofortprogramme, die gemäß Klimaschutzgesetz in den Bereichen Verkehr und Gebäude notwendig gewesen wären.
Zwei weitere Klagen vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gegen die Bundesregierung gewann die DUH im Mai 2024. Das Gericht urteilte, dass das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung keine hinreichenden Maßnahmen vorsah, um zu garantieren, dass die Klimaziele eingehalten werden. In letzter Instanz bestätigte das Bundesverwaltungsgericht im Januar 2026 das Urteil.
Organisation und Verwaltung Verwaltung Die DUH ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein nach deutschem Vereinsrecht. Im April 2025 hatte er 535 stimmberechtigte Mitglieder und ca. 20.000 Fördermitglieder.
Der Verein gliedert sich in drei Regionalverbände (RV Nord mit Sitz in Hannover, RV Ost mit Sitz in Berlin und RV Süd mit Sitz in Radolfzell). Ihre Funktion ist es, die Ziele und Aufgaben der DUH auf lokaler und regionaler Ebene zu verfolgen.
Der Vorstand legt die Ziele für deren praktische Arbeit fest und berät und überwacht die Arbeit der Geschäftsführung. Die Bundesvorsitzenden des Vorstandes waren Hermut Ruland von 1975 bis 1988 und Gerhard Thielcke von 1988 bis 2001. Seit 2001 bis zu seinem Tod Anfang 2024 hatte Harald Kächele dieses Amt inne.
Die Delegiertenversammlung beschließt den Haushalt, genehmigt den Jahresabschluss und entlastet und wählt den Vorstand sowie die Kassenprüfer.
Die Geschäftsführung ist mit dem operativen Geschäft der DUH betraut. Sie ist zur Wahrnehmung der wirtschaftlichen, verwaltungsmäßigen und personellen Angelegenheiten der Bundesgeschäftsstelle bevollmächtigt. Die Bundesgeschäftsführer sind Jürgen Resch (seit 1987), Sascha Müller-Kraenner (seit 2015) sowie seit 2022 Barbara Metz. Seit 2022 sind auch Ulrike Voß und Matthias Walter Mitglieder der Bundesgeschäftsführung. Ehemalige Geschäftsführer sind: Michael Spielmann (2012–2014), Rainer Baake (2006–2012) und Jörg Dürr-Pucher (1998–2006), Jürgen Rosemund (1988–1999) und Hans-Jürgen Dippel (1987–1988).
Die wesentliche inhaltliche Projektarbeit wird mit Stand von Ende 2024 von 197 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 29 studentischen Aushilfen an den vier Standorten geleistet.
Mitgliedschaften und Kooperationen Die DUH ist Mitglied des Bündnisses Atomausstieg selber machen und seit 1998 Partner im Hand-in-Hand-Fonds mit Rapunzel Naturkost GmbH zur Förderung sozialer und ökologischer Projekte weltweit.HAND IN HAND-Fonds Förderprojekte. In: duh.de. Abgerufen am 16. Januar 2022. Die DUH ist auch Betreiberin der Initiative Handys für die Umwelt. Sie koordiniert außerdem die Haus- und Straßensammlung für den Natur- und Umweltschutz. Das Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt wurde maßgeblich durch die DUH gegründet und wird beim Aufbau des eigenständigen Vereins von ihr unterstützt. Die DUH initiierte 1995 die Kampagne Lebendige Flüsse. Der Verein ist außerdem in der Mehrweg-Allianz vertreten und gründete das Projekt Wild Cities.
International koordiniert der Verein die Arbeit mehrerer Netzwerke und Initiativen. So ist er zum Beispiel für die Kampagne Rußfrei fürs Klima („Black Carbon“) verantwortlich und ist Mitglied der Kampagne Clean Air Europe, die Verbandsinteressen zum Klimaschutzes gegenüber der EU vertritt. Die DUH ist zudem Mitglied des Europäischen Umweltbüros.
Selbstverständnis Der Verein versteht sich als politisch unabhängiger Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutzverband sowie als Umwelt-Lobby: „Wir sind Lobby, wir sind Partei, und wir schließen Zweckbündnisse“ (Zitat Jürgen Resch, 2005). Ziel der DUH ist es, dass heutige wie auch künftige Generationen gleichermaßen Chancen auf ein erfülltes Leben in einer intakten Umwelt haben. Daher tritt die DUH für nachhaltige Lebensweisen und moderne Formen des Wirtschaftens ein, die ökologische Belastungsgrenzen respektieren.
Die für die Erreichung der Ziele gewählten Methoden umfassen Kritik an den vorhandenen Zuständen ebenso wie das konzeptionelle Denken in Alternativen. Sie organisiert Dialogprozesse, Netzwerke und Forschungsprojekte um Debatten anzustoßen und Themen voranzutreiben. Darüber hinaus skandalisiert und personalisiert die DUH Missstände mit dem Ziel, Wirtschaft und Politik über eine Mobilisierung der Öffentlichkeit auf einen besseren Weg zu bringen. Als klageberechtigter Verband kann sie die Einhaltung von umweltbezogenen Verbraucherschutzvorschriften, beispielsweise zur korrekten Angabe des Energie- bzw. Kraftstoffverbrauchs, des Quecksilbergehalts von Energiesparlampen oder des Abgasverhaltens von Maschinen, gerichtlich überprüfen und durchsetzen lassen.
Zu den Arbeitsmethoden gehören auch öffentlich ausgeschriebene Wettbewerbe und die Veröffentlichung von Ranglisten (). Den Schwerpunkt der Arbeit bildet die nationale und europäische Ebene. Besonders intensive Kontakte pflegt die DUH zu den Kommunen, die sich im Klima- und Biodiversitätsschutz und beim Thema Nachhaltigkeit engagieren.
Der Verein sucht (Stand 2004) zudem gezielt den Austausch und die Zusammenarbeit mit Wirtschaftspartnern, die eine ökologische Vorreiterrolle in ihrer Branche einnehmen möchten. Sie ermutigt Unternehmen dazu, ihre Produkte nach den Standards des „Blauen Engels“ zertifizieren zu lassen. Außerdem werden Firmen bei der Entwicklung umweltfreundlicher Techniken und Verfahren unterstützt.
Themen Naturschutz und Artenvielfalt In ihrer Arbeit zum Naturschutz und zur Artenvielfalt konzentriert sich die Deutsche Umwelthilfe auf die vier Bereiche „Biologische Vielfalt“, „Lebendige Wälder“, „Fließgewässerschutz“ und „Meeresschutz“. Gemeinsam mit anderen Verbänden führt die DUH im Netzwerk „Lebendige Flüsse“ seit 1997 Maßnahmen zur Rettung bedrohter Arten und zur Wiedervernetzung von Ökosystemen durch. Dabei spielen auch Synergieeffekte eine Rolle: So diente zum Beispiel das Naturschutzgebiet im Wulfener Bruch bei den Elbhochwassern von 2002 und 2013 als natürliches Rückhaltebecken. In einem Pilotprojekt, das 2014 am Stettiner Haff anlief, verband die DUH den Artenschutz mit einem Förderprogramm für strukturschwache Regionen.
Aus der Naturschutzarbeit des Vereins entstand 1998 der Global Nature Fund (GNF), eine internationale Stiftung, die sich für den Erhalt von Wasser-Ökosystemen einsetzt. Mit dem Netzwerk „Lebendige Elbe“, das die DUH gemeinsam mit den Organisationen NABU, BUND und WWF führt, verfolgt sie darüber hinaus das Ziel, das gesamte Einzugsgebiet der Elbe von Tschechien bis zur Nordsee zum Weltnatur- und Kulturerbe zu machen. Dabei tragen grenzüberschreitende Natur- und Artenschutzprogramme sowie Projekte wie der deutsch-tschechische Jugendaustausch „Die Sprachen des Flusses“ zur europäischen Völkerverständigung bei. Zwischen 2002 und 2005 initiierte die DUH den Internationalen Elbebadetag. Seit 2008 besteht das Projekt „Lebendige Wälder“, in dem sich der Verein für den Erhalt und die Wiederherstellung intakter und naturnaher Wälder durch Modellprojekte engagiert.
Der Verein erreichte 2014, dass die UNESCO das Okavango-Delta im afrikanischen Botswana als UNESCO Weltnaturerbestätte anerkannte. Zudem baute die DUH zwischen 2012 und 2014 gemeinsam mit dem Flussbüro Erfurt Brücken um, damit Fischotter sie gefahrlos unterqueren können. Die DUH koordinierte bis Dezember 2013 außerdem die Arbeit von OCEAN2012 in Deutschland. Diese europaweite Allianz setzte sich gegen eine Überfischung der europäischen Meere sowie für eine nachhaltige Gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union ein.
Energie und Klimaschutz Für eine naturverträgliche und sozial gerechte Energiewende koordiniert der Verein Fachnetzwerke zu den Themen Energiewende, Netzintegration, Wärme, Energiespeicher und Bioenergie. Zusätzlich führt er Informationsveranstaltungen in betroffenen Gemeinden durch, um im Dialog mit Anwohnern und Projektträgern mehr Akzeptanz für die Energiewende zu schaffen.