mini|Das VDI-Haus während des Deutschen Ingenieurtags 2025

Der Verein Deutscher Ingenieure e. V. (VDI) ist ein deutscher technisch-wissenschaftlicher, gemeinnütziger Verein. Eigenangaben zufolge stellt er die größte Vereinigung dieser Art in Deutschland dar. 1856 gegründet, hat er sich u. a. zum Ziel gesetzt, die technische Wissenschaft und Forschung sowie den entsprechenden Nachwuchs zu fördern, technische Regelwerke und Prüfzeichen herauszugeben sowie die Weiterbildung und den Erfahrungsaustausch von Ingenieuren zu ermöglichen.

Um diese Ziele zu verwirklichen, hat der gemeinnützige Hauptverein zusätzliche Einrichtungen geschaffen, wie die ebenfalls gemeinnützige VDI-Ingenieurhilfe sowie die VDI GmbH mit ihren wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben. Für alle Einrichtungen des VDI zusammen ist die Bezeichnung VDI-Gruppe gebräuchlich.

Aufgabe mini|hochkant|Denkmal mit Namen der Gründungsmitglieder (1981 aus dem Gründungsort Alexisbad nach Düsseldorf überführt), 1993 wurde in Alexisbad eine neue Gedenkstele aufgestellt.

Die Aufgaben, die sich der VDI gemäß seiner Satzung selbst stellt, sind Zusammenwirken aller Technikgestalter und sonstiger Gestalter menschlichen Schaffens mit dem Ziel des verantwortungsvollen Umgangs mit Technik, Förderung der technischen Wissenschaft und Forschung, Förderung des technischen Nachwuchses, technische Regelsetzung, Weiterbildung von Ingenieuren, Ermöglichung des Erfahrungsaustauschs und Schaffung von Prüfzeichen. Berufs- und standespolitische Zielsetzungen werden in der Satzung nicht aufgeführt.

Der VDI e. V. ist nach eigenen Angaben die größte Vereinigung von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern in Deutschland. Er vertritt seine Interessen in der nationalen Politik und agiert auch international bei transnationalen Dachverbänden wie FEANI oder der WFEO.

Die Mitglieder der VDI-Gruppe leisten technisch-wissenschaftliche Arbeit bei Standardisierungen und als Projektträger öffentlicher Forschungsförderung. Der Verein Deutscher Ingenieure e. V. betreibt nationale und internationale Interessenvertretung und hat sich deshalb u. a. in der Lobbyliste des Bundestages eintragen lassen.

Aktivitäten Förderung des technischen Nachwuchses Zur Förderung des technischen Nachwuchses existieren beim VDI verschiedene Netzwerke und Initiativen: Der VDIni-Club für Kinder ab vier Jahren, um Kinder für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern Die VDI-Zukunftspiloten für Jugendliche mit Interesse an MINT-Fächern Das Netzwerk Studenten und Jungingenieure für Studierende, Doktoranden und Berufseinsteiger

Arbeitskreis Frauen im Ingenieurberuf Der Arbeitskreis Frauen im Ingenieurberuf des VDIWebsite des Arbeitskreises Frauen im Ingenieurberuf. sieht sich als Vertreter der Interessen der Ingenieurinnen und Studentinnen in den Ingenieurwissenschaften in der Gesellschaft und in der Technik. Er unterhält nationale und internationale Kontakte zum Deutschen Ingenieurinnenbund, zur European Platform of Women Scientists, zu European Women in Mathematics, zum AKC der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, zu Women in Industrial Research, INWES und zum Center for Women and Information Technology. Der FIB ist in mehreren regionalen Arbeitskreisen innerhalb des VDI organisiert. Vorsitzende des Arbeitskreises ist Burghilde Wieneke-Toutaoui.

Bezirksvereine Um den Austausch der Ingenieure untereinander zu ermöglichen, wurden schon im Gründungsjahr die ersten fünf Bezirksvereine des VDI gegründet. Zu ihren Gründern gehörten diejenigen, die auch an der Gründung des VDI beteiligt waren. Zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins hatte sich die Anzahl der Bezirksvereine auf 26 erhöht. Bis 1910 war den VDI-Mitgliedern freigestellt, ob sie einem Bezirksverein angehören wollten oder nicht. Auf der in diesem Jahr stattfindenden Hauptversammlung in Danzig wurde beschlossen, dass die im Deutschen Reich wohnenden VDI-Mitglieder einem Bezirksverein anzugehören haben.

Aktuell gibt es 45 VDI-Bezirksvereine, die über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind. Die jeweiligen Vorsitzenden der Bezirksvereine sowie ein weiterer bevollmächtigter Vertreter gehören der Vorstandsversammlung des VDI an.

Regelsetzung mini|Ausschnitt aus der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure vom 25. Oktober 1884 mit der ersten VDI-Richtlinie

Mit aktuell über 2000 veröffentlichten VDI-Richtlinien ist der VDI drittgrößter technischer Regelsetzer in Deutschland. Jährlich kommen zwischen 220 und 240 neue Richtlinien hinzu oder werden aktualisiert. Hinzu kommen nationale und internationale Normen, die von den VDI-Fachgesellschaften Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) und Normenausschuss Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik (NALS) erarbeitet werden.

Die fachliche Arbeit an den technischen Regeln wird von ehrenamtlich für den VDI tätigen Experten interessierter Kreise geleistet. Im Gegensatz zum DIN werden Personen in die Richtlinienausschüsse aufgenommen, die auch bei einem Arbeitgeberwechsel dabeibleiben können. Beim DIN werden zumeist Firmen mit deren Vertretern geladen. Der Bezug der VDI-Richtlinien ist auch für VDI-Mitglieder kostenpflichtig, es wird jedoch ein Preisnachlass gewährt. An zahlreichen Hochschulstandorten können VDI-Richtlinien eingesehen werden.

Organisation Fachgesellschaften Für die fachliche Arbeit innerhalb des VDI sind (Stand 2025) 12 Fachgesellschaften mit 42 Fachbereichen zuständig:

Bauen und Gebäudetechnik Energie und Umwelt Fahrzeug- und Verkehrstechnik Materials Engineering Mess- und Automatisierungstechnik Mikroelektronik, Mikrosystem- und Feinwerktechnik Normenausschuss Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik Produkt- und Prozessgestaltung Produktion und Logistik Kommission Reinhaltung der Luft – Normenausschuss Technologies of Life Sciences Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen

Mess- und Automatisierungstechnik und Mikroelektronik, Mikrosystem- und Feinwerktechnik sind gemeinsame Fachgesellschaften von VDI und VDE, beim Normenausschuss Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik und der Kommission Reinhaltung der Luft erfolgt eine Zusammenarbeit von VDI und DIN.

VDI-Gruppe Die VDI-Unternehmensgruppe besteht aus acht privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen, die gewinnorientierte Ziele verfolgen, zwei eingetragenen Vereinen und einer gemeinnützigen GmbH: VDI e. V., 1856 gegründet VDI GmbH, hält die Beteiligungen an den Tochtergesellschaften der VDI-Gruppe und ist damit für die wirtschaftlichen Aktivitäten verantwortlich VDI Service GmbH, zentraler Dienstleister für das VDI-Haus am Standort Düsseldorf VDI Technologiezentrum GmbH, 1975 als Bereich des VDI e. V. gegründet und seit 2003 als GmbH firmierend, mit Standorten in Düsseldorf und Berlin vertreten VDI Wissensforum GmbH, im Oktober 1957 als VDI-Bildungswerk GmbH ins Handelsregister Düsseldorf eingetragen, 2001 in VDI Wissensforum umbenannt und 2004 aus dem VDI e. V. als GmbH ausgegliedert VDI Verlag GmbH, am 6. Oktober 1923 gegründet VDI Fachmedien GmbH & Co. KG, durch Umfirmierung aus dem Springer-VDI-Verlag entstanden, der ein Gemeinschaftsunternehmen vom VDI Verlag und Springer Nature war VDI/VDE Innovation + Technik GmbH VDI Versicherungsdienst GmbH VDI – GaraGe gemeinnützige GmbH, im September 2000 als Technologiezentrum für Jugendliche gegründet VDI Ingenieurhilfe e. V., 1894 gegründet, um in Not geratenen Ingenieuren oder deren Hinterbliebenen zu helfen

Geschichte mini|Mitglieder des A. V. HÜTTE Berlin im Leiterwagen auf der Fahrt nach Alexisbad zur Gründung des VDI am 12. Mai 1856

Die Wurzeln führen zurück auf das Jahr 1846 im Königlichen Gewerbeinstitut Berlin. Der Verein wurde am 12. Mai 1856 in Alexisbad (Harz) durch Mitglieder des Akademischen Vereins Hütte e. V. Berlin anlässlich eines Ausfluges zu seinem 10. Stiftungsfest gegründet. Der Auftrag an eine Kommission unter Leitung von Joseph Pützer zur Erstellung eines Entwurfs der Statuten für einen Verein Deutscher Ingenieure war bereits im Vorjahr erfolgt. Bereits im ersten Jahr konnten in Düsseldorf, Berlin, Aachen, Saarbrücken und Dortmund die ersten Bezirksvereine gegründet werden. Der jährliche Mitgliedsbeitrag betrug einheitlich fünf Taler zur Finanzierung von Verwaltung, Mitgliederzeitschrift und Bezirksvereinen. Zusätzlich war bei Eintritt in den Verein ein Entgelt von drei Talern zu entrichten.

Erster Vorsitzender wurde der Ingenieur Carl Friedrich Euler für die Jahre 1856 und 1857. Zu den weiteren Mitgliedern des ersten Vorstands zählten Franz Grashof, Richard Peters und Wilhelm Kankelwitz. 1857 erschien erstmals die Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure. Neben Berichten über Vereinsangelegenheiten enthielt sie auch technische Aufsätze. Auf der 4. VDI-Hauptversammlung, die im September 1861 in Bingen stattfand, wurde beschlossen, dass neben Bezirksvereinen auch Fachgruppen gebildet werden durften; so konnte im November 1861 der Technische Verein für Eisenhüttenwesen als Zweigverein dem VDI beitreten. 1866 initiierte der VDI die Gründung von Dampfkesselüberwachungsvereinen als Vorläufer der heutigen Technischen Überwachungsvereine (TÜV). 1869 veröffentlichte er das Normalprofilbuch für Walzeisen. Das erste deutsche Patentgesetz von 1877 wurde maßgeblich durch Vorarbeiten des VDI beeinflusst.

1884 wurde die erste VDI-Richtlinie veröffentlicht. Das vom VDI finanzierte Maschinendenkmal zur Erinnerung an die Inbetriebnahme der ersten deutschen Dampfmaschine wattscher Bauart wurde am 20. August 1890 eingeweiht. Am 12. Dezember 1891 erhielt der VDI aufgrund eines Erlasses des Königs von Preußen die Rechte einer juristischen Person. Am 28. August 1894 wurde die „Hilfskasse für deutsche Ingenieure“ – die Vorgängereinrichtung der VDI-Ingenieurhilfe e. V. – gegründet, um in Not geratene Ingenieure und deren Angehörige zu unterstützen. Ebenfalls 1894 wurde ein Grundstück erworben, auf dem erstmals ein vereinseigenes Haus errichtet wurde, das 1897 eingeweiht werden konnte.

Am 21. Dezember 1896 veröffentlichte der VDI einen Aufruf, der Ferdinand Graf von Zeppelins Pläne, ein Starrluftschiff zu konstruieren, protegierte. Vorher hatte eine VDI-Sachverständigenkommission die technische Durchführbarkeit dieses Projekts am 25. Oktober 1896 bestätigt. Unter den Technikwissenschaftlern der Kommission befanden sich Carl Busley, Heinrich Müller-Breslau, Carl von Bach, Adolf Slaby, Sebastian Finsterwalder, Theodor Peters und Carl von Linde. Nach der Havarie des Luftschiffs LZ 4 im Jahr 1908 spendete der VDI aus eigenen Mitteln 50.000 Mark zum Bau eines neuen Luftschiffs.

Die jahrzehntelangen Bemühungen des VDI, die Ingenieurwissenschaften als wissenschaftliche Disziplin zu etablieren, waren erfolgreich. Die Technischen Hochschulen erhielten ab 1899 das Promotionsrecht (Dr.-Ing.), gleichzeitig wurde der akademische Grad Diplom-Ingenieur eingeführt. 1900 wurde das Projekt eines Technolexikons gestartet, das alle Begriffe der Technik zur damaligen Zeit enthalten sollte, aber wegen des ausufernden Umfangs 1907 vom VDI-Direktorium eingestellt wurde.

Die VDI-Hauptversammlung 1903 in München gab den Anstoß zur Gründung des Deutschen Museums durch Oskar von Miller. 1916 gehörte der VDI zu den Gründern des Deutschen Verbandes Technisch-Wissenschaftlicher Vereine (DVT). Parallel zum Verein Deutscher Ingenieure wurde am 28. Juni 1909 der Verband Deutscher Diplom-Ingenieure e. V. (VDDI) als Dachverband der bestehenden Bezirksvereine für Diplom-Ingenieure gegründet. Hintergrund war, dass viele akademische Ingenieure sich vom VDI unzureichend vertreten fühlten. Dabei kam es auch zu Doppelmitgliedschaften. Der Vorsitzende des Berliner Bezirksvereins des VDI, Carl Fehlert, wurde auch Mitglied im Verband Deutscher Diplom-Ingenieure. 1917 war der VDI Mitbegründer des Normenausschusses der deutschen Industrie. Für die Einrichtung einer Geschäftsstelle des Normenausschusses steuerte der VDI ein Drittel der veranschlagten 150.000 Mark bei. 1921 erschienen erstmals die VDI nachrichten.