mini|300px|Blick über Meßstetten (2017) mini|hochkant|Wasserturm Rauer Bühl, ein Wahrzeichen Meßstettens. mini|Der Stausee Kohlstatt-Brunnenbach bei Oberdigisheim, Stadtteil von Meßstetten Meßstetten ist eine Stadt im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Geographie Geographische Lage Meßstetten liegt auf der Schwäbischen Alb am Heuberg in 710,2 (Austritt des Steinbachs aus dem Stadtgebiet) bis 988,0 Meter Höhe auf dem Weichenwang. Der Teilort Heinstetten ist mit 914 Meter der höchstgelegene Ort der Schwäbischen Alb. Die Stadt liegt gemessen an den Höhenlagen der Pfarrkirchen höher als Furtwangen im Schwarzwald, welches für sich beansprucht, die „höchst gelegene Stadt Baden-Württembergs“ zu sein. Meßstetten begnügt sich mit der Aussage, „eine der höchstgelegenen Städte in der Bundesrepublik Deutschland“ Stadt Meßstetten: Mit bis zu 989 Meter über dem Meeresspiegel ist Meßstetten eine der höchstgelegenen Städte in der Bundesrepublik Deutschland überhaupt. zu sein.
Stadtgliederung Nach Meßstetten eingemeindet wurden die ehemals selbständigen Gemeinden Hartheim, Heinstetten, Hossingen, Oberdigisheim, Tieringen und Unterdigisheim, die zusammen mit der früheren Gemeinde Meßstetten die Stadtteile der Stadt bilden. Zu den sieben Stadtteilen gehören die Kernstadt Meßstetten und 19 weitere Dörfer, Weiler, Höfe und (Einzel-)Häuser. Die vom Hauptort baulich getrennte ehemalige Militärsiedlung BuelochBueloch leo-bw.de zum Beispiel verfügt über Grundschule, Turnhalle, Kindergarten und ein Haus der Kirche,Da ist Psychologie im Spiel, Artikel über das Haus der Kirche in Bueloch von Karina Eyrich im Schwarzwälder Boten vom 6. August 2019 ist aber als derartige Siedlung dennoch kein offizieller Stadtteil, sondern lediglich einer der 18 Wohnplätze der Stadt.
Außer im Stadtteil Meßstetten sind in allen übrigen sechs Stadtteilen Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.
Im Stadtgebiet liegen mehrere abgegangene, heute nicht mehr bestehende Ortschaften. Im Osten des Stadtteils Hossingen lag der um 1800 erbaute und 1918 abgebrochene Riedhof. Im Stadtteil Meßstetten bestand auf dem Schlossberg im Truppenübungsplatz eine Burg samt Wirtschaftshof. Im Truppenübungsplatz befindet sich bei der Dreibannmarke ein historischer Lagerplatz fahrender Händler, Fuhrmänner und Handwerker. Mit Raffinesse gelang es, zwischen den bis 1835 bestehenden Zollgrenzen einen Vorteil zu finden. Nach der Inbetriebnahme der Schießbahnen wurde bis zum Völkermord an den Sinti und Roma eine Wiese am Rand des Sperrgebiets als Lagerplatz zugewiesen. Die 1600 genannte Flur Freithof und der Kirchlesfels deutet auf eine abgegangene Ortschaft hin, ebenso Immishofen, ein Hof in der Eichhalde, das vermutlich bis ins 15. Jahrhundert bestand und 1496 als Flurname belegt ist. Im Stadtteil Oberdigisheim liegen die Wüstungen Ägelkofen und der Weiler Geyerbad (Schwefelbad). Ägelkofen wurde 1253 genannt und bestand bereits im 14. Jahrhundert nicht mehr. Nördlich des Wolfenhofs im Stadtteil Unterdigisheim bestand der 1654 als Beyrental erwähnte Ort Beuren.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 231–235. Unterdigisheim liegt südwestlich von Meßstetten und hat etwa 650 Einwohner.
Schutzgebiete
mini|Naturschutzgebiet Hülenbuchwiesen Auf dem Meßstettener Stadtgebiet liegen insgesamt fünf Naturschutzgebiete. Das Naturschutzgebiet Heimberg liegt an einem Hang oberhalb von Unterdigisheim, das Naturschutzgebiet Scheibhalden östlich von Oberdigisheim. Im äußersten Norden der Tieringer Gemarkung liegen die Hülenbuchwiesen und direkt angrenzend das Naturschutzgebiet Untereck. Ebenfalls auf Tieringer Gemarkung, jedoch im Westen, liegt das Naturschutzgebiet Stromelsberg-Hessenbühl. Nahezu die gesamte Gemeindefläche ist Bestandteil des Landschaftsschutzgebiets Großer Heuberg. Hiervon sind lediglich die besiedelten Bereiche, die Naturschutzgebiete und der Truppenübungsplatz Heuberg ausgenommen.
Meßstetten hat Anteil an den zwei FFH-Gebieten Östlicher Großer Heuberg und Truppenübungsplatz Heuberg. Die Stadt hat außerdem Anteile am Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.
Das gesamte Stadtgebiet abzüglich der Fläche des Truppenübungsplatzes gehört außerdem zum Naturpark Obere Donau.
Geschichte Vorgeschichte Das Gebiet des heutigen Meßstetten war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Funde aus dem hohlen Fels im Truppenübungsplatz Heuberg liegen vor. Der Grund hierfür könnte der sehr alte Verbindungsweg Bschorner Weg sein, der vom Schmiechatal über die Burg Meßstetten ins Donautal führte.Jürgen Scheff: Vor- und Frühgeschichte der Ebinger Alb. Ebingen 1987. Die früheste der nachgewiesenen Siedlungen lag auf dem Lochen und stammt aus dem 9. Jahrhundert v. Chr., als Kelten vermehrt die Schwäbische Alb besiedelten. Keltische Grabhügel wurden in den Fluren Weichenwang, Wangen, Frankenreis und Hofen erforscht.
Antike Durch die römischen Eroberungen im Süden des heutigen Deutschlands, die im Jahre 15 v. Chr. begannen, kam es zur Unterwerfung der Kelten durch die Römer.Bestand E258 VI Bü 689 auf Landesarchiv-BW.de Aus dieser Zeit sind mehrere Funde, darunter bei der keltischen Burg Gräbelesberg, und Straßenbauten dokumentiert. Meßstetten befand sich im Römischen Reich im vom Kastell Lautlingen geschützten Hinterland des Alblimes. Im Gebiet der Stadt Meßstetten ließ Pfarrer Alfred Ludwig Oetinger (von 1856 bis 1868 Pfarrer in Meßstetten und Hossingen) zunächst auf eigene Rechnung, später auf Rechnung der Staatssammlung vaterländischer Alterthümer umfangreiche Grabungen durchführen.Alfred Ludwig Oetinger: Mittheilungen über die Untersuchung …. In Digi UB Uni Heidelberg von 1875, Band 2, S. 38–52. Die umfangreichen Funde von Grabbeigaben deuten auf eine frühe Besiedlung der Region durch die Kelten hin. Demnach bestand eine Siedlung mit Holzhäusern die terrassenförmig in den Felsen eingetieft waren. Eine solche Siedlung könnte beim Schreifels gelegen haben. Auch die Heuneburg und eine Quelle in Egesheim liefern reichhaltige Funde. Ein hunnischer Metallspiegel wurde aus einer außergewöhnlichen Metalllegierung gefertigt (59 % Kupfer, 40 % Zinn, 1 % Blei). Auf dem Gräbelesberg und am Meßstetter Talbach in Lautlingen wurden entsprechende Werkstätten nachgewiesen.Georg Schmitt: Die Alamannen im Zollernalbkreis (. PDF, 5,8 MB). Inauguraldissertation Uni Mainz 1989, S. 152, 157Raubgrabung
Mittelalter Im Jahre 854 wird Meßstetten erstmals in einer Schenkungsurkunde eines hohen fränkischen Adligen namens Adelhard urkundlich erwähnt. Meßstetten war Durchgangs- und Siedlungsraum von Kelten und Römern, bis die Alamannen nach 260 in die Gegend eindrangen.
Der Teilname „-stetten“ deutet auf die alamannische Besiedlung hin. Wahrscheinlich sind die „stetten“-Orte auf dem Heuberg – wie Meßstetten, Heinstetten, Stetten am kalten Markt und Frohnstetten – von Ebingen aus als Hirtensiedlungen im 4. Jahrhundert gegründet worden. Im Ortskern von Meßstetten hat der Meßstetter Ortspfarrer Oetinger drei Alemannen-Friedhöfe in den Jahren von 1864 bis 1867 erforscht.
Meßstetten gehörte im frühen Mittelalter zum Scherragau, der Name Scherra bedeutet Felsen. Dessen größter Teil befand sich im 12. Jahrhundert im Besitz der Grafen von Hohenberg, die auch Ortsherren von Meßstetten und einiger heutiger Stadtteile waren. Die Herren von Meßstetten waren ein niederadliges Dienstmannengeschlecht und hatten ihren Sitz auf einer Burg. In Meßstetten gab es früher mehrere Burgen und Wohntürme. Lokalisiert sind vier größere Burgställe am historischen Bschorner Weg ins Donautal im Sperrgebiet mit der Burg Meßstetten, die Wasserburg in Oberdigisheim, die Burg in Tieringen und an der Burgsteige in Richtung Unterdigisheim mit der Burg Hossingen auf Gemarkung Hossingen.
Der heutige Ortsteil Unterdigisheim war Teil der Herrschaft Werenwag, die ebenfalls zur Grafschaft Hohenberg gehörte.
Ebenso wie die Herren von Hohenstetten (Heinstetten) sind die Herren von Meßstetten im 13. Jahrhundert nach Ebingen abgewandert, um in der jungen Stadt eine militärische Führungsschicht zu bilden. Ihr Wappen, ein silberner Becher auf rotem Grund, ist das heutige Ortswappen von Meßstetten. Noch 1376 wurde es vom Ebinger Schultheiß „Hans von Meßstetten“ geführt.Bestand A602 Nr6601 =WR 6601 auf Landesarchiv-BW.de
In kirchlicher Hinsicht gehörte der Heuberg zur St. Martins-Pfarrgemeinde in Ebingen und zur Friedhofskirche in Nusplingen, bis Meßstetten eine Kirche erhielt.Bestand Ho156 Nr18 auf Landesarchiv-BW.de Die St. Lamprechts-Kirche wurde 1275 erstmals erwähnt. 1360 stiften die Tierberger eine Jahrzeit in der Kirche St. Lamprecht zu Meßstetten, in deren Krypta etliche Tierberger begraben sind.
Im 14. Jahrhundert wurden noch drei weitere Altäre mit je einem Kaplan gestiftet. Die Pfarrei war zudem noch mit den Patronatsrechten von Meßstetten und Frohnstetten ausgestattet und bildete mit seinen vier Geistlichen 1354 ein kleines Chorherrenstift.Bestand A 602 6741 = WR 6741 auf Landesarchiv-BW.de Georg von Werenwag trat am 14. Oktober 1477 Zehnte in Meßstetten an das Kloster Beuron ab. 1557 werden in den Nusplinger Filialorten Hartheim und Unterdigisheim eigenständige Kirchen errichtet.
Um 1300 besitzt Graf Friederich von Zollern Land und Leibeigene in Meßstetten.Bestand Ho156 T1 Nr3 auf Landesarchiv-BW.de
Graf Heinrich von Hohenberg verkaufte im Jahr 1347 das Dorf an Heinrich von Tierberg, der mit dem gleichzeitig erworbenen Hossingen, dem bereits 1345 ebenfalls von Hohenberg gekauften Tieringen und dem Einzelbesitz in anderen Orten eine eigene Herrschaft Meßstetten bildete. 1370 kam die Herrschaft Meßstetten an die Wildentierberger Linie.
Durch die Heirat einer Wildentierberger Tochter Anna von der Wildentierberg mit Conrad von Hölnstein kam die Herrschaft Meßstetten an diesen. Die drei Linien der Tierberger starben im 14. und 15. Jahrhundert aus und der Ehemann der letzten Erbtochter, Konrad von Hölnstein, verkaufte 1418 die Herrschaft Meßstetten an Württemberg. Das vereinigte sie mit der 1403 erworbenen Herrschaft Schalksburg zum Amt Balingen.Verkaufsurkunde der Herrschaft Schalksburg vom 3. November 1403 auf Wikisource
Württembergische Zeit Finanzielle Schwierigkeiten des Grafen Ulrich V. von Württemberg führten dazu, dass er 1461 Meßstetten, Tieringen, Oberdigisheim und Hossingen für 17.500 Gulden an Wolf von Bubenhofen verpfändete. mini|Bauernjörg am 29. Februar 1525 mit einem Heer im Bäratal in Meßstetten, Holzschnitt H. Burgmair d. Ä. Meßstetter Bauern waren am Bauernkrieg beteiligt.Bestand A44 U96 auf Landesarchiv-BW.de Der Pfarrer von Oberdigisheim galt als einer der Anführer. Gleich zu Anfang des Jahres plünderten die Aufständischen die Schalksburg. Das Abzeichen der Bauern um Balingen war eine schwarz-rote Fahne mit weißem Kreuz. Im Bauernkrieg wurde die Burg in Hossingen laut mündlicher Überlieferung beschädigt. Als Herzog Ulrich gegen Balingen gezogen war, hatte sich ihm auch Germanus Kopp, Priester und Kaplan zu Meßstetten, angeschlossen. Am 29. Februar 1525 erreichten die Soldaten vom Bauernjörg über Meßstetten im Bäratal den Lochenpass. Unterhalb der Lochen kam es zu Kämpfen.
Als Herzog Ulrich von Württemberg 1534 in der Schlacht bei Lauffen am Neckar sein Land zurückerobert hatte, führte er noch im gleichen Jahr im ganzen Herzogtum die Reformation ein. Damit änderte sich auch in Meßstetten vieles. Die Kaplaneien wurden aufgehoben, die Patronatsrechte fielen dem Herzog zu. Das große Vermögen des Stifts kam, wie alle Kirchengüter, an die württembergisch geistliche Verwaltung in Balingen. Obwohl Hossingen als Filiale dazu kam, verlor die Pfarrei ihre Bedeutung.