Emder Mühlen sind historische Windmühlen im Stadtgebiet von Emden.
Geschichte Die Zunahme der Bevölkerung in der Mitte des 16. Jahrhunderts ging einher mit dem Neubau einiger Bockwindmühlen. Die reformierten Holländer, die während der Religionskriege im 17. Jahrhundert mit ihren Familien aus Brabant und Flandern vertrieben wurden, brachten der Stadt einen erheblichen Aufschwung. Emden glich einer holländischen See- und Handelsstadt mit vielen hohen Packhäusern, Kontoren und Häusern der wohlhabenden Kaufleute. Ein weiteres Zeichen war die Einrichtung der vielen neuen Märkte und Waagen im Land. Der Aufschwung und die Macht Emdens war ebenfalls am neuen Rathaus (1574/1576) erkennbar. In der Stadt Emden wurden allein in dem Zeitraum von 1550 bis 1600 etwa zehn Windmühlen vor allem Mahlmühlen erbaut, um die Versorgung mit Mehl für die Bevölkerung sicherzustellen. Die Errichtung und Verpachtung der Mühlen sowie die Vergabe der Windrechte waren ein Privileg der Stadt Emden. Mit der Rückwanderung der Niederländer war auch die eigentliche Blüte (von 1569 bis 1599) der Stadt Emden zu Ende.
Die Windmühlen waren Zweckbauten und sind heute Denkmäler der Technik, der Kultur und der Sozialgeschichte. Die Umstrukturierung in der Landwirtschaft hat nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich zu dem Mühlensterben geführt, von dem der gesamte Landstrich betroffen war. Hinzu kam der vermehrte Druck der modernen Großmühlen, die ihre Kunden preisgünstiger als die Windmüller mit Mehl in gleich bleibender Güte beliefern konnten. Nur wenige dieser übrig gebliebenen Mühlen sind heute noch voll funktionsfähig.
Bereits auf den ältesten Stadtplänen der Stadt Emden sind Windmühlen verzeichnet, so auf dem Plan vor der Erbauung des neuen Emder Rathauses, gestochen von Braun und Hogenberg gegen 1570, mit dem Titel: „Embdena, Embden, vrbs Frisiae orientalis primaria.“ Auf diesem Blatt sind bereits drei Ständer- oder Bockwindmühlen ersichtlich. Ein weiterer Plan von Braun und Hogenberg mit dem gleichen Titel, gestochen 1595, zeigt eine weitere Mühle auf dem Gelben Mühlen Zwinger. Eine weit größere Anzahl von Bockwindmühlen, insgesamt neun, sind auf dem Stadtplan aus dem Jahre 1599 mit der Jahreszahl 1619, von Peter Bast aus Antwerpen gestochen, eingetragen.
Weitere Windmühlen waren auf den Stadtplänen des 17. Jahrhunderts auf den Bastionen des Walles ersichtlich, so auf dem Plan der Stadt Emden nach der Einbeziehung der Vorstädte in die Stadtbefestigung von 1615 bis 1635 oder auf dem Plan der Stadt von Nicolaus Geelkerek von 1616. Urkundlich konnte das Vorhandensein der Mühlen auf den Zwingern des neuen Stadtwalls zu dieser Zeit jedoch nicht belegt werden. Aufschlussreicher war der Aufriss der Befestigungsanlagen der Stadt, verfasst von dem Festungsbaumeister Gerhart Evert Pilooth vom 22. Januar 1615 mit dem Titel: „Annotitie des ausgelechten Werkes.“ Dieser Plan befindet sich im „Trifolium aureum“ der Stadt Emden unter Nr. 24. Mühlen wurden von ihm auf den neuen Festungsbastionen der einbezogenen Vorstädte nicht eingezeichnet, jedoch konnte mit diesem Plan die Lage urkundlich erwähnter Mühlen bestätigt werden.
Neben den zahlreichen Urkunden war auch von wesentlicher Bedeutung bei der Suche von Windmühlen der „Plan der Stadt Emden“ von H. G. Oosterloo aus dem Jahre 1852. In dem dazugehörenden Verzeichnis war jede damals vorhandene bzw. abgebrochene Windmühle unter Wyk, Companie und Nummer eingetragen.
Windmühle vor der Burg mini|300px|Emdem um 1575Zwei Mühlen rechts auf dem Wall Die urkundliche Erwähnung von Windmühlen in Emden setzte verhältnismäßig früh ein. Die älteste im Stadtgebiet Emden schriftlich erwähnte Mühle findet sich in Friedländers „Ostfriesischem Urkundenbuch“, Urkunde 509 vom 28. Juli 1431. Bei dieser Urkunde handelt es sich um eine Quittung der Häuptlinge Edzard und Ulrich, in der unter anderem erwähnt wird, dass sie von den Hamburgern neben dem Schloss und der Stadt Emden „twintich smale tunnen rogghen, veer unde dertich smale tunnen vul meels, dorteyn melke koye, twe winden to den armborsten unde ene windmolen myd erer tobehoringhe vor der borgh“ erhalten haben. Wo diese Mühle gestanden hat, ist nicht feststellbar, da darüber keine weiteren Urkunden gefunden wurden. Im Text der genannten Urkunde wird die Mühle „vor der borgh“ erwähnt, also nördlich der Burg. Die Mühle lag des freien Windes wegen wahrscheinlich entweder auf dem Larrelter Deich, dem Mittelwall, dem späteren Kattewall. Eggerik Beninga führt in der „Cronica der Fresen“, Band 1, unter den Auricher Handschriften die Urkunde Nr. 358 b aus dem Jahre 1466 auf und er erwähnt eine Mühle in Emden: „In dussen jaere is ock de molen avor de borch Embden gestiftet und gebuwet.“ Weiter berichtet Houtrouw in seinem Buch Ostfriesland, dass jede der Bastionen eine Windmühle trägt, nach deren Namen diese zum Teil benannt worden sind und deren vielleicht älteste schon von Ulrich Cirksena nahe der Burg erbaut worden ist. Sie bildeten bei einer Belagerung naturgemäß die erste Zielscheibe des Feindes, der den Belagerten die Mehlzubereitung unmöglich machen wollte. Zu diesem Zweck wurden einige eiserne Handmühlen bereitgehalten, von der noch eine auf der Rüstkammer zu sehen war.
Larrelter Mühle mini|Larrelter Windmühle (2023) Die Larrelter Mühle im Stadtteil Larrelt wurde 1732 gebaut. Sie trägt den Namen "Kost Winning". Anfangs war sie ein Jalousieflügler, wurde aber später aus finanziellen Gründen vom Müller zum Segelflügler umgerüstet. Schon damals hatte die Mühle eine Windrose und war damit ihrer Zeit voraus.
Drei Jahre nach der Fertigstellung kam es zu einem Konflikt mit den Müllern umliegender Dörfer, weil Müller Weyen zu Larrelt Getreide von Dorfschiffern am Larrelter Tief mitbringen ließ und mahlte. Die Müller aus Groothusen, Hamswehrum, Upleward, Campen Rysum und Loquard beschwerten sich am 9. November 1735 bei der Regierung in Aurich; unterschrieben hatte die Beschwerde der Erbpachtmüller Menke Harms aus Groothusen. Die Müller setzten sich durch. Die Regierung verhängte am 24. Februar 1736 ein Verbot; der Müller durfte nur noch für Larrelt, Twixhum, Wybelsum und Logumer Vorwerk mahlen. Auch die Müllerwitwe Greetje Coorts verstieß gegen die Anordnung, sie musste 1787 zehn Reichstaler Strafe zahlen. Sanktioniert wurde ebenso der Müller Jan Harms, an den sie die Mühle verpachtet hatte.
1804 gehörte die Mühle dem Müller Willem Cordes Mülder, der sie seinen Kindern hinterließ. 1831 ging sie an die Kaufleute Cremer und Focken aus Leer. 1845 wurde sie versteigert. Der Vater des letzten Müllers Geriet Dupree ließ 1905 einen Sauggasmotor einbauen. Bis 1948 wurde mit Wind gemahlen. 1974 wechselte die Mühle erneut den Besitz, der Käufer war Horst Voigt. Das Mahlen wurde eingestellt.
1978 ging die Mühle in den Besitz der Stadt Emden über. Die Mühle war im Laufe der Zeit verfallen, 1990 bereitete die Stadt die ersten Schritte für den Abriss vor. Bürger begannen jedoch damit, die Mühle zu restaurieren. Als die Stadt bereit war zum Abriss, stand die Mühle bereits zur Hälfte wieder. Von da an unterstützte die Stadt die Mühle finanziell. Die letzten Teile wurden 1992 angebracht. 1996 wurde die Mühle saniert mit wiederaufgebautem Mahlgang. Sie erhielt neue Flügel und eine neue Windrose.
Ende 2014 erhielt die Mühle ein neues Paar Flügel, die mit Spenden finanziert wurden. Die neuen Stahlflügel sind leichter, robuster und durch heutige Kenntnisse besser geformt worden als die alten, die ein Jahr zuvor wegen Fäulnisschäden vor einem Sturm abgenommen werden mussten.
„De goede Verwagting“, Windmühle auf dem Kattewall Im Jahre 1801 wurde anstelle der früheren sogenannten „Kleinen Mühle“ auf dem Kattewall eine neue Mühle aufgebaut. Die ältere Mühle hatte an dieser Stelle bereits bedeutend früher gestanden, denn am 17. Oktober 1533 bekannte Enno, Graf zu Ostfriesland, Folgendes: „Nachdem wir zu unsrer Stadt Embden nottruft die Molen, so Wolter Müller tho Lutke Borsum gehet, bynnen Embden to setten befohlen, haben wir ihm de platse by unserm Schathuß up dem Wall by das Rundeel, dazu den Wind zu der Molen gnädiglich geschenkt.“
Am 25. November 1533 bekam er Geld zum Bau der Mühle. Johann Bullich erhielt am 16. Januar 1568 die Genehmigung von Gräfin Anna, seine vom Winde umgeworfene Mühle „achter dem Schathuse up dem Bolwerk wieder aufzuzimmern.“
In späteren Jahren wird die Mühle noch häufiger erwähnt, so auch in einem Gesuch des Müllers Albert Houkes, welcher schrieb, die Mühle sei „am 21. April 1625 durch die gewaltige Hand des Allerhöchsten dermaßen verletzt und niedergeschlagen“, dass er sie lange Zeit nicht hat gebrauchen können. Am 15. Juni 1799 erwarb die vereinigte Mühlensozietät die „Kleine Mühle“ von Wilt Gerdes Vietor für 13.000 Gulden in Gold. Die oben erwähnten Standorte werden lagemäßig mit der späteren Windmühle „De goede Verwagtigt“ identisch sein, denn am 1. Dezember 1810 brannte die vorhandene Mühle ab. Sie wurde bald danach als Holländerwindmühle wiederaufgebaut und erhielt den Namen „De goede Verwagting.“ Im Adressbuch von 1877/1878 wurde in der Mühlenwarf Nr. 3 der Kornmüller Jan H. Ulferts aufgeführt.
In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 1888 fiel die Mühle erneut einem Brand zum Opfer und wurde 1889 von dem Mühlenbauzimmermeister Jürgen Mönck aus Großefehn wieder aufgebaut. Nachdem die Flügel im Jahre 1923 durch den Müller Hinrikus Pannenborg herunter genommen worden sind, steht nur noch der Mühlenstumpf nebst Achtkant und Kappe. Am 6. September 1944 ging die Mühle, wie auch die anderen Gebäude in der näheren Umgebung, bei einem Luftangriff verloren. Im Jahre 1955 wurde der steinerne Achtkant abgebrochen, so dass der alte Mühlenstandort, nachdem auch das Nebengebäude mit dem Schlussstein im Fenstersturz „De Bakker Ambts Rogge Molen“ 2003 abgebrochen wurde, heute nicht mehr erkennbar ist.
„De groote Pelmölen“ auf der Katte Im Verzeichnis zum Plan der Stadt Emden von H. G. van Oosterloo aus dem Jahre 1852 wurde der erste Hinweis auf die große Peldemühle gefunden, welche in der Wyk 3a unter der Companie 10 Nr. 37 verzeichnet ist.
Die Große Peldemühle lag an der Katte auf einem Hügel des Walles zwischen dem Alten Graben und dem Meister Geerds Zwinger. Am Fuße dieses Hügels befindet sich heute die Wallbrücke über den Alten Graben an der Abdenastraße. Die Erbauer der Mühle haben am 14. März 1698 zum ersten Male von der Stadt Emden eine Octroy auf 25 Jahre erhalten, die vom Bürgermeister und Rat der Stadt Emden im Jahre 1721 verlängert wurde. Der Vertrag vom 14. März 1698 ist nicht auffindbar, jedoch sind die Namen der Privilegierten bekannt: Commys Swaert, Warner Scholten, Jakob Kop, Jan Tobias und Engebert Bartholomäus. Im Jahre 1721 erteilte die Stadt Emden erneut eine Octroy, die wieder auf 25 Jahre vergeben wurde.
Die Octroy war für zwei Windmühlen ausgestellt worden, und zwar für die Wallmühle und die Kleine Peldemühle („De goede Verwagting“), die am Kattewall stand. Die auf dem Stadtwall stehende Bockwindmühle, die Große Peldemühle, brannte 1735 ab. Im gleichen Jahr, am 6. Juli 1735, und am 15. April 1771 wurde die bestehende Pacht erneuert bzw. verlängert.
Verschiedene Pächter haben nach 1735 versucht, die Mühle wirtschaftlich zu betreiben. So auch der Pächter Weyen, der die Mühle nach kurzer Zeit wieder verließ, da er nur wenig Getreide zu mahlen hatte, obwohl die Große Peldemühle verkehrsgünstig am Alten Graben lag. Nur bei dieser Mühle in der Stadt bestand die Möglichkeit, das Getreide direkt vom Schiff zur Mühle und umgekehrt zu bringen. Auch die nachfolgenden Müller beklagten sich über den schlechten baulichen Zustand sowie die Auftragslage.
Ein schweres Unwetter mit Gewitter, welches über Emden am 10. August 1868 niederging, führte zum Mühlenbrand, der nicht gelöscht werden konnte, die Mühle wurde danach nicht wieder aufgebaut.