Die Neue Klasse (interne Modellbezeichnung) 115 (1500), 116 (1600), 118 (1800), 120 (2000 Coupé), 121 (2000) war eine Baureihe des Automobilherstellers BMW und füllte die große Lücke zwischen 700 und „Barockengel“. Unterschiedlichen Quellen zufolge wird die „Neue Klasse“ der oberen MittelklasseWolfram Nickel/SP-X: Tradition: 50 Jahre BMW 2000 (E120) - Mit Bayern-Power und Breitbandflutern. In: motorzeitung.de. 4. Oktober 2016. oder auch der MittelklasseVanessa Reiber: BMW Neue Klasse: Lückenfüller als Retter. In: Oldtimer Markt. 20. September 2021. zugerechnet.

Die „Neue Klasse“ wurde von Sommer 1962 bis Frühjahr 1972 hergestellt und danach von der ersten Generation des BMW 5er (E12) abgelöst. 2023 wurde in Analogie der Begriff „Neue Klasse“ von BMW für eine neue elektrische Plattform eingeführt; ähnlich benannte Konzeptfahrzeuge (Vision Neue Klasse und Vision Neue Klasse X) wurden im Sommer 2023 bzw. im Frühjahr 2024 vorgestellt. Das erste Serienmodell auf dieser Basis wurde mit dem BMW iX3 (NA5) im Vorfeld der IAA 2025 präsentiert.

Neue Klasse Limousine mini|BMW 1500 mini|Montage BMW 1800 und 2000 im Werk München BMW 1500 1961 wurde die Stufenhecklimousine BMW 1500 (BMW-interne Bezeichnung: Typ 115) auf der IAA vorgestellt und von Fachpresse und Publikum begeistert aufgenommen. Die Karosserie entstand im eigenen Haus unter Wilhelm Hofmeister, damals Leiter der Abteilung Karosserieentwicklung. Giovanni Michelotti – der an der Karosseriegestaltung des BMW 700 mitgewirkt hatte – übte nur eine beratende Funktion aus. Das Auto hatte einen 1,5-Liter-Vierzylindermotor mit obenliegender Nockenwelle und 59 kW (80 PS), die erste Version des von Alexander von Falkenhausen konstruierten BMW-M10-Motors. Der M10-Motor wurde noch bis 1988 im BMW 316/318 der 3er Reihe verwendet. Der Wagen lief 150 km/h Spitze und beschleunigte bei 1050 kg Leergewicht in 16 s auf 100 km/h. Der Tankinhalt betrug 53 Liter – der Verbrauch lag bei 10 l/100 km. Bemerkenswert war die trotz großer Nennleistung gute Elastizität des Motors, der sich aus 25 km/h heraus im größten Gang ruckfrei beschleunigen ließ.Mittelwagen von BMW. In: Kraftfahrzeugtechnik, 12/1961, S. 510/511. Eine Besonderheit des Fahrzeugs waren Drei-Kammer-Rückleuchten, bei denen Schlusslicht (nicht Bremsleuchte, was seinerzeit durchaus üblich war) und Fahrtrichtungsanzeiger in derselben (unteren) Kammer untergebracht waren.

Im August 1962 lief der erste BMW 1500 vom Band. Auf der IAA 1961 wurde der Einstandspreis noch mit 8.500 DM angegeben. Dieser Preis ließ sich aber nicht verwirklichen und so betrug der offizielle Verkaufspreis des viertürigen Wagens 9.485 DM, was unter Berücksichtigung der Inflation einer heutigen Kaufkraft von etwa  Euro entspricht.Dieser Betrag wurde mit der Vorlage Inflation ermittelt, auf 100 Euro gerundet und bezieht sich auf Januar . Bis Dezember 1964 wurden 23.807 Stück produziert – 1991 waren nur noch 78 Fahrzeuge des Typs BMW 1500 beim Kraftfahrt-Bundesamt gemeldet.Die aufgeführte Zulassungszahl wurde beim Kraftfahrt-Bundesamt abgefragt und beinhaltet alle zugelassenen bzw. nicht länger als ein Jahr stillgelegten Exemplare in der Bundesrepublik Deutschland. Stichtag 1. Juli 1991.

BMW 1600 Im März 1964 wurde der BMW 1500 durch den BMW 1600 (Typ 116) mit einem 1,6-Liter-Motor und 61 kW (83 PS) ergänzt, wobei die Produktion des BMW 1500 Ende 1964 auslief. Der BMW 1600 wurde bis April 1966 produziert. Zum 50-jährigen Jubiläum der Bayerischen Motoren Werke wurde auf dem Genfer Auto-Salon im März 1966 der zweitürige und kompaktere BMW 1600 vorgestellt. Um eine Verwechslung mit dem viertürigen BMW 1600 zu vermeiden, wurde die Bezeichnung inoffiziell um ein „-2“ ergänzt. Der BMW 1600-2 begründete die eigenständige BMW-02-Serie (Baureihe 114) und erhielt ab 1971 die Bezeichnung 1602.

BMW 1800 mini|BMW 1800 ab 1963 und bis 1970 ohne größere Rückleuchten 1963 kam der BMW 1800 (Typ 118) mit einem auf 1,8 Liter vergrößerten Motor mit 66 kW (90 PS) hinzu, auch in der sportlichen Variante BMW 1800 TI (Turismo Internazionale) mit einer auf 81 kW (110 PS) gesteigerten Motorleistung. Der 1800er Motor baute auf den Qualitäten des 1500er Aggregats auf, die durch bessere Verwirbelung des Kraftstoff-Luft-Gemisches weiter gesteigert wurden. Wiederum ergab sich eine für damalige Verhältnisse ausgesprochen günstig verlaufende Leistungs- und Drehmomentkurve bei relativ geringem Kraftstoffverbrauch (sofern ein Fallstromvergaser Verwendung fand).Mehr Dynamik für Mittelwagen In: Kraftfahrzeugtechnik, 8/1964, S. 300/301. Die deutlich höhere Motorleistung des 1800 TI (Turismo Internazionale) erreichten die Ingenieure durch zwei Solex-Horizontal-Doppelvergaser und Erhöhung der Verdichtung auf 9,5 : 1.

Ab 1968 gab es einen neuen, auf dem Motorblock des BMW 2000 basierenden Motor mit wesentlich kürzerem Hub. Maximalleistung und maximales Drehmoment veränderten sich zwar nicht, der Drehmomentverlauf fiel aber noch günstiger aus als zuvor. Gleichzeitig wurde das Äußere, vor allem die Bugpartie, leicht modifiziert; größere und breitere 14"-Reifen wurden verwendet und die Instrumententafel samt Dreispeichenlenkrad neu gestaltet. Zudem wurden die Hinterradaufhängung und Bremsanlage verbessert (Bremskraftverstärker; Zweikreisbremse mit HT-Aufteilung und 4 Bremszylindern vorn) sowie je zwei homokinetische Gelenke an den Antriebswellen eingeführt.Modifizierte BMW-Mittelwagen. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1968, S. 348.

Der BMW 1800 mit Rundscheinwerfern wurde 1970 durch den BMW 2000 1,8 L ersetzt und bekam die Optik des 2000er Modells mit breiten rechteckigen Scheinwerfern sowie den größeren Rückleuchten. mini|BMW 1800 TI/SA 1965 wurde neben den Standardtypen das Sondermodell BMW 1800 TI/SA (SA=Sonderausführung) in 200 Einheiten als Homologationswagen für den Motorsport gefertigt. Das Fahrzeug erhielten ausschließlich lizenzierte Renn- und Sportfahrer in Europa und den USA. Technisch zeichnet sich der BMW 1800 TI/SA durch folgende Änderungen aus: umfangreiche Modifikationen am Motor (größere Ventile, 300°-Nockenwelle, zwei Weber-Doppelvergaser, Verdichtung 10,5 : 1, Kurbelwelle mit 8 Gegengewichten, damit „mindestens“ 130 PS bei 6100 min−1), Höchstgeschwindigkeit über 180 km/h (Testwert ams 24/1964: 192 km/h), Federbeine vorn mit vergrößerten Lagern und Naben sowie vergrößerten Bremsscheiben, stärkere Stabilisatoren vorn und hinten, Fünfganggetriebe und eine direktere Lenkübersetzung. Äußerlich gleicht der BMW 1800 TI/SA weitgehend dem 1800 TI, so ziert ihn auch nur das Typenschild des BMW 1800 TI. Im Innenraum ist der TI/SA an speziellen Schalensitzen des Typs Restall-Masterfit, einem großen vorstehenden Drehzahlmesser und einem speziellen Holzlenkrad zu erkennen.

BMW 2000 TI/tilux/tii mini|BMW 2000 ab 1966 Sechs Monate nach der Präsentation des Coupés BMW 2000 CA (Typ 120) erschien Anfang 1966 die viertürige Limousine BMW 2000 (Typ 121) mit gegenüber dem BMW 1800 leicht veränderter Form: Statt einfacher Rundscheinwerfer gab es breitere, rechteckige Scheinwerfer, ebenso größere Rückleuchten. Das Fahrwerk war die verstärkte, bereits beim 2000 Coupé verwendete Ausführung.BMW 2000 und 2000 TI. In: Kraftfahrzeugtechnik. 5/1966, S. 186.

Ab Mitte 1966 gab es auch eine sportlichere Variante BMW 2000 TI mit zwei Doppelvergasern und 120 PS (88 kW), die allerdings wie der BMW 1800 TI Rundscheinwerfer und schmale Heckleuchten hatte, und eine luxuriöser ausgestattete Variante BMW 2000 TI-lux (später „tilux“) mit dem gleichen Motor, aber der Karosserie des BMW 2000 mit Rechteckscheinwerfern.BMW 2000 tilux In: Kraftfahrzeugtechnik. 9/1966, S. 355 1968 gab es verschiedene Verbesserungen am Fahrwerk, siehe BMW 1800. Der BMW 2000 tilux wurde Ende 1969 durch den 2000 tii abgelöst. Dessen Motor leistete 130 PS (96 kW) und war der erste BMW-Motor mit Saugrohreinspritzung. Das zweite „i“ steht für die mechanische Kugelfischer-Benzineinspritzung („injection“).

Modellübersicht Limousine Fahrzeugtyp: BMW 1500 BMW 1600 BMW 1800 BMW 2000Bauzeit: 1962–1964 1964–1966 1963–1972TI: 1963–1966TI/SA: 1965 1966–1972TI: 1966–1968tilux: 1966–1970tii: 1969–1972Motor: BMW M10 Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, wassergekühlt; V-förmig hängende Ventile, von einer obenliegenden, kettengetriebenen Nockenwelle über Kipphebel gesteuert; Alu-Zylinderkopf; Kurbelwelle fünffach gelagertHubraum: 1499 cm3 1573 cm3 1773 cm3 (bis 7/1968)1766 cm3 (ab 8/1968) 1990 cm3Bohrung × Hub: 82 × 71 mm 84 × 71 mm 84 × 80 mm (bis 7/1968)89 × 71 mm (ab 8/1968) 89 × 80 mmVergaser: Fallstromvergaser Solex 34 PICB (später 36 PDSI) mit Beschleunigungspumpe und Vordrossel Fallstromvergaser Solex 36 PDSI mit Beschleunigungspumpe und Vordrossel Fallstromvergaser Solex 38 PDSITI: 2 Solex-Flachstrom-Doppelvergaser 40 PHHTI/SA: 2 Weber-Flachstrom-Doppelvergaser 45 DCOE Fallstromvergaser Solex 40 PDSITI/tilux: 2 Solex-Flachstrom-Doppelvergaser 40 PHHtii: Saugrohreinspritzung Kugelfischer PL 04Verdichtung: 8,8:1 8,6:1 BMW 1800: 8,6:1BMW 1800 TI: 9,5:1BMW 1800 TI/SA: 10,5:1 BMW 2000: 8,5:1BMW 2000 TI/tilux: 9,3:1BMW 2000 tii: 10:1Leistung bei 1/min: 59 kW (80 PS) bei 5700 61 kW (83 PS) bei 5500 66 kW (90 PS) bei 5250TI: 81 kW (110 PS) bei 5800TI/SA: 96 kW (130 PS) bei 6100 74 kW (100 PS) bei 5500TI/tilux: 88 kW (120 PS) bei 5500tii: 96 kW (130 PS) bei 5800Drehmoment bei 1/min: 118 N·m (12 kp·m) bei 3000 124 N·m (12,6 kp·m) bei 3000 143 N·m (14,6 kp·m) bei 3000TI: 148 N·m (15,1 kp·m) bei 4000TI/SA: 157 N·m (16 kp·m) bei 5100–5400 157 N·m (16 kp·m) bei 3000TI/tilux: 167 N·m (17 kp·m) bei 3600tii: 177 N·m (18 kp·m) bei 4000–4700Antrieb: Vollsynchronisiertes Viergang-Getriebe (1800 TI/SA: Fünfgang), 1800/2000: auch DreigangautomatikKarosserie: Mittragende Ganzstahlkarosserie mit Bodengruppe verschweißtFahrwerk: Einzelradaufhängung; vorn: Querlenker mit Federbeinen, auf Wunsch Stabilisator; hinten: Schräglenker mit Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer; Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten.Maße L × B × H: 4500 × 1710 × 1450 mm (1420 mm beladen)Leergewicht (fahrfertig): 1050 kg BMW 1800: 1070 kgBMW 1800 TI & TI/SA: 1040 kg BMW 2000: 1150 kgBMW 2000 TI/tilux: 1130 kgBMW 2000 tii: 1140 kgHöchstgeschwindigkeit: 150 km/h 160 km/hTI: 170 km/hTI/SA: über 180 km/h 168 km/hTI/tilux: 180 km/htii: 185 km/hStückzahl: 23.554 9.728 147.160 (davon TI/SA: 200) 143.464

Motorsport mini|Werks BMW 2000 TI gefahren von Hubert Hahne (1966 Nürburgring) 1964 dominierte Hubert Hahne mit einem BMW 1800 TI die Deutsche Rundstreckenmeisterschaft, wobei er 14 der 16 Rennen gewann. Im selben Jahr fuhr Hahne beim 12-Stunden-Rennen für Tourenwagen auf dem Nürburgring den Gesamtsieg heraus.

1965 gewannen Pascal Ickx und Gérard Langlois van Ophem mit dem Werks-Rennwagen das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps und ambitionierte Privatfahrer errangen mit dem BMW 1800 TI/SA zahlreiche Siege.

1966 umrundete Hubert Hahne mit einem BMW 2000 TI als erster Tourenwagenfahrer die Nürburgring-Nordschleife unter zehn Minuten. In einem Rahmenrennen zum Großen Preis von Deutschland fuhr er am 6. August 1966 die Strecke in 9:58,5 (oder 9:58,9) Minuten. Auf BMW 2000 TI gewann er im selben Jahr zusammen mit Jacky Ickx das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps und wurde darüber hinaus Tourenwagen-Europameister.

Weitere bekannte Fahrer der viertürigen Tourenwagen waren Rauno Aaltonen, Dieter Basche, Heinz Eppelein, Dieter Glemser, Jürgen Grähser, Ferfried Prinz von Hohenzollern, Helmut Kelleners, Hans-Peter Koepchen (Rennfahrer), Nicolas Koob, Hans Koster, Freddy Kottulinsky, David van Lennep, Gijs van Lennep, Wim Loos, Willy Mairesse, Klaus Miersch, Dieter Quester, Clemens Schickentanz und Josef Schnitzer.

Neue Klasse Coupé

BMW 2000 C/CA/CS mini|BMW 2000 CS (1965–1970)