Der Stadttunnel Feldkirch ist ein Straßenbauprojekt in Vorarlberg, das der Verkehrsentlastung sowie Reduzierung der Luftschadstoffbelastung im Raum Feldkirch und Frastanz dienen soll.
Das Projekt umfasst vier Tunneläste (Felsenau, Tisis, Tosters und Altstadt), die durch einen zentralen unterirdischen Kreisverkehr verbunden sind. Aufgrund dieser vier zum Kreisverkehr hinzeigenden Röhren wird das Projekt landläufig auch als „Tunnelspinne“ bezeichnet. Die vorbereitenden Bauarbeiten begannen im Herbst 2019, die Anschlagsfeier am Haupttunnel Felsenau erfolgte am 6. März 2026. Die Fertigstellung ist für 2030 geplant.
Ausgangssituation und Geschichte
Feldkirch ist ein bedeutendes Verwaltungs-, Wirtschafts- und Bildungszentrum sowie Standort des Schwerpunktkrankenhauses Feldkirch. Aufgrund ihrer topografischen Lage fungiert die Stadt als Verkehrsknotenpunkt in Richtung Fürstentum Liechtenstein und Schweiz, sowohl für den Pendler- als auch für den Schwerverkehr. Dies trägt dazu bei, dass Feldkirch eine der höchsten Stickoxidbelastungen in Österreich aufweist. Seit 2005 gilt die Stadt gemäß dem Immissionsschutzgesetz – Luft (IG-L) als Sanierungsgebiet.
Ein besonders belasteter Bereich ist die „Bärenkreuzung“ im Stadtzentrum, an der die L 53, L 190 und die L 191a zusammentreffen. Dieser ampelgeregelte Knotenpunkt wird täglich mit 40.000 bis 50.000 Fahrzeugen passiert und zählt zu den verkehrsreichsten Kreuzungen Vorarlbergs. Über mehrere Jahrzehnte wurden verschiedene Lösungsansätze für die Verkehrssituation diskutiert. 2009 entschieden sich schließlich die Stadt Feldkirch, die Marktgemeinde Frastanz und das Land Vorarlberg gemeinsam für die Umsetzung des Stadttunnel-Projekts.
Chronologie
1970er-Jahre: Erste Überlegungen zu einer Anbindung Liechtensteins an das österreichische Autobahnnetz über eine Liechtensteiner Schnellstraße (S17) werden nicht weiterverfolgt. 1992–1998: Das Projekt Letzetunnel – als Südumfahrung von der Autobahn bis zum Grenzübergang Tisis – wird diskutiert, ausgearbeitet und vom BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie; seit 2020 BMK Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie) als Bestvariante bestätigt. 2005: Das Land Vorarlberg, die Stadt Feldkirch und die Marktgemeinde Frastanz entscheiden sich für ein konsensorientiertes Planungsverfahren. 2005 – 2008: Im Rahmen der „Verkehrsplanung Feldkirch Süd“ werden 15 Straßenoptionen untersucht. 2009: Der „Stadttunnel Feldkirch“ (Variante 5.3) geht daraus als Bestvariante hervor. Stadt Feldkirch, Marktgemeinde Frastanz und Land Vorarlberg stimmen der Umsetzung zu. 11. September 2013: Einreichung Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) 21. Juli 2015: Positiver UVP-Bescheid in erster Instanz 24. Juni 2019: Bestätigung des UVP-Bescheids in zweiter Instanz: Diese Bestätigung durch das BundesverwaltungsgerichtsEntscheidung vom 19. Juni 2019 (PDF; 1,1 MB), auf stadttunnel-feldkirch.at stellt eine „konsumierbare Baubewilligung“ dar. 2019/20: Die ersten vorbereitenden Baumaßnahmen werden durchgeführt (Steinsatz in der Ill und Weicheneinbau, Umlegung L191a Schulbrüderareal). 1. Dezember 2020: Die Vorarlberger Landesregierung gibt 23 Mio. Euro für weitere Teilbaulose frei. 2021: Weitere vorbereitende Maßnahmen werden umgesetzt: Lärmschutzwand Fellengatter, temporäre Lärmschutzwand Duxgasse/PH, Baubeginn Radwegbrücke Blödlebach, Anschlag Erkundungsstollen Altstadt. Das Infozentrum Stadttunnel Feldkirch wird eröffnet. 8. März 2022: Der Österreichische Verwaltungsgerichtshof weist den Revisionsantrag der Projektgegner zurück. Dieser Entscheid markiert den Abschluss des „außerordentlichen Rechtsweges“ vor den Höchstgerichten. Juli 2022: Die Landesregierung fasst am 19. Juli 2022 den Baubeschluss für die erste Bauetappe (mit dem unterirdischen Ringtunnel sowie den Zulaufästen Felsenau, Altstadt, und Tisis). Mit dem Erkundungsstollen Tisis und dem Umbau im Portalbereich Felsenau beginnen die letzten vorbereitenden Maßnahmen. Dezember 2024: Die Vorarlberger Landesregierung beschließt die zweite Bauetappe (Tunnelast Tosters) und damit Umsetzung des Gesamtprojekts. Zugleich werden die Bauarbeiten für Haupttunnel vergeben. Februar 2025: Baubeginn der Hauptarbeiten am Stadttunnel 6. März 2026: offizieller Tunnelanschlag am Tunnelportal Felsenau 2030 (geplant, anzustreben): Geplante Fertigstellung und Inbetriebnahme
Der Stadttunnel Feldkirch Der Stadttunnel Feldkirch umfasst einen bergmännischen Kreisverkehr mit Lüftungsschacht sowie vier Zulauftunnel. Die Gesamtlänge des Tunnelsystems beträgt 3.950 Meter.
Tunnelstruktur Bergmännischer Kreisverkehr: Der unterirdische Kreisverkehr hat einen Durchmesser von 70 Metern und verbindet als Ringtunnel die vier Tunneläste. Die Fahrbahn ist einspurig und 6,5 Meter breit, ergänzt durch beidseitige erhöhte Seitenränder von je einem Meter. Tunnelast und Portal Felsenau: Das Tunnelportal Felsenau stellt die Verbindung zur Vorarlberger Straße (L190) in Richtung Bludenz und zur Autobahnanschlussstelle Feldkirch-Frastanz her. Der Tunnelast ist 893 Meter lang. Tunnelast und Portal Altstadt: Der Tunnelast Altstadt stellt die Verbindung zur Innenstadt sowie zum Landeskrankenhaus Feldkirch her. Der zugehörige Tunnelast hat eine Länge von 289 Metern. Ein 2021 errichteter Erkundungsstollen mit einer Länge von 270 Metern wird im Rahmen der Hauptarbeiten am Stadttunnel zu einem Flucht- und Rettungstunnel umgebaut. Tunnelast und Portal Tisis: Das Portal Tisis bindet die Liechtensteiner Straße (L191a) sowie den Grenzübergang Schaanwald an. Der Tunnelast ist 1.598 Meter lang. Der 2022/23 errichtete Erkundungsstollen (1.212 Meter) wird ebenfalls zu einem Flucht- und Rettungstunnel ausgebaut. Tunnelast und Portal Tosters: Das Portal Tosters erschließt das Betriebsgebiet Kapfweg sowie eine zusätzliche Zufahrt zum Landeskrankenhaus Feldkirch über die „Hohle Gasse“. Der Tunnelast ist 903 Meter lang. Lüftungsbauwerk: Das Lüftungsbauwerk dient der Tunnelentlüftung und integriert zudem ein Löschwasserbecken. Es liegt größtenteils unterirdisch, wobei der oberirdische Schachtkopf begrünt wird.
Umweltverträglichkeitsprüfung Der Stadttunnel Feldkirch ist das erste Straßenbauprojekt in Vorarlberg, für das eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gemäß dem österreichischen UVP-Gesetz beantragt wurde. In einem mehrjährigen Verfahren wurde die Umweltverträglichkeit des Projekts in zwei Instanzen bestätigt. Die Prüfung umfasste die Auswirkungen auf Umwelt, Natur, Landschaft, Menschen sowie auf Wirtschaft und Tourismus.
Am 11. September 2013 wurden die Unterlagen für die UVP eingereicht, und am 21. Juli 2015 erging der positive UVP-Bescheid. Dieser Bescheid enthält umfassende Auflagen für Bau und Betrieb des Stadttunnels.
Im Juni 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht in zweiter Instanz die Genehmigung des Projekts, womit der Rechtsweg in dieser Instanz abgeschlossen war.
Gegner des Projekts versuchten daraufhin, über den Verfassungsgerichtshof (VfGH) und den Verwaltungsgerichtshof (VwGH) eine aufschiebende Wirkung zu erwirken, was einem vorläufigen Baustopp entsprochen hätte. Der VfGH wies sowohl den Antrag auf aufschiebende Wirkung als auch die Beschwerde selbst zurück. Der VwGH lehnte den Antrag auf aufschiebende Wirkung ebenfalls ab, entschied jedoch nicht in der Hauptsache. Am 3. März 2022 wurde der Revisionsantrag endgültig abgewiesen.
Projektleitung und Kosten Die Planung und Umsetzung des Stadttunnels Feldkirch liegt bei der Abteilung Straßenbau des Landes Vorarlberg, beauftragt durch das Land Vorarlberg und die Stadt Feldkirch.
Die Finanzierung des Projekts wird durch Mittel des Bundes (Finanzausgleich) sowie Beiträge des Landes Vorarlberg, der Stadt Feldkirch und der illwerke vkw gedeckt. Im Februar 2025 wurde die Kostenschätzung aus dem Jahr 2022 aktualisiert. Die Projektgesamtkosten, die Grundablösen, Dienstleistungen und Baukosten beinhalten, belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund 367 Millionen Euro mit einer Schwankungsbreite bis circa 385 Millionen Euro. Als Gründe für die Kostensteigerung gelten die unerwartet hohe allgemeine Preissteigerung seit 2022 und die Folgen der mehrjährigen Genehmigungsverfahren. Das Land Vorarlberg plant Einsparungsmaßnahmen, um die Mehrkosten zu begrenzen.
Die Verteilung der Projektkosten stellt sich wie folgt dar: Land Vorarlberg: ca. € 312 Mio. FAG-Mittel (Bund): ca. € 40 Mio. Stadt Feldkirch: ca. € 12 Mio. Vorarlberger Energienetze GmbH: ca. € 3 Mio.
Baufortschritt
Vorbereitende Maßnahmen Die vorbereitenden Arbeiten für den Bau des Stadttunnels Feldkirch begannen im Herbst 2019.
Weiche für Bahnverladungsanlage: Im Oktober 2019 wurde in der Felsenau eine 80 Meter lange Steinschlichtung in der Ill errichtet. Im April 2021 installierten die ÖBB eine Weiche, um einen Anschluss an die Bahnstrecke Lindau–Bludenz zu ermöglichen. Diese dient dem Abtransport der voraussichtlich etwa 1 Million Tonnen Ausbruchmaterial, das während der Bauphase des Haupttunnels anfällt. Über ein eingehaustes Förderband wird der Ausbruch auf die andere Seite der Illschlucht transportiert und dort auf dem Anschlussgleis automatisch in Waggons verladen. Pro Tag wird mit zwei Güterzügen mit jeweils etwa 1000 t Ladung gerechnet. Der Bahntransport soll etwa 70 000 LKW-Fuhren ersetzen. Umlegung Schillerstraße/L191a: Zwischen März und Oktober 2020 wurde die Schillerstraße im Bereich der Pädagogischen Hochschule und des Gymnasiums verlegt. Im Zuge dessen wurde die stark frequentierte Verbindung nach Liechtenstein vom Schulhof abgerückt und so die Sicherheit für Schülerinnen und Schüler erhöht. Gleichzeitig wurde der Straßenverlauf an die zukünftige Verkehrssituation beim Tunnelportal „Altstadt“ angepasst. Außerdem wurden eine Busspur sowie ein vier Meter breiter Geh- und Radweg geschaffen. Zudem entstand die neue Verbindung „Schulbrüderstraße“, die die Zufahrt zum Landeskrankenhaus verbessert und die Kreuzung an der Pruggergasse entlastet. Zusätzlich wurden die Steuerung der Verkehrslichtsignalanlage entlang der L191a sowie alte Kanäle und Wasserleitungen erneuert. Lärmschutzwand Fellengatter: Von Februar bis September 2021 wurde entlang des Blödlebachs die 470 Meter lange und vier Meter hohe Lärmschutzwand „Fellengatter“ errichtet. Temporäre Lärmschutzwand Duxgasse/Pädagogische Hochschule: Zwischen Juli und September 2021 entstand eine temporäre, bis zu sechs Meter hohe Lärmschutzwand im Bereich Duxgasse/Pädagogische Hochschule, um das Schulzentrum Schillerstraße während der Bauarbeiten am Erkundungsstollen Altstadt und am künftigen Tunnelportal Altstadt vor Baulärm zu schützen. Diese Wand wird nach Abschluss der Arbeiten wieder entfernt. Erkundungsstollen Altstadt: Um das geologische Risiko beim späteren Tunnelvortrieb zu minimieren und die Kostensicherheit zu erhöhen, werden parallel zum Haupttunnel Erkundungsstollen mit geringem Querschnitt errichtet. Diese Stollen sollen später gemäß den aktuellen Sicherheitsvorgaben als Flucht- und Wartungstunnel ausgebaut werden. Die Vorbereitungen für den Erkundungsstollen Altstadt begannen im Juli 2021, der Vortrieb erfolgte zwischen November 2021 und April 2022. Im Rahmen dieses Bauabschnitts wurden auch vorbereitende Arbeiten durchgeführt, um die 110-kV-Leitung der Vorarlberger Energienetze GmbH nach Fertigstellung des Stadttunnels durch den Tunnel zu führen und die bestehende Freileitung Frastanz–Gisingen zu ersetzen. Diese Maßnahme dient sowohl der Erhöhung der Versorgungssicherheit als auch der Verbesserung des Landschaftsbildes.