Jugendarbeitslosigkeit ist ein Spezialfall der Arbeitslosigkeit. Wer als junger Arbeitsloser gilt, richtet sich nach der Standarddefinition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) (s. u).

Begriffsdefinitionen Gemäß Definition der Vereinten Nationen (und damit auch der UN-Sonderorganisation ILO) werden unter dem Begriff Jugendliche „Menschen zwischen 15 und 24 Jahren“ verstanden. Mehr als 18 Prozent der Weltbevölkerung sind nach dieser Definition „Jugendliche“.Österreichisches Bundeskanzleramt: . Abgerufen am 28. Mai 2020

In der Europäischen Union werden seit 2010 junge Menschen, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren, als „NEETs“ bezeichnet („Not in Education, Employment or Training“).Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound): NEETs. 24. Juni 2020, abgerufen am 12. Juli 2020 Als NEETs gelten alle Jugendlichen im Sinne der ILO, die „arbeitslos oder inaktiv“ (ebenfalls im Sinne der ILO) sind.Eurostat: Glossar:Nichterwerbstätige Jugendliche, die weder an Bildung noch an Weiterbildung teilnehmen (NEET). 16. Januar 2019, abgerufen am 12. Juli 2020

Die Jugendarbeitslosenquote berechnet sich auf Basis der Gesamtheit aller Jugendlichen abzüglich derer, die sich in Ausbildung oder Studium befinden bzw. aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen.

Abweichend von dieser Definition spricht der Europäische Rechnungshof in seinem „Sonderbericht 5/2017“ einerseits von „Arbeitslosen in Ausbildung“, andererseits von „Nichterwerbstätigen in schulischer Ausbildung“; dabei rechnet er beide Gruppen nicht der Gruppe der NEETS zu.Europäischer Rechnungshof: Jugendarbeitslosigkeit – Haben die Maßnahmen der EU Wirkung gezeigt? Eine Bewertung der Jugendgarantie und der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen. 2017, S. 13. Abgerufen am 17. August 2020

Grundsätzlich gilt es, bei der statistischen Erfassung von Arbeitslosigkeit zwei unterschiedliche, relevante Zahlenwerke auseinanderzuhalten: zum einen die international gebräuchliche Statistik der Internationalen Arbeitsagentur (ILO). Nach ihr sind solche Personen erwerbslos, die aktiv Arbeit suchen, dem Arbeitsmarkt kurzfristig zur Verfügung stehen und keinerlei bezahlter Arbeit nachgehen – unabhängig davon, ob sie arbeitslos gemeldet sind. Daneben gibt es nationale Statistiken mit anderen Kriterien. Innerhalb Deutschlands beispielsweise ist die Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) ausschlaggebend. Arbeitslos sind ihr zufolge solche Personen, die als arbeitslos registriert sind und grundsätzlich für einen Job in Frage kommen.DIW Berlin: Glossar. Begriff „Jugendarbeitslosigkeit“. diw.de. Abgerufen am 28. Mai 2020

Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit Welt In den Jahren 2013 bis 2015 sank die Zahl jugendlicher Arbeitsloser trotz wachsender Weltbevölkerung weltweit. Die Zahl arbeitsloser Jugendlicher nimmt seit 2016 zu. In diesem Jahr betrug sie 71 Millionen Menschen. Die Jugendarbeitslosigkeitsquote betrug 2016 durchschnittlich 13,1 %. In den arabischen Ländern und in Nordafrika lag sie bei 30 Prozent. In Nordafrika hatten nur 30 Prozent der jungen Frauen 2016 Zugang zum Arbeitsmarkt.Jugendarbeitslosigkeit steigt weltweit wieder. dw.com (Deutsche Welle). 16. August 2016. Abgerufen am 28. Mai 2020

In der Folge der COVID-19-Pandemie im Frühjahr 2020 haben laut dem Ergebnis einer Umfrage der ILO 17 Prozent der jungen Leute zwischen 18 und 29 Jahren (auch 26- bis 29-Jährige waren von der ILO befragt worden) ihre Arbeit verloren. Auch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen wurden abgebrochen. Es wurde damals vermutet, dass die Jugendarbeitslosigkeitsquote 2020 weltweit von 13,6 % (2019) auf ca. 20 % ansteigen werde. Diejenigen, die 2020 ein Studium oder eine Ausbildung beenden, müssen bei einer vermutlich nur langsamen Erholung der Wirtschaft mit größerer Konkurrenz rechnen, weil sie sich in den kommenden Monaten und Jahren zeitgleich mit nachfolgenden Jahrgängen Studierender um einen Arbeitsplatz bewerben müssen.Junge Arbeitnehmerinnen trifft die Krise am härtesten. spiegel.de, 27. Mai 2020. Abgerufen am 28. Mai 2020

Europäische Staaten mini|„Jugendliche gemeinsam gegen Jugendarbeitslosigkeit“ 1. Ausbildungsj. Flender-Werft 97/98 Von den 1990er Jahren bis 2014 betrug die durchschnittliche Jugendarbeitslosenquote in den Mitgliedsstaaten der EU nie weniger als 15 Prozent.Lutz Bergmann: Warum trifft Arbeitslosigkeit vor allem die Jugend?. brandeins.de. 2014, abgerufen am 28. Mai 2020

Situation 2011 Im Jahr 2011 bewertete José Manuel Barroso, damals Präsident der Europäischen Kommission, in einer Rede zur Lage der Europäischen Union das Eingehen auf die Angst der Jugendlichen vor Arbeitslosigkeit als „dringlichste soziale Aufgabe“.

Im Januar 2012 erreichte die Arbeitslosenquote der damals 27 EU-Mitgliedsstaaten ein historisches Rekordhoch von 10,1 %. Die Jugendarbeitslosenquote erreichte 2013 Rekordwerte. In der gesamten EU (ohne das Vereinigte Königreich) waren 2013 24,2 %,Wirtschaftskammer Österreichs: Jugendarbeitslosenquote. wko.at. 2020. Abgerufen am 11. August 2020 in Griechenland im April 2013 62,5 % der Jugendlichen arbeitslos.Fakten zur Jugendarbeitslosigkeit in der EU: Keine Chance – selbst bei Top-Ausbildung. tagesschau.de. 27. Juni 2013. Abgerufen am 11. August 2020

Situation 2016 Die Lage innerhalb der Europäischen Union war 2016 durch extreme Unterschiede gekennzeichnet: Während Deutschland nur eine Quote von 7,9 % jugendlicher Arbeitsloser verkraften musste (den niedrigsten Wert innerhalb der EU), waren damals in Spanien 49,9 % aller Jugendlichen arbeitslos.Jugendarbeitslosigkeit: Europas Schande. wirtschaft.com. 1. Februar 2017. Abgerufen am 28. Mai 2020

Situation 2020 Der Informationsdienst Wissenschaft sah im Juli 2020 in der COVID-19-Krise eine Kombination aus einer starken Rezession und einem forcierten Wandel der Wirtschaftsstruktur der EU-Mitgliedsstaaten. Er schätzt die Folgen für junge Ausbildungsplätze und Arbeit Suchende ab 2020 folgendermaßen ein: „Der wirtschaftliche Abschwung wird mit strukturellen Veränderungen innerhalb der Wirtschaft verbunden sein und die Unternehmen werden die Digitalisierung und Automatisierung vorantreiben. Diese Entwicklung wird den Wandel hin zum Dienstleistungssektor und zu mittleren und höheren Qualifikationen weiterhin vorantreiben. Arbeitsplätze für gering qualifizierte werden verstärkt abgebaut, was zu höheren Arbeitslosenquoten für solche Qualifikationen führt, während die Beschäftigung von Mittel- und Höherqualifizierten zunimmt. Junge Menschen profitieren einerseits weniger von Beschäftigungswachstum und sind andererseits stärker vom Verlust von Arbeitsplätzen beeinträchtigt. Zudem benötigen sie längere Ausbildungszeiten, um sich besser zu qualifizieren.“Carolina Frischke: Jugendarbeitslosigkeit in Europa könnte auf 25 Prozent steigen. idw-online.de. 28. Juli 2020, abgerufen am 24. August 2020

Die höchsten Quoten nach Beginn der COVID-19-Pandemie wurden im Dezember 2020 gemeldet.

Die COVID-19-Krise erwies sich als insofern untypische Krise, als es im Gegensatz zu früheren Krisen in allen Altersgruppen mehr Übergänge von Beschäftigung in Nichterwerbstätigkeit als in Arbeitslosigkeit gab (vor allem in Form der Zahlung von Kurzarbeitergeld für das Ruhenlassen wertschöpfender Tätigkeiten). Damit spiegeln die Arbeitslosenzahlen nur einen kleineren Teil der verlorenen Arbeitsplätze wider.

Situation 2021 An den unten angeführten Quoten ist erkennbar, dass einige EU-Mitgliedsstaaten im August 2021, nach dem Einsetzen einer erneuten Wachstumsphase, niedrigere Jugendarbeitslosenquoten aufwiesen als im März 2020, andere Staaten hingegen die COVID-19-Krise noch nicht überwunden hatten. Im Durchschnitt der Staaten der Eurozone wurde das Niveau vom März 2020 noch nicht erreicht: In der Eurozone waren im August 2021 16,2 % der Jugendlichen arbeitslos (15,2 % im März 2020), in der EU als Ganzer im August 2021 16,4 % (15,8 % im März 2020).

Von März 2020 (in Klammern) bis August 2021Europäische Union: Jugendarbeitslosenquoten in den Mitgliedsstaaten im August 2021. September 2021. Abgerufen am 20. Oktober 2021 entwickelte sich die Jugendarbeitslosigkeitsquote in den einzelnen Staaten der Europäischen Union folgendermaßen:

Spanien 33,0 % (33,1 %), Griechenland 30,8 % (32,4 %), Italien 27,3 % (28,0 %), Schweden 24,4 % (21,1 %), Kroatien 23,7 % (16,2 %), Portugal 22,6 % (18,9 %), Zypern 20,1 % (15,2 %), Frankreich 19,9 % (20,4 %), Litauen 19,5 % (15,7 %), Rumänien 19,5 % (17,7 %), Belgien 19,3 % (14,5 %), Estland 19,2 % (9,6 %), Finnland 17,4 % (20,6 %), Slowakei 17,2 % (16,1 %), Irland 16,9 % (13,2 %), Bulgarien 16,7 % (13,3 %), Luxemburg 16,4 % (19,9 %), Ungarn 15,8 % (11,3 %), Slowenien 14,7 % (7,9 %), Lettland 12,8 % (12,1 %), Österreich 11,6 % (9,3 %), Polen 11,2 % (8,1 %), Malta 10,8 % (10,4 %), Tschechien 8,8 % (6,2 %), Dänemark 8,4 % (11,0 %), Deutschland 7,5 % (5,7 %) und Niederlande 7,4 % (6,3 %).

Situation 2022 Im September 2022 betrugen die Jugendarbeitslosenquoten in Spanien 32,1 %, Griechenland 28,5 %, Italien 23,7 %, Rumänien 22,8 %, Schweden 22,1 %, Zypern 21,7 %, Slowakei 21,4 %, Finnland 18,0 %, Belgien 18,0 %, Portugal 17,9 %, Estland 17,7 %, Luxemburg 17,3 %, Lettland 17,0 %, Frankreich 15,6 %, Kroatien 15,5 %, Bulgarien 14,1 %, Slowenien 13,1 %, Dänemark 12,9 %, Irland 12,2 %, Litauen 11,6 %, Österreich 11,5 %, Malta 10,7 %, Ungarn 10,1 %, Polen 9,0 %, Niederlande 8,4 %, Tschechien 8,3 und Deutschland 5,7 %.

Trotz des Überfalls Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 und des Boykotts russischen Erdgases und Erdöls lag die durchschnittliche Jugendarbeitslosenquote in der EU im September 2022 sowohl unterhalb des Niveaus vor Beginn der COVID-19-Pandemie als auch des Niveaus vor Beginn der Sanktionen gegen Russland (14,6 %).

Situation 2025 Im Januar 2025 betrugen die Jugendarbeitslosenquoten in Spanien 25,3 %, Schweden 24,7 %, Luxemburg 21,6 %, Griechenland 19,5 %, Portugal 19,5 %, Finnland 19,1 %, Estland 18,9 %, Italien 18,7 %, Frankreich 18,6 %, Slowakei 16,7 %, Dänemark 16,1 %, Litauen 14,1 %, Ungarn 13,8 %, Lettland 12,8 %, Irland 11,9 %, Österreich 11,2 %, Polen 10,4 %, Tschechien 10,4 %, Niederlande 10,4 %, Bulgarien 10,1 %, Malta 10,0 %, und Deutschland 6,4 %.Nicht in der Aufzählung erwähnte Mitgliedsstaaten der EU veröffentlichten für den Monat Januar 2025 keine Zwischendaten. Insgesamt setzte sich der allgemeine Trend eines Sinkens der Jugendarbeitslosenquoten fort. Eine höhere Jugendarbeitslosenquote als 30 % gibt es 2025 in den Staaten der EU nur noch für einzelne Regionen innerhalb der Staaten. Allerdings verharrten in den 2020er Jahren die Jugendarbeitslosenquoten in den EU-Mitgliedsstaaten unter den skandinavischen Ländern auf hohem Niveau (Finnland und Schweden) oder stiegen an (Dänemark).

Deutschland Im November 2019 zog die Zeitschrift Capital eine insgesamt positive Bilanz der Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland:Nina Jerzy: 5 Fakten zur Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland. capital.de. 2. Oktober 2019. Abgerufen am 28. Mai 2020 „Junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren waren 2018 so selten erwerbslos wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland.“ Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass diese Quote fast doppelt so hoch ausfiel wie die Arbeitslosenquote unter allen Erwerbspersonen in Deutschland (3,4 %). Der Anteil der Arbeitslosen unter den Jugendlichen sank von 15,2 % im Jahr 2005 auf 6,2 % im Jahr 2018. Selbst in den „neuen Bundesländern“ war die Jugendarbeitslosigkeitsquote niedriger als im Durchschnitt aller EU-Staaten (8,6 %). Alle genannten Zahlen beziehen sich auf Zeiträume vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie.