Retznei () ist ein Ort an der Mur in der Steiermark wie auch Ortsteil, Ortschaft und Katastralgemeinde der Gemeinde Ehrenhausen an der Weinstraße im Bezirk Leibnitz der Südweststeiermark.

Geographie

mini|Lage im Bezirk Leibnitz Retznei befindet sich etwa 6 Kilometer südöstlich von Leibnitz, etwa ebensoweit nordwestlich vom Grenzübergang Spielfeld/Šentilj, direkt nordwestlich des Gemeindehauptorts Ehrenhausen. Es liegt am rechten Murufer unterhalb der Sulmmündung, am Fuß der Windischen Büheln und Rand der Murebene.

Der Ort Retznei liegt auf um die Höhe am Talausgang des Retzneibachs (Aflenzbach), der südlich des Orts bei Ehrenhausen in die Mur mündet, die Talung dieses Bachs erstreckt sich nordwest-, dann westwärts. Östlich direkt am Murufer liegt das große Zementwerk Retznei (Lafarge Perlmooser), dessen Steinbrüche sich nördlich am Hügelsporn Rosenberg Sulm/Rezneibach, und westlich des Orts befinden. Das Ortschafts- und Katastralgebiet umfasst 154 Hektar, gut 90 Adressen und 390 Einwohner.Statistik Austria: Registerzählung vom 31. Oktober 2011 (PDF, statistik.at).

Zum Ortsteil Retznei der Gemeinde gehört auch die Ortschaft und Katastralgemeinde Unterlupitscheni, womit dieses Gebiet, das die ehemalige Gemeinde darstellt, 331 ha, um die 110 Adressen (170 Gebäude) und 430 Einwohner hat.

Nachbarorte

Geschichte Frühgeschichte und Antike Der Ort ehrenhausen-gv.at, Tourismus - Freizeit - Kultur → Besonderes in den Ortsteilen (abgerufen am 28. Juli 2016). war schon in der mittleren Bronzezeit besiedelt.Georg Tiefengraber: Bronzezeit. In: Bernhard Hebert (Hrsg.): Urgeschichte und Römerzeit in der Steiermark. Band 1 von Geschichte der Steiermark. Böhlau Verlag, Wien 2015, ISBN 978-3-205-79691-6, S. 309 f (ganzer Artikel 279–486; ). Aus der darauf folgenden Hallstattzeit stammen keine Funde. Eine ausgedehnte spätlatènezeitliche Ansiedlung, die vielleicht als Gehöftgruppe bezeichnet werden kann, befand sich auf derselben Stelle. In der römischen Kaiserzeit wurden dort mehrere Gebäudetrakte errichtet. Mindestens zwei Badegebäude stammen aus dieser Zeit, sowie luxuriöse mit Wandmalereien und Mosaiken ausgestattete Räume (Römische Villa Retznei/Kreuzacker). Ein Bau wird als Nymphäum bezeichnet, und aus diesem Grund die Überlegung angestellt, ob es sich bei der gesamten Anlage nicht um eine private Villa, sondern ein Quellheiligtum mit angeschlossenem Thermenkomplex im Nahbereich der Stadt Flavia Solva handeln könnte. Auch ein gefundener Altar weist in diese Richtung. Der Römersteinbruch bei Unterlupitscheni belegt die wirtschaftliche Anbindung des Raumes an die Stadt insgesamt.

Als archäologische Fundstelle das Gebiet von Retznei seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, als erste Ausgrabungen durch den Numismatiker Friedrich Pichler durchgeführt wurden.Friedrich Pichler: Die römische Villa zu Reznei in Steiermark. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Baudenkmale Band XIX, 1874, S. 3–13. Nähere Untersuchungen, bei denen zunächst der Ort der Altgrabung lokalisiert werden konnte, haben in den Jahren 2005 bis 2010 stattgefunden.B. Schrettle: Neue Forschungen zu römischen Villen im Umland von Flavia Solva. In: Forum Archaeologiae 45/XII/2007 (farch.net). Bernhard Schrettle – Stella Tsironi (Hrsg.), Retznei: Villa, Vicus, Heiligtum? Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen der Jahre 2004-2012 (Studien zur Archäologie der Steiermark, Band 3), Wien 2021, ISBN 978-3-85161-239-4

Mittelalter und frühere Neuzeit Auf dem Rosenberg stand ein bewohnbarer Wehrturm, den die Pettauer als Salzburger Lehensmänner besaßen.Friedrich Klementschitz: Weingeschichte von Lupitscheni und Retznei. In: steiermarkwein 13 (3/2013), S. 101–103 ( PDF, steiermarkwein.at). Nach erlöschen dieses Rittergeschlechts wurde der Turm 1438 landesfürstlich, und weitervergeben. Hier saß wohl die Verwaltung des Weinbaues Lupitscheni, der als Name im frühen 12. Jahrhundert und als Weinbau 1408 urkundlich ist. Die Dauerbesiedelung in den Weinbergen entstand erst in der mittleren Neuzeit. Beim Rückmarsch der Türken von Wien wurde die Gegend 1532 verwüstet und lag noch 1541 öde. 1636 brach in Oberlupitscheni die Pest aus und verbreitete sich über das ganze Weinbaugebiet.

Der Wein war bis in das frühere 19. Jahrhundert von minderer Qualität, und als (Jausenwein) tituliert. 1885 wird dann schon von berichtet. 1861 betrug die Anbaufläche um die 21 Hektar (davon nur 1 ha im Ort selbst), mit etwa 300 Gulden Ertrag.Klementschitz: Weingeschichte …. Tabelle Flächen und Ertrag. S. 103.

Ehemalige Gemeinde Die Aufhebung der Grundherrschaften erfolgte 1848. Die Ortsgemeinde als autonome Körperschaft des Kronlands Steiermark (Herzogtum Steyer) entstand 1850 nach der Revolution 1848/49. Dabei kam von den „Berghäusern“ im Weinbaugebiet Lupitscheni am Retzneibach der talsauswärtige Teil, dann Unterluitscheni genannt, zu Retznei, während Oberlupitscheni (oberhalb von Aflenz) zu Seggauberg eingemeindet wurde.

Sie umfasste um 1869 (Gründung Österreich-Ungarns) etwa 70 Gebäude mit gut 400 Einwohnern, dabei hatte das Dorf selbst nur 25 Gebäude mit gut 150 Einwohnern, der Rest wohnte im heutigen Unterlupitscheni.

Nach der Annexion Österreichs 1938 kam die Gemeinde zum Reichsgau Steiermark. Ab dem 4. Februar 1944 war hier ein Außenlager des KZ Mauthausen. Der offizielle Name lautete „Nebenlager Leibnitz-Graz“. Die etwa 700 Häftlinge wurden zum Ausbau der Stollenanlage im Römersteinbruch Aflenz, Deckname „Salm“ und danach zur dort eingerichteten Fertigung für das Flugmotorenwerk Graz-Thondorf der Steyr-Daimler-Puch AG eingesetzt. Beim Näherrücken der Front wurden die Lagerinsassen am 2. April 1945 ins KZ Ebensee evakuiert. Der Todesmarsch forderte größere Anzahl an Toten, die Überlebenden kamen am 18. April 1945 in Ebensee an und wurden am 6. Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit.

1945 bis 1955 war die Gemeinde Teil der britischen Besatzungszone in Österreich.

Seit 2015 ist Retznei im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform mit den Gemeinden Berghausen, Ehrenhausen und Ratsch an der Weinstraße zusammengeschlossen, die neue Gemeinde führt den Namen Ehrenhausen an der Weinstraße. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 14. Oktober 2013. Nr. 102, 28. Stück. S. 556 (PDF, ris.bka). Das ehemalige Gemeindegebiet wird als Ortsteil (Ortsbereich)Bekanntmachung einer öffentlichen Interessentensuche ehrenhausen-gv.at, Gemeindewohnhäuser (abgerufen am 27. Juli 2016). der neuen Gemeinde weitergeführt.

Letzter Bürgermeister war Detlef Gruber (SPÖ). Der Gemeinderat setzte sich nach den Wahlen von 2010 wie folgt zusammen: 6 SPÖ, 3 ÖVP.

Einwohnerentwicklung + Bevölkerung und Gebäudestand Hzgt. Steyer Bld. Steiermark (Mon. Österr.) (Kthm. Österr.) (Österreich-Ungarn) (Republik. Österr.)1406177017821812184618691880189019001910192319341951196119711981199120012013EW Gem./OT – – – – –410 437 400 411 504 510 551 625 625 609 510 441 418 425 Ortschaft 140 149 109 127 157 – – – – – – 383 380 422 418 376 369 393Geb. Gem./OT 14 – – – – 71 74 74 75 81 91 90 88 100 99146 141 166 – Ortschaft 23 3028 – 25 – – – – – – 44 50 56118 121 149 – Quelle: Hist. Ortslexikon

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Steinbruch Retznei Retznei lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft. Wichtigste Anbaugüter sind: Weintrauben, Obst (für Apfelsaft, Schnaps), Kürbisse und Bohnen. Zahlreiche Weine kommen aus dieser Region, die schon bei Weinverkostungen Preise gewonnen haben. Die Gemeinde Retznei ist auch für gute und prämierte Schnäpse bekannt.

Wichtigster Arbeitgeber ist die Firma Lafarge Perlmooser, einer der weltweit größten Zementhersteller. Das Unternehmen betreibt ein Werk und den Steinbruch Retznei, einen großen Kalksteinbruch, welcher sich auf zwei Aufschlüsse aufteilt. Der ältere ist schon seit der vorigen Jahrhundertwende in Betrieb, wird aber zurzeit rekultiviert und in ein großes Biotop umgewandelt. Der zweite Bruch am Rosenberg wurde erst vor einigen Jahren großtechnisch erschlossen.

Bildung Musikvolksschule, Pädagogischer Panther 2000, elternbrief.at

Kultur und Sehenswürdigkeiten Ortskapelle Maria Hilf Museum Villa Retznei und Römische Villa Kreuzacker: In einem denkmalgeschützten Rauchstubenhaus des mittleren 18. Jahrhunderts ist das Römermuseum mit paläontologischen Funden aus dem Steinbruch Perlmooser und als sonstiges Heimatmuseum angesiedelt. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Verein Archäologisch Soziale Initiative Steiermark (Asist) betrieben. Die Ausgrabungen, 300 m vom Museum entfernt, sind ebenfalls zu besichtigen. Archäologisch Soziale Initiative Steiermark (asist.at). Land Steiermark.Ältestes Haus in Retznei erhält die Auszeichnung „Steirisches Wahrzeichen“ Sepp Hlupic in meinbezirk.at, 28. April 2015.Elisabeth Trinkl: Museum Villa Retznei. 10 Jahre archäologische Arbeiten durch den Verein ASIST (2004–2014). In: Forum Archaeologiae – Zeitschrift für klassische Archäologie 73/XII/2014 (online, univie.ac.at). Pestsäule: Das schlanke barocke Steindenkmal erinnert an die Pestopfer (1636, vielleicht auch 1672). Es stand ursprünglich am Rosenberg und wurde 1997 im Ort wiederaufgestellt. Friedrich Klementschitz in meinbezirk.at, 28. Februar 2016.

Persönlichkeiten Detlef Gruber (1952–2025), Politiker der SPÖ, Bürgermeister und Abgeordneter im Steiermärkischen Landtag

Weblinks

Archäologische Grabung Retznei. Archäologisch Soziale Initiative Steiermark, asist.at

Einzelnachweise

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Kategorie:Ehemalige Gemeinde in der Steiermark Kategorie:Gemeindegründung 1850 Kategorie:Gemeindeauflösung 2014