Santorin ( , meist Santorini transkribiert; von ) ist ein griechischer Archipel im Süden der Kykladen, gleichnamig mit dessen Hauptinsel, die im Griechischen zumeist Thira ( , nach Transkription aus dem Altgriechischen auch Thera) genannt wird. Santorin wurde 2021 von etwa 15.480 Einwohnern bewohnt. Seit der Verwaltungsreform 2010 ist es unter dem Namen Thira gleichzeitig eine Gemeinde (griechisch dimos) in der Region Südliche Ägäis.

mini|Blick über den Ort Ia in die Caldera von Santorin.

Lage und Geographie Die Santorin-Inselgruppe liegt im südlichen Ägäischen Meer etwa 120 km nördlich von Kreta. Die nächstgelegenen Inseln sind Anafi 22 km östlich und Ios 19 km nördlich; Milos liegt etwa 77 km nordwestlich.

Die ringförmig angeordneten Inseln Thira, Thirasia und Aspronisi bilden den Rand einer vom Meer gefluteten Caldera, in deren Zentrum die Inseln Palea Kameni und Nea Kameni liegen. Der gesamte Archipel hat einen Durchmesser von etwa 16 km. Die Gesamtfläche beträgt rund 92,5 km². Aufgrund der geologischen Entwicklung gehören auch die Christiana-Inseln (südwestlich) und der Unterwasservulkan Kolumbos (nordöstlich) zum Santorin-Archipel.

mini|Aussicht vom Berg Profitis auf Santorin und die Caldera. Von der 150 bis 350 m hohen Caldera-Wand ist die Abdachung von Thira und Thirasia nach außen hin sanft. Lediglich im Südosten von Thira unterbricht das nicht-vulkanische Profitis-Ilias-Massiv, mit 567 m die höchste Erhebung des Archipels, diesen sanften Abfall. Vielerorts bildet ein breiter schwarzer Lavastrand den Übergang zum Meer. An anderen Stellen reicht die Bimsdecke bis ans Meer und bildet dann Steilküsten. Auf Thira mit Ausnahme des Profitis-Ilias-Massivs und auf Thirasia prägen tiefe Erosionsrinnen in der weichen Bimsdecke die Topographie, verursacht durch winterliche Regenfälle.

Die maximale Ausdehnung der sichelförmigen Hauptinsel Thira beträgt vom Kap Mavropetra () im Norden bis zum Kap Exomytis () im Süden 17,4 km. Die Breite variiert zwischen 1,2 km im Norden bis etwa 6 km im Süden. Etwa 70 % der Inselfläche ist von teilweise massiven Bimssteinschichten bedeckt. Im Norden werden diese Schichten von älteren Vulkanen, im Süden von älteren Lavadomen unterbrochen. Jeweils 15 % entfallen auf Lava und Schlacken sowie auf das metamorphe Grundgebirge.

Die Caldera von Santorin umfasst eine Fläche von etwa 84,5 km², die Ausdehnung beträgt in Nord-Süd-Richtung etwa 11 km, in West-Ost-Richtung fast 8 km. Die absolute Höhe beträgt im Norden von Thira vom Meeresgrund etwa 700 m. Der Caldera-Boden besteht aus vier Teilbecken. Das nordöstliche Teilbecken erreicht eine Tiefe von nahezu 400 m und wurde vermutlich mit den Vorgängen der Minoischen Eruption gebildet.

mini|hochkant=1.3|Santorin + Die einzelnen Inseln Name griechischer Name Flächekm² Höhe Lage Thira 79,194 567 Thirasia 9,246 295 Nea Kameni 3,338 127 Palea Kameni 0,525 98 Aspronisi 0,142 70 Agios Nikolaos 0,003* Kimina 0,0005* * Flächenangaben geschätzt

Geologie Im Pliozän vor etwa drei Millionen Jahren verursachten Bewegungen an den Plattenrändern den Einbruch und die Überflutung des Kykladen-Massivs. Am Südrand führte die Subduktion der Afrikanischen Platte unter die Ägäische Platte zum Aufschmelzen des Krustenmaterials und zur Bildung eines vulkanischen Inselbogens. Der Santorin-Archipel liegt im zentralen Bereich dieses sogenannten Kykladenbogens.

mini|Die Caldera-Wand zeigt die Schichtung des vulkanischen Gesteins Die Basis des Santorin-Archipels bildet ein nichtvulkanisches Grundgebirge aus obertriassischen Riffkalken, die teilweise in Marmor umgewandelt sind, und tertiären Phylliten. Bei Athinios ist im Obermiozän in diese metamorphen Gesteine Granit eingedrungen. Den Hauptteil des Santorin-Archipels bilden mehrere Vulkankomplexe, die das Grundgebirge teilweise überlagern.

Dieses Grundgebirge bildete als Rest des Kykladen-Massivs eine nicht-vulkanische Insel und reicht vom Profitis-Ilias-Massiv sowie den Gavrilos-Hügel im Südosten bis zur Caldera-Wand bei Athinios und dem Kap Thermia im Westen. Santorini liegt im Zentrum einer vulkanischen Kette, die sich von den Christiana-Inseln im Südosten über den Unterwasservulkan Kolumbos bis zur Kolumbo-Vulkankette im Nordosten erstreckt. Dieses ca. 60 km lange Vulkanfeld liegt in einer Schwächezone und ist in vier Phasen entstanden, die im späten Pliozän mit der Entstehung Christianas ihren Anfang nahmen. Seismische Studien zeigen, dass die vulkanischen Phasen in einem engen Zusammenhang mit der tektonischen Entwicklung der Schwächezone steht, die sich von Santorini bis zur Insel Amorgos im Nordosten zieht. Santorini ist dabei das Ergebnis der jüngeren Geschichte dieser Vulkankette, in der die Insel ihre Form und Größe wiederholt änderte.

Die vulkanische Tätigkeit auf Santorini setzte vor etwa 600.000 Jahren ein. Ein Eruptionszentrum südwestlich des Kykladen-Massivs bildete eine neue Insel (Akrotiri), die bestehende wurde teilweise überdeckt. Vor 500.000 Jahren entstand im Norden von Thira ein weiterer Vulkan (Peristeria), während durch weitere Aktivitäten im Süden die vulkanischen und die nicht-vulkanischen Inseln vereinigt wurden. Zwei gewaltige Eruptionen vor 200.000 und 180.000 Jahren förderten eine bis zu 70 m mächtige Bimssteinschicht und überlagerten die bisherigen Vulkane. Aufgrund der Entleerung der Magmakammer kam es zu einem vulkanotektonischen Einbruch und zur Bildung der ersten Caldera. Als Auslöser der Eruptionen wurde 2021 der gesunkene Meeresspiegel um einen Wert von 40 m unter dem heutigen Niveau identifiziert. Die dadurch verringerte Höhe der Wassersäule über der Magmakammer ließ den auf sie ausgeübten Druck sinken, sodass der Vulkan (ungehindert) ausbrechen konnte.Nadja Podbregar: Santorini: Meeresspiegel beeinflusst Ausbrüche.Auf: Scinexx, 3. August 2021.

Insgesamt förderten zwölf explosive Eruptionen mit einem VEI-Wert von 5 oder höher (für die Minoische Eruption wird ein VEI-Wert von 7 diskutiert) in den vergangenen 200.000 Jahren die Hauptmenge der vulkanischen Produkte. Aktiven Phasen folgten Ruheperioden, anhand verkohlter Pflanzenreste konnte die Bodenbildung während längerer Ruhephasen nachgewiesen werden. Die Gestalt des Archipels veränderte sich mehrfach. Kräftigen Eruptionen folgte viermal die Bildung einer Caldera. Dieser wiederholte Wechsel von Vulkanbildung und vulkanotektonischen Einbrüchen ist heute im nördlichen Teil der Caldera nachweisbar. Infolge von drei explosiven Eruptionen entstanden die Skaros-Caldera vor weniger als 100.000 Jahren, die Kap-Riva-Caldera vor 21.000 Jahren und die heutige Caldera vor etwa 3600 Jahren, verursacht durch die Minoische Eruption. In deren Folgezeit setzten nahe dem Zentrum der Caldera unterseeische Eruptionen mit Lavaausflüssen ein und bauten in mehreren Phasen während der vergangenen 2200 Jahre den Kameni-Vulkan mit den gleichnamigen Inseln vom Caldera-Grund in 500 m Meerestiefe auf.

Mit drei Ausbrüchen im 20. Jahrhundert ist der Kameni-Vulkan der aktivste Vulkan (neben Nisyros) im östlichen Mittelmeer. mini|Blick von der Insel Nea Kameni auf Palea Kameni.

Historische und aktuelle Beobachtung der Vulkanaktivitäten mini|Vulkanische Aktivität auf Nea Kameni im 19. Jahrhundert

Von vulkanischen Aktivitäten in der Caldera von Santorin und der Entstehung der Kameni-Inseln berichten bereits antike Gelehrte wie Strabon, Plutarch und Pausanias; zahlreiche Beobachtungen sind überliefert. Die Beschreibungen der Entstehung von Nea Kameni ab 1570 sind besonders gut bekannt. Der französische Geologe Ferdinand André Fouqué verfolgte 1866 mehrere Monate lang die Ausbrüche von Nea Kameni und verfasste darüber eine Monographie. Hans Reck gab 1936 ein dreibändiges Werk über die Eruptionsperiode von 1925 bis 1928 heraus.Santorin. Der Werdegang eines Inselvulkans und sein Ausbruch. Die älteren Inseln Thira und Thirasia fanden dagegen lange Zeit kaum Beachtung. Die Entdeckung und Ausgrabung von Akrotiri warf erste Fragen auf; seit den 1960er Jahren wird die Entstehung der älteren Inseln international erforscht.

Im Sommer 1995 nahm das Institut für Studium und Observation des Santorini Vulkans (I.S.M.O.SA.V.) im Rahmen eines von der EU finanzierten Forschungsprogramms zur Vulkanüberwachung die Arbeit auf.Institute for the Study and Monitoring of the Santorini Volcano (I.S.M.O.SA.V.). Auf: santorini.net, abgerufen am 10. September 2019. Eine Gruppe von Forschern um Andrew Newman errichtete seit 2006 ein Netz aus zehn Seismographen und rund 20 GPS-Stationen.Andrew Newman: Recent geodetic unrest at Santorini Caldera, Greece. In: Geophysical Research Letters. Band 39, Heft 6, 2012 (abgerufen am 5. Februar 2025)

Im Februar 2025 begann ein Schwarm mit mehreren tausend Erdbeben im Meeresgebiet zwischen der Hauptinsel Thira und der nordöstlich gelegenen Insel Amorgos im Umkreis des untermeerischen Vulkans Kolumbos.Real Time Seismicity, WebGIS Hellenic Seismic Network (HL), Institute of Geodynamics of the National Observatory of Athens (NOA-IG) Seismologen befürchten ein Hauptbeben; daher verließen mehr als 10.000 Menschen die Insel. Ein Beben in der Nacht vom 3. auf den 4. Februar 2025 erreichte die Stärke von 4,9, am Abend des 5. Februars wurde ein weiteres Beben der Stärke 5,2 gemessen, das auch in Athen zu spüren war. Diese Beben erfolgten kurz nacheinander, was auch deshalb Besorgnis erregt, weil hierdurch der Vulkan Kolumbos aktiviert werden könnte, was zusätzlich zum möglicherweise bevorstehenden Hauptbeben Schäden hervorrufen würde. Aufgrund der anhaltenden seismischen Aktivitäten beschloss die Griechische Zivilschutzbehörde, für die Gemeinde Thira bis zum 3. März 2025 einen Ausnahmezustand auszurufen.State of emergency declared on Santorini due to earthquakes. In: ANA-MPA 6. Februar 2025

Mineralien und seltene Gesteine Durch seinen vielfältigen geologischen Aufbau ist Santorin reich an unterschiedlichen Gesteinen, die jeweils interessante Mineralien enthalten können.

In den vulkanischen Gesteinen Basalt, Dazit, Bims und Tuff gibt es Gasblasen, die Hohlräume zur Bildung von Mineralien anboten. Darin findet man unter anderem Quarzkristalle und Zeolithe (Natrolith, Chabasit).

In Vulkangesteinen, die hydrothermal verändert wurden und silikatreich sind, findet man Chalcedon, Quarz, Achat und Opal (meist als Hyalit). mini|Kleine Achate und Chalcedone gefunden am Roten Strand bei Akrotíri Sehr selten können Nebengesteine in eine Magmakammer geraten sein und wurden dort kontaktmetamorph überprägt, wobei Skarn entsteht. Darin findet man Granat und Pyroxen-Kristalle (bis 3 cm).

Im Bereich der älteren Grundgesteine, die zum Beispiel am Hafen Athinios zu finden sind (Schiefer, Marmor und Dolomit), gibt es Vererzungen, die an alte tektonische Störungen gebunden sind. Diese sind durch deutliche schwarze oder rötliche Adern erkennbar. Dort gibt es folgende Mineralien: Galenit/Bleiglanz (bis zu 3 cm große Einsprenglinge), Cerussit, Linarit (sehr selten), Malachit, Dolomit-Kristalle, Kupferkies (meist als limonitisierte Pseudomorphosen).

Fossilien mini|54.000 Jahre alte fossile Blattabdrücke von Olea europaea. Fundort: Fira/Santorin

In den Ascheschichten der Vulkanausbrüche haben sich manchmal Pflanzenreste erhalten, die bis vor kurzem im ehemaligen Bimssteinbruch bei Thira zu finden waren. Dazu gehörten Palmblätter, Terebinthenblätter und Olivenblätter. Diese Funde sind etwa 30.000 bis 60.000 Jahre alt. Derzeit wird die Fundstelle, die eigentlich ein schützenswertes Naturdenkmal von höchster Bedeutung ist, mit Müll zugeschüttet.

Die jüngsten Fossilien befinden sich in der Grenzschicht zur minoischen Vulkaneruption. Zum Beispiel hat Tom Pfeiffer dort einen verkohlten Olivenbaum gefunden, der bei der Datierung der minoischen Katastrophe half.

Viel älter sind dagegen die Fossilien am Profitis-Iias-Gipfel aus der Kreidezeit, wobei es dort hauptsächlich eine Tiefseefauna aus der Zeit um etwa 120 bis 150 Millionen Jahren gibt, beispielsweise mit Hippuriten.

Klima mini|Die drei blauen Kuppeln von Ia