Die traditionelle Religion der Akan ist eine für Westafrika typische Religion. Man findet hier nicht nur eine komplexe Welt göttlicher Wesen, die letztlich aus einem kosmisch ausgedeuteten Monotheismus heraus entspringt, hier trifft man zum Beispiel in Verbindung mit Seelen- und Ahnenvorstellungen auf einen weltweit wohl einzigartigen Gruppen- und Individual-Totemismus. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der religiöse Aspekt, den die Töpferei bei den Akan besitzt. Er ist wahrscheinlich das Überbleibsel einer vorzeitlichen Vorstellungswelt. Trotz aller Berührungen und Vermischungen mit religiösen Vorstellungen nicht-akanischen Ursprungs, einschließlich der weitgehenden Christianisierung bzw. Islamisierung der heutigen Akan-Gesellschaft, haben dennoch zahlreiche traditionelle Elemente bis heute überlebt und tragen zur kulturellen und religiösen Vielfalt im heutigen Westafrika südlich der Sahara bei.

Die Götterwelt

Das oberste Wesen Das oberste Wesen in der traditionellen Religion der Akan besteht in der göttlichen Triade Nyame-Nyankopong-Odumankoma, das heißt, es handelt sich hier um eine einzige Gottheit in einer dreifachen Ausfächerung (Hypostasen). Nyame steht dabei für alles Materielle auf dieser Welt (einschließlich Himmel, Sonne und Mond), Nyankopong steht für die Vitalkraft oder das Leben an sich und Odumankoma für das Bewusstsein oder den Intellekt. Nyame (in Nzima Nyamenle, bei den Ost-Akan am Volta Wulbari) ist der Eigner des sich drehenden Universums, er ist gleichbedeutend mit dem Himmel, die Sonne ist Ausdruck seines männlichen, der Mond der seines weiblichen Aspektes. Alternative Twi-Bezeichnungen für Nyame sind „Ewim“ (etwas Luftiges) oder „Osoro“ (das da oben). Nyankopong steht eher als Allgemeinbegriff für alles Göttliche und die damit in Verbindung stehenden kultisch verehrten Gegenstände. In Odumankoma tritt am deutlichsten der schöpferische Aspekt des Gottes hervor. Alle übrigen Untergötter, die Abosom, sind seine Geschöpfe. Er tritt in der Akan-Religion auch als Kulturbringer auf, indem er eine Frau namens Osra Abogyo in der Kunst des Töpferns unterwies.

Sowohl die ivorischen Agni (Anyi) und Baulé als auch die Nzima machen jedoch eine Trennung zwischen dem Ur-Schöpfergott und dem Himmels- und Sonnengott. Der Umstand, dass diese Trennung sonst bei den Akan nicht anzutreffen ist, weist auf eine ältere Gottesverehrung hin, die in diesen Gegenden bereits existierte, bevor die Akangruppen hier einwanderten. Bei den Agni ist dieser Ur-Schöpfergott Dago (Dagon), bei den Baulé Alurwa oder Anangama, in Nzima ist es Edenkema.

Die Erdgöttin Die Erdgöttin der Akan ist Asase, mitunter auch Asié, in Nzima Azele genannt. Der Name entsteht durch Verdopplung von „ase“, was in Twi „Unterseite von etwas“ bedeutet. Manchmal wird sie auch Aberewa genannt, „alte Mutter Erde“, in Nzima Sama Belewa (Sama Bolowa). In der Regel wird ihrem Namen noch das Suffix „Yaa“ oder „Afua“ (Efua, Fua) beigefügt. „Yaa“ ist der Akan-Name für eine Donnerstagsgeborene, „Afua“ der für eine Freitagsgeborene, was auf den der Erdgöttin geheiligten Tag verweist, der regional unterschiedlich sein kann.

Als Erdgöttin ist Asase auch Totengöttin und Herrscherin über das Totenreich. Wann immer in der Vergangenheit bei den Akan jemand bestattet wurde, wurde zunächst Asase ein Trankopfer gegeben, um von ihr die Beisetzungserlaubnis zu erhalten. Daneben ist Asase auch die Friedensgöttin, denn in der religiösen Vorstellungswelt der Akan ist sie es, die das Blut der Getöteten und Verletzten aufnehmen muss, was sie sehr erzürnt. (Im Meer zu ertrinken ist etwas anderes.) Wird sie in ihrem Zorn nicht besänftigt, so der traditionelle Glaube, drohen Missernten, Erdbeben oder ähnliche Naturkatastrophen. An den ihr geheiligten Tagen sind bei den Akan alle Arbeiten, die eine „Verletzung“ der Erde bedeuten würden (Feldarbeit, Grabungsarbeiten usw.), untersagt und schon gar nicht sollte an einem solchen Tag Blut auf die Erde tropfen, und wenn es nur aus einer Schnittverletzung herrührt. Geschieht es dennoch, ist der Gesetzesübertreter zu einem Versöhnungsopfer aufgefordert. Mitunter wird zwischen Asase Yaa als Göttin des unfruchtbaren Bodens und Asase Efua als Göttin des fruchtbaren Bodens unterschieden. Asase Afua werden in diesem Fall die Acht als heilige Zahl, die Venus als heiliger Stern und die Ziege als heiliges Tier zugeordnet. Asase Yaa dagegen werden die Neun als heilige Zahl, der Jupiter als heiliger Stern und der Skorpion als heiliges Tier zugeordnet. Trotz dieser heiligen Tiere gilt die Schlange (eigentlich ein Python) als Allgemeinsymbol der Akan-Erdgöttin an sich.

Asase ist die göttliche Gattin des Schöpfer- und Himmelgottes. Alle akanischen Abosom (Untergötter) gelten als Kinder von Nyame und Asase. Diese hierarchische Stellung zwischen dem Ur-Schöpfer und allen anderen Göttern zeigt, dass die Erdgöttin nicht-akanischen Ursprungs ist und ihr Einbau in die Götterwelt der Akan kann man als Versuch werten, den Frieden zwischen eingewanderten und bodenstämmigen Gruppen (die als eigentliche Eigner des Bodens gelten) auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen.

Die Abosom Unter der Sammelbezeichnung Abosom, auch Abosommerafoo (Sing. Obosom, Bossum, Bassam) werden in der Akan-Religion alle Untergötter zusammengefasst, welche in der göttlichen Hierarchie unter dem Schöpfergott und der Erdgöttin stehen. In Nzima heißen sie Awonzonle (Sing.: Bozonle). Es sind Untergötter, d. h. sie können durchaus vom Schöpfergott mit dem Tode bestraft werden. Gemäß dem akanischen Schöpfungsmythos sind aus der Vereinigung vom Schöpfergott und der Erdgöttin zunächst nur vier Abosom hervorgegangen: Tano (Tando), Bea, Apo und Twe (Bosomtwe). Alles vier sind „Gewässer“ im Akanland und sie wurden als Teilakt der Weltschöpfung von Nyame auf die Welt entsandt, um den Menschen Segnungen zu verleihen und auch solche von diesen zu empfangen. Alle weiteren Natur-, Wasser- und Waldgottheiten stammen von diesen vier Ur-Abosom ab. Wasser hat daher allgemein in der traditionellen Akan-Religion eine lebensschöpfende Kraft und so werden auch alle Fluss- und Wassergottheiten gleichzeitig als Fruchtbarkeitsgötter angesehen. (Dies bezieht sich allerdings nur auf Landwasser, das Meer ist etwas anderes.) Bei den ivorischen Baulé ist es Kwamnabo, der Gott des Regens, der aus der Vereinigung von Schöpfergott und Erdgöttin hervorgegangen ist. Im Gegensatz zu den Suman haben die Abosom ihre göttliche Macht von Nyame. In Asante heißt es, ein Obosom sei kreiert worden, um dem Häuptling und den Geistern der Vorfahren eines Dorfes als Gott zu dienen. Der Obosom kann aber auch von einem einzelnen Individuum in persönlichen Angelegenheiten konsultiert werden, wie z. B. in Fällen von Krankheit, Kinderlosigkeit, Ernteausfällen usw.

Die Suman Ein Suman (Souman, Summan) ist in der traditionellen Vorstellungswelt der Akan ein Fetisch, der einen persönlichen Haus- und Familien-Schutzgeist verkörpert. Es existiert in diesem Zusammenhang auch immer ein Behältnis, das einen Gegenstand enthält, mit dem der Bezug zum Summan hergestellt wird. Im Fetu der 1660er wurde ein solches Behältnis mit einem religiösen Maskottchen „Sesja“ genannt. In jeder Akan-Familie (im Sinne einer Maximallineage) gab oder gibt es einen ernannten Essumanfo (Summan-Priester), der für die Opferdarbringung, das Schlachten von Opfertieren und für den Summan-Familienschrein verantwortlich war oder ist. In der Literatur (Clarke) werden drei Typen von Summan unterschieden:

Typ 1: Er besitzt die gewöhnliche, typische, magische Struktur von speziellen, magisch hergestellten Bestandteilen. Er besitzt Riten und Beschwörungszauber, Tabus müssen beachtet werden, dem Gegenstand kommt eine spezifisch eingegrenzte Funktion zu und er wird zu individuellen Zwecken von Einzelpersonen verwendet. Typ 2: Von ihnen wird behauptet, dass sie ihre Fähigkeiten durch eine Verbindung mit Feen oder Waldgeistern bekommen und von denen man sie erhalten kann oder weil der Gegenstand der potentielle Wohnplatz eines oder mehrerer Geister mit „innerem Status“ ist, die für gewöhnlich dem Tierreich angehören. (Totemismus) Typ 3: Dies sind Summan, bei denen sich mehrere zu einer höheren Kategorie verschmolzen haben in der sie, wie es scheint, mit den Abosom aufeinandertreffen. Summan höherer Kategorien sind zumeist die Schutzfetische ganzer Nationen, wie z. B. im Falle von Bora Bora Weigya, dem Hauptfetisch der Fanti-Nation, dessen Hauptheiligtum sich bei Mankessim befindet. Zumeist dienen die Summan jedoch als Schutzgottheiten für Dörfer. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert herum waren z. B. die verbreitetsten unter ihnen Borgya und Abirwa. Damals hatte fast jedes Dorf im südwestlichen Asante und den angrenzenden Nachbarregionen entweder einen Borgya- oder einen Abirwa-Schrein oder beides. Ihre Verehrer bildeten auf Dorfebene geschlossene Kultgemeinschaften, eine jede mit eigenen Meidungsgeboten, Aufnahmeritualen, Verhaltensregeln u. v. m.

Sonstige Summa war bei den Fetus der 1660er eine Gottheit, der man alles Unglück zuschrieb, was einem Menschen widerfahren konnte. Kaka-Gye ist bei den ivorischen Baulé eine ochsenköpfige Gottheit, welche die Seele eines Verstorbenen zu Nyame geleitet. Ohne seine Hilfe würde die Seele den Weg nicht finden und rastlos als Geist umherirren und dabei viel Schaden anrichten. Nyevile („das Meer“) ersetzt in den Küstengegenden von Agni und Nzima Nyame als Schöpfergott. Er gilt hier als der Ehegatte der Erdgöttin. Samanfo ist bei den Akan die Bezeichnung für die Gesamtheit der Ahnengeister.

Weltschöpfung Gleich um welche Schöpfungsvariante der Akan es sich handelt, die Schöpfung war in jedem Fall an einem Samstag beendet. Ein an einem Samstag geborenes männliches Kind, das bei den Akan traditionell den Namen Kwame bekommt, gilt daher als Glückskind. Zeremonien und Rituale zu Ehren des Schöpfergottes finden deshalb auch immer Samstags statt. Z. B. fiel in Asante des Königs Geburtstag immer auf einen Samstag, auch wenn er tatsächlich an einem anderen Tag geboren worden war.

Variante 1 Am Anfang schuf Gott die Welt, aber es war nur Gott in der Welt. Er machte sich daraufhin eine „Medizin“, schüttete sie auf den Boden und es wölbten sich Hügel, die schließlich aufbrachen und Tiere, Menschen und alle anderen Werke der Schöpfung traten heraus.

Variante 2 Die ersten Menschen wurden im Himmel erschaffen. Während es Gott regnen ließ, stiegen die sieben, von Gott geschaffenen ersten Menschen an einer Kette vom Himmel zur Erde herab. Sie brachten das Feuer mit. Als sie auf der Erde angekommen waren, zündeten sie sich ein Feuer an, um damit Speise zu kochen. Sie hatten aber kein Wasser zum Kochen, aber nirgendwo war Wasser zu sehen. Zwei von ihnen gingen daraufhin in den Busch, bis sie schließlich einen Fluss fanden, mit dessen Wasser sie dann ihre Speisen zubereiten konnten.

Untervariante 2.a): Gott gab seinem Schmied Odunmangkoma den Auftrag, Menschen und Tiere zu schmieden, denen der Schöpfergott dann Leben einhauchte. Gemäß der Überlieferung schuf Odunmangkoma jedoch zuerst das Wasser, denn Wasser hat lebensschöpfende Kraft.

Untervariante 2.b) (besonders bei den Kratsche (Ost-Akan) und teilweise bei den Aschanti anzutreffen): Anansi, die Spinne, eine Dienerin des Schöpfergottes, war es, die die Sonne und den Mond brachte. Auch hat sie die ersten Menschen „gewebt“, die dann an einem von ihr gewebten Faden auf die Erde herabkletterten.

Variante 3 Die ersten Menschen sind sowohl himmlischen als auch irdischen Ursprungs. Ein Menschenpaar stieg vom Himmel herab, ein anderes kam aus der Erde.

Variante 4