mini|250px|Christiane Rösinger (2010)

Christiane Rösinger (* 6. Januar 1961 in Rastatt) ist eine deutsche Musikerin, Autorin und Journalistin.

Leben und musikalisches Werk Christiane Rösinger wuchs in Hügelsheim bei Rastatt auf und zog nach einer Lehre zur Buchhändlerin 1985 nach West-Berlin, wo sie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft studierte und als Hilfskraft am Peter-Szondi-Institut arbeitete. Sie wuchs in einem katholisch geprägten dörflichen Umfeld auf. In West-Berlin bewegte sie sich Mitte der 1980er Jahre im Umfeld des „Fischbüros“.Christiane Roesinger: Fischbüro – Teil 1. In: Kreuzberger Chronik, Ausgabe 34, Februar 2002.

1988 gründete sie zusammen mit Almut Klotz, Heiner Weiß, Kathrin Fitzner und Funny van Dannen die Band Lassie Singers, die sich 1998 auflöste. Die Band verband mehrstimmigen Gesang mit ironischen und gesellschaftskritischen Texten, in denen unter anderem Liebesbeziehungen und Geschlechterrollen verhandelt wurden. Bereits 1997 begann Rösinger mit der Schlagzeugerin Britta Neander und der Bassistin Julie Miess die Band Britta aufzubauen, deren Debütalbum Irgendwas ist immer 1999 erschien. 1998 gründete sie außerdem mit Almut Klotz das unabhängige Musiklabel Flittchen Records. Von der zweiten Britta-Platte an gehörte auch die Gitarristin Barbara Wagner zur Band.

2003 erlitt Rösinger mit 42 Jahren einen Schlaganfall und direkt danach einen schweren Unfall und konnte mehrere Monate nicht arbeiten. Durch die Insolvenz des Musikvertriebs EFA verlor Flittchen Records nahezu sämtliche Einnahmen aus Brittas drittem Album Lichtjahre voraus. Im Dezember 2004 starb Brittas Schlagzeugerin und Namensgeberin Britta Neander nach einer Herzoperation. Für das vierte Album Das schöne Leben (2006) arbeitete die Band mit dem Schlagzeuger Sebastian Vogel und dem Produzenten Herman Herrmann zusammen; das Elektroniklabel Morr Music wurde neuer Finanzpartner. Auf dem Album beschäftigte sich Britta unter anderem mit prekären Lebensverhältnissen, sozialer Ungleichheit und dem Verhältnis von Erwerbsarbeit und Selbstverwirklichung.

Im Oktober 2010 veröffentlichte Rösinger ihr erstes Soloalbum Songs of L. and Hate, auf dem Andreas Spechtl von Ja, Panik für die Arrangements verantwortlich zeichnete. Diesem folgte 2017 Lieder ohne Leiden, auf dem sie abermals mit Spechtl zusammenarbeitete, der an der Instrumentierung und am Gesang beteiligt war. Ihre Tochter sang dabei im Hintergrund. Thematisch dreht sich das Album um das Altern, was der Song Joy of Ageing bündelt. Dort reihen sich zudem collagenartig Zitate von Bertolt Brecht, The Smiths oder der Münchener Band Schwermut Forest.

Journalistische und schriftstellerische Arbeit Rösinger schreibt für verschiedene Zeitungen, darunter taz, Tagesspiegel, Berliner Zeitung und die „Berliner Seiten“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, vor allem über Themen, die mit Popmusik und Popkultur in Verbindung stehen.

Im März 2008 erschien ihr erstes Buch, Das schöne Leben, in dem sie in kurzen autobiografischen Texten vom Leben auf dem Dorf und vom Leben in der Stadt erzählt. Seit August 2008 schreibt sie eine wöchentliche Kolumne für den österreichischen Radiosender fm4.

Seit September 2015 engagierte sich Rösinger ehrenamtlich als Deutschlehrerin für Geflüchtete in Berlin-Kreuzberg. Ihre Erfahrungen mit einem Anfängerkurs einer ehrenamtlichen Initiative verarbeitete sie in dem 2017 erschienenen Buch Zukunft machen wir später. Meine Deutschstunden mit Geflüchteten. Dabei beschäftigte sie sich auch mit den Schwierigkeiten eines Sprachunterrichts, dessen alltägliche Lerninhalte wie Wohnen und Familie durch die Lebensumstände und Fluchterfahrungen der Teilnehmer eine besondere Bedeutung erhielten. Zugleich beschrieb sie den Einsatz von Gesang, Zeichnungen und Pantomime als Möglichkeiten, sprachliche Verständigung und gemeinsames Lernen zu erleichtern.

Über einen gemeinsamen Aufenthalt in den USA schrieb die österreichische Schriftstellerin Stefanie Sargnagel 2023 das autofiktionale Buch Iowa, zu dem Rösinger „korrigierende Fußnoten“ verfasste.

2026 veröffentlichte Rösinger mit The Joy of Ageing ein Buch über das Älterwerden, in dem sie persönliche Erinnerungen und Geschichten für analytische Beobachtungen zu Altersdiskriminierung, negativen Alterszuschreibungen und der Vermarktung des Alters nutzt. Einzelne Inhalte des Buches waren zuvor in ihrer taz-Kolumne Aus dem Leben einer Boomerin angelegt. Im Zusammenhang mit dem Älterwerden thematisiert sie auch die Wechseljahre und Altersarmut als Aspekte weiblicher Lebenserfahrungen. Bei der Buchpremiere im Berliner Hebbel am Ufer las Rösinger zusammen mit Doreen Kutzke, Julie Miess und Andreas Schwarz; Claudia Fierke übernahm dabei eine Übersetzung aus dem Badischen.

Theater und Bühnenarbeit In den 1990er Jahren betrieb Rösinger die wöchentliche Veranstaltungsreihe Flittchenbar in der Maria am Ostbahnhof. Seit Dezember 2010 veranstaltet sie diese musikalische Themen-Gala monatlich im Kreuzberger Südblock.

2016 steuerte sie Musik zum sogenannten „Fussical“ (einem Musical über Fußball) Der Spielmacher im Hebbel am Ufer bei. Für das Stück Feminista Baby! – Premiere 2017 im Deutschen Theater – schrieb sie die Musik und spielte auch mit.

Im Herbst 2019 hatte ihr erstes Musical Stadt unter Einfluss Premiere im Hebbel am Ufer. Für das wohnungspolitische Musical schrieb sie den Text und die Songs, führte Regie und spielte selbst mit.

In ihrem 2025 am HAU gezeigten Stück Leben im Liegen deuteten sich bereits Motive ihres späteren Buches The Joy of Ageing an, darunter die von ihr behandelte „Alterspubertät“.

Privates Rösinger lebt seit 1985 in Berlin-Kreuzberg (SO 36). Sie war bereits in jungen Jahren alleinerziehende Mutter. Sie hat eine Tochter und zwei Enkel.

Auszeichnungen 2011 war sie mit ihrem Album Songs of L. and Hate für den Echo-Kritikerpreis nominiert. 2020 wurde sie mit dem Rio-Reiser-Sonderstipendium des Musicboard Berlin ausgezeichnet. 2025 wurde sie mit dem Göttinger Elch ausgezeichnet.

Diskografie Lassie Singers: Die Lassie Singers helfen Dir. 1991, Sony Music/Columbia. Lassie Singers: Sei À Go Go. 1992, Sony BMG. Lassie Singers: Stadt, Land, Verbrechen. 1995, Sony BMG. Lassie Singers: Hotel Hotel. 1996, Sony BMG. Lassie Singers: Rest Of. 1998, Flittchen Records. Lassie Singers: Best Of. 1998, Flittchen Records. Britta: Irgendwas ist immer. 1999, Flittchen Records. Britta: Kollektion Gold. 2001, Flittchen Records. Britta: Lichtjahre voraus. 2003, Flittchen Records. Britta: Das schöne Leben. 2006, Flittchen Records. Britta: Best of Britta. 2018, Staatsakt. Christiane Rösinger: Songs of L. and Hate. 2010, Staatsakt. Christiane Rösinger: Lieder ohne Leiden. 2017, Staatsakt.

Bibliografie Das schöne Leben. Fischer, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-596-17595-6. Liebe wird oft überbewertet. Ein Sachbuch. Fischer, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-10-092946-4. Berlin – Baku. Meine Reise zum Eurovision Song Contest. Fischer, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-10-092945-7. Zukunft machen wir später. Meine Deutschstunden mit Geflüchteten. Fischer, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-596-29804-4. Was jetzt kommt. Ausgewählte Songtexte. Ventil Verlag, Mainz 2022, ISBN 978-3-95575-183-8. The Joy of Ageing. Rowohlt, Hamburg 2026, ISBN 978-3-49800-753-9.

Theater 2016: Der Spielmacher – Ein Fussical. Hebbel am Ufer (Berlin). 2017: Feminista Baby! Deutsches Theater (Berlin). 2019: Stadt unter Einfluss – Ein wohnungspolitisches Musical. Hebbel am Ufer (Berlin). 2020/21: Legends of Entertainment. Tour mit Stefanie Sargnagel und Denice Bourbon, u. a. an der Volksbühne Berlin. 2021: Planet Egalia – Ein feministisches Singspiel. Hebbel am Ufer (Berlin). 2023: Die große Klassenrevue. Hebbel am Ufer (Berlin). 2025: Leben im Liegen. Hebbel am Ufer (Berlin).Sophie Diesselhorst: Für immer faul, das will sie sein, Rezension auf nachtkritik.de, erschienen und abgerufen am 11. Dezember 2025.

Hörspiel 2023: Planet Egalia – Ein feministisches Musical. (WDR)

TV 2021: Tatort: Das ist unser Haus (als Darstellerin der Ulrike)

Weblinks

Offizielle Homepage Infos und Links auf single-generation.de Jana Sittnick: Wohnen in Berlin: Sängerin Christiane Rösinger und ihre rote Couch in Kreuzberg Leben im Liegen. In: Berliner Zeitung. 23. Dezember 2000. Pinky Rose: Ein Knaller aus Berlin. Zeit Online, 10. April 2006. Ingo Reiff: Christiane Rösinger – „Das sind immer so dumme Stereotypen“. Crazewire.de vom 16. Februar 2011. Acoustic Video Session von „Depressiver Tag“, „Liebe wird oft überbewertet“ und „Ich muss immer an dich denken“, April 2008.

Einzelnachweise

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