Sechshundertsechsundsechzig (666) ist die natürliche Zahl zwischen 665 und 667. Sie ist gerade. Besondere Bedeutung hat sie durch ihre Erwähnung in der Offenbarung des Johannes. Im Rahmen des Okkultismus und der Zahlenmystik wird ihr eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Sie wird auch als Zahl des Tieres oder Zahl des Antichristen bezeichnet.
Mathematik Dreieckszahlen 666 ist die Summe der ersten sechsunddreißig natürlichen Zahlen, was es zu einer Dreieckszahl macht: .
Tatsächlich ist 666 die größte Dreieckszahl, die gleichzeitig eine Schnapszahl ist. Da 36 ebenfalls eine Dreieckszahl ist, ist 666 eine doppelte Dreieckszahl. Außerdem ist 666 die Summe der Quadrate zweier aufeinanderfolgender Dreieckszahlen .
Primzahlen Primzahlen und insbesondere die Zahl Sieben spielen in der Zahlenmystik eine wichtige Rolle. Bildet man die Summe der Quadrate der ersten sieben Primzahlen , erhält man . Eine besondere Primzahl mit Bezug zur 666 ist Belphegors Primzahl mit der Nummer 1 000 000 000 000 066 600 000 000 000 001. Belphegors Primzahl ist ein Primzahlpalindrom, also eine Primzahl, deren Ziffern von vorn und von hinten gelesen die gleiche Zahl ergeben. In der Mitte der Zahl steht die 666.
Kreiszahl Die Summe der ersten Dezimalziffern der Kreiszahl Pi beträgt 666.
Darstellung als römische Zahl Bei der Darstellung in römischen Zahlen als wird jeder Zahlenwert unter 1000 genau einmal verwendet, und zwar in absteigender Reihenfolge (D = 500, C = 100, L = 50, X = 10, V = 5, I = 1).
Magische Quadrate Zudem lässt sich ein Magisches Quadrat der Kantenlänge 6 konstruieren, bei dem die Summe aller eingetragenen Zahlen 666 beträgt; die Summe in jeder Zeile oder Spalte ist daher 111.
Es gibt ein magisches Quadrat der Kantenlänge 6, in dem alle auftretenden Zahlen Primzahlen sind, die Summe in jeder Zeile, in jeder Spalte und in den beiden Diagonalen jeweils 666 ist.Clifford A. Pickover: Dr. Googols wundersame Welt der Zahlen, München, dtv, 2005, ISBN 3-423-34177-7, S. 9
Mythologie und Religion Biblischer Ursprung Die Zahl findet sich mit spezifischer Bedeutung in der Bibel in der Offenbarung des Johannes () im Neuen Testament. Dort heißt es im griechischen Original in der Ausgabe von Nestle-Aland (27. Aufl.):
Das „Tier“ wird nach verbreitetem Textverständnis mit dem Antichrist identifiziert, der in den Johannesbriefen erwähnt wird.Ulrich B. Müller: Die Offenbarung des Johannes (= Ökumenischer Taschenbuch-Kommentar zum Neuen Testament, Bd. 19). Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1984, S. 249.
Die Zahl 666 erscheint mit numerischer Bedeutung im Alten Testament im 1. Buch der Könige und parallel im 2. Buch der Chronik , wo es sich um eine Gewichtsangabe in Zentnern handelt. Im Buch Esra wird die Anzahl der Söhne Adonikams (666) genannt.
Alternative Lesarten mini|Fragment des Papyrus mit ΧΙϚ (616) als Zahl des Tieres Die für die neutestamentliche Wissenschaft heute maßgeblichen kritischen Textausgaben (der Nestle-Aland bzw. das Greek New Testament) halten die Lesart 666 für die ursprüngliche Lesart der Stelle. Dabei stützen sie sich auf die beiden wichtigsten antiken Textzeugen der Bibel, den Codex Sinaiticus (4. Jahrhundert) und den Codex Alexandrinus (5. Jahrhundert), die wie die Mehrzahl der späteren Textzeugen die 666 überliefern. Schon in (Chester Beatty III), einem Papyrusfragment aus dem 3. Jahrhundert, ist 666 überliefert, geschrieben in den griechischen Zahlbuchstaben (Chi, Xi, Stigma).
Hingegen wusste der Kirchenvater Irenäus von Lyon, dass in einigen Handschriften statt der 666 die 616 zu lesen ist, hielt diese Zahl allerdings für einen Abschreibfehler. Jedoch hatte der Bischof Tyconius (4. Jahrhundert), einer der wenigen altkirchlichen Ausleger der Offenbarung, keine Schwierigkeiten, die 616 als Zahl des Antichristen zu deuten.Vgl. Wilhelm Bousset, Die Offenbarung Johannis, 6. Auflage, Göttingen 1906, S. 59.
In der Tat finden sich zwei bis heute erhaltene Belege für die Lesart 616: einmal in dem auf das Jahr 300 datierten Papyrus (POxy. 4499), geschrieben (Chi, Iota, Stigma),; vgl. auch David C. Parker, A new Oxyrhynchus Papyrus of Revelation: P115 (P. Oxy. 4499), in: New Testament Studies 46. Jg., 2000, S. 159–174 zum Papyrus insgesamt. Parker hält die Lesart 616 für nicht ursprünglich (S. 170). sowie im Codex Ephraemi Rescriptus, einem Palimpsest aus dem 5. Jahrhundert.
Die nach ihrem Textwert nicht zu vernachlässigende Minuskel 2344 aus dem 11. Jahrhundert bietet die Lesart 665 (in Worten ausgeschrieben).
Deutungen Wie auch in verwandter apokalyptischer Literatur sind Namen, Orte und Zeitabschnitte in der Offenbarung des Johannes oft chiffriert. So steht „Babylon“ () nach Meinung der meisten Exegeten für Rom bzw. das römische Reich. Die Zahl 666 stellt die verschlüsselte Form eines Namens („die Zahl eines Menschennamens“, ) dar. Dies beruht darauf, dass in historischer Zeit Zahlen mit denselben Zeichen wie Buchstaben geschrieben wurden, wie man es von den römischen, hebräischen und griechischen Zahlen her kennt. Die Zahlenwerte der Buchstaben eines Wortes lassen sich addieren. Diese Summe wurde zu ihrer Auslegung gematrischen Berechnungen unterworfen und in andere Wörter umgeformt. Da allerdings die unterschiedlichsten Ausgangswörter ein und denselben Summenwert ergeben können, ist die „Dechiffrierung“ stets mehrdeutig und ohne zusätzliche Hinweise durch den Verfasser mehr oder weniger beliebig und zufällig.
Dementsprechend ist der weitere Kontext der oben genannten Vorkommen der Zahl 666 im Alten Testament herangezogen worden, um aus der Schilderung des salomonischen Reichtums (1. Kön ; 2. Chr ) über die nachfolgend dargestellten nicht erlaubten Ehen („Hurerei“) Salomos und die Anbetung fremder Götter („Götzendienst“) zur Deutung zu kommen, dass die Zahl ein pervertiertes Königtum symbolisieren könne.Vgl. G. K. Beale, The Book of Revelation, Grand Rapids 1999, S. 72 und K. Bodner, B. Strawn, Solomon and 666 (Revelation 13.18). New Testament Studies 66, 2020, 299–312.
Alte Kirche mini|Eine Seite aus Athanasius Kirchers Oedipus Aegyptiacus mit Ableitung der Zahl des Tiers aus verschiedenen Namen: Lateinos, Teitan, Lampetis, Antemos.
Irenäus von Lyon (2. Jh. n. Chr.) gibt eine umständliche allegorisierende Ausdeutung der Zahl 666.Adv. haer. („Gegen die Häresien“), V 28,2f.; 29,2. Er verwirft alle Berechnungen eines bestimmten Namens. Gleichwohl nennt er als rechnerisch mögliche Lösungen des Rätsels die drei (vermutlich von ihm vorgefundenen) Namen Euanthes, Lateinos und Teitan.Adv. haer. („Gegen die Häresien“), V 30,2f.Wilhelm Bousset, Die Offenbarung des Johannis, Göttingen 1906, S. 49. Seine eigene Position ist die, die Identifikation mit konkreten Namen nicht im Voraus zu wagen: „Sicherer und gefahrloser ist es also, die Erfüllung dieser Prophetie abzuwarten, als allerlei Namen zu vermuten und zu weissagen. Gibt es doch viele Namen der genannten Zahl, und somit kommt die Sache nicht weiter. Denn wenn es viele Namen gibt, welche diese Zahl aufweisen, dann bleibt immer die Frage offen, welchen von diesen er führen wird.“ (Irenäus von Lyon: Gegen die Häresien. V, 30, 3.)
Andreas von Caesarea (* 563; † 637) listet in seinem wichtigen Kommentar zur Offenbarung als Deutung der Zahl 666 eine Reihe von Eigennamen. Neu sind bei ihm („Lampetes“) und („Benedikt“). Weiter nennt er vermeintliche Attribute des Antichrists (: „böser Führer“, : „alter Missgünstling“, : „wahrer Schaden“, : „ungerechtes Lamm“).Wilhelm Bousset, Die Offenbarung des Johannis, Göttingen 1906, S. 64.
Mittelalter In seiner Bulle Quia maior, mit der er 1213 zum Fünften Kreuzzug aufrief, wandte Papst Innozenz III. die Zahl auf Mohammed, den Propheten des Islam, an: Seit der Hidschra im Jahre 622 seien schon fast 600 Jahre vergangen, sodass nur noch wenige Jahrzehnte bis zum Ende dieses „Tiers“ fehlten.Jessalynn Bird, Edward Peters, James M. Powell (Hrsg.): Crusade and Christendom. Annotated Documents in Translation from Innocent III to the Fall of Acre, 1187–1291. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2013, ISBN 978-0-8122-4478-6, S. 108 f.
Einige mittelalterliche Exegeten ordneten die Zahl in antipapistischer Polemik dem Papst zu, und zwar entweder einem bestimmten Amtsträger oder generell dem Oberhaupt der römischen Kirche.
So deutet in der Folge des wirkungsreichen Apokalypsekommentars Joachims von Fiore der Franziskaner Ubertino da Casale († nach 1328) die Zahl 666 auf den zeitgenössischen Papst Benedikt XI. ().Vgl. Wilhelm Bousset, Die Offenbarung Johannis, Göttingen 1906, S. 79.
Auf das Amt als solches geht die Identifikation mit vorgeblichen lateinischen Papsttiteln:
So sollte auf der Tiara des Papstes geschrieben stehen: (Statthalter des Sohnes Gottes), woraus sich in chronographischer Zählweise die Summe 666 ergäbe. Diese Bezeichnung kommt jedoch nur sehr selten vor, als Variation der gebräuchlicheren Prägung (Statthalter Christi). Dies war ein gewöhnlicher Titel für alle Bischöfe, erst seit dem 12. Jahrhundert verstärkt ein Titel des Papstes. Auf den erhaltenen alten Tiaren findet sich diese Inschrift nicht.
Auf dasselbe Ergebnis kommt man in chronographischer Zählweise bei der Wortfolge (Lateinischer König und Priester). Dies wurde überhaupt nicht als päpstlicher Titel geführt.
Reformationszeit Martin Luther deutet die beiden Tiere in Offb auf das Papsttum und das Kaisertum, die miteinander im Bunde stehen. Die Zahl 666 aus Offb deutet er in einer Randbemerkung seiner Bibelausgabe von 1545 auf die Dauer der weltlichen Papstherrschaft.Vgl. die Ausgabe von Rogner&Bernhard, München 1972, S. 2496: „Das sind sechshundert vnd sechs vnd sechzig jar. So lange stehet das weltliche Bapstum.“ Überliefert in einer Glosse, kennt Luther auch die Deutung (ein hebräisches Wort, das angeblich „Römer“ heißen soll) für die Zahl 666.רומיית hat keinen klaren hebräischen Sinn: es ähnelt Wörtern mit der Bedeutung „römisch“, רומי heißt „römisch“ maskulinum, רומית „römisch“ femininum, also „die römische“, meist ist damit die „römische Sprache“, also Latein, gemeint. Er deutet dies dadurch an, dass er die Zahlen 200, 6, 40, 10, 10, 400 untereinander schreibt und addiert.Vgl. Wilhelm Bousset, Die Offenbarung Johannis, Göttingen 1906, S. 84 mit Verweis auf die Lutherausgabe von Walch, Bd. IX, S. 2816. Der Reformator Andreas Osiander (* 1498; † 1552) deutet die Zahl 666 auf die Zeit der Herrschaft des Papstes, von 1517 an rückwärts berechnet.Vgl. Wilhelm Bousset: Die Offenbarung Johannis, Göttingen 1906, S. 85. Der Schweizer Reformator Heinrich Bullinger (* 1504; † 1575) sieht in der Zahl 666 einen Verweis auf die Zeit von 97 bis 763, der Zeit der Entstehung der Papstherrschaft.Vgl. Wilhelm Bousset: Die Offenbarung Johannis. Göttingen 1906, S. 88.
Historisch-kritische Deutungen mini|Von Kaiser Nero zur Zahl 666