mini|Ansicht von Nordwesten|300x300px Der Grazer Dom, offiziell Kathedrale, Bischofskirche und Pfarrkirche Hl. Ägydius, ist die Kathedralkirche der Diözese Graz-Seckau. Angeschlossen ist die Pfarre Graz-Dom im Dekanat Graz-Mitte der Stadtkirche Graz.
Der Dom gilt als eines der kunst- und kulturhistorisch bedeutendsten Bauwerke der österreichischen Stadt Graz und des ganzen Bundeslandes Steiermark. Das in spätgotischem Stil gestaltete Bauwerk wurde im 15. Jahrhundert errichtet, unter Friedrich III. Hofkirche der römisch-deutschen Kaiser und im Jahr 1786, als Graz Bischofssitz wurde, in den Rang einer Domkirche erhoben. Der Sakralbau, ursprünglich als Kirchenkastell außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern vorgesehen, steht auf einem erhöhten Terrain zwischen Bürgergasse und Burggasse. Der Dom bildet zusammen mit dem benachbarten kaiserlichen Mausoleum, der Burg und dem Schauspielhaus das Ensemble der Grazer Stadtkrone.Schweigert: Dehio Graz. S. 13.
Baugeschichte Vorgängerbauten Der Grazer Dom ist dem heiligen Ägydius geweiht und wird daher auch als Domkirche zum heiligen Ägydius bezeichnet. Eine erste dem heiligen Ägydius geweihte Kirche befand sich zumindest seit dem 12. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Doms. Eine urkundliche Erwähnung ist mit 1174 datiert, ein erster Pfarrer in Graz wurde 1181 genannt. Von dieser ersten Kirche ist jedoch nichts erhalten.
Als Kaiser Friedrich III. im Jahr 1438 mit dem Bau der Grazer Burg begann, wurde auch der Neubau der Kirche begonnen. Aus dieser Zeit stammte der heute nicht mehr erhaltene zweigeschoßige Verbindungsgang zwischen Burg und Dom. Wie bei allen anderen unter Friedrich III. erbauten Gebäuden findet sich im Grazer Dom der Schriftzug AEIOU mit eingravierten oder gemalten Jahreszahlen: 1438 in der ehemaligen Sakristei, 1450 im Chorgewölbe, 1456 am Westportal und 1464 in der Gewölbemalerei. Mit dem Jahr 1464 wird daher die Vollendung des Bauwerks angenommen. Aus dem Jahr 1441 datiert eine Marktverleihungsurkunde Kaiser Friedrichs für den 1. Mai jeden Jahres, die mit dem damaligen Kirchweihfest in Verbindung gebracht wird. Daher wird heute wieder der 1. Mai als Jahrestag der Domweihe begangen.Direktorium 2008 der Diözese Graz-Seckau.
Erster Dombaumeister während der Chorbauphase bis 1450 war vermutlich der aus Graz gebürtige Hans Niesenberger, der 1459 auf dem Hüttentag in Regensburg als Meister von Grätz der Weissnaw und 1483 beim Mailänder Dom als Meister Johannes von Graz bezeichnet wurde.Anne-Christine Brehm: Hans Niesenberger von Graz. Ein Architekt der Spätgotik am Oberrhein, Schwabe, Basel 2013, S. 31–35.
Im Jahr 1564 war das Gebäude Hofkirche und bis 1573 Stadtpfarrkirche (eine Funktion, die 1585 von der ehemaligen Dominikanerkirche und heutigen Stadtpfarrkirche übernommen wurde); 1577 erhielten die Jesuiten die Kirche zur Nutzung. 1615 erfolgte der Anbau einer Sakristei; zwischen 1617 und 1667 wurden insgesamt vier neue Kapellen errichtet: die Pest-Kapelle, die Mater-Dolorosa-Kapelle, die Franz-Xaver-Kapelle und die Kreuz-Kapelle. 1678 wurde eine Gruft unter der Kirche gebaut, 1783 jedoch der Gruftzugang im Kircheninneren vermauert. 1786 wurde die Kirche zur Domkirche erhoben.Schweigert: Dehio Graz. S. 14.
Umbauten und Ergänzungen Die Böschung zur Bürgergasse wurde 1831 durch eine Terrassenmauer und die große Freitreppe ersetzt und der Verbindungsgang zum Jesuitenkolleg abgetragen. 1853/1854 erfolgte der Abbruch des zweigeschoßigen Verbindungsganges vom Dom zur Burg.
Die Stadtverwaltung Graz ließ 1962/1963 eine umfangreiche Neugestaltung des Kircheninnenraumes nach den Plänen von Karl Raimund Lorenz durchführen. Dazu zählten die Schaffung des neuen freistehenden Altartisches sowie die Entfernung eines schmiedeeisernen Gitters zwischen Hauptschiff und Chor.
Nachdem im Dom eine bestehende Gruft unter der Marienkapelle und unter der Kreuzkapelle als neue Grablege für die Bischöfe von Graz-Seckau adaptiert worden war, erfolgte im Jahr 2010 die Überführung der verstorbenen Bischöfe aus dem neben dem Dom gelegenen Mausoleum Kaiser Ferdinands II. in diese neue Bischofsgruft.Letzter Einzug in die Bischofskirche – Umbestattung verstorbener Bischöfe in die neue Bischofsgruft, Sonntagsblatt für Steiermark, Ausgabe Nr. 07-10., Zugriff am 11. Januar 2015.
Renovierung 2017–2023 Vom Mai 2019 bis zur Adventszeit 2019 war der Dom aufgrund von Renovierungsarbeiten gesperrt, in diesem Zeitraum wurde das Hauptschiff renoviert. 2020 wurde das Presbyterium renoviert, im Anschluss daran wurde ab 2022 ein großteils neues Orgelwerk im alten Gehäuse errichtet. In den Folgejahren wurden dann die einzelnen Kapellen saniert. Auch Heizung, Elektroinstallationen und Beleuchtung wurden erneuert, eine Videoinstallation wurde installiert.Grazer Dom ab Mai für Renovierung gesperrt auf ORF Steiermark vom 9. Oktober 2018, abgerufen am 9. Oktober 2018."Orgelweihe" zum Abschluss der Domrenovierung auf graz-dom.graz-seckau.at, abgerufen am 23. November 2023. Die Sanierung soll rund sechs Millionen Euro kosten.orf.at: Grazer Dom wird wegen Generalsanierung gesperrt. Artikel vom 26. März 2019, abgerufen am 26. März 2019. Am 26. November 2023 wurde die Sanierung des Doms abgeschlossen, mit der Einweihung der erneuerten Domorgel.orf.at: Grazer Dom ist fertig renoviert. 21. November 2023, abgerufen am 23. November 2023.
Die Gesamtkosten der Renovierung 2017–2023 von 6,5 Mio. € werden von der öffentlichen Hand, Großsponsoren und vielen Spendern mitgetragen. Davon entfallen rund 1,5 Millionen auf die Orgel, welche laut Domorganist Christian Iwan nun ein „Neubau unter Verwendung von Teilen der Vorgängerorgeln“ ist.Christian Penz: Prächtiges Klangerlebnis im renovierten Grazer Dom. Kleine Zeitung, Print, 25. November 2023, S. 22 f.
Außenbau mini|Dachlandschaft des Grazer Doms mit dem großen Dachreiter rechts, und dem kleinen links (hinter dem sich die Kuppellaterne des Mausoleums Kaiser Ferdinands II. emporhebt) mini|hochkant|Westportal Von außen wirkt der Grazer Dom massig und schlicht. Einzig der im Vergleich zum Langhaus deutlich schmälere Chorbereich weist mit seinen Strebepfeilern und reichen Maßwerkverzierungen eine bewegte Wandstruktur auf. Die ursprünglich eindrucksvoll bemalten Fassaden sind heute weitgehend weiß, von einigen Freskenresten abgesehen. Am bekanntesten ist das dem Maler Thomas von Villach zugeschriebene Gottesplagenbild an der Südseite des Langhauses, das sich auf das Jahr 1480 bezieht, in dem über Graz drei Plagen hereinbrachen: Pest, Krieg und Heuschrecken. Die seitlich an das Gebäude angefügten Kapellen und die beiden Dachreiter stammen nicht aus der Bauzeit, sondern wurden später hinzugefügt; der heutige große Dachreiter im Westen etwa stammt von Gregor Pacher und wurde im Jahr 1653 anstelle eines älteren, 1580–1582 von Vincenz de Verda geschaffenen, errichtet, der kleinere Ost-Dachreiter stammt von 1739. Die Steintore an den Langseiten stammen aus dem dritten Viertel des 17. Jahrhunderts; aus der gleichen Zeit sind auch die blechbeschlagenen Türen mit bemerkenswerten Beschlägen. Weiters sind an den Außenwänden der Kirche zahlreiche eingemauerte Grabsteine aus der Zeit des 16.–20. Jahrhunderts zu sehen. In der ostseitigen Außenanlage (zwischen Dom bzw. Mausoleum und Burggasse) befindet sich eine vom bekannten Grazer Künstler Erwin Huber im Jahr 1998 geschaffene mittelgroße Bronzeskulptur des Kirchenpatrons Ägydius.
Das reich verzierte Westportal steht noch eindeutig in der Tradition gotischen Baukunst. Vom Originalzustand erhalten sind aber nur Baldachine und Engelkopfkonsolen, die Statuen im Gewände, welche Maria, Josef, Johannes den Täufer und den heiligen Leopold darstellen, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Über dem mit 1456 datierten Portal sind das AEIOU des Kaisers und Wappenschilder zu sehen, welche den doppelköpfigen Reichsadler, den österreichischen Bindenschild sowie die Wappen Portugals und der Steiermark zeigen. Das Wappen Portugals wurde zu Ehren der Frau Friedrichs III., Eleonore Helena von Portugal, Tochter der portugiesischen Königin, angebracht.
Inneres mini|Blick ins Langhaus mini|Fresken im Seitenschiffgewölbe Das Innere der Kirche wurde mehrmals verändert, etwa durch Einbau von Seitenkapellen sowie einer barocken Orgelempore. Dennoch lässt sich erkennen, dass es sich beim Grazer Dom um eine Hallenkirche handelt, im speziellen Typus der Staffelhalle, der besonders in der Spätgotik häufig aufgegriffen wurde und der sich beispielsweise beim Wiener Stephansdom oder der ehemaligen Stiftskirche Neuberg, aber auch einigen Kirchenbauten im direkten Umfeld des Grazer Doms (Maria Trost in Fernitz und Pfarrkirche Semriach) findet. Das Langhaus im Grazer Dom wird durch acht mächtige Pfeiler in drei Schiffe unterteilt. Hinter einem hohen Triumphbogen schließt sich der langgestreckte Chor an. Der Grundriss des Grazer Doms ähnelt jenen der zuvor errichteten Bettelordenskirchen der Dominikaner und Franziskaner in Graz. Wie diese beiden besaß auch der Grazer Dom ursprünglich einen Lettner. Die Reliefe der Glocken des Domes wurden ebenfalls nach Vorlagen des Grazer Künstler Erwin Huber geschaffen.
Zur Zeit der Errichtung waren große Teile des Innenraumes farbig bemalt. Erhalten blieben nur Teile dieser spätgotischen Freskenausstattung, etwa die Christophorusdarstellungen über den Seiteneingängen oder die wieder freigelegten Ranken- und Blütendekorationen in den Seitenschiffgewölben, die mit 1464 datiert werden.
Barbarakapelle Die ehemalige Sakristei, heute Barbarakapelle, weist als frühesten Datierungsstein der Kirche einen mit der Jahreszahl 1438 auf. Von den beiden Schlusssteinen zeigt der eine die Heilige Veronika mit dem Schweißtuch, der andere einen Engel mit dem österreichischen Bindenschild; hier sind kirchliche und weltliche Macht einander ebenbürtig gegenübergestellt. Auch auf den Schlusssteinen im Hauptschiff sind nicht, wie in der Kunst der Romanik, ausschließlich Symbole Christi, sondern außerdem kaiserliche Wappen und die Wappen verschiedener Förderer des Baus zu sehen. Die drei Glasfenster sind „abstrakte Kompositionen“ von Alfred Wickenburg (1965).
Friedrichskapelle Über der Barbarakapelle befindet sich die Friedrichskapelle, von der lange angenommen wurde, dass sie bereits zum ursprünglichen Baukonzept gehört habe. Neuen Untersuchungen zufolge ist die Friedrichskapelle dem Bau erst später hinzugefügt worden. Zwei Jahre nach Baubeginn stieg Friedrich III. zum König auf; ein Westwerk mit Herrscherempore, wie es damals für Herrscherkirchen üblich war, war aber in der Kirchenplanung nicht vorgesehen, und ein nachträglicher Einbau wegen des im Westen steil abfallenden Geländes nicht möglich. Daher entstand zum ersten Mal in der mittelalterlichen Architektur eine Herrscherempore direkt neben dem Chor. In diesem Raum ist besonders häufig Friedrichs Devise AEIOU zu sehen. Die Friedrichskapelle und ein später darüber errichteter Betraum (die heutige Romualdkapelle) waren als dem Herrscher direkt zur Verfügung stehende Räume über eine Brücke direkt mit der Grazer Burg verbunden.
mini|hochkant|Barocker Hochaltar mit Bildhauerarbeiten von Johann Jacob Schoy
1577–1773