mini|Wappen DFV mini|Deutsche Frauenfußballmeister seit 1974 mini|hochkant|Bernd Schröder, erfolgreichster Trainer im Frauenfußball der DDR In der DDR wurde seit Ende der 1950er Jahre Frauenfußball gespielt. Der Fußballverband integrierte die Frauenmannschaften ab 1968, die aber zunächst nur regionale Wettbewerbe (Bezirksebene) austrugen. Offizielle Wettbewerbe auf DDR-Ebene gab es seit Ende der 1970er Jahre.
Geschichte Die ersten Veröffentlichungen über Frauenfußballspiele in der DDR gab es in den Jahren 1959Veröffentlichung in der Neuen Fußballwoche vom 28. Juli 1959 und 1960.Veröffentlichung in der Neuen Fußballwoche vom 2. Februar 1960 Aus dieser Zeit ist ein Spiel in Dresden überliefert, bei dem sich Mannschaften aus Dresden und Leipzig gegenüberstanden. Für die Jahre danach sind aber kaum Zeitzeugenberichte bekannt, vor allem, weil sich der Frauenfußball als Freizeitsport außerhalb des Punktspielbetriebs im Deutschen Fußball-Verband der DDR (DFV) abspielte.
Die Verankerung des Frauenfußballmannschaft in der Organisationsstruktur des DFV erfolgte ab 1968. Der bulgarische Student Wladimir Zwetkov (* 1939; † 2019), der an der Technischen Universität studierte, wollte bei der BSG Empor Dresden-Mitte (heute Dresdner SC) seine Idee, Frauen auch offiziell Fußball spielen zu lassen, umsetzen. Damit stieß er in den Funktionärsetagen von Partei und Sportverbänden zwar auf Widerstand, erhielt aber nach einem langen Telefongespräch mit dem 1. Parteisekretär des Bezirks Dresden und einem Besuch bei der Leitung der BSG Empor Dresden-Mitte grünes Licht. Er gab eine Annonce in den Sächsischen Neuen Nachrichten auf, worauf sich viele Frauen zum Training meldeten.
Unerwartete Hilfestellung erhielt der Bulgare überdies durch Heinz Florian Oertel. Während eines Besuchs beim DDR-Oberligisten Union Berlin konnte er den bekannten Sportreporter überreden, in der Halbzeitpause des Herrenspiels über Stadionlautsprecher das erste Frauenfußballspiel von Empor Dresden-Mitte anzukündigen.Rainer Hennies/Daniel Meuren: Frauenfußball – Der lange Weg zur Anerkennung, Göttingen 2009, S. 166.
Am 4. August 1969 fand dieses Spiel gegen Empor Possendorf vor 1.600 Zuschauern statt, Dresden-Mitte gewann mit 2:0. Wenig später war Zwetkov auch an der Gründung der Betriebssportgemeinschaften ZfK Rossendorf sowie Aufbau Dresden-Ost beteiligt. In einem Interview 2005 sagte Zwetkov zu seinen damaligen Trainingsmethoden: „Taktik, Technik und Gymnastik … Die Übungen, die Klinsmann jetzt mit den Amerikanern macht für die Nationalmannschaft, die hab ich schon damals mit den Frauen gemacht, z. B. diese Übungen mit Seilen, die um die Beine gebunden werden.“
Da Frauenfußball keine olympische Sportart war und damit auch kein staatliches Renommee in Aussicht stand, wurde er auch nicht als Leistungssport gefördert. Die verantwortlichen Funktionäre schoben den Frauenfußball in den Freizeit- und Erholungssport ab. An einem organisierten Spielbetrieb etwa auf Bezirksebene oder sogar landesweit bestand lange Zeit kein Interesse. Dennoch gelang es den Damenfußball-Pionieren in Dresden, zumindest auf Stadtebene, ab 1970 eine Liga mit acht Mannschaften einzurichten. Auch anderswo in der DDR gründeten sich Frauenfußballteams. In Leipzig wurde bereits am 5. November 1968 die BSG Chemie Leipzig ins Leben gerufen.Hoffmann/Nendza: Frauenfußball, S. 62. 1969 entstand die BSG Motor Mitte Karl-Marx-Stadt, 1970 die BSG Motor Halle.Ratzeburg/Biese: Frauen Fußball, S. 30.
Damenfußballteams entstanden in dieser Zeit außerdem in den DDR-Bezirken Karl-Marx-Stadt, Neubrandenburg und Rostock, so z. B. mit der BSG Post Rostock, Traktor Spornitz und der BSG Hydraulik Parchim. Vielfach stießen die Verantwortlichen aber auf Unverständnis oder Ablehnung. So handelte sich Jupp Pilz von der BSG Post Rostock bei den Gründungsvorbereitungen einer Damenfußballabteilung erst einmal 26 Absagen von Betriebssportgemeinschaften ein. Bis Ende 1971 spielten in der DDR dennoch insgesamt 150 Teams Damenfußball.Ronny Galczynski: Frauenfußball von A – Z. Das Lexikon für den deutschen Frauenfußball. Spielerinnen, Vereine und Rekorde. Viele Hintergrundgeschichten, Hannover 2010, S. 65.
In Neubrandenburg wurde ab 1974 ein Spielbetrieb mit sechs Damenfußballteams etabliert. Teilnehmer waren die Betriebssportgemeinschaften von Motor Teterow, Ascobloc Neubrandenburg, Traktor Rosenow, Einheit Strasburg, Vorwärts Viereck und Traktor Neukölln.
Die Spielordnung des DFV der DDR von 1971 sah vor, dass die Spielzeit 2 mal 30 Minuten beträgt, die Mädchen mindestens 16 Jahre alt sind und ein „einsatzfähiger weiblicher Schiedsrichter“ gestellt wird. Durch Beschluss legte der DFV weiterhin fest: „Der Wettspielbetrieb darf nicht über den Bezirksbereich hinausgehen.“
DDR-Meisterschaften wurden dadurch lange Zeit verhindert. „Die Einführung einer Damenfußball-Oberliga (…) halten wir für überstürzt“ hatte 1971 schon der stellvertretende Generalsekretär des DFV Hans Müller gesagt.Hoffmann/Nendza: Frauenfußball, S. 64.
Ab 1979 wurde erstmals eine „Meisterschaft“ in Form einer Bestenermittlung ausgespielt. 1979 beschloss der VI. Verbandstag des DDR-Fußballverbandes DFV einen überregionalen Spielbetrieb. Die Funktionäre beschlossen: „Zur weiteren Belebung und Förderung des Frauenfußballs sind Bezirksbestenermittlungen durchzuführen und beginnend 1979 erstmals Turniere dieser Bezirksbesten bis zur Ermittlung der DDR-Besten-Frauenfußballmannschaft zu organisieren.“ Es entstand in der Folge eine Arbeitsgruppe Frauenfußball in der Kommission Freizeit- und Erholungssport, die mit der Organisation des Wettbewerbsbetriebes beauftragt wurde.
Die Bestenermittlung am 6. Oktober 1979 in Templin kann als erstes größeres Ereignis des DDR-Frauenfußballs bezeichnet werden. 3.100 Zuschauer besuchten die Spiele im Templiner Stadion der Freundschaft, von denen 2.000 ihre Karten im Vorverkauf erworben hatten. Zudem war der stellvertretende Generalsekretär des DFV Hans Müller persönlich zugegen, um sich die Spiele anzuschauen und die Siegerehrung vorzunehmen. Die vier Endrundenteilnehmer vertraten überdies rund 300 Frauenfußballmannschaften des DFV der DDR.Norddeutsche Neueste Nachrichten (Rostock), 8. Oktober 1979, Sportteil.
Insgesamt hatten sich 1981 in der DDR 360 Frauenfußballteams gegründet. Die besten Mannschaften der Zeit kamen aus Dresden, Karl-Marx-Stadt, Rostock und Potsdam.Hoffmann/Nendza: Frauenfußball, S. 66.
1987 kam mit dem „Pokal des Demokratischen Frauenbundes“ ein Pokalwettbewerb hinzu. Eine richtige Meisterschaft nach dem Vorbild der DDR-Oberliga der Männer erlaubte der DFV erst im Jahr der Wiedervereinigung 1990. Erster und einziger offizieller DDR-Meister wurde die BSG Post Rostock, wobei die Mannschaften, die in den Jahren der Bestenermittlung tonangebend waren, auch 1990 zu den Besten gehörten, was das Rostocker Beispiel belegt. Zudem war der Sieger der Bestenermittlung bereits mitunter als DDR-Meister bezeichnet worden, selbst in Tageszeitungen.
Es gab seit 1989 auch eine Nationalmannschaft, die jedoch am 9. Mai 1990 nur ein einziges Mal spielte und in Potsdam gegen die ČSFR 0:3 verlor.DDR-Fußballfrauen: Sie spielten nur einmal auf dfb.de
Meisterschaften mini|hochkant|Plakat zur Bestenermittlung 1979 Da der Frauenfußball im damaligen Zeitraum keine olympische Sportart war, wurde die Meisterschaft, wie angeführt, ab 1979 durch eine Bestenermittlung entschieden. Hierfür qualifizierten sich im ersten Jahr vier, später fünf Mannschaften. Die besten Teams wurden durch Ausscheidungsturniere in den jeweiligen DDR-Bezirken ermittelt.Ronny Galczynski: Frauenfußball von A – Z. Das Lexikon für den deutschen Frauenfußball. Spielerinnen, Vereine und Rekorde. Viele Hintergrundgeschichten, Hannover 2010, S. 66.
Ab 1985 qualifizierten sich die Meister der 15 DDR-Bezirke. Zu einer Leistungskonzentration kam es 1987, als eine zweigleisige Liga (Nord und Süd) eingeführt wurde. Die Staffelsieger ermittelten im Finale den DDR-Meister.
In der Saison 1990/91 wurde schließlich die eingleisige Oberliga Nordost eingerichtet. Meister wurde der HSG Uni Jena, die sich zusammen mit dem FC Wismut Aue für die Bundesliga qualifizierten. Die restlichen Mannschaften bildeten zusammen mit einigen Westberliner Vereinen die neue Regionalliga Nordost, die fortan zweithöchste Spielklasse war.
Rekordmeister war die BSG Turbine Potsdam, die unter dem heutigen Namen 1. FFC Turbine Potsdam für lange Jahre zu den stärksten Frauenfußballvereinen Deutschlands gehörte.
Bekannte Spielerinnen ab Beginn der Bestenermittlung 1979 bzw. DDR-Meisterschaft waren Ines Stephan (Aufbau Dresden-Ost), Sabine Seidel und Sybille Brüdgam (Turbine Potsdam), Doreen Meier (Uni SV Jena) oder Katrin Prühs (BSG Post Rostock).
Bestenermittlung 1979–1984 Jahr Austragungsort Meister Zweiter Dritter Vierter Fünfter 1979 Templin BSG Motor Mitte Karl-Marx-Stadt BSG Aufbau Dresden-Ost BSG Post Rostock BSG Chemie Wolfen – 1980 Blankenburg (Harz) BSG Wismut Karl-Marx-Stadt BSG Aufbau Dresden-Ost BSG Chemie Wolfen BSG Chemie PCK Schwedt BSG Post Rostock 1981 Babelsberg BSG Turbine Potsdam BSG Chemie Wolfen BSG Chemie Leipzig BSG Aufbau Dresden-Ost BSG EAB 47 Berlin 1982 Lauchhammer BSG Turbine Potsdam BSG Chemie PCK Schwedt BSG Chemie Leipzig BSG Fortschritt Erfurt BSG Chemie Wolfen 1983 Schwedt BSG Turbine Potsdam BSG Wismut Karl-Marx-Stadt BSG Chemie PCK Schwedt BSG EAB 47 Berlin BSG Fortschritt Erfurt 1984 Colditz und Grimma BSG Motor Halle BSG Turbine Potsdam BSG Rotation Schlema BSG Post Rostock BSG Chemie Leipzig
Endspiele 1985–1990 Saison Austragungsort Finale Spiel um Platz 3 Meister Zweiter Dritter Vierter 1985 Markkleeberg BSG Turbine Potsdam 2:0 BSG Wismut Karl-Marx-Stadt BSG KWO Berlin 2:0 BSG VEM Zörbig 1986 Dresden BSG Turbine Potsdam 4:1 BSG Motor Halle BSG EAB 47 Berlin BSG Fortschritt Erfurt 1987 Kamenz BSG Rotation Schlema 4:1 BSG Wismut Karl-Marx-Stadt BSG Turbine Potsdam BSG KWO Berlin 1988 AueBabelsbergAueKöpenick BSG Rotation Schlema 3:01:3 BSG Turbine Potsdam BSG Wismut Karl-Marx-Stadt 4:20:0 BSG KWO Berlin 1989 BabelsbergAue BSG Turbine Potsdam 3:1 (1:1)2:3 BSG Rotation Schlema BSG Handwerk Magdeburg HSG Universität Jena 1990 ChemnitzRostock BSG Post Rostock 6:14:2Titeljubel bei Post Rostock. In: Die neue Fußballwoche (Fuwo). Nr. 27, 3. Juli 1990, S. 13. BSG Wismut Chemnitz BSG Turbine Potsdam HSG Universität Jena
Oberliga Nordost 1990/91 Gesamttabelle
Hinrundentabelle Die Hinrunde der Frauen-Oberliga Nordost 1990/91 wurde durch Wismut Aue und Uni Jena dominiert. Aue konnte sich den Herbstmeistertitel sichern.Die neue Fußballwoche, Jg. 41 (1990), Ausgaben 38–52.
Kreuztabelle Die Kreuztabelle stellt die Ergebnisse aller Spiele dieser Saison dar. Die Heimmannschaft ist in der linken Spalte, die Gastmannschaft in der oberen Zeile aufgelistet. 1990/91 HSG Uni Jena 1:0 4:0 2:0 1:1 2:0 1:0 3:0 6:0 8:1 FC Wismut Aue 2:2 3:2 2:0 5:0 6:0 3:o 1:1 6:0 8:0 BSG Turbine Potsdam 0:0 5:2 2:1 1:4 3:0 6:2 6:1 4:1 5:0 BSG Post Rostock 1:0 1:1 2:2 1:0 0:0 1:0 4:0 9:0 7:0 BSG Wismut Chemnitz 0:3 0:3 1:6 1:2 0:1 1:1 5:0 2:0 2:0 BSG Motor Halle 0:5 0:7 0:4 0:1 0:2 1:0 1:1 1:0 1:4 SV Johannstadt 90 0:4 1:4 0:3 2:2 1:1 1:1 0:0 3:1 3:2 1. FC Union Berlin 0:4 1:7 1:2 1:3 2:0 1:1 2:2 1:0 1:1 BSG Fortschritt Erfurt 0:2 1:3 1:2 0:3 0:4 1:5 1:1 3:0 3:0 SG Handwerk Magdeburg 0:1 0:4 1:6 0:6 4:0 0:3 0:3 0:1 1:1 fett = Spiele Rückrunde
Meistertrainer 1979: Rolf Mothes (Motor Mitte Karl-Marx-Stadt) 1980: Siegfried Loose (BSG Wismut Karl-Marx-Stadt) 1981: Bernd Schröder (BSG Turbine Potsdam) 1982: Bernd Schröder 1983: Bernd Schröder 1984: Jürgen Ulber (BSG Motor Halle) 1985: Bernd Schröder 1986: Bernd Schröder 1987: Dietmar Männel (BSG Rotation Schlema) 1988: Dietmar Männel 1989: Bernd Schröder 1990: Manfred Draheim (BSG Post Rostock) 1991: Hugo Weschenfelder (Uni SV Jena)Rainer Hennies/Daniel Meuren: Frauenfußball – Der lange Weg zur Anerkennung, Göttingen 2009, S. 379.
DFV-Pokal/NOFV-Pokal