Die Koleopterologie, die Käferkunde oder Lehre von den Käfern, ist ein Zweig der Entomologie. Die Entomologie beschäftigt sich mit den Insekten, die Koleopterologie mit den Käfern als Teilgruppe der Insekten. Die Käfer bilden innerhalb der Insekten die Ordnung mit dem Namen Coleoptera. Das Wort „Koleopterologie“ ist eine Zusammensetzung aus den griechischen Wörtern für „Käfer“ (κολεόπτερα koleoptera) und „Lehre“ (λόγος, Logos, Rede, Sinn, Lehre). Ein deutscher Ausdruck ist Käferkunde. Sowohl das griechische logos als auch das deutsche Wort -kunde umfasst die beiden Pole künden, unterrichten, Lehre einerseits und erkunden, erforschen, Forschung andererseits. Die Koleopterologie strebt danach, das Wissen über Käfer weiterzugeben und durch Beobachtung und Experimente zu verbessern und zu erweitern.
mini|300px|Abb. 1: Titelblatt des Verzeichnisses der Käfer Europas (Edmund Reitter, 1906) Die Personen, die sich beruflich oder als Hobby mit Koleopterologie beschäftigen, werden Koleopterologen genannt. Dies wird manchmal vereinfacht mit „Käfersammler“ übersetzt, obwohl das Sammeln nur einen Teil der koleopterologischen Arbeiten darstellt. Bei den Koleopterologen ist der Übergang von reiner Liebhaberei zu wissenschaftlich relevanter Arbeit besonders einfach und wird häufig vollzogen.
Die Aufgabenbereiche der Koleopterologie 180px180pxAbb. 2: Sammlungsschrank mit teilweise herausgezogenen Sammlungskästen180pxAbb. 3: Exhaustor, links einfaches Modell aus Plastikflasche, rechts Schema: gelb: Zylinder; braun: Abschlussstopfen mit insgesamt zwei Löchern; blau: Röhrchen; grün: flexibler Schlauch; rot: Gummiballon, Saugwirkung beim Loslassen (ersatzweise Mundstück); schwarz: Gaze und marin: Klappenmechanismus verhindern das Entkommen des aufgesaugten Tieres aus dem Zylinder180px180pxAbb. 4b: Etikettentreppe aus Buchenholz; drückt man eine Nadel mit Etikett an der Spitze in ein Loch, das sich jeweils in der Mitte jeder Stufe befindet, dann werden die Etiketten bis zur Stufenhöhe hochgeschobenAbb. 4a: Zum Trocknen genadelt180px180pxAbb. 4c: Insektennadeln, links 3 Minutien, Mitte Stärke 1–5, dazwischen große NadelAbb. 4d: Mit Minutie auf Insektenplättchen genadelter Käfer Das Sammeln von Käfern Das Sammeln von geschützten Käfern und das Sammeln in Naturschutzgebieten allgemein ist verboten. Für wissenschaftliches Arbeiten können Ausnahmegenehmigungen beantragt werden.
Zum Sammeln mit der Hand gehört das Absammeln von Blüten oder anderen Pflanzenzeilen, das Aufsammeln vom Boden, das Suchen unter Steinen oder unter loser Rinde, das Absuchen des Bodens unter Bäumen, wenn man diese geschüttelt hat, und Ähnliches. Daneben gibt es Geräte für verschiedene weitere Methoden: Käschern: Es gibt Streif-, Wasser- und Autokäscher. Sieben: Es gibt verschiedene spezielle Siebe, mit denen Käfer aus aufgesammeltem Material ausgesiebt werden können. Abklopfen: Man verwendet Klopfschirme oder Kopftrichter. Aushilfsweise kann man auch gut einen umgedreht gehaltenen Regenschirm verwenden. Auslegen von Köderdosen: Eine mit einem Köder bestückte Dose wird bis zum Rand eingegraben. Die in der Forstwirtschaft eingesetzten Pheromonfallen zur Kontrolle des Befalls durch Borkenkäfer sind in gewisser Hinsicht auch Köderdosen. In ihnen können auch seltene Arten gefunden werden. Anlegen von Fanggräben. Wie die Köderdosen dienen sie hauptsächlich zur Erfassung der Laufkäferfauna. Aufsaugen mit einem sogenannten Exhauster (Abb. 3)
Nach dem Sammeln werden die Käfer gereinigt und nach festen Regeln präpariert, um sie so für weitere Untersuchungen zu erhalten. Dazu müssen die Käfer in ihren Gelenken beweglich sein. Dies ist nach der Tötung für einige Zeit der Fall. Ist der Käfer bereits trocken, legt man ihn für einige Zeit mit nassem saugfähigem Papier in ein geschlossenes Gefäß, bis er in den Gelenken wieder weich wird. Die größeren Käfer werden auf eine Insektennadel gesteckt, indem man ihn in der oberen Hälfte der rechten Flügeldecke senkrecht zur Körperachse durchsticht. Oberhalb des Käfers steht die Nadel so weit über, dass man den Nadelkopf gerade noch mit zwei Fingern fassen kann. Die Insektennadeln gibt es in normierten Größen. Die Stärken 000, 00 und 0 werden in der Koleopterologie nicht verwendet, meist beschränkt man sich auf die Stärken 2–5, außerdem verwendet man sehr kleine Nadeln (Minutien) und für sehr große Käfer auch längere Nadeln (Abb. 4c). Die Nadeln werden bezüglich Kopf, Farbe und Lackierung in verschiedenen Qualitäten geliefert, manchmal ist beispielsweise ein leichtes Anrosten für ein stabiles Anhaften erwünscht.
Die kleineren Käfer werden auf ein Insektenplättchen mit wasserlöslichem Klebstoff aufgeklebt. Da sich die Käfer beim Trocknen durch Schrumpfen der Gelenkhäute zusammenziehen, muss dies durch Fixieren der Beine, Fühler und eventuell der Taster verhindert werden. Bei kleineren Käfern reicht dazu eine oberflächliche Berührung mit dem sehr dünn aufgetragenen Klebstoff aus, wenn die Gliedmaßen zuerst mit einem Pinsel ausgestrichen worden sind. Größere Käfer werden so tief in einen Präparierblock (beispielsweise Styropor) eingesteckt, dass er aufliegt. Dann werden die Gliedmaßen in natürlicher Haltung, aber nicht zu sehr abgespreizt, mit zusätzlichen schräg eingestochenen Nadeln festgeklemmt oder kreuzweise fixiert (Abb. 4a). Nachdem der Käfer getrocknet ist, werden die Nadeln, die zum Fixieren benutzt wurden, entfernt. Die Insektenplättchen mit den kleinen Käfern werden ebenfalls auf eine Insektennadel gesteckt. Für mittlere Käfergrößen gibt es die Möglichkeit, den Käfer mit einer Minutie zu nadeln, damit er nicht durch eine zu große Nadel beschädigt wird und man ihn nicht kleben muss. Die Minutie wird danach durch ein Insektenplättchen gestochen (Abb. 4d). Dazu muss das Plättchen mit einer stabileren Nadel angestochen und die Minutie in dem Loch festgeklebt werden, falls es zu groß ist. Die Insektennadeln, an denen die präparierten Käfer direkt oder indirekt stecken, werden nun mit Zetteln versehen. Das sind weiße Kärtchen von etwa 16 Millimeter Länge und 6 bis 10 Millimeter Breite. Auf dem Fundortzettel stehen Fundort, Funddatum und Name des Sammlers. Auf einem weiteren Zettel wird der wissenschaftliche Name des Käfers und der Name des Koleopterologen, der den Käfer bestimmt hat, notiert. Die Zettel werden vor dem ersten Buchstaben auf die Nadel gespießt. Weitere Zettel haben durch ihre Farbe ganz spezielle Bedeutungen. Die Höhe der Zettel auf der Nadel kann durch Benutzen einer Etiketten-Treppe (Abb. 4b), auf der die Löcher verschieden tief sind, normiert werden. Heute kann man die Fundumstände in entsprechende Datenbanken eintragen.
Die Sammlungskästen (Abb. 2) müssen staubdicht sein und trocken aufbewahrt werden, damit die Sammlung nicht verpilzt und keine Schlupfwespen, Insektenmilben oder Museumskäfer eindringen können.
Käfersammlungen können nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgebaut sein. Beispielsweise können sie nur eine systematische Gruppe, nur ein beschränktes Sammelgebiet oder nur eine ökologische Gruppe umfassen, etwa nur an Aas vorkommende Arten.
Dokumentieren und Auswerten von Verbreitung und Häufigkeit Durch das Dokumentieren der Fundorte und Fundumstände erhält man Datenmaterial für verschiedene Teilgebiete der Koleopterologie. Die Faunistik interessiert sich auf unterster Ebene dafür, welche Käfer in einem bestimmten begrenzten Gebiet vorkommen. Im Übergang zur Tiergeographie wird die geographische Verbreitung der Käferarten ermittelt. Im nächsten Schritt stellt sich die Frage, wie sich diese Verbreitung im Laufe der Erdgeschichte entwickelt hat. Noch grundsätzlicher wird erforscht, warum die Ausbreitungsgeschichte so und nicht anders erfolgte, wann und wo eine Käfergruppe entstanden ist und wie sie sich parallel zu ihrer geographischen Ausbreitung weiterentwickelt hat.
Weiterhin kann man durch die Verbreitung beispielsweise Bindungen an bestimmte Futterpflanzen, Wechsel der Futterpflanze oder allgemeiner, Änderungen der ökologischen Ansprüche feststellen. Umgekehrt kann man an Änderungen der Fauna eines bestimmten Gebietes auf Klimaänderungen zurückschließen. Außerdem liefern die Funddaten direkt oder indirekt ökologische Informationen. Diese helfen ihrerseits zum gezielten Aufsuchen der einzelnen Käferarten. Häufig sind ökologische Kenntnisse auch zum Unterscheiden ähnlicher Arten hilfreich.
Beobachtung der Käfer Die Ethologie untersucht hauptsächlich Partnersuche, Paarungsverhalten, Brutfürsorge und Brutpflege, gesellige Käfer, Rivalenkämpfe und Konkurrenzverhalten. Neben der innerartlichen Konkurrenz ist auch die Konkurrenz zu anderen Tierarten Forschungsgegenstand, beispielsweise die Konkurrenzvermeidung verschiedener Laufkäferarten, die das gleiche Biotop nutzen.
Untersuchung der Käfer Dazu gehören einerseits anatomische Untersuchen, die wiederum Grundlage für andere Disziplinen der Entomologie sind. Zum anderen werden gezielte Versuche und Versuchsreihen angesetzt, um das Nahrungsspektrum, das Verhalten oder ökologische Ansprüche der Käfer auszutesten.
Weiterentwicklung der Systematik der Käfer In der Systematik der Käfer versucht man, die natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Käfer abzubilden, wie sie sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben. Dazu werden hauptsächlich anatomische Merkmale, die Paläoentomologie, ökologische Ansprüche, Verhaltensweisen, Bau und Lebensbereich der Larven, molekulargenetische Untersuchungen und Verbreitungskarten herangezogen. Wegen der Langlebigkeit der Flügeldecken der Käfer kann ihr Vorkommen in früheren Zeitepochen relativ einfach nachgewiesen werden.
Die Zucht Die Zucht von Käfern wird einerseits aus Liebhaberei betrieben, andererseits aus wissenschaftlichem Interesse. Ziel der Zucht kann die Erzeugung von Sammlerobjekten sein, etwa die Schaffung neuer Farbvarianten durch Kreuzung zweier Carabus-Arten. Meist hat die Zucht die Gewinnung wissenschaftlicher Daten zum Ziel. In vielen Fällen sind Eier und Larven noch unbekannt. Weiterhin ist unter anderem die Anzahl und die Art der Ablage der Eier, die Anzahl der Larvenstadien, die zeitliche Dauer der einzelnen Entwicklungsschritte, die Anforderungen an das Futter und die Temperatur in Erfahrung zu bringen. Als praktische Anwendung kommen so verschiedene Dinge wie die Bereitstellung von Individuen zur biologischen Schädlingsbekämpfung, das Testen von Pflanzenrassen bezüglich Schädlingsresistenz, die möglichst schonende Behandlung von Lebensmitteln zum besseren Schutz gegen Schädlinge oder in Zoos die Produktion von Futter für Reptilien in Frage.
Schutz der Käfer Die Koleopterologie steht durchaus nicht im Gegensatz zum Naturschutz. Die Untersuchung der ökologischen Ansprüche ermöglicht erst einen effektiven Schutz einzelner Käferarten. Darüber hinaus kann man aus dem Vorhandensein oder Fehlen auffälliger Arten auf die Qualität von Lebensräumen allgemein Rückschlüsse ziehen und schützenswerte Gebiete aufspüren. Als Beispiel seien eine Untersuchung zum Schutz des Kolbenwasserkäfers und die Zusammenstellung von Schutzmaßnahmen verschiedener Käfer genannt.
Koleopterologie als Liebhaberei Abb. 5: Koloriertes Holzrelief mit 41 Insekten, darunter 22 Käferzentriert|280pxoben Foto des Originals,unten Kopie entfärbt undKäfer mit Groß-buchstaben versehenA Fliegender HeldbockB ÖlkäferC RebenschneiderD StierkäferE MondhornkäferF HirschkäferG WaldbockH ZangenbockJ AlpenbockK KurzflüglerL SchildkäferM BlatthornkäferN PuppenräuberO GoldleisteP TrauerbockQ SandlaufkäferR PillendreherS EichenbockT SchnellkäferU TatzenkäferV KolbenwasserkäferW GelbrandkäferY Keulenkäferzentriert|280px