mini|Wappen Vorarlbergs bis 1918
Die Geschichte Vorarlbergs lässt sich durch archäologische Funde bis zur Ur- und Frühgeschichte verfolgen.
Der Name Vorarlberg kam Mitte des 18. Jahrhunderts auf, abgeleitet aus der seit dem Spätmittelalter verwendeten Bezeichnung „die Herrschaft vor dem Arlberg“ für die habsburgischen Besitzungen westlich des Arlbergs.Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein: Vorarlberg Der Name umfasste zeitweise auch einige Gebiete im Allgäu. Andere Gebiete des heutigen Vorarlbergs gelangten erst Anfang des 19. Jahrhunderts in habsburgischen Besitz und damit in Folge auch zu Vorarlberg, dessen heutige Grenzen seit 1814 fixiert waren. Erst 1861 wurde Vorarlberg ein eigenständiges Land der Habsburgermonarchie – bis 1918 allerdings noch in einer Verwaltungseinheit mit der gefürsteten Grafschaft Tirol.
Nach dem Zusammenbruch von Österreich-Ungarn am Ende des Ersten Weltkrieges wurde Vorarlberg ein Bundesland der Republik Österreich und besteht seither mit einer Unterbrechung während der Zeit des Nationalsozialismus 1939 bis 1945, in welcher Vorarlberg in den Gau Tirol-Vorarlberg eingegliedert war.
Ur- und Frühgeschichte Das heutige Land Vorarlberg war bis zum Ende der letzten Eiszeit von Gletschern bedeckt. Nach der großen Eisschmelze hinterließen sie sehr feuchte Sumpfgebiete, die sich z. T. auf Meereshöhe befanden. Diese feuchten Ebenen im Rheintal wurden in den folgenden Jahrtausenden vom Rhein wieder aufgeschüttet. Überreste dieser Feuchtgebiete sind das Ried und das Rheindeltagebiet sowie sämtliche Auengebiete entlang der Ill und des Rheins.
Archäologische Funde im oberen Rheintal sowie in der Walgau-Region belegen eine frühe Siedlungstätigkeit in Vorarlberg, besonders im Bereich der Inselberge bei Götzis und Koblach. 1952 wurden in Koblach am Fuße des Kummenbergs Knochenreste entdeckt, die mit der C-14-Methode im Jahr 2006 auf den Zeitraum um etwa 7500 v. Chr. datiert wurden.Sensationsfund in Koblach (19. März 2006)Südtiroler "Ötzi" hat Konkurrenten: Vorarlbergs "Götzi" (27. März 2006) Auch die Hügel von Feldkirch und die Umgebung von Bregenz und Bludenz waren Orte reger Siedlungstätigkeit. Im Dornbirner Gemeindegebiet konnten die ältesten Funde menschlicher Anwesenheit am Sünser Joch und an den Ufern des Sünser Sees in 1800 bis 1900 m in die mittlere Steinzeit (8000 bis 3000 v. Chr.) datiert werden, im Montafon – Bergbau bei Worms (Gemeinde Bartholomäberg) – sind 7000 Jahre alte Spuren belegt. Ein weiteres Fundstück, welches 1971 bei Aushubarbeiten für den Neubau der Achmühler Brücke entdeckt wurde, konnte als Dolchklinge aus Bronze identifiziert und der Bronzezeit (3000 bis 1800 v. Chr.) zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um den ältesten Fund auf heute noch bewohntem Gemeindegebiet in Dornbirn.
Die erste größere Siedlung auf Vorarlberger Gebiet befand sich um 1500 v. Chr. auf dem Gebiet des heutigen Bregenz. Um 400 v. Chr. siedelte sich der keltische Stamm der Brigantier auf dem Gebiet des heutigen Vorarlbergs an.
Römisches Reich Um 15 v. Chr. wurde das heutige Vorarlberg durch die Römer erobert und der Provinz Rätien zugeschlagen. Aus dieser Zeit sind etliche Funde erhalten. Die wichtigste Siedlung auf dem Gebiet war die Stadt Brigantium, auf dem Gebiet der heutigen Landeshauptstadt Bregenz, die damals an die 1500 Einwohner hatte. Die Römer errichteten zahlreiche Transitstraßen und Poststationen. Im Jahr 259 n. Chr. wurde die Stadt Brigantium von den Alemannen zerstört und von der dortigen Bevölkerung wieder aufgebaut. Dieses Ereignis markiert den Beginn der Einwanderung der Alemannen.
Die alemannische Landnahme mini|Alamannische Expansion vom 3. bis zum 6. Jahrhundert mini|Karte der alemannischen (rot) und hochburgundischen (grün) Reichsgaue im 10. und 11. Jahrhundert
Das Frühmittelalter war wie in den meisten Teilen Europas auch in Vorarlberg eine bewegte Zeit. Um 450 begannen die Alemannen, in Vorarlberg Siedlungen zu gründen und die rätoromanische Bevölkerung zurückzudrängen. Zwischen 610 und 612 wirkten die irischen Missionare Gallus und Kolumban in Vorarlberg und versuchten, die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Im Jahr 719 wurde das Kloster St. Gallen gegründet, das auch für die Seelsorge in Vorarlberg zuständig war und das Land über Jahrhunderte prägte. In dieser Zeit geriet Vorarlberg auch unter die Herrschaft der Franken und wurde 843 Teil des Ostfränkischen Reiches.
Mittelalter Das heutige Vorarlberg umfasst den gesamten Gau Ringowe (entspricht etwa dem heutigen Vorarlberger Unterland und dem Bregenzer Wald) und den nördlichen Teil von Churrätien. Schon damals wurde die heutige Ostgrenze am Arlberg festgelegt. Die Gaue wurden von Grafen verwaltet. Aus dem Gau Ringowe entstand später die Grafschaft Bregenz, die bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts vom Geschlecht der Udalrichinger regiert wurde. Sie konnten aufgrund ihrer Verwandtschaft mit den Karolingern das Gebiet in ihren Besitz bringen.
Die Grafen von Bregenz und das Kloster St. Gallen entwickelten sich hinsichtlich besitzpolitischer Fragen schon bald zu erbitterten Rivalen. Diese Streitigkeiten fanden in den 70er-Jahren des 11. Jahrhunderts im Rahmen des europaweiten Investiturstreits ihren vorläufigen Höhepunkt. Im Rahmen dieses Streits hielt das Kloster St. Gallen zu Kaiser Heinrich IV., während die Bregenzer Grafen die Politik Papst Gregors VII. unterstützten. Mit den Welfen hielt gleichzeitig auch eines der bedeutendsten schwäbischen Grafengeschlechter zum Papst. Als Herzog Welf IV. im Jahre 1079 einen Feldzug am Rhein entlang südwärts machte, annektierte er allem Anschein nach die Besitzungen des Klosters Sankt Gallen und verteilte diese als Kriegsbeute anschließend an seine Hausklöster, die Benediktinerabtei Weingarten und das Frauenkloster Hofen (heute Friedrichshafen). Das bedeutendste Kloster auf dem Boden der Grafschaft Bregenz war das Kloster Mehrerau, das über etliche Besitzungen im Vorarlberger Unterland und im heutigen Bregenzer Wald verfügte.
Vorarlberg unter den Grafen von Bregenz (11.–12. Jh.) und von Montfort (13. Jh.) mini|Die Feldkircher Schattenburg war Stammsitz der Grafen von Montfort-Feldkirch
Im Jahre 1150 verstarb mit Graf Rudolf von Bregenz der letzte männliche Angehörige des udalrichingischen Adelsgeschlechts zu Bregenz. Sein Erbe teilten sich dessen Schwiegersohn, Pfalzgraf Hugo I. von Tübingen und ein entfernter Verwandter des verblichenen Grafen namens Rudolf von Pfullendorf. Die Pfalzgrafen von Tübingen brachten das dreilatzige Wappen ein, das in unterschiedlichen Farbvariationen in der Zukunft für die verschiedenen aus Teilungen hervorgehenden Zweige der Familie stehen sollte. Als Pfalzgraf Hugo im Jahr 1182 starb, hinterließ er dem älteren seiner beiden Söhne, Rudolf, den Pfalzgrafentitel sowie sämtliche Tübinger Besitzungen. Sein jüngerer Sohn namens Hugo erhielt Güter und Rechte aus dem angetretenen Bregenzer Erbe. Dieser Hugo errichtete um das Jahr 1200 bei Götzis eine Burg, der er den Namen Montfort (starker Fels, starke Burg) gab. Er nannte sich fortan auch von Montfort.
Etwa zur selben Zeit gründete er mit der Errichtung der Schattenburg die Stadt Feldkirch. Die Söhne Hugos wiederum, Hugo II. und Rudolf, teilten das väterliche Erbe: Während Hugo II. die rechtsrheinischen Besitzungen erhielt, spaltete sich Rudolf mit seinen Besitzungen linksrheinisch ab, gründete bei Buchs einen eigenen Stammsitz und nannte sich hernach auch von Werdenberg. Um 1270 spalteten sich die Montforter Grafen in drei Linien auf: Montfort-Feldkirch, Montfort-Bregenz und Montfort-Tettnang. Das heutige Vorarlberg war von den beiden Zweigen Montfort-Bregenz und Montfort-Feldkirch beherrscht. Das Gebiet der Grafschaft Bregenz gehörte den Herren von Montfort-Bregenz und das restliche Gebiet, das in etwa dem heutigen Vorarlberger Bezirken Feldkirch und Bludenz entsprach, wurde von Montfort-Feldkirch kontrolliert.
1338 starb die Bregenzer Linie der Montforter Grafen aus. Dies führte zur Teilung der Grafschaft Bregenz unter den beiden verbliebenen Linien: Der Raum Dornbirn kam gemeinsam mit dem hinteren Bregenzerwald zur Herrschaft Feldkirch und der Rest zur Herrschaft Tettnang. Dieser Herrschaftswechsel sorgte unter anderem in Dornbirn für einige Turbulenzen, besonders bei der Oberschicht. Ein Teil dieser Dornbirner Bürger unter Führung von Johann Huber (Huober) engagierte sich für einen Anschluss an den Tettnanger Zweig. Als Ulrich von Montfort-Feldkirch 1338 Dornbirn annektierte, mussten die wohlhabenden Bürger Bürgschaften gegen fluchsämi (unerlaubtes Wegziehen) leisten. Huber begab sich dennoch zu Graf Wilhelm von Montfort-Tettnang, woraufhin sein gesamtes Hab und Gut konfisziert wurde. Erst zwei Jahre später hob ein Schiedsgericht diese Sanktionen gegen Huber wieder auf.
Im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert begannen die Walser, die Gebirgslagen Vorarlbergs zu besiedeln. Sie prägten vor allem das Große und Kleine Walsertal wie auch das Arlberggebiet.
Vorarlberg wird vorderösterreichisch (1375) mini|Karte zur Entstehung Vorarlbergs im Rahmen der habsburgischen Erwerbungen ab 1363
1337 schlossen Rudolf III. und Ulrich II., beide von Montfort-Feldkirch, ein ewiges Bündnis mit den Herzögen von Österreich, das die Besitzungen Montfort-Feldkirchs langfristig unter habsburgischen Einfluss brachte. 1363 fasste Herzog Rudolf IV. von Österreich als erster Habsburger in Vorarlberg Fuß, indem er den Rittern Thumb von Neuburg deren Burg und Herrschaft abkaufte. Zu dieser Zeit besaß Graf Rudolf IV. von Montfort-Feldkirch die Herrschaft Feldkirch. Da drei seiner vier Söhne noch vor ihm verstarben, verließ der vierte Sohn, Graf Rudolf V., welcher Dompropst von Chur war, den geistlichen Stand und heiratete 1369 Agnes von Matsch.
Nach dem Tod seines Vaters am 13. März 1375 trat er dessen Nachfolge an. Bereits am 22. Mai desselben Jahres veräußerte er den Großteil seines Besitzes um 30.000 Gulden an Österreich. Die letzte Rate des Kaufpreises wurde 1379 bezahlt. Daher huldigten am 9. Januar 1380 Ammänner und Landleute des Bregenzerwalds, von Staufen, Langenegg, Dornbirn samt der eigens angeführten Parzelle Knüwen (Knie) ihrem neuen Landesherren Herzog Leopold III. und schworen ihm Gehorsam.
1394 erwarben die Habsburger die Herrschaft Bludenz mit dem Montafon und 1397 die Herrschaft Jagdberg. Am Beginn des 15. Jahrhunderts geriet Vorarlberg in die Wirren des Appenzellerkrieges, die auch in Vorarlberg, vor allem im Walgau, zu den großen Bauernunruhen von 1402 führte. Vorarlberg diente damals den Habsburgern als Aufmarschgebiet gegen die Schweizer Eidgenossen.
1451 kauften die Habsburger die Hälfte der Grafschaft Bregenz, erwarben 1453 die Gerichte Tannberg und Mittelberg, 1474 die Grafschaft Sonnenberg (der Truchsessen aus dem Haus von Waldburg) und 1523 die zweite Hälfte der Grafschaft Bregenz, nachdem der letzte Zweig des Montforter Geschlechts auf Vorarlberger Boden ausgestorben war. Somit stand das Gebiet des heutigen Vorarlberg bis auf die Herrschaft der Ritter von Ems, die Herrschaften Blumenegg und St. Gerold, Besitz der Klöster Weingarten bzw. Einsiedeln, und des Reichshofes Lustenau unter habsburgischer Herrschaft.
Die nun habsburgischen Herrschaften wurden von einem Landvogt, der seinen Sitz in der Stadt Feldkirch hatte, bis ins Jahr 1753 verwaltet. Anschließend wurde die Verwaltung auch der vorarlbergischen Gebiete bis 1804 in Freiburg im Breisgau als Teil Vorderösterreichs ausgeübt. Die Herrschaft von Ems wurde 1560 zur Reichsgrafschaft von Hohenems.
Reformation, Hexenprozesse und der Dreißigjährige Krieg (ca. 1500 bis ca. 1680) Hexenverfolgung