Zodiac – Die Spur des Killers (Originaltitel: Zodiac) ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm des Regisseurs David Fincher aus dem Jahr 2007. Der von Phoenix Pictures produzierte Neo-Noir-Thriller handelt von den Ermittlungen gegen den amerikanischen Zodiac-Killer, der zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 fünf Menschen in der San Francisco Bay Area ermordete und dessen Identität nie festgestellt werden konnte. Das von James Vanderbilt adaptierte Drehbuch basiert auf den Büchern Zodiac (1986) und Zodiac Unmasked (2002) von Robert Graysmith, der im Tatzeitraum beim San Francisco Chronicle arbeitete und dort den von Zodiac ausgehenden Briefverkehr mitverfolgte.
In der Hauptrolle verkörpert Jake Gyllenhaal den vom Serienkiller besessenen Karikaturisten Robert Graysmith; neben ihm sind Mark Ruffalo als führender Ermittler Dave Toschi und Robert Downey Jr. als Journalist Paul Avery zu sehen. Die fünfmonatigen Dreharbeiten erfolgten in Los Angeles und an Originalschauplätzen der Verbrechen. Als einer der ersten Filme setzte Zodiac dabei auf die Nutzung von Digitalkameras. Aufgrund seiner ungewöhnlichen, fast dokumentarischen Erzählweise und der Überlänge galt der Film in Hollywood als Risikoprojekt.
Zodiac kam in der ersten Jahreshälfte 2007 in die internationalen Kinos und wurde auch auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes aufgeführt. Bereits kurz nach der Veröffentlichung avancierte der Film bei zahlreichen Kritikern umgehend zu einem Meisterwerk, auch wenn er keinerlei relevante Auszeichnungen gewinnen konnte. Positiv wurden insbesondere Drehbuch, Regie, Schauspiel und die realistische Darstellung der historischen Ereignisse hervorgehoben, wenngleich häufig die starke Fokussierung auf den von John Carroll Lynch verkörperten Hauptverdächtigen Arthur Leigh Allen kritisiert wurde. Beim Publikum fand der Film zunächst nur wenig Anklang, wobei oft die lange Laufzeit und das offene Ende bemängelt wurden. Mit weltweiten Einnahmen in Höhe von 85 Millionen US-Dollar bei einem Budget von 65 Millionen US-Dollar erwies sich Zodiac dabei an den Kinokassen als nur wenig profitabel.
Erst durch eine erfolgreiche Heimkinoauswertung erreichte Zodiac schließlich auch in der allgemeinen Öffentlichkeit den Status eines Filmklassikers. In der Nachbetrachtung wird Finchers Zodiac gemeinhin zu den besten Filmen der 2000er Jahre gezählt. So belegte er in einer 2016 unter Filmkritikern durchgeführten Umfrage der BBC zu den 100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts den zwölften Platz.
Handlung Am amerikanischen Unabhängigkeitstag 1969 werden im kalifornischen Vallejo die Teenager Darlene Ferrin und Mike Mageau von einem unbekannten Angreifer mit mehreren Schüssen verwundet. Während Darlene ihren Verletzungen im Krankenhaus erliegt, überlebt Mike den Angriff, taucht aber zeitig unter. Der Täter selbst meldet sich telefonisch bei der Polizei, bekennt sich auch zu einem Doppelmord aus dem Vorjahr und kündigt weitere Taten an. Im Folgemonat gehen beim San Francisco Chronicle, dem SF Examiner und dem Vallejo Times Herald anonyme Briefe des Serienmörders ein, in denen er die Veröffentlichung von verschlüsselten Nachrichten fordert. Die Geheimtexte enthalten zwar keinen Hinweis auf die Identität des sich selbst nur „Zodiac“ nennenden Täters, verweisen aber auf Das grausamste Spiel.
mini|220px|Die von Zodiac mit der Tatzeit beschriftete Autotür von Bryan Hartnell Im Herbst 1969 kommt es zu weiteren Morden des Zodiac-Killers. Am Lake Berryessa im Napa County tötet er Cecilia Shepard, während ihr Freund Bryan Hartnell mit schweren Stichwunden überleben kann, ehe Zodiac in San Francisco den Taxifahrer Paul Stine erschießt. Durch seine Ankündigung, zukünftig wahllos Schulkinder töten zu wollen, herrscht eine öffentliche Angst in ganz Kalifornien; es werden Ausgangssperren verhängt und zahlreiche Hinweise der Polizei gemeldet. Beim San Francisco Police Department haben sich unterdessen die Mordkomissare Dave Toschi und Bill Armstrong des Zodiac-Falls angenommen. Ihre Ermittlungen erweisen sich zu Beginn jedoch als schwierig, da es Probleme bei der Kommunikation mit den zuständigen Behörden gibt.
Ende Oktober 1969 möchte Zodiac in der Morgensendung von Jim Dunbar anrufen und mit dem Rechtsanwalt Melvin Belli sprechen. Die Rückverfolgung des Anrufes misslingt, doch der Überlebende Bryan Hartnell identifiziert die Stimme nicht als jene seines Angreifers. Auch Zodiac gibt in seinem nächsten Brief an, nicht der Anrufer gewesen zu sein und sich ab sofort nicht mehr zu seinen Verbrechen bekennen zu wollen. So erwähnt er die versuchte Entführung von Kathleen Johns Anfang 1970 nahe Modesto erst Monate später in einem seiner Briefe, während seine Interaktionen mit der Polizei zunehmend von einem spielerischen Charakter geprägt sind. Da Zodiac in seinen Nachrichten gleichzeitig keine neuen Insider-Informationen mehr preisgibt, kommt in den Medien der Verdacht auf, dass sich der unbekannte Täter auch nur mit fremden Verbrechen schmücken könnte. Der San Francisco Chronicle druckt daher keine weiteren Zodiac-Briefe.
Stattdessen legt sich der Chronicle-Journalist Paul Avery öffentlich mit Zodiac an und erhält in der Folge Morddrohungen des Serienkillers. Die neue Öffentlichkeit nutzt er dazu, einem an ihn adressierten anonymen Hinweis nachzugehen, laut denen das erste Opfer von Zodiac die 1966 ermordete Studentin Cheri Jo Bates in Riverside gewesen sein soll. Auch Toschi stellt Nachforschungen zu dem Fall an, verfolgt aber eine ganz andere heiße Spur: der Zeuge Donald Cheney hat sich bei den Behörden gemeldet und von seinem ehemaligen Bekannten Arthur Leigh Allen berichtet. Allen ist wegen Kindesmisshandlung vorbestraft, war regelmäßig am Lake Berryessa und soll gegenüber Cheney bereits Anfang 1969 davon gesprochen haben, unter dem Namen „Zodiac“ Morde begehen zu wollen. Bei einer Vernehmung von Allen findet Toschi neue Indizienbeweise – darunter eine Zodiac-Uhr und Allens Liebe für Das grausamste Spiel – doch bei einer anschließenden Hausdurchsuchung werden keine hinreichenden Beweisstücke gefunden. Auch der mit den Zodiac-Briefen vertraute Handschrift-Experte Sherwood Morrill entlastet den beidhändigen Allen, weshalb er von offizieller Seite als Verdächtiger ausgeschlossen wird.
Nachdem 1971 mit Dirty Harry eine Verfilmung des ungelösten Falls entstanden ist, ist Zodiac Ende der 1970er Jahre in der Öffentlichkeit kaum noch präsent. Toschis Partner Armstrong gibt den Fall ab, um mit seiner Familie mehr Zeit verbringen zu können, während Paul Avery dem Alkohol verfallen ist und mittlerweile für den zweitklassigen Sacramento Bee arbeitet. Einzig der ehemalige Chronicle-Karikaturist Robert Graysmith, der bereits zur Zeit der Zodiac-Morde mit eigenen Nachforschungen begann, interessiert sich noch für den ungelösten Kriminalfall und möchte alle verfügbaren Informationen in einem Buch zusammentragen. Es kommt zu einer inoffiziellen Zusammenarbeit mit Toschi, der Graysmith an die zuständigen Behörden in Vallejo und Napa verweist, wo der Karikaturist in den Archiven recherchieren kann. Seine zunehmende Besessenheit für den Fall hat jedoch zur Folge, dass sich seine Frau Melanie von ihm trennt.
mini|220px|Arthur Leigh Allens Führerschein samt angegebenem Geburtsdatum Graysmith erhält nicht nur anonyme Drohanrufe, in denen ein Unbekannter laut in den Hörer atmet, sondern bekommt telefonisch auch den Hinweis, dass es sich bei Zodiac um den ehemaligen Filmvorführer Rick Marshall handelt. Graysmith kann über gezeichnete Filmplakate eine Handschriftenprobe von Marshall organisieren, die von Morrill als fast identisch mit der von Zodiac identifiziert wird, woraufhin sich der Karikaturist mit Marshalls Bekannten Bob Vaughn in Verbindung setzt. Bei dem Treffen stellt sich jedoch heraus, dass Vaughn selbst die Filmplakate gezeichnet hat, woraufhin Graysmith fluchtartig die Szenerie verlässt und später schlussfolgert, dass es mehrere Täter geben muss. Aus den Vallejo-Akten schließt er, dass der Mörder das Opfer Darlene Ferrin gekannt haben muss, ehe er über ihre Schwester Linda erfährt, dass es in Darlenes Umfeld einen „Leigh“ gab. Auch ein kurz vor Weihnachten 1969 an Melvin Belli adressierter Anruf, in dem Zodiac davon sprach, Geburtstag zu haben, spricht für den am 18. Dezember geborenen Allen als Täter.
Die Ergebnisse seiner Nachforschung präsentiert Graysmith im Jahr 1978 Toschi, der zuvor aus der Mordkommission entlassen wurde, da man ihn selbst verdächtigte, ein Zodiac-Schreiben verfasst zu haben. Beide erkennen, dass es zeitliche Übereinstimmungen zwischen den Briefen und einer Haftstrafe von Arthur Leigh Allen gab, es aber weiterhin an hinreichenden Beweisen für eine Verurteilung fehle. Graysmith ist trotzdem von Allens Schuld überzeugt und sucht den Verdächtigen Ende 1983 bei dessen neuer Arbeitsstelle auf, schaut ihm tief in die Augen und verlässt die Örtlichkeit schließlich wieder. Im Jahr 1986 erscheint sein Buch zum Kriminalfall, ehe 1991 der wieder in die Vereinigten Staaten eingereiste Mike Mageau Allen als Schützen identifiziert. Eine Anklage gegen den mutmaßlichen Täter wurde erwogen, doch Allen starb 1992 noch vor Prozessbeginn. Im Jahr 2002 wurde Allen mithilfe eines DNA-Abgleichs als Zodiac-Mörder ausgeschlossen, ehe der Fall 2004 eingestellt wurde und seitdem als Cold Case gilt.
Historischer Kontext und literarische Vorlage
mini|hochkant=0.7|Ein Phantombild des mutmaßlichen Zodiac-Killers Der Film Zodiac – Die Spur des Killers basiert auf realen Geschehnissen rund um den Serienmörder Zodiac, der zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 nach offiziellen Angaben fünf Menschen in der San Francisco Bay Area tötete. Die Morde gingen mit an Zeitungen und die Polizei adressierten Briefen einher, in denen Zodiac sogar von bis zu 37 Opfern sprach. Das San Francisco Police Department ermittelte in dem Fall gegen über 2.500 Verdächtige, konnte die Identität des Täters allerdings nie final feststellen. Über die Jahre entstand bei Strafverfolgungsbehörden und Hobby-Detektiven daher eine regelrechte Obsession um die ungelöste Mordserie, wodurch Zodiac zu einem der bekanntesten und berüchtigsten Serienkiller der Geschichte aufstieg.
Mit der Veröffentlichung von Büchern, Filmen, Zeitungsartikeln und Fernsehsendungen rund um Zodiac verschwamm die Grenze zwischen offizieller Untersuchung und sensationeller Mythologie zunehmend. Zodiacs Interaktionen mit Zeitungen, seine Fähigkeit, die eigene Wahrnehmung in den Medien zu beeinflussen, und die Tatsache, dass selbst Kryptoanalytiker von US-amerikanischen Geheimdiensten an der Entschlüsselung seiner Codes scheiterten,Zodiac – Production Notes Warner Bros. Entertainment und Paramount Pictures, abgerufen am 12. Februar 2024. (PDF) verschaffte ihm bald einen Kultstatus ähnlich dem Jack the Rippers. Zur neuen Subkultur, eigene Theorien zu veröffentlichen und über Beweise zu debattieren, trug auch die 1986 von Robert Graysmith veröffentlichte Chronik Zodiac – Auf der Spur eines Serienkillers bei. Graysmith war ab Ende der 1960er Jahre als politischer Karikaturist beim San Francisco Chronicle tätig und begleitete so Zodiacs Interaktionen mit der Zeitung von Beginn an.