mini|hochkant|Pino Daniele (2009) Pino Daniele (* 19. März 1955 in Neapel als Giuseppe Daniele; † 4. Januar 2015 in Rom) war ein italienischer Musiker.

Der Bluesgitarrist konnte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren einen Namen als einer der innovativsten Musiker Italiens machen. Während seiner über 40-jährigen Karriere arbeitete er mit zahlreichen anderen Musikern aus aller Welt zusammen, darunter Franco Battiato, Francesco De Gregori, Lucio Dalla, Ralph Towner, Yellowjackets, Mike Mainieri, Claudio Baglioni, Danilo Rea und Mel Collins. Im Lauf der Jahre spielte er auf vielen wichtigen internationalen Bühnen. Bei Konzerten trat er auch gemeinsam mit Pat Metheny, Eric Clapton, Chick Corea, Robert Randolph, Bob Berg und Joe Bonamassa auf.

Seine Musik und seine Spieltechnik wurden von der Rockmusik, vom Jazz Louis Armstrongs und George Bensons und vor allem vom Blues inspiriert. Er kombinierte und interpretierte verschiedene musikalische sowie sprachliche Elemente auf sehr persönliche, kreative Art. Seine Leidenschaft für viele unterschiedliche Musikgenres (von Elvis Presley bis Roberto Murolo) bildete die Grundlage für die Entstehung des neuen Stils „Tarumbò“, konzipiert als eine Vermischung von Tarantella und Blues. Außerdem begründete er die musikalische Erneuerungsbewegung „Neapolitan Power“.

Leben und Karriere Die Anfänge mini|Hafen von Neapel Pino Daniele kam im Stadtteil Porto von Neapel als erstes von sechs Kindern eines Hafenarbeiters zur Welt. Er wuchs in einer finanziell prekären Lage auf. Nach einigen Jahren zog er, noch als Kind, in das Haus zweier besser gestellter Tanten. In der Grundschule war einer seiner Klassenkameraden Enzo Gragnaniello. Daniele fiel zu jener Zeit als besonders ordentliches Kind auf. Außerdem zeigte er schon früh eine Begeisterung für Musik. Im Alter von zwölf Jahren machte er bei einem Kinderfest seine erste Bühnenerfahrung. Später besuchte er eine Ingenieursschule und lernte autodidaktisch das Gitarrenspiel, wobei er die Proteststimmung der 68er-Bewegung aufsog.

Sein musikalisches Debüt hatte Pino Daniele mit der Gruppe New Jet, die er mit seinem Schulfreund Gino Giglio gegründet hatte. Er verließ die Gruppe schnell wieder und sammelte danach wichtige Erfahrungen in der Gruppe Batracomiomachia, gegründet zusammen mit Paolo Raffone, Rosario Jeundano, Rino Zurzolo, Enzo Avitabile und Enzo Ciervo. Letzterem gehörte ein Probenlokal im Stadtteil Sanità, wo neben der Gruppe auch viele spätere Protagonisten der neapolitanischen Musikszene ein und aus gingen, darunter Corrado Rustici, Edoardo Bennato und Osanna. 1975 betätigte sich Daniele erstmals als Studiomusiker und spielte auf einem (erst 2012 veröffentlichten) Album von Mario Musella. Im Jahr darauf war er auf dem Album Suspiro von Jenny Sorrenti (Schwester von Alan) zu hören. Außerdem war er in jener Zeit am Album Le due facce di Gianni Nazzaro von Gianni Nazzaro beteiligt (auch als Backgroundsänger) und tourte zusammen mit Bobby Solo.

1976 wurde Daniele daneben als Bassist Teil der bedeutenden Gruppe Napoli Centrale, in der er wichtige Kontakte zu anderen Musikern knüpfen konnte, etwa dem Saxophonisten James Senese. Dieser trug in der Folge wesentlich zur musikalischen Entwicklung Pino Danieles bei und war an einigen seiner frühesten Alben beteiligt, wie Pino Daniele (1979), Nero a metà (1980) oder Vai mo’ (1981). Immer noch 1976 wurde Claudio Poggi, Musikproduzent bei EMI Italiana, auf ein Demo des jungen Musikers aufmerksam und produzierte mit ihm die erste Single Che calore / Fortunato.

Nach der Debütsingle arbeitete Daniele sogleich an seinem ersten Album, das 1977 unter dem Titel Terra mia erschien. Sowohl musikalisch als auch in den Texten zeigte das Album eine starke Verankerung in der neapolitanischen Volksmusik. Schon auf diesem Erstling waren einige Lieder enthalten, die Klassiker im Repertoire Danieles werden sollten: Terra mia, Suonno d’ajere, ’Na tazzulella ’e cafè, Libertà und vor allem Napule è, das er mit 18 Jahren geschrieben hatte und das sich zu einer Art Hymne für die Stadt Neapel entwickelte. ’Na tazzulella ’e cafè war eines seiner ersten Lieder, die es ins Radio schafften, durch die Vermittlung von Renzo Arbore, der damals Moderator der Radiosendung Alto gradimento war.

Zum Ende der 70er-Jahre erschien das zweite Album Pino Daniele, auf dem eine deutliche Abwendung von der neapolitanischen Musik hin zum Blues spürbar war. Auch dieses enthielt einige spätere Klassiker, etwa Je so’ pazzo, Je sto vicino a te, Chi tene ’o mare, Putesse essere allero, Basta na jurnata ’e sole und Donna Cuncetta.

Die 1980er-Jahre mini|Pino Daniele (1982) In den 80er-Jahren stieg das Ansehen Pino Danieles, im Juni 1980 konnte er ein Italienkonzert von Bob Marley in Mailand eröffnen. Ebenfalls 1980 veröffentlichte er das Album Nero a metà, in dem er einen neuen neapolitanischen Sound präsentierte, einen mediterran angehauchten Latin Blues. Das Titel war ein Verweis auf den kurz zuvor verstorbenen Mario Musella. Das Album war Danieles erster Charterfolg und wurde 2012 als einziges seiner Alben in die Liste der 100 schönsten italienischen Alben aller Zeiten der Zeitschrift Rolling Stone Italia aufgenommen (Platz 17).

Im September 1981 gab Daniele ein großes Konzert auf der Piazza del Plebiscito in Neapel, begleitet von Tullio De Piscopo, Joe Amoruso, Rino Zurzolo, Tony Esposito und James Senese, mit denen er im selben Jahr das vierte Album Vai mo’ aufgenommen hatte. Diese Formation war der Ausgangspunkt der musikalischen Erneuerungsbewegung „Neapolitan Power“, die sich hauptsächlich auf Blues, Jazz und Rock stützte.Vgl. Dieser Hintergrund zeigt sich etwa in den Liedern Yes I Know My Way, Viento ’e terra, Have You Seen My Shoes oder Notte che se ne va. Die Gruppe spielte fortan jedoch nicht mehr gemeinsam, da die einzelnen Mitglieder alle ihre Solokarrieren verfolgten.

mini|Pino Daniele mit Alphonso Johnson und Tony Esposito (1982) 1982 begann Daniele seine gemeinsamen Projekte mit bekannten internationalen Musikern. Auf seinem Album Bella ’mbriana, das erstmals die Spitze der italienischen Charts erreichte, waren Alphonso Johnson am Bass und Wayne Shorter am Sopransaxophon zu hören, beide aus der Gruppe Weather Report. 1983 nahm er zusammen mit Richie Havens das Album Common Ground auf und beteiligte sich am Album Apasionado von Gato Barbieri. Am 24. Juni 1984 eröffnete er ein Konzert von Carlos Santana und Bob Dylan in Mailand. Auf seinem nächsten Studioalbum Musicante trafen mediterrane Klänge auf arabisch geprägte Melodien, brasilianische Rhythmen (dank des Perkussionisten Naná Vasconcelos) und die Flöten von Mel Collins; es stellte den ersten Schritt in Richtung Weltmusik dar. Im selben Jahr veröffentlichte Daniele sein erstes Livealbum Sciò live, mit der Beteiligung vieler bekannter Gastmusiker. 1985 erschien das siebte Studioalbum Ferryboat, an dem auch Steve Gadd, Mino Cinelu und Gato Barbieri beteiligt waren.

1987 folgte das Album Bonne soirée, mit Beiträgen von Pino Palladino am Bass, Bruno Illiano am Keyboard, Jerry Marotta (zu der Zeit Schlagzeuger von Peter Gabriel) am Schlagzeug, Mel Collins am Saxophon und Mino Cinelu an der Perkussion. Am 1988er-Album Schizzechea with Love waren Steve Gadd und Agostino Marangolo beteiligt. Der Titelsong Schizzechea gewann 1989 die Targa Tenco für das beste Dialektlied. In dieser Zeit war er auch auf Europatournee, im Rahmen der Konzertreihe Night of the Guitar mit Randy California, Pete Haycock, Steve Hunter, Robby Krieger, Andy Powell, Ted Turner, Leslie West, Phil Manzanera und Jan Akkerman. Das Jahrzehnt wurde durch die Veröffentlichung von Mascalzone latino beschlossen. Das Lied Anna verrà (gewidmet der Schauspielerin Anna Magnani) war eines der ersten Lieder Danieles, die vollständig auf Italienisch verfasst waren.

Die 1990er-Jahre Im Jahr 1990 machte der Musiker aus Gesundheitsgründen eine längere künstlerische Pause. Im Jahr darauf meldete er sich mit dem Album Un uomo in blues zurück, auf dem nun wieder die Blues-Einflüsse und die Klänge der E-Gitarre vorherrschend waren, etwa in O scarrafone, Leave a Message oder im Titelsong. Im gleichen Jahr erschien auch das Album Sotto ’o sole, mit den Liedern Quando und O ssaje comme fa ’o core. 1992 hatte Daniele einen seiner seltenen Fernsehauftritte, zusammen mit dem befreundeten Massimo Troisi in der Sendung Alta classe von Gianni Minà. Daniele und Troisi begründeten bei dieser Gelegenheit den Running Gag Massimo, ho scritto una canzone, mi fai un film? („Massimo, ich habe ein Lied geschrieben, machst du mir einen Film?“). Dieser Daniele in den Mund gelegte Ausspruch spielte auf sein Lied Quando an, das im Vorjahr als Titelsong von Troisis Film Pensavo fosse amore… invece era un calesse fungiert hatte. Außerdem hatte Daniele bereits in der Vergangenheit Musik zu zwei von Troisis Filmen beigesteuert, Ricomincio da tre (1981) und Le vie del Signore sono finite (1987).

Anfang der 90er-Jahre trennte sich Daniele von seiner Frau Dorina, mit der er zwei Kinder hatte, und heiratete 1991 Fabiola. Aus der zweiten Ehe gingen zwei Töchter hervor, denen der Musiker die Lieder Sara und Sofia sulle note widmete, sowie ein Sohn. Ab 1993 trat Daniele wieder regelmäßig live auf. Im Mai des Jahres gab er zwei Konzerte in Cava de’ Tirreni, die ins Livealbum E sona mo’ einflossen. Im selben Jahr erschien das Studioalbum Che Dio ti benedica, zu dem Massimo Troisi einen Text beisteuerte. Internationale Gastmusiker waren diesmal Chick Corea und Ralph Towner. Sprachlich wechselte Daniele auf dem Album häufig zwischen Dialekt und Italienisch. Das Lied Sicily wurde erneut mit der Targa Tenco als bestes Dialektlied ausgezeichnet.

1994 ging Daniele gemeinsam mit Eros Ramazzotti und Jovanotti auf Italientournee. Im Jahr darauf hingegen tourte er mit Pat Metheny durch Italien. Mit den zwei folgenden Alben erreichte Daniele den Höhepunkt seines kommerziellen Erfolges. Non calpestare i fiori nel deserto (1995) entfernte sich von Funk-Einflüssen und dem neapolitanischen Dialekt und entwickelte stattdessen einen orientalisch angehauchten und bluesigen Pop mit Volksmusik-Anleihen. Das Album erreichte die Spitze der italienischen Charts und war eines der meistverkauften des Jahres. Es gewann zudem die Targa Tenco als bestes Album des Jahres. Das nächste Album Dimmi cosa succede sulla terra (1997) war noch erfolgreicher. Damit triumphierte er bei Festivalbar 1997 und gewann sowohl den Preis für das Album des Jahres als auch für die Single des Jahres (mit Che male c’è).

Im Jahr darauf trat er bei Pavarotti international zusammen mit Luciano Pavarotti auf, gemeinsam sangen sie Napule è. Zum Ende des Jahrtausends veröffentlichte Daniele das Album Come un gelato all’equatore, auf dem stärkere elektronische Klänge und Jazz-Einflüsse vorherrschten; beteiligt war die Sängerin Rossana Casale. Dem Album ging die Single Neve al sole voraus. Im September 1999 trat Daniele bei einem Konzert von Zucchero in der Arena von Verona auf.

Die 2000er-Jahre Die Einflüsse aus der nordafrikanischen Musiktradition rückten im nächsten Studioalbum Medina in den Mittelpunkt, das Anfang 2001 bei BMG Ricordi erschien. Beteiligt waren Salif Keïta aus Mali, Faudel aus Algerien, Omar Faruk Tekbilek aus der Türkei, Lotfi Bushnaq aus Tunesien und die italienische Hip-Hop-Gruppe 99 Posse. Unter den Liedern waren Via Medina, Mareluna, Lacrime di sale und Senza ’e te. Nach einer Tournee folgte das Livealbum Concerto Medina Tour 2001. Im Jahr darauf regte Daniele eine gemeinsame Tournee mit Fiorella Mannoia, Francesco De Gregori und Ron an, die ins Livealbum In tour einfloss, erschienen bei Danieles eigenem Label Blue Drag. Im Album Passi d’autore (2004) experimentierte der Musiker wieder mit neuen Klängen. Zusammen mit dem Peter Erskine Trio mischte er Jazz mit Madrigalen des 16. Jahrhunderts.