Actes et documents du Saint Siège relatifs à la Seconde Guerre Mondiale (dt. Übers. des Titels: Akten und Dokumente des Heiligen Stuhls in bezug auf den Zweiten Weltkrieg), oft abgekürzt als: ADSS, ist eine elfbändige Veröffentlichung einer Sammlung von historischen Dokumenten des Vatikans, zusammengestellt von den Historikern und Jesuitenpatres Pierre Blet (Frankreich), Angelo Martini (Italien), Burkhart Schneider (Deutschland), und Robert Graham (USA), initiiert 1964 durch Paul VI. und veröffentlicht zwischen 1965 und 1981.
Veröffentlichung Die Veröffentlichung von rund 5100 Aktenstücken auf über 7600 Seiten ist eine seltene Ausnahme der ungeschriebenen Regel des Vatikans, der zufolge 75 Jahre nach dem Tod eines Pontifex (hier wäre es Pius XII.) vergehen müssen, bis dessen Archive geöffnet werden können. Diese Vorabveröffentlichung geschah als Antwort auf das 1963 veröffentlichte und kontrovers diskutierte Drama Der Stellvertreter von Rolf Hochhuth, der Pius XII. Schweigen und Versagen gegenüber dem Holocaust, von dem er Bescheid wusste, vorgeworfen hatte.
Keines der Dokumente – die meisten von ihnen sind auf Italienisch verfasst – wurde übersetzt. Die Einführungen zu den elf Bänden und die knappen Beschreibungen der Dokumente sind auf Französisch verfasst. Ein Band wurde ins Englische übersetzt.
Fünf Bände befassen sich mit dem Zweiten Weltkrieg in chronologischer Reihenfolge. Vier Bände behandeln die humanitären Aktivitäten des Heiligen Stuhls während des Krieges in chronologischer Reihenfolge. Ein Band enthält die Briefe Pius XII. mit deutschen Bischöfen vor und während des Krieges, unter anderem v. Preysing. Der letzte Band befasst sich mit Dokumenten in Bezug auf Polen und die Baltischen Staaten.
Die vier Jesuitenpatres haben als Herausgeber ebenso weitere Veröffentlichungen bearbeitet, die sich als Ableitungen oder Zusammenfassungen dieser Quellenedition verstehen. Zu nennen ist hier stellvertretend die Veröffentlichung Pierre Blets: Papst Pius XII. und der Zweite Weltkrieg. Aus den Akten des Vatikans.
Bände +Nr.TitelÜbersetzter TitelJahrRef.1Le Saint Siége et la Guerre en Europe: Mars 1939 – Août 1940Der Heilige Stuhl und der Krieg in Europa: März 1939 – August 194019702Lettres de Pie XII aux Évêques Allemands, 1939–1944Briefe Pius’ XII. an die deutschen Bischöfe, 1939–194419933aLe Saint Siège et la situation religieuse en Pologne et dans les Pays Baltes, 1939–1945; Première partie: 1939–1941Der Heilige Stuhl und die religiöse Situation in Polen und den baltischen Staaten, 1939–1945; Teil Eins: 1939–194119673bLe Saint Siège et la situation religieuse en Pologne et dans les Pays Baltes, 1939–1945; Deuxième partie: 1942–1945Der Heilige Stuhl und die religiöse Situation in Polen und den baltischen Staaten, 1939–1945; Zweiter Teil: 1942–194519674Le Saint Siége et la Guerre en Europe, Juin 1940 – Juin 1941Der Heilige Stuhl und der Krieg in Europa, Juni 1940 – Juni 194119675Le Saint Siège et la Guerre Mondiale, Juillet 1941 – Octobre 1942Der Heilige Stuhl und der Zweite Weltkrieg, Juli 1941 – Oktober 194219696Le Saint Siège et les Victimes de la Guerre, Mars 1939 – Décembre 1940Der Heilige Stuhl und die Opfer des Krieges, März 1939 – Dezember 194019727Le Saint Siège et la Guerre Mondiale, Novembre 1942 – Décembre 1943Der Heilige Stuhl und der Zweite Weltkrieg, November 1942 – Dezember 194319738Le Saint Siège et les victimes de la guerre, Janvier 1941 – Décembre 1942Der Heilige Stuhl und die Opfer des Krieges, Januar 1941 – Dezember 194220029Le Saint Siège et les victimes de la guerre, Janvier – Décembre 1943Der Heilige Stuhl und die Opfer des Krieges, Januar – Dezember 1943200210Le Saint Siège et les victimes de la guerra, Janvier 1944 – Juillet 1945Der Heilige Stuhl und die Opfer des Krieges, Januar 1944 – Juli 1945198011Le Saint Siège et la guerre mondiale, Janvier 1944 – Mai 1945Der Heilige Stuhl und der Zweite Weltkrieg, Januar 1944 – Mai 19451981
Rezeption und Kritik Die Dokumentensammlung wurde von ihren Herausgebern als repräsentativ beschrieben, von Kritikern allerdings als nicht vollständig bezeichnet. Nennenswerte fehlende Dokumente sind unter anderen der Briefwechsel 1943–1944 zwischen Pius XII. und dem Berliner Bischof Konrad Preysing, die Briefe und Unterlagen in Bezug auf Bischof Alois Hudal und die meisten Dokumente in Bezug auf Osteuropa.
Während der Historiker Lutz Klinkhammer die Edition als «sehr gut gearbeitet» bezeichnete und überdies ausschloss, dass es «wesentliche Auslassungen» gegeben habe, wies der Kirchenhistoriker Hubert Wolf auf nachweisliche Unterschlagungen der Herausgeber hin, die auf Unterdrückung antisemitischer Dokumente zurückzuführen seien, und widerlegte insgesamt die Vollständigkeit der Ausgabe.Hubert Wolf: Die geheimen Archive des Vatikan und was sie über die Kirche verraten. C.H. Beck, München 2024. ISBN 978-3-406-82195-0, S. 32–43.
Literatur
Pierre Blet: Papst Pius XII. und der Zweite Weltkrieg. Aus den Akten des Vatikans. Aus dem Französischen von Birgit Martens-Schöne. Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-71903-3.
Weblinks Alle Bände auf der Website des Vatikans
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte (Vatikanstadt) Kategorie:Quellenedition Kategorie:Historiographie (Zweiter Weltkrieg) Kategorie:Werk über Pius XII. Kategorie:Paul VI.