Die Polizei Bremen (auch Bremer Polizei) ist die Landespolizei der Freien Hansestadt Bremen. Der Polizeivollzugsdienst wird in Bremerhaven durch die Ortspolizeibehörde Bremerhaven wahrgenommen.

Geschichte Vor 1800 Der Begriff Polizei (von Polis zu Deutsch: „Stadt“), damals Policey genannt, wurde im Mittelalter bis zur Zeit des Liberalismus (18./19. Jahrhundert) noch weitgehender als Ausdruck für die Verwaltung der Stadt verwendet. Seit dem 14. Jahrhundert waren in Bremen die Kämmereigerichte, besetzt von vier Kämmerern, für die Untersuchungen von Kriminalfällen zuständig. Zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung hatten die Gehilfen des Staates früher die unterschiedlichsten Bezeichnungen wie der Vogt oder Marktvogt des Mittelalters und der Frühen Neuzeit oder aber auch der Gerichtsdiener (wurde auch als Büttel bezeichnet). Der Stadtvogt war im Mittelalter wahrscheinlich Morgensprachherr, der die morgendliche Beschlussversammlung der Ämter leitete. Zunehmend wurden dann für die Ämter einzelne Morgenspachherren (bis 1848) eingesetzt als z. B. Schlachtevogt oder für das Bau-, Straßenreinigungs-, Bettelei- oder das Schaustellerwesen. Noch bestand keine besondere Polizeibehörde. Ab dem 18. Jahrhundert konzentrierte sich der Begriff Polizei zunehmend auf die Aufgaben der Sicherheit und Ordnung.

Daneben gab es früher die Nachtwächter, die vor Feuergefahr und Dieben warnen sollten. Die Nachtwachen wurden von den Bremer Bürgerkompanien organisiert und waren ausgerüstet mit schnarrenden Rätteln (Rasseln); sie wurden deshalb auch Rätelwachen genannt.

1800 bis 1918 Um 1800 gab es in Bremen sechs Polizeidiener. In der Franzosenzeit war der Polizeidienst jedoch schon gut organisiert, geleitet von einem Präfekten. Nach 1813 bestanden das Unter- und Polizeigericht, ein Kriminalgericht und eine Polizeidirektion, an deren Spitze zwei Senatoren standen (u. a. 1834 bis 1860 Georg Heinrich Olbers). Der Polizeidirektion unterstanden im 19. Jahrhundert drei Polizeikommissäre. Den Polizeidienst erfüllten in der Stadt zehn Polizeidiener. Sie standen der Polizeidirektion und dem Kriminalgericht zur Verfügung. In den bremischen Landgebieten Lehe, Osterholz, Hastedt, Gröpelingen, Arsten, Habenhausen, Huchting und Woltmershausen gab es vor 1813 noch Vögte, danach Sauvegarden, nach 1839 Polizeidiener, seit 1848 wieder Sauvegarden und ab 1854 Landjäger. Es gab zudem noch die Landdragoner und an fünf Stellen der Stadt die Nachtwachen, die seit 1882 von Polizeidienern wahrgenommen wurde.

1866 gab es zwei Ober-Polizeikommissäre, vier Distriktkommissäre, einen Baukommissär, sowie einen Rendanten, einen Kanzlisten, einen Wachtmeister für die Bahn und 27 Polizeidiener sowie zwei weitere Polizeikommissäre in Vegesack und in Bremerhaven mit ihren Polizeidienern und Dragonern. Dazu war auf dem bremischen Land noch ein Landjägerkorps im Dienst.

Seit 1875 kam hinzu der Kriminal-Polizeikommissär und damit die Gründung der spezialisierten Kriminalpolizei.

1909 wurde Anna Wegener (1877–1963) als erste weibliche Polizeiassistentin bei der Kriminalpolizei eingestellt; in Deutschland die erste Frau bei der Polizei.

Nach 1918 mini|hochkant|Ordnungspolizist mit Tschako auf der Werft AG „Weser“, kurz vor dem Stapellauf des Dampfers Bremen (1928) Die Polizei unterstand nach dem Ersten Weltkrieg der Polizeikommission des Senats unter Vorsitz von zunächst Bürgermeister Karl Deichmann (MSPD) (1919–1920), dann Senator Albert von Spreckelsen (DVP) (1920–1928, 1931–1933) und dazwischen wieder durch Senator Deichmann (1928–1931).

1919 wurde die Stelle eines Polizeipräsidenten geschaffen, die bis 1933 der konservative Leopold Petri wahrnahm (siehe auch bei Leitung). Die formal untergeordnete Sicherheitspolizei war dem Oberst Walter Caspari unterstellt; Konflikte der beiden Polizeiführer über ihre Kompetenzen musste im Mai 1920 der Senat durch Dienstanweisungen schlichten.

Das Polizeigesetz von 1931 sah eine Gliederung vor mit den beiden Bereichen Kriminalpolizei (unter Georg Pott) und Ordnungspolizei. Die uniformierte Ordnungspolizei hatte die Aufteilung in die „blaue“ Polizei mit Einzeldienst in den Polizeirevieren und in die kasernierte „grüne“ Schutzpolizei unter Caspari, die in der Kaserne Roter Sand untergebracht wurde. Parteipolitische Aktivitäten im Dienst waren verboten. Die „Blauen“ waren jedoch gewerkschaftlich organisiert. Leiter der Gewerkschaft war der damalige Polizeimeister Franz Noch (auch SPD – Bürgerschaftsabgeordneter), der nach dem Zweiten Weltkrieg von 1947 bis 1951 als Leitenden Polizeidirektor die Polizei führte.

Stadtwehr und Sicherheitspolizei Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden an vielen Orten in der Weimarer Republik freiwillige und ehrenamtliche Schutzverbände, sogenannte Einwohnerwehren bzw. Stadtwehren. Die Bremer StadtwehrElias Angele: "Schützt die Revolution!" Die Stadtwehr in Bremen 1919-1921. Stuttgart: Franz Steiner, 2021. 260 S. wurde durch Beschluss der provisorischen Regierung unter Bürgermeister Deichmann (SPD) und durch einen Aufruf von Senator Theodor Spitta (DDP) sowie Major Caspari im Februar 1919 gebildet. Weiterhin richtete das Deutsche Reich Ende 1919 die militärisch organisierte und mit schweren Waffen ausgestattete Sicherheitspolizei zur Niederschlagung von Aufständen ein. Beide Formationen kamen in entsprechenden Auseinandersetzungen, beispielsweise in den „Stacheldraht-Ostern“ im April 1919 und bei den großen Streiks im Herbst 1920 zum Einsatz.

Nach den Bestimmungen des im Januar 1920 in Kraft getretenen Friedensvertrages von Versailles waren alle paramilitärischen Verbände wie die Stadtwehr und die Sicherheitspolizei verboten und bis zum 1. März 1921 aufzulösen. Die Sicherheitspolizei wurde dann auch im September 1920 als kasernierte „grüne“ Polizei unter Caspari in die reguläre Bremer Polizei eingegliedert. Aber auch nach Abgabe der schweren Waffen blieb sie dort eine abgetrennte Einheit mit weiterhin militärischer Ausrichtung.

Die USPD hatte bereits seit langem die sofortige Auflösung vor allem der Stadtwehr gefordert. Im November 1920 signalisierte die SPD, dass sie einen entsprechenden Beschluss mitzutragen bereit war, jedoch forderte Wilhelm Kaisen (MSPD) eine Auflösung bis Anfang 1921. Die Bürgerschaft fasste am 26. November 1920 einen entsprechenden Beschluss. Der Senat widersprach der Forderung zur Auflösung und trat am 3. Dezember geschlossen zurück. Daraufhin machte ein Drittel der Mitglieder der Bürgerschaft von ihrem Recht Gebrauch, den Senatsrücktritt in einem Volksentscheid überprüfen zu lassen.

Bei diesem am 9. Januar 1921 abgehaltenen Plebiszit sprach sich die Mehrheit der Abstimmenden gegen den Rücktritt aus, was gemäß Verfassung eine vorzeitige Auflösung der Bürgerschaft und Neuwahlen zur Folge hatte. Bei diesen Wahlen zur 2. Bremischen Bürgerschaft erlangten die bürgerlichen/konservativen Parteien ein knappe Mehrheit. Die Stadtwehr unter dem Kommando von Oberst a. D. Arnold von Engelbrechten – die den vordergründigen Anlass für den Volksentscheid geliefert hatte – wurde dann jedoch trotzdem am 28. Februar 1921 im Rahmen einer feierlichen Verabschiedung im Bremer Bürgerpark aufgelöst. Ihre Aufgaben übernahm fortan die reguläre Polizei.

Von 1933 bis 1945 Im formellen Sinne führte von 1933 bis 1937 der Senator für innere Verwaltung Theodor Laue (NSDAP) die Polizei als „Polizeiherr“; tatsächlich war sein ständiger Vertreter Georg Pott (seit 1933 NSDAP) für die Leitung der Polizeidirektion zuständig. Kommandeur der Landespolizei war von 1933 bis 1935 Oberst Potel und danach Oberst Wittke. Die Schutzpolizei führte bis 1937 als Kommandeur der Polizei-Oberstleutnant (seit 1936 Oberst) Heinrich Lankenau (seit 1933 NSDAP), zugleich Inspekteur der Ordnungspolizei. Sein Nachfolger war der Berliner Oberstleutnant Curt Pohlmeyer. Die Landeskriminalpolizei unterstand bis 1936 Conrad Parey, der dann als Richter zum Landgericht versetzt wurde.

1936 verband Hitler durch Erlass das Parteiamt Reichsführer SS mit dem neuen Staatsamt Chef der Polizei im Reichsinnenministerium und übertrug Heinrich Himmler den Posten. Im Reich gab es unter Himmler nun zwei Hauptabteilungen für die Ordnungspolizei (OrPo) mit SS-Obergruppenführer Kurt Daluege als Leiter und für die Sicherheitspolizei (Sipo) mit SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich als Chef. In Bremen wandelte sich 1936 das bisherige Staatspolizeiamt Bremen in die Staatspolizeistelle Bremen mit nach wie vor 46 Mitarbeitern und den Außenstellen Bremerhaven (bis 1937) und Vegesack (ab 1939), sowie den Außenstellen Hafen (1936) und Blumenthal (ab 1939). 1945 waren unter dem Dach der Staatspolizei die Kriminalpolizei und die Gestapo vereint. Für Bremen zuständig war der Höhere SS- und Polizeiführer (HSSuPF), seit 1939 vom Wehrkreis X in Hamburg. Auch wenn alle Polizeistellen in Bremen dienstrechtlich dem Bremer Senat unterstanden, konnte der Reichsführer SS, seine Haupt- und Abteilungsleiter und der zuständige HSSuPF mit den SS-Inspekteuren der Bremer Polizei Weisungen erteilen. Die zwei Bremer Kriminalpolizeiinspektionen unterstanden nun den Regierungsbezirken Stade und Aurich.

Im März 1938 beschloss der Senat ein Polizeigesetz. Einem Polizeipräsidenten wurden die Befugnisse der bisherigen Polizeidirektion übertragen und die Stelle bis 1941 mit SS-Oberführer Curt Ludwig besetzt. Die Gestapo unterstand ihm jedoch nicht. Die Gestapo Bremen war 1935 dem Senator für innere Verwaltung zugeordnet mit Weisungsrechten des Reichsführers SS durch das Gestapo-Amt Berlin. Oberste Landespolizeibehörde war der Regierende Bürgermeister. Polizeioberst Johannes Schroers (seit 1933 NSDAP) wurde 1938 Kommandeur der Schutzpolizei, 1940 stellvertretender Polizeipräsident und 1941 bis 1945 Polizeipräsident. Die Schutzpolizei wurde seit 1941 von Oberstleutnant Herbst geführt.

Die Schutzpolizei verfügte 1944 über 400 Mann und ihre Reserve über 315 Mann. Die Luftschutzpolizei hatte 3200, die Stadtwacht 1780 und der Werkschutz 710 Mann.

Bremer Polizeibeamte als Massenmörder im Zweiten Weltkrieg Das Polizei-Bataillon 303, eine 1939 gebildete Formation der Bremer Polizei, verübte zahlreiche Massenmorde in der damaligen Sowjetunion und Polen, unter anderem in Babyn Jar am 29. und 30. September 1941. Auch das Bremer Polizei-Bataillon 105 war an der Durchführung des Holocausts beteiligt.

Staatspolizei bzw. Gestapo und SD Die Staatspolizei, ab Oktober 1935 Geheime Staatspolizei (Gestapo) in Bremen leitete 1933 Heinrich Kruse, von 1933 bis 1934 Emil Krebs und von 1934 bis 1939 der Polizeihauptmann und SS-Obersturmbannführer Regierungsrat Erwin Schulz. Die Leiter waren von August 1939 bis November 1940 Hans Blomberg, von 1940 bis 1943 SS-Sturmbannführer und Regierungsrat Herbert Zimmermann, von März 1943 bis 29. Januar 1945 SS-Sturmbannführer und Regierungsrat Erwin Dörnte (und anschließend kommissarisch sein Stellvertreter Hans Hasse), von ca. 10. Februar bis 31. März 1945 SS-Obersturmbannführer und Oberregierungsrat Alfred Schweder, vom 1. April bis Mitte April 1945 SS-Obersturmbannführer Oberregierungsrat Georg Kiessel. Anfang/Mitte April 1945 setzte sich die Bremer Gestapo-Führung über Hamburg (das kampflos an die Briten übergeben wurde) nach Schleswig und Flensburg ab, bevor britische Truppen die Bremer Innenstadt erreicht und am 26. April 1945 eingenommen hatten. Einige Gestapo-Männer, z. B. Hans Hasse, versuchten unter falschem Namen, sich den Alliierten zu entziehen. Sein Vorgesetzter Schweder dagegen kooperierte mit der britischen Militärjustiz (1948 im Bremen-Farge-Prozess im Curiohaus Hamburg). The National Archives Public Record Office. TNA(PRO)WO 235/441 JAG 295 (Die Protokolle des Bremen-Farge Prozess im Curiohaus Hamburg 19. Dezember 1947 bis 24. Februar 1948)