mini|hochkant=1.5|Plan der Bundesfestung Ulm, um 1865(die Bahnstrecke nach Blaubeuren ist noch nicht dargestellt) Die Bundesfestung Ulm in Ulm und Neu-Ulm war – neben Landau, Luxemburg, Mainz und Rastatt – eine von fünf deutschen Bundesfestungen. Diese Festungen wurden durch den Deutschen Bund finanziert (daher auch der Name) und, wie auch zahlreiche Landesfestungen, im 19. Jahrhundert aus- oder neu gebaut. Die Festung in Ulm wurde im Jahre 1859 fertiggestellt.Tourismus Ulm: Ulm als Garnisonsstadt/, abgerufen am 29. Mai 2023. Mit einer polygonalen Hauptumwallung von rund neun Kilometern war Ulm die größte Befestigung des 19. Jahrhunderts in Europa. Der Festungsstatus von Ulm wurde erst 1938 aufgehoben.vgl. Burger 2006, S. 60.
Einführung mini|Ansicht von Ulm mit Blick auf die Festung (19. Jahrhundert) mini|Die Wilhelmsburg um 1904 Nach der endgültigen Niederlage Napoleon Bonapartes im Jahr 1815 in der Schlacht bei Waterloo war man sich einig, dass eine Sicherung der deutschen Staaten auch nach innen zu erfolgen habe. Die Bundesfestungen waren eines der wenigen Projekte des Deutschen Bundes, die in der Folge verwirklicht wurden.
Am Rande der Pariser Friedenskonferenz hatten die 4 Mächte Österreich, Großbritannien, Preußen und Russland am 3. November 1815 Mainz, Luxemburg und Landau zu Festungen des Deutschen Bundes vorgeschlagen und zudem den Bau einer vierten Bundesfestung am Oberrhein vorgesehen, wozu 20 Millionen französische Francs aus der Kriegsentschädigung bereitgestellt werden sollten.Procès-verbal de la conférence de M. M. les plénipotentiaires des quatre puissances du 3. Novembre 1815 à Paris, Annexe B, Système défensif de la confédération germanique. Art. 10, vom 3. November 1815. In: Staatsarchiv des Deutschen Bundes, herausgegeben von Johann Ludwig Klüber, I. Band, 3. Heft, Erlangen 1816, S. 389–391 online in der Google-Buchsuche. Bereits 1819 bis 1824 arbeitete eine Festungsbaukommission, in der badische, bayerische, württembergische und österreichische Ingenieure mitwirkten, die Pläne aus, die dann jedoch aus politischen Gründen 20 Jahre in der Schublade verschwanden.Marco Müller: Die Bundesfestung Rastatt. In: Badische Heimat, Heft 4/2005, S. 499. Während Österreich Ulm ausbauen wollte, bevorzugten Preußen und die näher an Frankreich liegenden süddeutschen Staaten den Bau einer Festung in Rastatt.
Im Oktober 1836 schlug der württembergische König Wilhelm I. als Kompromiss den Bau bzw. Ausbau beider Städte zu Festungen vor. 1838/39 konnten dann Bayern und Österreich auch hierfür gewonnen werden. Erst die Rheinkrise von 1840/41 bewirkte jedoch, dass sich die Staaten des Deutschen Bundes auf Verteidigungsanstrengungen gegen Frankreich verständigten und die Bundesversammlung am 26. März 1841 den Bau beider Festungen beschloss.abgedruckt bei Philipp Anton Guido von Meyer: Corpus constitutionum Germaniae, oder Die sämmtlichen Verfassungen der Staaten Deutschlands, Frankfurt am Main 1845, S. 95–96 online in der Google Buchsuche. Für den Bau der Bundesfestung Ulm wurde dabei auch ein Brückenkopf auf bayerischer Seite beschlossen. Auf Betreiben des bayerischen Königs Ludwig I. wurde die Ortschaft Neu-Ulm in die Festung einbezogen.
mini|Flankenturm des rechten Stützpunkts XVI, Teil der Wilhelmsfeste Die Bundesfestung Ulm, die an der Donau auf württembergischem und bayerischemTerritorium liegt, wurde im Zeitraum von 1842 bis 1859 vom preußischen Festungsbaudirektor und damaligen Oberst Moritz Karl Ernst von Prittwitz und Gaffron entworfen und unter seiner Leitung erbaut. Bei ihrer Errichtung waren bis zu 10.000 Arbeiter tätig. Die Leitung auf bayerischer Seite in Neu-Ulm hatte ab Dezember 1843 der Major Theodor Ritter von Hildebrandt inne, nachdem der ursprüngliche Festungsbaudirektor Friedrich Herdegen gestorben war.
In Friedenszeiten sollte die Festung 5.000 Soldaten des Bundesheeres beherbergen, die von Württemberg, Bayern und Österreich gestellt werden sollten. Für den Eintritt des Ernstfalles rechnete man dagegen mit bis zu 20.000 Soldaten. Weiterführende Planungen sahen sogar 100.000 Soldaten vor. Die gesamten Baukosten der Festung werden auf 16.500.000 Gulden geschätzt.
Die Festung stellt sich als geschlossener, polygonförmiger Mauerzug um beide Städte Ulm und Neu-Ulm dar, der in einiger Entfernung eine Reihe Forts vorgelagert sind. Aus der topografischen Lage heraus wurden mit den Forts in Ulm markante Höhen über der Stadt gesichert, während dies in Neu-Ulm, mangels Bergen um die Stadt, unterblieb. Die erste Steinbrücke über die Donau lag zwischen beiden Städten innerhalb der Festung, die nächste befand sich erst in Regensburg.
Erstmals wurde in Deutschland das Bastionärsystem beim Bau der Festung Koblenz (1815–1834 gebaut) aufgegeben und stattdessen ein Polygonalsystem mit vorgelagerten Befestigungen geschaffen. In diesem Zusammenhang ist von der neupreußischen oder neudeutschen Manier die Rede. Diese ist als Vorbild beim Bau der Festung Ulm gut erkennbar.
Mit Auflösung des Deutschen Bundes zog die österreichische Festungsbesatzung am 16. Oktober 1866 aus Ulm und Neu-Ulm ab. Der Vertrag zwischen Bayern und Württemberg über die Festung Ulm vom August 1868 regelte die Verhältnisse in der Festung Ulm. Mit Gründung des Deutschen Reiches 1871 übernahm dieses die Festung, welche nun die Bezeichnung „Reichsfestung“ führte und von württembergischen und bayerischen Truppen belegt war.
Die beiden später entstandenen Werke auf dem Oberen Eselsberg wurden 1881 bis 1887 als Biehler-Forts ausgeführt. Die Nummerierung der Werke erfolgte auf württembergischer Seite in römischen Zahlen und auf der bayerischen Seite in arabischen Ziffern, in ursprünglichen Planungen wurden aber auch hier römische Zahlen benutzt.
Entwicklungen der Geschütztechnik zwangen ab 1900 zu einer Verstärkung der Festung mit fast völlig in die Erde eingesenkten Betonbunkern. Die Reichsfestung erfuhr ihre letzte Erweiterung durch die Armierung von 1914. Der nochmals weiter vorgeschobene Ring von neuen Betonwerken wurde jedoch nicht mehr ganz vollendet. Da die Bundesfestung Ulm im Gegensatz zur Festung Rastatt nicht unter die Bedingungen des Vertrags von Versailles fiel, musste sie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nicht geschleift werden. Der Festungsstatus von Ulm wurde erst 1938 aufgehoben. Dennoch sind viele Anlagen der Festung nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach unwiderruflich verschwunden. Ein weiterer großer Teil ist vom Verfall bedroht, was in besonderem Maße für einige Forts und die betonierten Anlagen der Reichsfestung zwischen 1901 und 1916 gilt.
Die Bundesfestung Ulm war von 1984 bis 1993 als Kandidatin für die Erhebung zum Weltkulturerbe auf der Tentativliste der UNESCO platziert.
Die Werke Obere Stadtfront I – Obere Donaubastion mini|Reduit der Oberen Donaubastion Die Obere Donaubastion (später, aber eher selten, Artilleriekaserne und Kraftfahrkaserne genannt) wurde zwischen 1843 und 1855 unter dem württembergischen Major von Schele erbaut und konnte bis zu 2253 Mann fassen. Größtes und heute noch erhaltenes Bauwerk der Bastion ist das vierstöckige Reduit, das als Defensivkaserne (Wohnräume an der Kehlseite, Geschützkasematten an der Front) genutzt wurde, es besitzt einen Treppenturm in der Front und zwei Flankentürme. Vor dem linken Flankenturm befand sich der Anschluss zum Werk XXVIII. Die Bastion besaß zudem zwei Verbrauchspulvermagazine in den Wallenden, eine Halbcaponniere am linken Kehleck, eine Bonnetkasematte im Saillant, dahinter eine Wurfbatterie im und eine Bonnetkasematte auf dem Wall. Diese drei Bestandteile konnten das Neu-Ulmer Vorfeld vor Werk 9 bestreichen. An der rechten Schulter befand sich eine Secondeflanke mit vier Geschützscharten, an diese Flanke schloss sich Werk II an. An der Grabenaußenseite befand sich ein gemauertes Blockhaus. An der Escarpe und an der linken Flankenmauer entlang befand sich ein nasser Graben mit Batardeau vor dem Saillant.
Belegt wurde die Bastion von 1855 bis 1873 vom württembergischen Fußartillerie-Regiment Nr. 13, dann bis 1918 vom Feldartillerie-Regiment „König Karl“ (1. Württ.) Nr. 13, von 1920 bis 1933 von der Reichswehr und schließlich bis 1939 von der Wehrmacht. Danach diente das Reduit als Luftschutzbunker im Zweiten Weltkrieg und als Notunterkunft bis 1971.
Das Glacis ist nahezu vollständig erhalten und ist heute Teil der sogenannten „Ehinger Anlagen“. Das Reduit erhielt 1935 ein Ziegeldach anstelle der Erdbedeckung und wurde zwischen 1996 und 2000 restauriert. Seitdem wird es vom Donauschwäbischen Zentralmuseum, mehreren Vereinen und Läden sowie einem türkischen Theater genutzt. Der Wall wurde zwischen 1904 und 1914 abgetragen und der Wassergraben damit aufgefüllt. Dort entstanden verschiedene Versorgungsgebäude, Stallungen und eine Reithalle für die Artilleriekaserne. Die Gebäude werden heute noch von verschiedenen Vereinen, Händlern und Veranstaltern genutzt. Auf dem ehemaligen Waffenplatz befinden sich heute ein Parkplatz und das Roxy. Die Bogenescarpe wurde nur bis auf Grabenhöhe abgetragen und ist im Untergrund noch erhalten. Sie wurde in den 1960ern beim Bau des Bundesstraßen-Tunnels noch einmal sichtbar. Das erhaltene Untergeschoss der Bonnetkasematte wurde 1996 mit einem Steigschacht zugänglich gemacht. Eigentümer der Oberen Donaubastion war das Land Württemberg (ab 1952 Baden-Württemberg) und seit 2000 die Bundesrepublik. Die Obere Donaubastion ist nicht zu verwechseln mit der mittelalterlichen Oberen Donaubastion im Südwesten der Altstadt, die auch „Bastion Lauseck“ genannt wird.
II – Courtine mit Ehinger Tor mini|Stadtseite des Ehinger Tors in der Courtine II Die Courtine wurde zwischen 1843 und 1855 unter dem württembergischen Oberleutnant Faber du Faur erbaut und verband die Obere Donaubastion mit der Mittelbastion. Das Werk konnte 133 Mann aufnehmen und bestand aus der Wallanlage mit dem darin befindlichen inneren Ehinger Tor, einer Caponniere, die den nassen Graben nach Süden bis zum Saillant der Oberen Donaubastion und nach Norden bis zum Saillant der Mittelbastion sicherte, der Escarpe und einer Tenaille am Anschluss zu Werk I, die den linken Wassergraben des vorgelagerten Ravelins sicherte. Im Zuge der Entfestigung wurde der Wall 1904 abgetragen und mit der Escarpe in den Graben gefüllt sowie die Caponniere abgebrochen. Das innere Ehinger Tor sowie die Torpfeiler vor dem Tor sind heute als einziges noch erhalten. Das Ehinger Tor steht heute mitten in einem großen Verkehrsknotenpunkt (Kreuzung mehrerer Bundesstraßen, große Haltestelle für Busse und Haltepunkt beider Straßenbahnlinien). Auf dem Gelände des ehemaligen Walls wurden Häuser errichtet, über den Graben führen heute die Bundesstraßen 10 und 28.
III – Ravelin vor dem Ehinger Tor Das 80 Mann fassende Ravelin wurde unter Major von Schele in den Jahren 1843 bis 1855 vor der Caponniere von Werk II errichtet, um diese zu schützen. Es bestand aus einer traversierten Wallanlage, dem äußeren und dem mittleren Ehinger Tor, einem Blockhaus auf der Grabenaußenseite, einem nassen Graben und dem Glacis, welches als einziges heute noch von diesem Werk erhalten ist. Es gehört heute zu den „Ehinger Anlagen“. Die Schulgebäude und die Furttenbachstraße zeichnen heute den Verlauf des Ravelins nach.
IV – Mittelbastion mini|Der Böblinger Turm, das Reduit der Mittelbastion