mini|Grenze zwischen Mexiko und USA entlang vier amerikanischer und sechs mexikanischer Bundesstaaten mini|Grenzbefestigung zwischen San Diego (USA, links) und Tijuana (Mexiko), 2007 mini|Ausbau des Grenzzauns zwischen Mexiko und den USA (Stand 2017) mini|Spezial-Grenzzaun für Wüstengebiete, der an Wanderdünen angepasst werden kann (Algodones-Dünen, Kalifornien)

Die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko ist 3145 Kilometer lang. Sie verläuft zwischen San Diego (Kalifornien) und Tijuana (Baja California) am Pazifik im Westen sowie zwischen Matamoros (Tamaulipas) und Brownsville (Texas) am Golf von Mexiko im Osten. Dabei durchläuft sie etwa in Ost-West-Richtung eine Vielzahl an Landschaften, die zwischen Großstädten und unwirtlichen Wüstenstrecken kontrastieren. Östlich von El Paso (Texas) und Ciudad Juárez (Chihuahua) folgt die Grenze dem Verlauf des Rio Grande bis zum Golf von Mexiko. Westlich dieser Grenzsektion, die in einem binationalen Ballungsgebiet liegt, verläuft die Grenze quer durch die Sonora- und die Chihuahua-Wüsten, das Coloradodelta und den nördlichsten Punkt der niederkalifornischen Halbinsel bis zum Pazifischen Ozean.

An dieser Grenze starben von 1998 bis 2016 laut Grenzschutz 6.951 Menschen (vor allem an Hitze, an Kälte, durch Ertrinken in einem Grenzfluss oder durch eine Schussverletzung), die versuchten, in die USA einzuwandern.

Länge Nach Angaben der 1889 für die Verwaltung der Grenze gegründeten International Boundary and Water Commission ist die Grenze insgesamt 3145 Kilometer (1954 Meilen) lang, davon verlaufen 2020 km in der Mittellinie des Rio Grande. Es folgen 860 km Landgrenze bis zum Colorado River, 39 km auf der Mittellinie des Colorado und die restlichen 227 km wieder an Land. Auf das Gebiet des US-Bundesstaates Kalifornien entfallen 227 Kilometer der Grenze zu Mexiko.

Ein Anfang der 1990er Jahre fertiggestellter 22,5 Kilometer langer Grenzzaun zwischen dem Otay Mesa Border Crossing in San Diego (Kalifornien) und dem Pazifischen Ozean ist als „Tortilla wall“ bekannt.Der Schriftsteller T. C. Boyle nannte ihn in seinem Roman América (1995) „tortilla curtain“.

Geschichte Der heutige Grenzverlauf ist das Ergebnis des Gadsden-Kaufs von 1853, in dem die USA von Mexiko die südlich des Gila Rivers liegenden Teile von Arizona und New Mexico kauften.

Kolonialzeit Das Vizekönigreich Neuspanien beanspruchte zur Zeit seiner größten Ausdehnung nahezu das gesamte zentrale und westliche Nordamerika. Reale politische Gewalt konnte es aber nur über dessen südlichen Teil ausüben. Zwischen der spanischen Kolonie und den britischen Kolonien, aus denen die USA wurden, lag das französische Louisiana. 1762 trat Frankreich Louisiana an Spanien ab, eine wirkliche Grenze zwischen den spanischen und den britischen Kolonien entstand dadurch aber nicht, weil es keinerlei Kontakte der Kolonisten durch die nur von Indianern bewohnten Great Plains gab. 1803 zwang Napoleon Spanien, Louisiana wieder an Frankreich herauszugeben, er verkaufte es aber bereits 1804 im Louisiana Purchase an die inzwischen selbständigen USA weiter.

USA und Mexiko

mini|Disturnell & Schroeter, Map Illustrating the Disputed Boundary Between the United States and Mexico, 1853

Als Mexiko zwischen 1810 und 1822 seine Unabhängigkeit von Spanien errang, entwickelten sich einerseits Konflikte um Texas und andererseits Handelskontakte zwischen St. Louis und Santa Fe auf dem Santa Fe Trail. Amerikanische Pelzhändler drangen über den Hauptkamm der Rocky Mountains in formal mexikanisches Gebiet vor, das aber weit außerhalb der realen Reichweite der mexikanischen Staatsmacht lag. 1847 gründete die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) auf ebenso formal mexikanischem Gebiet ihre Stadt Salt Lake City und ihr Territorium Deseret, aus dem der spätere US-Bundesstaat Utah hervorgehen sollte. Die Konflikte eskalierten um Texas und Kalifornien im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg von 1846 bis 1848, in dem Mexiko massive Gebietsverluste hinnehmen musste: Seine Provinzen Alta California und Santa Fe de Nuevo México gingen an die USA. Die dadurch entstandene Grenzlinie wurde 1853 durch den Gadsden-Kauf nur noch geringfügig zugunsten der USA geändert. 1889 wurde die International Boundary and Water Commission gegründet, die seitdem für die Vermessung der Grenze zuständig ist und in der eventuelle Dispute geklärt werden. Insbesondere ist die Kommission dafür verantwortlich, die Grenzlinie anzupassen, wenn sich der Lauf des Rio Grande verlagert. Seit 1906 liegt bei der Kommission auch die Zuständigkeit für die Verteilung der Wasserressourcen zwischen den beiden Staaten.

Nach mehreren Grenzverletzungen durch den mexikanischen Milizionär Pancho Villa entsandten die Vereinigten Staaten 1916 ein Expeditionscorps unter der Leitung von John J. Pershing zur später sogenannten Mexikanischen Expedition. Die Operation erzielte einzelne militärische Erfolge, war aber politisch ein Fiasko. Der Einmarsch von US-Truppen diente den Rebellen um Villa als Motivation und wurde zu einem diplomatischen Konflikt mit Mexiko-Stadt. Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 wurden die Truppen aus Mexiko abgezogen und General Pershing zum Oberbefehlshaber der US-Einheiten in Europa ernannt.

Weitere Verträge von 1933, 1944 und 1963 passten die Zuständigkeiten der International Boundary and Water Commission an und etablierten gemeinsame Gewässerbau-Projekte. Im Vertrag von 1970 wurden alle noch offenen Fragen zum Lauf der Grenze und der Wasserverteilung beantwortet und das Ziel der Renaturierung des Rio Grande vereinbart. Seitdem gibt es auch gemeinsame Projekte im Naturschutz.

Überquerungen mini|Grenzzaun von mexikanischer Seite in Nogales Durch die intensiven wirtschaftlichen und familiären Verflechtungen zwischen den USA und Mexiko ist die Grenze eine der weltweit am häufigsten überquerten. Im Jahr 2006 wurden knapp 250 Millionen legale Überquerungen gezählt. Der Handel zwischen den beiden Staaten ist durch NAFTA und die durch das Abkommen beschleunigte Verlegung des produzierenden Gewerbes nach Mexiko kontinuierlich gestiegen.

2012 wurde die Zahl der illegalen Einwanderer aus den Ländern Mexiko, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Ecuador in die USA auf jährlich 350.000 geschätzt,Catharina Tews: Grenzwertig!, Interview mit Matt Nager, SZ-Magazin, 22. Mai 2012. 2017 wurde hier von mindestens 400.000 Menschen ausgegangen. Der Waffenschmuggel Richtung Süden nach Mexiko sowie der Drogenschmuggel von Südamerika her sind ständige Themen in den Grenzgebieten, weswegen die Grenze der Vereinigten Staaten zu Mexiko vor allem von den USA her wesentlich stärker bewacht wird als die der USA zu Kanada. Der bestehende Grenzzaun wird aufgrund des Secure Fence Act of 2006 des Kongresses der Vereinigten Staaten auf eine Länge von 1125 Kilometer erweitert. Bis zum Ende der Bauarbeiten und der Verdopplung der Einsatzstärke der United States Border Patrol (Grenzschutzbehörde des Bundes) übernimmt die Nationalgarde im Rahmen der Operation Jump Start die Sicherung der Grenze mit ungefähr 6000 Mann.

Zwischen 1850 und 2015 wanderten ungefähr 12 Millionen Mexikaner in die USA ein. Die Einwanderung war bis zur Reform des Einwanderungsgesetzes von 1965 legal oder konnte nachträglich leicht legalisiert werden. Das Jahr 1954 war eine Ausnahme, in der Operation Wetback versuchte der damalige Immigration and Naturalization Service die Zahl illegal eingereister Mexikaner massiv zu reduzieren. In diesem Jahr wurden über eine Million Migranten abgeschoben, mindestens dieselbe Zahl verließ die USA freiwillig unter dem Druck der Maßnahme. Als die sozialen und wirtschaftlichen Folgen bekannt wurden, nahm die Verfolgung wieder ab.

Vor 1965 galten rassistische Regelungen, die Ende des 19. Jahrhunderts gegenüber Einwanderern aus Asien eingeführt wurden und in den 1920er Jahren modifiziert auch für verschiedene europäische Nationen galten. Mit der Reform von 1965 sollten alle Nationalitäten gleich behandelt werden, es wurde eine Quote von 20.000 Einwanderern pro Nation und Jahr festgelegt. Vorrang hatten Familienangehörige von Einwohnern der USA und Menschen mit besonderen Qualifikationen. Für die meisten Mexikaner und andere Lateinamerikaner war damit die Tür zur legalen Einwanderung geschlossen.How a 1965 immigration reform created illegal immigration, Washington Post, 25. September 2015

Infolge der Weltfinanzkrise von 2008 kam diese Zuwanderung aus Mexiko bis 2012 jedoch zum StillstandRussell Heimlich: Net Migration from Mexico Falls to Zero—and Perhaps Less, Pew, 23. April 2012. und bis 2015 kehrte sich die Bewegungsrichtung um. Mehr Mexikaner und Familienangehörige verließen die USA als neu einreisten.Migration in den USA: Mehr mexikanische Auswanderer als Einwanderer, Spiegel online, 19. November 2015. Stattdessen nahm die Zahl der Einwanderer aus Ländern südlich von Mexiko zu. Unter den in den USA ohne Personaldokumente Aufgegriffenen überstieg 2014 erstmals die Zahl der Nicht-Mexikaner diejenige der Mexikaner. Sie kommen vor allem aus El Salvador, Guatemala und Honduras.Allen McDuffee: Who Really Crosses the U.S.-Mexico Border?, Atlantic, 31. Dezember 2014. Siehe: Flüchtlingskrise in Zentral- und Nordamerika

Ausbau, aktuelle Diskussionen mini|In den Pazifik hineinreichende Grenzbefestigung bei Tijuana

Versuche, die Grenze aktiv zu sichern, gab es ab den frühen 1990er Jahren auf lokaler Ebene."BBC NEWS World's barriers: US-Mexico", abgerufen am 12. März 2017. Die illegale Einwanderung wurde erstmals 1992 im Präsidentschaftswahlkampf zwischen George H. W. Bush (Republikanische Partei) und Bill Clinton (Demokraten) zu einem hart umstrittenen Thema. In beiden Parteien gab es zahlreiche Befürworter einer verstärkten Grenzsicherung.Milestones and Missteps on Immigration, abgerufen am 12. März 2017. In den folgenden Jahren ließ die Bundesregierung erste Grenzsicherungsmaßnahmen durchführen. So wurde unter anderem 1994 durch Bill Clinton die Operation Gatekeeper initiiert; am 30. September 1996 trat nach Verabschiedung durch den 104. US-Kongress der Illegal Immigration Reform and Immigrant Responsibility Act in Kraft.PDF (116 MB)Erste Grenzzäune wurden in Kalifornien bei San Diego, Arizona und in Texas errichtet. Zudem wurde Steuergeld aus dem US-Haushalt für neue Abschiebeeinrichtungen bereitgestellt und mehrere hundert Grenzbeamte wurden nach Kalifornien und Arizona entsandt.U.S. Strengthening Patrols Along the Mexican Border, abgerufen am 12. März 2017.The Wall And The Beast: Trump’s Triumph From The Mexican Side Of The Border, abgerufen am 12. März 2017. Der Ausbau der Grenze hatte zur Folge, dass sich immer mehr Immigranten dauerhaft in den USA niederließen, die vorher zeitweilig zur Arbeitsaufnahme in der Landwirtschaft unkontrolliert über die Grenze gegangen waren und nach der Saison und Abschluss der Ernte nach Mexiko zurückgekehrt waren.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde die Sicherung zusätzlich unter dem Aspekt der Terrorabwehr zur Priorität. Weitere Gelder wurden zur Verfügung gestellt. Im September 2006 verabschiedete der Kongress den Secure Fence Act of 2006, der die Option schuf, Grenzbarrieren auf insgesamt 1400 Kilometer zu erweitern;Link zum Volltext hier US-Präsident George W. Bush unterzeichnete es am 26. Oktober 2006. Bushs Nachfolger Obama befürwortete das Gesetz ebenfalls. In den acht Jahren der Regierung Obama wurde der Grenzschutz kontinuierlich ausgebaut."In 2006, Democrats were saying ‘build that fence!’", abgerufen am 12. März 2017.

Eine Studie im Auftrag des Council on Foreign Relations von 2013 kam zum Ergebnis, dass die Grenzschutzbehörden 2010 etwa die Hälfte der Illegalen aufgriffen.Study: The U.S. stops about half of illegal border crossings from Mexico

Präsident Trumps projektierte Grenzmauer mini|Grenzmauer mit Aufbau bei den Progreso-Lakes, Texas (2016)