mini|hochkant|Der westliche Abschnitt der Behrenstraße im Jahr 1799 mit Hausnummern und Namen der Eigentümer, Ausschnitt aus dem Berliner Adressbuch mini|hochkant|Der östliche Abschnitt der Behrenstraße im Jahr 1799
Die Behrenstraße ist eine 1150 Meter lange Straße im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Sie bildet die Grenze zwischen den historischen Stadtteilen Dorotheenstadt und Friedrichstadt.
Lage Die Behrenstraße beginnt am Bebelplatz und verläuft dann in westlicher Richtung bis zur Ebertstraße. Die Hausnummern verlaufen seit etwa 1800 in Hufeisenform vom Haus Nr. 1 nahe der Ecke Cora-Berliner-Straße (Ebertstraße) bis zum Bebelplatz und zurück zum Haus Nr. 74.
Die alten Nummerierungen waren von 1 bis 17 auf der nördlichen Seite (Richtung Unter den Linden) vom Opernplatz zur Wilhelmstraße und auf der anderen Straßenseite in entgegengesetzter Richtung die Nummern 1–37 (siehe Plan).
Namensgebung Die Behrenstraße trägt seit 1706 den Namen von Johann Heinrich Behr (1647–1712), der die Errichtung der hier beginnenden Friedrichstadt plante und umsetzte.Horst Fritzsche: Wegweiser zu Berlins Straßennamen, Mitte. Berlin 1995, ISBN 3-89542-073-5, S. 71.
Geschichte Die Behrenstraße wurde Ende des 17. Jahrhunderts angelegt und folgt etwa dem Verlauf des Hornwerks, einer früheren Stadtbefestigung der Dorotheenstadt, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts eingeebnet wurde. Zunächst wurden Wohnhäuser errichtet, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts neuen prunkvolleren Büro- und Geschäftshäusern wichen. Vor allem die gerade entstehenden Banken erwarben den Baugrund und ließen meist von renommierten Architekten ihre Zentralen hier errichten. Die zentrale Lage dieser Straße führte frühzeitig zu einer überregionalen Bedeutung bei Anwohnern und Anliegern. In der schließlich in den 1920er Jahren von Banken (Berliner Bankenviertel) geprägten Straße befanden sich auch Verwaltungsgebäude und kulturelle Einrichtungen.
Nach den schweren Schäden des Zweiten Weltkriegs, bedingt durch die Nähe zu den Regierungsbauten, wurden die Gebäude an der Behrenstraße frühzeitig enttrümmert und wieder hergestellt.
Die meisten erhaltenen historischen Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.
Besondere Bauten und Denkwürdigkeiten → Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Mitte/Friedrichstadt – Baudenkmale
Die Behrenstraße hatte anfangs 54 Grundstücke, die von Karl Neander v. Petersheiden in seinem Adressbuch von 1799 (anschaulichen Tabellen von der gesamten Residenz-Stadt Berlin) auf eigene Faust straßenweise durchnummeriert worden waren: die Nordseite (von Ost nach West) erhielt die durchlaufenden Nummern 2–17, die Südseite (von West nach Ost) die durchlaufenden Nummern 1–37. (vgl. Abb. Berliner Adressbuch 1799)
Wenige Monate später wurde nach einem von König Friedrich Wilhelm III. unterzeichneten Kabinettsdekret noch einmal staatlicherseits umnummeriert, sodass Neander v. Petersheiden 1801 ein neues Adressbuch herausgeben musste. Nun hatte die Nordseite (von Ost nach West) die durchlaufenden Nummern 40–71, die Südseite (von West nach Ost) die durchlaufenden Nummern 1–39 erhalten.
Im Liebenow-Plan von 1867 sind die Grundstücke auf beiden Seiten durchnummeriert von Nr. 1 an der Wilhelmstraße bis zur Hedwigskathedrale und zurück bis Nr. 72. Im Jahre 2019 reicht die Behrenstraße bis zur Ebertstraße, wobei die Wohnhäuser südlich des Erweiterungsteils die Hausnummer 1a-c tragen und auf der nördlichen Seite die Hausnummern bis zur Nr. 74 erweitert wurden.
Die listenhafte Darstellung nennt die Baujahre, die Besitzer bzw. Nutzer und gegebenenfalls die Architekten. Die Hausnummern folgen der Nummerierung aus dem Jahr 1801.
Behrenstraße 1–59
Nummer 1/2 1875 bis nach 1900: Berliner Filiale der Mitteldeutschen Creditbank. 1920 befand sich hier die Entente-Kommission des Auswärtigen Amtes. 1930 ist die Deutsche Rentenbank der Hauptnutzer des Gebäudes. 1982 wurde hier eine Schwimmhalle für Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft errichtet.
Nummer 3 Um 1900: Deutsche Hypothekenbank Meiningen.
Nummer 6–8 1933 befand sich dort das Haus der Commerz- und Privat-Bank A.-G.
Nummer 7, 7a Um 1875: Literarisches Büro des Königlichen Staatsministeriums. 1872/1873: (7a, Ecke Mauerstraße 33): Norddeutsche Grundcredit-Bank, nach Plänen und unter Leitung der Architektensozietät Kayser & von Großheim für 160.000 Taler errichtet. Im Erdgeschoss befand sich das Geschäftslocal der Bank, in den darüber liegenden zwei Stockwerken je eine große luxuriöse Wohnung. Die Fassaden sind im Stil italienischer Palastarchitektur gehalten. Als Baumaterial kam für die Gesimse und weitere Architekturteile schlesischer Sandstein zum Einsatz. Die Flächen und Quader sind abgeputzt. Später zogen in die frei werdenden Wohnungen weitere Verwaltungen wie 1885 die Deutsch-Ostafrikanische GesellschaftRudolf Fitzner: Deutsches Kolonial-Handbuch: Ergänzungsband. Vero Verlag, 2014, ISBN 3-7372-0218-4, S. 111. oder die Deutsche Palästina-Orient-Gesellschaft ein.
Nummern 9/10 Nr. 9: Ehemalige Praxis von Henriette Hirschfeld-Tiburtius. 1872–1874: Neubau für die Deutsche Union-Bank, Hauptsitz und Nutzung durch den Club von Berlin. 1876–1945: Gebäudekomplex der Deutschen Bank. 1949–1990: Ministerium des Innern der DDR.
Nummer 13 Um 1875: Mesersche Hof-Musikalien-Handlung.
Nummern 14–16 1898: Als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. 1910: Sitz der Bank für Handel und Industrie.
Nummern 17–20
Nach vollständiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg entstand an dieser Stelle ein Parkhaus. Das Parkhaus wurde um 2012 abgerissen, dort errichtet der Investor Frankonia Eurobau AG für rund 76 Millionen Euro das Palais Behrens. Hauptmieter des für 2015 geplanten Gebäudes werden die Fernsehanstalten RTL und n-tv sein.RTL zieht in die Behrenstraße. In: Berliner Zeitung, 8. Juli 2014, S. 15.
Nummern 18/19 Hotel Hohenzollern
Nummer 20 1881: Bankhaus C. Schlesinger, Trier & Co. Im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört.
Behrenstraße 21–39 Nummern 21/22 1743–1766: Nicht mehr erhaltenes Wohnhaus des Mathematikers Leonhard Euler, woran eine hier befindliche Gedenktafel erinnert. 1911–1912: Richard Bielenberg und Josef Moser errichteten das Gebäude im Stil des Neoklassizismus für den Aktiengesellschaft A. Schaaffhausen’scher Bankverein zu Köln, der es bis 1914 als Zentralverwaltung nutzte. Das dreigeschossige Bauwerk besitzt eine Werksteinfassade, die in sieben Achsen gegliedert ist. Der Erdgeschossbereich ist rustifiziert, als Fassadenschmuck fallen die Kolossalpilaster in den beiden oberen Stockwerken sowie Relieffelder über den Fenstern und ein reich gegliedertes Gesims auf. 1910 wird als Nutzer eine Rheinisch-Westfälische Boden-Credit-Bank angegeben. 1914–1929: Nach der Fusion gelangt der Bau an die Disconto-Gesellschaft. 1929–1945: Nach einer weiteren Fusion wird das Gebäude der Hauptsitz der Deutschen Bank. 1945–1990: Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der DDR befand sich hier die Deutsche Handelsbank AG. 1992 von Bayern erworben und im Dezember 1998 als neue Vertretung des Freistaates Bayern beim Bund eingeweiht.
hochkant|mini|Bierhaus Siechen, Behrenstraße 24
Nummer 24 1882: Bierhaus Siechen Berlin Historical Images, abgerufen am 10. Juli 2015.
Nummern 25/26 1887–1889: Neubau als Brauereiausschank von Pschorrbräu Um 1920 hatte sich daraus das Restaurant Pschorr-Haus entwickelt.
Nummer 28 Um 1875: Verwaltung der Cuxhavener Dampfschiff- und Hafen-Aktiengesellschaft.
Nummer 29 1880: Galerie des Fritz Gurlitt für zeitgenössische Kunst 1920 ist das Christliche Vereinshaus Junger Männer und das Christliche Hospiz hier als Nutzer vermerkt.
Nummer 31 1777–1801: Wohnhaus des Künstlers/Kupferstechers Daniel Chodowiecki. Um 1875 (Nummern 30/31): Bankgeschäfte von Richter & Co und Coppel & Co.
mini|Fassade Behrenstraße 32
Nummer 32 Um 1850: Wohnhaus des Bankiers Carl Fürstenberg. Nummer 32/33 1899/1900: Von Alfred Messel als Sitz der Berliner Handels-Gesellschaft im Stil der Neorenaissance neu errichtet; der Gebäudekomplex wurde 1911 durch Heinrich Schweitzer bis zur Französischen Straße erweitert. Mitnutzer waren um 1900 auch die Bank für Deutsche Eisenbahnwerte und die Handelsgesellschaft für Grundbesitz; nach 1949 von der Staatsbank der DDR genutzt.
Nummer 35 (Markgrafen-Palais, auch Markgrafenstraße 43–44) 1895–1897: Neubau für die Pommersche Hypotheken-Aktienbank, aus der um 1910 die Berliner Hypothekenbank AG hervorging. 1920 ist das Gebäude im Besitz der Dresdner Bank. 1923: Umbau seit 2010: Sitz des Verbandes der Automobilindustrie e. V. (VDA)
Nummern 36–39 (Nr. 36–37: Behren-Palais) 1889–1897: Neubau als Geschäftszentrale der Dresdner Bank von Ludwig Heim im Stil der römischen Hochrenaissance, Nutzung bis 1945 auch durch kleinere Aktiengesellschaften. 1945–1946: Sitz des Zentralausschusses der SPD. 1952–1957: Nach Wiederaufbau Sitz der Landes- bzw. Bezirksleitung Berlin der SED. 1957–1990: Sitz der Staatsbank der DDR. 1990–1998: Sitz der Berliner Bank. Seit 2006: Rocco Forte Hotel de Rome; weiterhin: Bankhaus Löbbecke.
Behrenstraße 40–59 Nummer 40 1775–1780: Errichtung eines Wohnhauses für drei Familien mit Räumlichkeiten der Alten Königlichen Bibliothek. Die Nutzung als Bibliotheks-/Amtsgebäude für die Berliner Universität erfolgte bis ca. 1945. Nach Kriegszerstörungen entstand hier zwischen 1963 und 1969 zusammen mit der Nummer 41 ein Neubau als Bürogebäude der Staatsbibliothek und Sitz des Kinderbuchverlages Berlin. 1812: Dienstwohnung von Johann Erich Biester. Nach 1990: Amt für Ausbildungsförderung des Studierendenwerks Berlin.
Nummer 41 1788–1794: Als Sitz der Allgemeinen Witwenverpflegungsanstalt (General-Witwenkasse) errichtet. Bis 1822 Sitz der Witwenverpflegungsanstalt. 1822–1834: Wohnsitz des preußischen Innenministers Friedrich von Schuckmann. 1834: Verkauf und Zusammenlegung mit dem Gebäude Unter den Linden 37, Käufer war der Prinz und spätere Kaiser Wilhelm I. In diesem Haus wohnten dann zahlreiche Angestellte des Kaiserhofs wie „Palastdamen“ und ein Kastellan. Ab 1885: Nutzung durch die benachbarte Bibliothek. Zwischen 1963 und 1969 entstand hier nach Kriegszerstörungen zusammen mit Nummer 40 ein Neubau als Bürogebäude. Nach 1990: Nutzung durch das Studierendenwerk Berlin.
Nummer 42 Mitte 19. Jahrhundert: Niederländisches Palais (gehörte zur Postanschrift Unter den Linden 36). Seit 2009: Sitz der Berliner Vertretung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung im Humboldt Carré. Seit 2011: Sitz der Bundessteuerberaterkammer.
Nummern 42–45 mini|Zentrale der Disconto-Gesellschaft, Behrenstraße 43/44
1899–1901 (Nr. 43/44): Neubau für die Disconto-Gesellschaft durch Ludwig Heim, die ihren Stammsitz in der Straße Unter den Linden damit erweiterte. Es handelte sich um eine werksteinverkleidete Fassade von 13 Achsen im Stil der italienischen Hochrenaissance. 1909–1912 erfolgte durch Richard Bielenberg und Josef Moser eine beidseitige bauliche Erweiterung (Nrn. 42 und 45), dabei wurden die ursprünglichen Fassaden vereinfacht und der frühere Giebel entfernt. 1921–1925: Aufstockung um vier Etagen. 1929: Nach Fusion Gebäude der Deutschen Bank. 1933: Verkauf an das Deutsche Reich. Sitz des Preußischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit und des Reichswirtschaftsministeriums. 1960: Wiederaufbau nach starker Beschädigung im Zweiten Weltkrieg. 1960–1990: Sitz verschiedener Behörden des Ministerrats der DDR und des Ost-Berliner Magistrats. 1990: Das Gebäude kommt in Bundesbesitz und wird Sitz verschiedener Abteilungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. 2005: Verkauf an BonnVisio GmbH & Co. KG 2007–2009: Umgestaltung zum Humboldt Carré (Sanierung und Aufstockung) durch das Architekturbüro Karl-Heinz Schommer. humboldtcarre.de
Nummer? (neu: Nummer 30) 1811–1813: Wohnhaus der Schriftstellerin Rahel Varnhagen von Ense. 1820: Wohnhaus von Wilhelm von Humboldt, nachdem er zum 31. Dezember 1819 aus dem preußischen Staatsdienst entlassen worden war.