Die Sandkrugbrücke ist eine stählerne Straßenbrücke im Ortsteil Mitte des gleichnamigen Berliner Bezirks. Sie führt die Invalidenstraße über den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Ihre Westseite bildet die Grenze zum Ortsteil Moabit.
Eine erste Gewässerüberquerung bestand an dieser Stelle bereits im 18. Jahrhundert. Der Name der Brücke leitet sich vom Gasthof Sandkrug her, der auf der westlichen Seite der Brücke stand und für die Berliner im 18. und 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel darstellte.
Geschichte
mini|Blick in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal von der Brücke aus Bevor der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal im 19. Jahrhundert durch Begradigung und Ausbaggerung des Schönhauser Grabens entstand, befand sich an der heutigen Stelle bereits eine als Steinerne Brücke bezeichnete Konstruktion. Sie hatte eine Spannweite von rund sieben Metern. Eine erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1780.
Bei der Verbreiterung des Grabens um 1875 wurden die bis dahin vorhandenen vier Brücken allesamt abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Im Jahr 1883 stellten Spezialisten hier eine aus Eisen gefertigte Bogenbrücke auf. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Konstruktion schwer beschädigt und Anfang der 1950er Jahre notdürftig instand gesetzt.
Das nach dem Krieg reparierte Brückenbauwerk diente bis zum Mauerbau 1961 dem Straßenverkehr zwischen dem Ost- und Westteil Berlins. Danach befand sich auf der Ostseite der Brücke zwischen 1961 und 1990 die Grenzübergangsstelle Invalidenstraße, die nur für West-Berliner oder in der DDR akkreditierte Diplomaten sowie das Wachpersonal des sowjetischen Ehrenmals im Tiergarten benutzbar war.
Die Brücke wurde baulich nicht gewartet, war am Ende des Jahres 1989 bei der Wiedereröffnung der Invalidenstraße als Durchgangsstraße dringend erneuerungsbedürftig und musste Ende 1990 aus Sicherheitsgründen sogar vollständig gesperrt werden.Ein Teil der neuen Sandkrugbrücke. In: Berliner Zeitung, 23. Juni 1994. Der nun zuständige Berliner Senat ließ wenige Meter südlich vor der Sandkrugbrücke eine provisorische Brücke für Fußgänger und Autofahrer errichten. Die alte Sandkrugbrücke wurde abgerissen und in einem Wettbewerb neu ausgeschrieben, den die Architekten Birgitt Welter und Thomas Baumann gewannen. Nach den Siegerplänen entstand eine fünfstielige Stahlkonstruktion mit orthotroper Fahrbahnplatte. Die Brückengründung erfolgte auf mantelverpressten duktilen Gusspfählen in Stahlbetonwiderlagern. Die Ingenieurfirmen Bestahl, Stahlbau GmbH, Berlin und Mayreder, Kraus & Co. Baugesellschaft mbH, Zweigniederlassung Berlin, führten die Arbeiten aus.Schwere Stahl-Monster für die Sandkrugbrücke. Ende 1994 soll die neue Straßenverbindung fertig sein. In: Berliner Zeitung, 23. Juni 1994; abgerufen am 15. Oktober 2009.
Die Wiedereröffnung der Brücke erfolgte Ende 1994, die Hilfsbrücke wurde anschließend abgetragen.
In den 2020er Jahren führt der Senat an zahlreichen Berliner Brücken Sanierungsarbeiten durch. Da die Sandkrugbrücke ein zentrales Nadelöhr für die Invalidenstraße und den Anschluss an den Hauptbahnhof ist, wird sie besonders sorgfältig überwacht. Im aktuellen Masterplan Brücken des Senats (2025–2040)Masterplan Brücken online) steht sie aufgrund der letzten Hauptprüfung (die turnusmäßig nach DIN 1076 alle sechs Jahre stattfindet, hier zuletzt im Jahr 2022) mit einer Note von 2,8 (Skala 1 bis 4). Das gilt als noch ausreichend, bedeutet aber, dass mittelfristig Instandsetzungsmaßnahmen notwendig werden, um eine Verschlechterung in den kritischen Bereich (ab 3,0) zu verhindern. Einfache Prüfungen alle drei Jahre ergänzen die Sicherheitsmaßnahmen. Die hohe Schwingungs- und Gewichtsbelastung durch Straßenbahnen (M5, M8, M10), Omnibusse und den Schwerlastverkehr führt zudem immer wieder zu kurzfristigen Reparaturen am Fahrbahnbelag und an den Schienenfugen direkt im Brückenbereich.Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: Masterplan Brücken; Verkehrsinformationszentrale (VIZ) Berlin (Baustellenreport Mai 2026).
Kurzbeschreibung Vier schlanke moderne Beleuchtungsmaste, feine Drahtgitter als Vogelschutz sowie ein gefendertes Schiffsleitwerk im östlichen Widerlager bilden die Ausstattung der Brücke. Die beidseitigen Treppenabgänge und Widerlager sind mit Naturstein verkleidet. Von der alten Brücke wurden die Postamente auf beiden Uferseiten in den Brückenverlauf integriert. Ein weißes Betonband im nordwestlichen Postament markiert den originalen Verlauf der früheren Mauer.
Wissens- und Sehenswertes in der Nähe der Brücke Auf der Westseite der Brücke befinden sich der ehemalige Hamburger Bahnhof, der Hauptbahnhof sowie der Humboldthafen. Auf der Ostseite gibt es die Charité, die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Akademie mit dem früheren Invalidenhaus, (heute beides Sitz des Bundeswirtschaftsministeriums), den Invalidenfriedhof und das Naturkundemuseum.
Der oben gezeigte Gedenkstein erinnert an Günter Litfin, der beim Versuch, die Mauer an dieser Stelle mittels Schwimmen über den Kanal zu überwinden, erschossen wurde. Der Stein konnte erst nach dem Mauerfall am Ort des Geschehens aufgestellt werden.
Literatur Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken, Jaron Verlag, Berlin 2003, S. 150, 153; ISBN 3-89773-073-1.
Weblinks
Sandkrugbrücke. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Homepage der Architektin Birgitt Welter Historisches Foto der Sandkrugbrücke 1986 mit Grenzübergangsstelle auf flickr Im Kugelhagel gestoppt. Gescheiterter Fluchtversuch mit einem BVG-Bus am Grenzübergang Invalidenstraße bei bundesarchiv.de, mit Plan der Grenzübergangsstelle
Einzelnachweise
Kategorie:Straßenbrücke in Berlin Kategorie:Berlin-Mitte Kategorie:Erbaut 1994 Kategorie:Brücke in Europa