mini|250px|Lage des Naturparks Steinwald mini|Oberpfalzturm aus dem Motorsegler fotografiert
Der Steinwald ist ein bis zu hohes Mittelgebirge im Regierungsbezirk Oberpfalz, im Nordosten von Bayern (Deutschland). Naturräumlich gehört er zur Haupteinheit Hohes Fichtelgebirge (394). Nach einer weiteren Untergliederung durch das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) bildet er das Kerngebiet der Einheit Steinwald (394-C), die auch den Reichsforst im Nordosten sowie, rechts der Fichtelnaab, den Armesberg und seine südöstlichen Nachbarerhebungen im Südwesten enthält.
Im Jahr 1970 wurde der heute 246 km² große Naturpark Steinwald gegründet.
Geographie Lage Der Steinwald liegt südlich der oberfränkischen Großen Kreisstadt Marktredwitz und nördlich von Erbendorf im Landkreis Tirschenreuth. Vom nordwestlich gelegenen Fichtelgebirge ist der Steinwald durch die Waldershofer Senke und vom südöstlich befindlichen Oberpfälzer Wald durch die Naab-Wondreb-Senke getrennt. Der Steinwald ist der südliche Gebirgszug des hufeisenförmigen Fichtelgebirges.
Berge Zu den Bergen und Erhebungen von Mittelgebirge und Naturpark Steinwald gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalnull (NN): Platte () mit Oberpfalzturm Katzentrögel () Schloßfelsen () Weißenstein () mit Ruine Weißenstein Saubadfelsen () Grandfelsen () Reiseneggerfelsen () Knock () Plößberg () Zipfeltannenfelsen () Kleiner Teichelberg () Armesberg () Roßkopf (725 m) Spitzer Berg (725 m) Hackelstein () Steinknock () Harlachberg (686 m) Großer Teichelberg () Geißberg (672 m) Räuberfelsen () Vogelfelsen ()
Geologie Ebenso wie das Fichtelgebirge besteht der Steinwald im Wesentlichen aus Granit. Im Süden und Osten ist er von einer Basaltkuppenlandschaft (Kemnather Land, Nördlicher Steinwald und Reichsforst) umgeben, deren markanteste Erhebungen der Parkstein bei Weiden, der Rauhe Kulm bei Kemnath, der Schlossberg bei Waldeck, der Armesberg, der Große Teichelberg und der Ruheberg sind. Man findet im Steinwald zahlreiche Granitblöcke und Felsbastionen, die oft phantastische Formen aufweisen. Sie haben so seltsame Bezeichnungen wie Katzentrögel, Zipfeltannenfelsen oder Saubadfelsen. Der Steinwald ist immer noch reich an Edelsteinen, darunter Achat und Jaspis, Erzen (Spat-, Braun- und Roteisen) und Gesteinen. Früher, besonders im Mittelalter, wurden diese Erze abgebaut, heute sind die verbliebenen Vorkommen zu klein und liegen zu verstreut, um eine Förderung rentabel zu machen.
Häufig wird der Steinwald als ein Ausläufer des Fichtelgebirges betrachtet. Eine geologische Untersuchung widerlegte dies jedoch; der Granit im Steinwald ist wesentlich weicher als der Fichtelgebirgsgranit und enthält kein Lithium wie dieser. Außerdem ist er jünger als das Fichtelgebirge, was zahlreiche Basalt- und Kalkvorkommen belegen. Der Steinwald ist auch reich an Quellen. Das Wasser sprudelt oft aus Felsspalten hervor und hat eine gute Qualität. Hier findet man auch eine der eisenreichsten Quellen in ganz Europa, die König-Otto-Quelle in König-Otto-Bad bei Wiesau, das nach dem Bruder des Prinzregenten Luitpold, Otto I. von Griechenland, benannt ist. Das Wasser wird von der Firma König-Otto-Sprudel zu Getränken verarbeitet.Wir am Steinwald, Heft 3, S. 26–33
Die Bodenqualität im Steinwald hängt vom jeweilig dominierenden Gestein ab. Die äußerst verschiedenartigen Böden kann man etwa in vier Arten einteilen: Aus den Gesteinen des Steinwaldrandes (Phyllit, Quarzit, Sande und Kaolintone) entstanden überwiegend nährstoffarme und saure Böden. Die Granite im Steinwald hinterließen meist tiefgründig verwitterte Böden mittlerer Nährstoffversorgung. Aus den Basaltverwitterungen entstanden eng begrenzte Böden mit einem guten Nährstoffvorrat. Weitere gute Böden sind die grund- und stauwasserbeeinflussten Böden, oft mit Moorbildung.
Klima mini|Winter im Steinwald, mit Blick von der Platte auf die Felsformation des Grandfelsen mini|links|Blick vom Saubadfelsen (858 m) zum Oberpfalzturm auf der Platte (946 m) Das Klima im Steinwald ist vergleichbar mit dem Klima im Oberpfälzer Wald. Winter und Frühling fallen im Steinwald markant kälter aus als im angrenzenden Hügelland. Im Winter folgen auf wochenlange Dauerfrostperioden mit Schneestürmen und Raureif kurze Tauperioden, die zur Unwegsamkeit des Geländes beitragen. Der Frühling tritt etwa 2 Wochen zeitverzögert ein und kann von Kälteeinbrüchen bis in den Mai unterbrochen werden. Im Sommer und Herbst sind die Temperaturunterschiede zum Umland weniger ausgeprägt, oftmals ist der Höhenzug die Wetterscheide zwischen sonnigem Südwesten und nebligem Nordosten oder umgekehrt. Die Zahl der Sommertage (über 25 °C) liegt bei etwa 25 Tagen. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 4 bis 6,5 °C, die Niederschlagsmenge eines Jahres beträgt etwa 1100 mm (Platte). Die letzten Sommer waren allerdings ungewöhnlich trocken. mini|hochkant|Katastrophaler Schneebruch im Winter 1927/1928
Natur Der Wald im Steinwald besteht größtenteils aus Nadelhölzern, wobei die Fichten überwiegen. Daneben gibt es größere Bestände der Rotbuche, Weißtanne, Waldkiefer, Lärche und Douglasie, vereinzelt auch Bergahorn und Stieleiche. Recht häufig bis in die höchsten Lagen kommt die Vogelbeere vor. Der Laubbaumanteil konnte von 25,1 1987 auf 30,4 Prozent im Jahre 2002 erhöht werden. Am Boden überwiegen Beerensträucher, vor allem Heidel- und Preiselbeeren. Auffällig ist die zahlreiche Verbreitung von Kryptogamen. Der Siebenstern, der auch das Wahrzeichen des Fichtelgebirgsvereins ist, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Viele Farne kennzeichnen die Wälder.
Wildtiere (Rotwild, Wildschweine, Füchse, Marder, Iltisse, Wiesel und neuerdings auch wieder LuchseWir am Steinwald, Heft 6, S. 26–35) findet man im Steinwald fast nur in den abgelegenen Waldteilen. Spechte, Habichte, Uhus, Waldkäuze hausen in den hohen Baumwipfeln, darunter auch der Sperlingskauz, S. 157 und der Raufußkauz., S. 159 Besonderen Schutz genießen die sonst selten gewordenen Schwarzstörche und das Auerhuhn, die es in geringer Anzahl im Steinwald noch gibt.Wir am Steinwald, Heft 10, S. 55–62
Seit 2015 engagiert sich der Verein für Landschaftspflege & Artenschutz in Bayern e. V. in der Wiederansiedlung des Habichtskauzes im Steinwald.
Waldschäden Der Wald ist vielen Gefahren ausgesetzt. Sorgen bereiten den Waldbesitzern und Forstleuten vor allem die fast jährlichen Witterungsschäden: Wind- und Sturmwürfe im östlichen Steinwald Duft (Raureif)- und Eisbrüche in den Hochlagen Schneebruch im gesamten Naturpark Trockenschäden in den Rekordsommern 2003, 2015, 2018, 2019
Die Aufarbeitung dieser Schadflächen bindet soviel Arbeitskraft und Mittel, dass darunter manchmal der langfristig geplante Waldbau leidet. Andererseits zwingen die stark ausgelichteten Bestände zum raschen Waldumbau, um dem Buchdrucker und dem Kupferstecher Einhalt zu gebieten, deren Wirtsbäume vornehmlich die Fichten und Kiefern sind. mini|links|Waldsterben in den 80ern, dieses Bild zeigt abgestorbene Fichten auf den Höhen des Steinwaldes zwischen Platte und Katzentrögel Seit den 80er Jahren traten in Hochlagen des Steinwaldes vermehrt Waldschäden auf, die unter dem Namen Waldsterben bekannt wurden. Der Steinwald in Nordostbayern bildete einen der Schadensschwerpunkte. Dies war auf die hohen Schwefeldioxidemissionen aus dem nahen Egerer Becken und seine Braunkohleverfeuerung, den sauren Regen und die vielen Nebeltage zurückzuführen. Die deutlich sichtbaren Waldschäden blieben seit 1986 auf etwa gleichem Niveau von 32 %. Bisherige Untersuchungen ergaben, dass es sich dabei um einen Ursachenkomplex aus biotischen und abiotischen Faktoren handelte, bei denen die Umweltverschmutzung eine erhebliche Rolle spielte. Als forstliche Maßnahme kam Düngung in Betracht, um dem Magnesiummangel (Nadelvergilbung) entgegenzuwirken. Damit keine baumlosen Steppen wie in den Höhen des Erzgebirges entstanden, wurden die geschädigten Hochlagenbestände unterpflanzt. Das Forstamt Kemnath führte diese Maßnahmen auf rund 200 Hektar Fläche durch. Der seit 2000 deutlich wahrnehmbare Klimawandel erfordert hingegen andere Maßnahmen, insbesondere einen nachhaltigen Waldumbau in einen diversifizierten Mischwald mit deutlicher Reduktion des Fichtenanteils sowie Anpflanzung wärmetoleranter Baumarten, wie etwa Esskastanie, Schwarzkiefer oder Traubeneiche.
Waldfunktionen Der Steinwald hat landeskulturelle, wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Aufgaben zu erfüllen. Zur Bewahrung oder Wiederherstellung des standortgemäßen Waldzustandes bedarf es zunächst der Sicherung der Schutzfähigkeit. Dies ist im Waldfunktionsplan festgelegt: Auf den Kuppen, Hangkanten und Steilhängen, also im erosionsgefährdeten Bereich, haben Wälder Aufgaben des Bodenschutzes. Vor allem die Felszonen des Steinwaldes sind hier zu nennen. Im Naturpark sind etwa 30 Wasserschutzgebiete ausgewiesen und fast alle beziehen ihr Wasser aus dem Wald. Die Wälder in diesen Wassereinzugsgebieten werden deshalb aufgrund strenger Auflagen und Einschränkungen in der Nutzung besonders gepflegt. Im Steinwald haben auch viele Flächen, z. B. die Waldmoore, eine wichtige Bedeutung für den Biotopschutz, das Landschaftsbild und den Naturschutz. Ein sehr eindrucksvoller natürlicher Wald auf dem Große Teichelberg wurde als Naturwaldreservat von jeder Nutzung freigestellt, um seine ungestörte Entwicklung genauer erforschen zu können. Das wesentliche Ziel im Steinwald ist jedoch die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes. Jedes Jahr werden rund 50.000 Festmeter Holz im Steinwald geschlagen. Dies ist auch wichtig, um die Übervölkerung des Waldes zu verhindern und das typische Bild des Steinwaldes beizubehalten.
Naturschutz Naturschutzgebiet Der Föhrenbühl bei Grötschenreuth ist ein Naturschutzgebiet mit einer Größe von 33,79 Hektar. Es dient dem Schutz seltener Pflanzen auf Serpentingestein mit neun Farnarten, darunter seltene Streifenfarne. Neben Wacholder gedeihen dort Zwergbuchs, Schwarzwerdender Geißklee und Bergjohanniskraut. Großer Teichelberg (NSG-00507.01)
Naturdenkmale Westlich von Fuchsmühl, im Besitz des Augsburger Stadtwalds, befindet sich der 723 Meter hoch gelegene Hackelstein. Das geschützte Naturdenkmal verfügt über eine Besteigungsanlage. Auch Klettern ist am Hackelstein erlaubt. Eine Unterstellhütte befindet sich in der Nähe. Am 25. Dezember findet hier jedes Jahr eine Feier der Waldweihnacht statt. Franzosenfelsen bei Riglasreuth, eine Quarz-Schiefer-Gruppe unmittelbar an der Straße nach Kulmain Kühstein, eine Geländekuppe bei Erbendorf am linken Fichtelnaab-Ufer mit drei Syenitsäulen Steinhübel, ein Basaltkegel bei Pechbrunn Teufelsstein, ein Granitfelsen in der Nähe von Napfberg, nördlich von Pfaben. Wappenstein mit dem Hohenzollern-Wappen bei Groschlattengrün (Gemeinde Pechbrunn) auf einem kleinen Basaltkegel
Geschützte Landschaftsbestandteile Der Schlosspark Fuchsmühl ist wegen seines alten Baumbestandes geschützt. Steinbruch bei Röthenbach, nordöstlich von Reuth Die Schrammwiesen bei der Plattenmühle im Norden Fuchsmühls sind als Nasswiesen geschützt. Bäume bei der Marienkapelle in Trevesenhammer
Geschützte Baumgruppen und Einzelbäume Die 1820 angelegte Lindenallee von Reuth nach Premenreuth mit etwa einem Kilometer Länge steht unter Schutz. Die Lindengruppe bei Poppenreuth, bestehend aus vier Bäumen, ist etwa 220 Jahre alt. Die Gesamtkronenbreite beträgt 30 Meter, die Höhe 31 Meter. Der Stamm ist etwa 1,75 Meter dick. Die zwei Linden an der Antonius-Kapelle in Hohenhard, einem Stadtteil von Waldershof, sind etwa 300 Jahre alt, der Stammdurchmesser beträgt 1,80 Meter und die Höhe 31 Meter. Geschützt ist auch die Linde beim Gasthaus in Schafbruck, ebenfalls zu Waldershof gehörend. Der Baum ist auch bekannt als Fleischgirgl-Linde. Ihr Stamm misst 1,60 Meter, die Linde ist 32 Meter hoch und die Kronenbreite beträgt 21 Meter.