mini|Zwei Schiffe der Autofähre zwischen Meersburg und Konstanz-Staad (links die Fähre Tábor, Blick Richtung Meersburg, Januar 2008) mini|Begegnung der Fähren Konstanz und Meersburg vor dem Staader Fährehafen (Januar 2022) mini|Schifffahrtsrouten auf dem Bodensee
Die Autofähre Konstanz–Meersburg verkehrt seit September 1928 zwischen dem Konstanzer Stadtteil Staad und der Stadt Meersburg. Sie wurde von der Stadt Konstanz geplant und finanziert und wird bis heute durch die Stadtwerke Konstanz betrieben. Die Linie verbindet am Übergang von Überlinger See und Obersee das vom Bodensee auf drei Seiten umgebene Konstanz mit dem Linzgau und im weiteren Einzugsbereich das Nord- und das Südufer des Bodensees im Verlauf der Bundesstraße 33. Neben Autos und Nutzfahrzeugen werden auch Motorradfahrer, Radfahrer und Fußgänger befördert.
Heutige Situation Nutzung Hauptsächliche Nutzer sind der Fernverkehr aus dem Raum nordöstlich des Bodensees mit der Schweiz, Berufspendler und Touristen. Die Benutzer umgehen durch die 4,25 Kilometer lange Fährstrecke den 53 Kilometer langen Landweg um den Überlinger See.Wilhelm Büsing: Bodensee-Uferbeschreibung. Verlag Paula Büsing, Konstanz 1984. S. 19.
Linienbusverkehr Die Fähre wird Stand 2026 von zwei Buslinien des öffentlichen Nahverkehrs genutzt:
Regiobus 700: Konstanz – Meersburg – Markdorf – Ravensburg (stündlich) StädteSchnellbus 7394: Konstanz – Meersburg – Immenstaad – Friedrichshafen – teilw. Flughafen Friedrichshafen (morgens zweistündlich, nachmittags stündlich)
Busfahrgäste zahlen keinen gesonderten Aufpreis für die Fähre und dürfen während der Überfahrt aussteigen.
Fährschiffe Im heutigen Fährbetrieb sind folgende sechs Schiffe in Betrieb:Jörg-Peter Rau: Neues Flaggschiff pendelt ab 2017. In: Südkurier. 9. Dezember 2014, S. 23. seit 1975: Konstanz seit 1980: Meersburg seit 1993: Kreuzlingen seit 2004: Tábor seit 2010: Lodi seit 2023: Richmond
Fährbetrieb Während der Überfahrt steht den Passagieren das Oberdeck mit einem Aufenthaltsraum und einem Bistro zur Verfügung. Auf der Lodi wird stattdessen ein 24-Stunden-Service mit Snacks und Getränken aus Automaten angeboten. Es ergibt sich ein ungehinderter Blick auf die Insel Mainau, das Meersburger Stadtpanorama und bei klarem Wetter auf die Alpen.
Taktung mini|Anlegestelle in Konstanz-Staad von der Fähre aus gesehen mini|Anlegestelle in Meersburg bei Nacht
Die Fähren verkehren zwischen Konstanz und Meersburg montags bis freitags ab etwa 6 Uhr im Viertelstundentakt, ab etwa 21 Uhr im Halbstundentakt und etwa ab 23 bis 5 Uhr im Stundentakt. Am Samstag/Sonntag und an Feiertagen sind die Fahrten zwischen etwa 6 und 7 Uhr weniger häufig. Im Sommer und bei erhöhtem Verkehrsaufkommen verkehren zusätzliche Fährschiffe unter Aufhebung des regulären Fahrplans im „Schnellkurs“, die Fähren verkehren dann etwa alle 10 Minuten. Es finden bis zu 186 Fahrten am Tag zwischen beiden Städten statt.Josef Siebler: Er half bei der Geburt auf einer Fähre-Überfahrt. In: Südkurier vom 6. Mai 2010
Die Überfahrt dauert rund 15 Minuten, was einer Reisegeschwindigkeit von 17 km/h entspricht.
Einschränkungen des Fährverkehrs Die Fähren können bis Windstärke 12 verkehren. Deswegen kommt es nur selten zu Einschränkungen. Bei Hochwasser wird der Fährverkehr behindert. Während der Seegfrörne des Bodensees 1962/1963 wurde der Fährverkehr eingestellt und erst am 15. März 1963 wieder aufgenommen.Werner Trapp: Der Traum vom Nabel der Welt. In: Meersburg. Spaziergänge durch die Geschichte einer alten Stadt. Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen 1999, ISBN 3-86136-045-4. S. 204–216. Alarmsignale sind: Mann über Bord, Feuer, Evakuierung sowie allgemeiner Alarm.Lena Reiner: Hier kommt es auf Teamwork an. In: Südkurier. 22. August 2019, S. 17.
Mannschaft Der Fähre-Schiffsführer benötigt als Qualifikation das Bodenseeschifferpatent der Kategorie B. Während der Liegezeit weist er auch die Autos auf die Fähre ein. Zur weiteren Fähre-Besatzung gehört der Maschinist. Während der Liegezeit unterstützt er auch die Kassierer. Das Fahrgeld wird nach der Einfahrt der Fahrzeuge auf die Fähre durch ein bis zwei Kassierer direkt am Auto kassiert. Fußgänger bezahlen auf dem Oberdeck beim kontrollierenden Kassierer. Das Bordbistro im Oberdeck wird durch eine Person geführt.Talent und Augenmaß. In: Konstanzer Anzeiger vom 26. Juni 2013.Lena Reiner: Hier kommt es auf Teamwork an. In: Südkurier, 22. August 2019, S. 17.
Statistik Nach Angaben der Stadtwerke Konstanz transportierte die Autofähre im Jahr 2017, Stand Juli 2018:Stadtwerke Konstanz: Zahlen und Fakten 2017 4,262 Millionen Personen 1,450 Millionen Personenkraftwagen 96.300 Nutzfahrzeuge 70.400 Motorräder 359.500 Fahrräder
Der Fährbetrieb schafft rund 150 Arbeitsplätze in den Bereichen Technik, Verwaltung und Fahrdienst. Dazu kommen noch die Bistrobeschäftigten, die nicht zu den Mitarbeitern des Fährbetriebs gehören, sondern durch ein Privatunternehmen, das die Bewirtung auf den Autofähren übernimmt, eingesetzt werden.
Seit Bestehen im Jahr 1928 bis Ende 2008 wurden rund 72 Millionen PKWs, fast acht Millionen LKWs und Busse sowie 246 Millionen Fahrgäste befördert. Dies entspricht einer Einsparung von rund vier Milliarden Autokilometer.
Geschichte Als wegen des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 die Grenze zur Schweiz geschlossen wurde, war die Stadt Konstanz von ihrem ursprünglichen Hinterland, dem nördlichen Thurgau, abgeschnitten. Diese Situation änderte sich auch nach Kriegsende nicht grundsätzlich. Nach Norden gab es nur die schlecht ausgebaute Straße nach Radolfzell und die seit 1863 bestehende Hochrheinbahn Richtung Singen. Die Verlagerung des Bahnverkehrs auf die Straße war damals schon abzusehen.Fritz Arnold: Die Entwicklung der Konstanzer Verkehrsverhältnisse in den letzten fünfzig Jahren. In: Konstanz – Seine baugeschichtliche u. verkehrswirtschaftliche Entwicklung. Festschrift des Architekten- und Ingenieurvereins Konstanz, 1925. Der Bodanrück, der sich im Norden an die Stadt anschließt, war strukturschwach und kleinräumig, weshalb ein wirtschaftlicher Austausch über den Bodensee sinnvoll schien.
Planung mini|Gedenkstein für Fritz Arnold (Politiker), am Fährhafen in Konstanz-Staad mini|Gedenkstein für Karl Moll, ehemaliger Bürgermeister in Meersburg, an der Bundesstraße 33
Am 11. Dezember 1924 genehmigte der Stadtrat die Ausarbeitung des Planes einer Fähre über den Bodensee. Die Direktion der Stadtwerke sollte die Frage der Beschaffung eines Bootes prüfen und das Tiefbauamt einen Kostenvoranschlag aufstellen für die Zu- und Abfahrtsstelle, wobei an die Rutsche beim Zeppelindenkmal oder an Staad gedacht worden war.
Im Frühjahr 1925 wurde der Vorschlag erweitert, und es wurden Interessenten angehört, um die Planung zu verfeinern. Oberbürgermeister Otto von Moericke lud daraufhin zum 23. Januar 1925 über 20 Vertreter Konstanzer Unternehmen zu einer Besprechung ein, in der sich Bürgermeister Fritz Arnold für die Schaffung der Fährverbindung einsetzte, auch wenn diese aus damaliger Sicht nicht rentabel arbeiten könnte (später stellte sie sich als äußerst rentabel heraus). Überlegt wurde ein Boot von knapp 30 Metern Länge und einer Breite um die 8 Meter. In der späteren Planung und auch in der Durchführungsphase stellte sich heraus, dass die Kosten explodierten. Ursprünglich sollte der Etat 250.000 RM betragen. Am 9. Dezember 1927 bewilligte der Stadtrat, ihm blieb wegen des Fortschritts des Schiffs- und Ländenbaus nichts anderes mehr übrig, einen Etat von 608.000 RM, wobei hier einmalige Zuschüsse vom Land bereits berücksichtigt waren.
Ursprünglich kamen verschiedene Routen in Frage: nordwestlich Mainau–Unteruhldingen = 4,5 km südöstlich Mainau–Unteruhldingen = 4,1 km Staad–Meersburg = 4,5 km Eichhorn–Meersburg = 6,1 km Klein-Venedig–Meersburg = 8,7 km
Der Meersburger Bürgermeister Karl Moll setzte sich für Meersburg als Fährhafen am nördlichen Seeufer ein. Dadurch schied Unteruhldingen als Anlegestelle aus. Der Konstanzer Bürgermeister entschied sich für die Route 3.
Das Projekt Fähre stieß auf großen Widerstand. Die Bürgermeister der anrainenden Gemeinden und Städte wie Singen und Radolfzell auf Konstanzer sowie Salem und Uhldingen auf Meersburger Seite sprachen dem Projekt jegliche Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit ab. In der nun über das ganze Projekt entscheidenden Sitzung am 13. Dezember 1927, in der sich besonders Oberbürgermeister Moericke, Bürgermeister Arnold und Stadtverordneten-Obmann Ellegast einsetzten, stimmten 63 Stadtverordnete für und 20 gegen die Gewährung der erforderlichen erhöhten Mittel.
Im Jahr 1927 wurde mit der Bodan-Werft aus Kressbronn der Vertrag abgeschlossen, ein „Kraftwagen-Fährschiff“ zu bauen.Stadtwerke Konstanz (Hrsg.): Einblicke. Stadtwerke Konstanz GmbH. Ca. 2008, S. 38. Schwierigkeiten beim Bau der Fähre ergaben sich, weil der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht die Aufnahme einer Fünf-Millionen-Anleihe in der Schweiz verbot, der um drei Meter schwankende Wasserstand des Bodensees bei der Funktion der Fähr-Brücken zu berücksichtigen war und der Bau der Fähre Neuland war.Werner Trapp: Der Traum vom Nabel der Welt. In: Meersburg. Spaziergänge durch die Geschichte einer alten Stadt. Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen 1999, ISBN 3-86136-045-4. S. 204–216.
Erste Fährschiffe und Fährbetrieb Erste Fähre von 1928
mini|hochkant|Restauriertes Fährschiff Konstanz (1928) im Jahr 2011 im Meersburger Hafen. Der Bau des ersten Fährschiffes schritt voran, und am 7. Februar 1928 wurde in Anwesenheit der Vertreter der Stadt der Schiffsrumpf im Rohbau zu Wasser gelassen. Die Fähre Konstanz hatte ein offenes Fahrdeck mit vier Aufbauten an den Ecken, die die Führerstände und Aufenthaltsräume enthielten. Daher erhielt sie schon bald den Spitznamen Hohler Zahn. Technisch war es das erste europäische Fährschiff für Kraftfahrzeuge auf einem Binnensee, das ohne zu wenden hin- und herfuhr, also kein eigentliches vorne und hinten hatte. Die Fähre fasste maximal 15 Autos.Josef Siebler: Längstes Schiff auf dem Bodensee. In: Südkurier vom 7. Mai 2010 Der Fährbetrieb wurde am 30. September 1928 aufgenommen.Sylvia Floetemeyer: Sonderfahrt zum 90. Geburtstag der Fähre und zum neuen Buch über die historische Fähre Konstanz. In: Südkurier, Ausgabe Überlingen vom 1. Oktober 2018. Im Jahr 1929 wurden bereits 48.000 Pkw und Nutzfahrzeuge sowie 360.000 Personen befördert. Am 21. Oktober 1963 wurde das Fährschiff aus dem Fährbetrieb ausgemustert und danach anderweitig verwendet und später stillgelegt. Ab 1996 wurde die Fähre renoviert, Mitte 2008 wurde sie wieder zu Wasser gelassen. Seit 2011 liegt sie am ebenfalls renovierten alten Anleger in Konstanz-Staad, ca. 350 Meter nördlich des früheren Hafens.Bericht (mit Bildern der Fähre von 1928) im SWR Fernsehen vom 24. Mai 2009, 20:15–21:15 SonntagsTour (Von Konstanz zur Mainau)SWR auf Tour. SWR Wasserwelten. In: SWR/SR vom 21. Mai 2010, 20:15-21:45 Uhr mini|links|Im „Gastronomie-Einsatz“ in Konstanz (2016) Seit dem Frühjahr 2012 bieten die Stadtwerke Konstanz und der Verein, der sie restauriert hat,Rettet die Meersburg ex Konstanz! Verein zur Erhaltung und Wiederinbetriebnahme der ersten Bodensee-Automobilfähre Baujahr 1928 e. V. Sonderfahrten (für Personen) mit dem Schiff an. Früher wurden nicht nur Fahrzeuge mit der Fähre transportiert, Bauern transportierten damit ihr Vieh. Es gab dafür eigens einen Tarif: „Fahrzeuge über 4,10 Meter und Vieh“.
Fähren mit Aufenthaltsdeck mini|Volles Fahrzeugdeck der Fähre Meersburg
1930 wurde ein zweites Schiff fertig- und in Dienst gestellt. Es war ein wenig größer und erhielt ebenfalls den Namen Konstanz, weshalb die erste Fähre den (Folge-)Namen Meersburg erhielt. Das neue Schiff hatte als erstes das Aufenthaltsdeck oberhalb des Fahrdecks und führte damit das bis heute gültige Bauschema ein. Der Fährbetrieb entwickelte sich zu einem profitablen Geschäft, und es mussten weitere Schiffe gebaut werden.