Ressourcenproduktivität ist in der Volkswirtschaftslehre und Umweltökonomik eine volkswirtschaftliche Kennzahl, welche die Produktivität der zur Produktion eingesetzten Ressourcen angibt.
Allgemeines Als Ressourcen wurden ursprünglich die Produktionsfaktoren angesehen, doch sind damit heute tendenziell die natürlichen Ressourcen gemeint, die einen ökonomischen Nutzen stiften. Hierzu gehören insbesondere Bodenschätze, Landflächen, Luft, Rohstoffe, Wasser sowie strömende Ressourcen wie Erdwärme, Wind- und Sonnenenergie.
Bei den klassischen Produktionsfaktoren wird die Produktivität durch die Arbeitsproduktivität (Faktor Arbeit), Bodenproduktivität (Boden) und Kapitalproduktivität (Kapital) gemessen:
Produktionsfaktor Faktorproduktivität Faktorpreis Arbeit Arbeitsproduktivität Arbeitseinkommen Boden Bodenproduktivität Bodenertrag Kapital Kapitalproduktivität Kapitalzins
Die totale Faktorproduktivität berücksichtigt den technischen Fortschritt.
Ausgangslage Inzwischen wurde erkannt, dass die durch technische Eingriffe in die Natur ausgelösten Veränderungen nicht mit Technik wieder rückgängig gemacht werden können.Heinz Hübner/Stefan Jahnes, Management-Technologie als strategischer Erfolgsfaktor, 1998, S. 143 Demnach stellt jeder Materialeinsatz und auch jedes Produkt/jede Dienstleistung ein Umweltproblem dar.Ernst Ulrich von Weizsäcker, Erdpolitik: Realpolitik an der Schwelle zum Jahrhundert der Umwelt, 1990, S. 80; ISBN 9783534109982 Ein Input-orientiertes Ressourcenmanagement muss dafür sorgen, eine bestimmte Leistung mit dem geringsten Material- und Energieaufwand – und damit ein Maximum an Ressourcenproduktivität – zu erreichen.
Als Indikator der Ressourcenproduktivität ist der Material-Input pro Serviceeinheit (MIPS) geeignet, der 1993 von Friedrich Schmidt-Bleek entwickelt wurde und die Möglichkeit eröffnet, die Ressourcenproduktivität von Wirtschaftsräumen, Produktionsprogrammen, Produktionsprozessen, Produkten/Dienstleistungen und ganzen Unternehmen zu messen.Friedrich Schmidt-Bleek, Wieviel Umwelt braucht der Mensch? MIPS — Das Maß für ökologisches Wirtschaften, 1993, S. 108 ff.; ISBN 9783034856515Carlo J. Burschel/Martin Weigert/Werner F. Schulz, Lexikon Nachhaltiges Wirtschaften, 2001, S. 265; ISBN 9783486795424
Ermittlung Die Ressourcenproduktivität ist der Wirkungsgrad pro verbrauchter Einheit, also der Output pro eingesetzter Ressourceneinheit (etwa die Nutzwärme pro Tonne CO2-Emission).Kathrin Ankele, Praxishandbuch integriertes Produktmanagement, 2001, S. 58
Die Ressourcenproduktivität ergibt sich aus der Gegenüberstellung des Inputs und Outputs oder der Ausbringungsmenge und der Ressourceneinsatzmenge : . In der traditionellen Auffassung von Produktivität wird die Ressourcenproduktivität so vernachlässigt, dass man sie als unerklärten Bestandteil der totalen Faktorproduktivität auffasst. Die Steigerung der Bodenproduktivität wird der Entwicklung des technischen Fortschritts zugeschrieben.
Beispiel Der unterschiedliche Verbrauch von Primär- oder Sekundärrohstoffen für die Herstellung eines Freileitungsmastes zeigt anschaulich die unterschiedliche Ressourcenproduktivität:Thomas Merten/Christa Liedtke/Friedrich Schmidt-Bleek, Materialintensitätsanalysen von Grund-, Werk- und Baustoffen: Die Werkstoffe Beton und Stahl, in: Wuppertal Papers 97, 1995, S. 45
Freileitungsmast Verbrauch an Primärrohstoffen Verbrauch an Sekundärrohstoffen Spannbetonmast 95 Tonnen 40 Tonnen Stahlgittermast 39 Tonnen 21 Tonnen
Bis zur Aufstellung verbraucht der Spannbetonmast ungefähr dreimal mehr Primärrohstoffe (einschließlich Energie) als der Stahlgittermast. Aus Sicht der Umweltökonomik weist damit der Stahlgittermast eine wesentlich höhere Ressourcenproduktivität auf.
Wirtschaftliche Aspekte Strategien zur Steigerung der Ressourcenproduktivität betreffen einerseits die Produzenten in Form der Effizienzstrategien und andererseits den Verbraucher in Form der Suffizienzstrategien.Jürgen Lackmann, Sustainable Development, in: Claudia Wiepcke/Hermann May (Hrsg.), Lexikon der ökonomischen Bildung, 2012, S. 604 Die Ressourcenproduktivität kann bei Produzenten gesteigert werden durch das Konzept der Dematerialisierung, das eine Güterproduktion verlangt, die von der Geburt bis zum Tod für den Menschen einen möglichst geringen Verbrauch an natürlichen Ressourcen erfordert.Carlo J. Burschel/Martin Weigert/Werner F. Schulz, Lexikon Nachhaltiges Wirtschaften, 2001, S. 187 Substistenzstrategien zielen beim Verbraucher darauf ab, den Selbstversorgungsgrad durch Agrarproduktion, Fischerei, Jagd oder Sammeln zu verbessern.
Steigerungen der Ressourcenproduktivität lassen sich erreichen durch Verbesserungen bestehender Produktionsprozesse und Organisationsstrukturen etwa bei Abfallvermeidung, Energieeinsatz, Recycling oder Wassernutzung. Auch Innovationen im Produktionsprozess und in der Produktgestaltung wie Substitution umweltbelastender Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe durch weniger schädliche oder Kreislaufwirtschaft tragen dazu bei.Kathrin Ankele, Praxishandbuch integriertes Produktmanagement, 2001, S. 58
Im Zuge eines steigenden Umweltbewusstseins wird die Bedeutung der Ressourcenproduktivität in der Gesellschaft deutlicher gesehen und die Gefahr des ungehemmten Ressourcenverbrauchs sowie die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung hervorgehoben (vgl. Die Grenzen des Wachstums).
Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften wird in Deutschland die Hinwendung zur Ressourcenproduktivität an Stelle der Arbeitsproduktivität vor allem von Gerhard Scherhorn und Raimund Bleischwitz vom Wuppertal Institut gefordert.
Siehe auch Input-Output-Analyse Bodenertrag
Literatur Bleischwitz, Raimund: Ende der Arbeitsproduktivität. Von der Produktivität der Arbeit zur Produktivität der Ressourcen. In: Universitas, 1998, S. 369–377 Hawken/Lovins/Lovins: Öko-Kapitalismus. Die industrielle Revolution des 21. Jahrhunderts. Wohlstand im Einklang mit der Natur. Bertelsmann, München 2000 Scherhorn, Gerhard: Natur und Kapital: über die Bedingungen nachhaltigen Wirtschaftens. In: Natur und Kultur, 5 (2004), 1, S. 65–81. v. Weizsäcker, E.U., Lovins, A.B. und L.H.: Faktor 4. Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch. München 1995
Einzelnachweise
Kategorie:Nachhaltigkeit Kategorie:Produktionstheorie Kategorie:Ökologieorientierte Betriebswirtschaftslehre Kategorie:Umweltökonomik Kategorie:Volkswirtschaftliche Kennzahl