Neukirchen () ist mit 805 Einwohnern der größte Ortsteil der Marktgemeinde Haunetal im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Durch die Lage zwischen Hünfeld, Fulda und Bad Hersfeld hat sich das Dorf zu einem beliebten Wohnstandort entwickelt.
Geschichte mini|hochkant|Der 60 m hohe Kirchturm von Neukirchen
Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Neukirchen findet sich in einer Urkunde des Klosters Haina aus dem Jahr 1263 mit der Nennung eines Eberhard von „Nuwenchirchin“, womit auch erstmals das Vorhandensein einer Kirche belegt ist. Die Grundherrschaft und Grundbesitzer Dorfes mit Gerichtsplatz war zu dieser Zeit das Kloster Fulda. Bereits 1295 taucht der Name „Nuenkirchen“ auf. Zur Pfarrei Neukirchen gehörten Müsenbach (1382), Odensachsen (1727) und Meisenbach (1727). 1489 wird das Patrozinium des Hl. Vitus genannt. 1464/65 war es der Kirchenverwaltung des Bistums Würzburg, Archidiakonat Geisa-Mellrichstadt-Coburg, Landkapitel Geisa zugeordnet. 1505 oblag das Patronat dem Abt von Fulda, Herren von Hauna, von Baumbach, im 17. und 18. Jahrhundert den Herren von der Tann. Die Reformation wurde vermutlich um 1530 eingeführt. Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer war Johannes Mangel vor 1582–1607. Katholischer Bekenntniswechsel: 1628. Reformierter Bekenntniswechsel: 1631. 1812 Lutherische Pfarrkirche. Seit 1818 unierte Pfarrei.
Im historischen Ortskern von Neukirchen findet sich ein nahezu vollständiger Bestand von Fachwerkhäusern aus der Zeit von 1648 bis 1900.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Februar 1971 fusionierten im Zuge Gebietsreform in Hessen die Gemeinden Hermannspiegel, Mauers, Neukirchen, Oberstoppel und Rhina freiwillig zur neuen Gemeinde Haunetal im Landkreis Hünfeld. Neukirchen wurde Sitz der Gemeindeverwaltung. Für Neukirchen wurde, wie für die übrigen bei der Gebietsreform nach Haunetal eingegliederten Gemeinden, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Neukirchen angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Hochstift Fulda, Oberamt Fürsteneck, Gericht Neukirchen 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda, Fürstentum Fulda, Oberamt Eiterfeld 1806–1810: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Fulda (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Fulda, Distrikt Eiterfeld ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Großherzogtum Fulda, Amt Eiterfeld ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis HünfeldVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 75.Trennung zwischen Justiz, Justizamt Eiterfeld und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hünfeld ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hünfeld ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Hünfeld ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hünfeld, Gemeinde HaunetalAm 1. Februar 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Haunetal. ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg, Gemeinde Haunetal
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Neukirchen 771 Einwohner. Darunter waren 21 (2,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 135 Einwohner unter 18 Jahren, 318 zwischen 18 und 49, 163 zwischen 50 und 64 und 152 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 324 Haushalten. Davon waren 81 Singlehaushalte, 87 Paare ohne Kinder und 114 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 60 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 216 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung 1812: 63 Feuerstellen, 560 Seelen
Religion Neukirchen hat eine Evangelische Kirchengemeinde. Das Kirchspiel Neukirchen besteht aus den vier selbständigen Kirchengemeinden Kruspis, Neukirchen, Oberstoppel und Odensachsen.
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 432 evangelische (= 96,21 %), 9 katholische (= 2,00 %), 8 jüdische (= 1,78 %) Einwohner • 1961: 565 evangelische (= 83,33 %), 97 katholische (= 14,31 %) Einwohner
Politik Für Neukirchen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Neukirchen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 60,19 %. Die Kandidaten gehören keiner Wahlliste an. Der Ortsbeirat wählte Mark Eigenbrod zum Ortsvorsteher.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Evangelische Kirche Neukirchen Für die unter Denkmalschutz stehenden Objekte im Ort, siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Neukirchen.
Bauwerke
Der 57 m hohe Kirchturm der Kirche bietet dem Betrachter von den ringsum gelegenen Höhen ein gutes Bild seiner Größe.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter von Neukirchen Heinrich Ruppel (1886–1974), Dichter
Persönlichkeiten mit Bezug zu Neukirchen Konrad Zuse (1910–1995), Ingenieur, Erfinder, Unternehmer (gründete 1949 die Zuse KG in Neukirchen)
Verkehr Der Bahnhof Haunetal-Neukirchen liegt an der Bahnstrecke Frankfurt–Göttingen und wird von der NVV-Linie RB5 bedient.
Linie Verlauf Takt
Literatur H. Neuber: Die Mühlen im unteren Haunetal. Detmold 2012, ISBN 978-3-87696-138-5. (behandelt u. a. die Neukirchener Unter- und Obermühle) H. Neuber: Haunetaler Geschichte. Haunetal 1992, . (mit einem Beitrag von Friedrich Krauser) H. Neuber: Heinrich Ruppel. In: Mein Heimatland (Bad Hersfeld). Bd. 35, Nr. 7, 1992, S. 37 ff.; Bd. 35, Nr. 7a, 1992, S. 41 ff.; Bd. 35, Nr. 8, 1992, S. 45 ff. H. Neuber: Wirtshäuser und Bierbann auf dem Land. In: Buchenblätter (Fulda). Bd. 73 Nr. 22, 2000, S. 85–87 (behandelt v. a. die Neukirchener Gemeindewirtschaft) Neukirchen – zwischen Haune und Stoppelsberg. Hrsg.: Gemeindevorstand der Marktgemeinde Haunetal, Haunetal 2005, ISBN 3-9808816-5-2.
Weblinks
Ortsteil Neukirchen. In: Webauftritt der Gemeinde Haunetal.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Kategorie:Geographie (Haunetal) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971