mini|Die Heiligen Franziskus und Elisabeth präsentieren der Madonna den Dogen und die Dogaressa Elisabetta Contarini; es handelt sich um die älteste bildliche Darstellung einer Dogaressa, sie befindet sich in der Frari-Kirche, genauer in der Lünette oberhalb der Urne. Die Dogaressa und ihre Patronin sind wie franziskanische Tertiarierinnen gewandet, hingegen trägt der Doge sein Amtsornat. mini|Unter „Fra . Dandvlo Dvx“ geprägter Dukaten mit der seit 1284 üblichen Darstellung des Dogen, kniend vor dem Evangelisten Markus mini|Wappen Francesco Dandolos entsprechend den Vorstellungen des frühen 17. Jahrhunderts Francesco Dandolo (* um 1258; † 31. Oktober 1339 in Venedig) war, folgt man der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der Republik Venedig, ihr 52. Doge. Er regierte vom 4. Januar 1329 bis zu seinem Tod.
Es waren vor allem seine Erfahrungen und Erfolge bei Verhandlungen mit den Päpsten, die ihm Anerkennung verschafften, weil sie den jahrelangen Krieg um Ferrara beendeten. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft gelang es ihm zudem, die unter Teuerung leidende Stadt mit sizilianischem Weizen zu versorgen.
Mit ihm als Dogen begann Venedigs Politik einer Erweiterung seines Territoriums auf das Festland, die Terra ferma, und damit auf Reichsgebiet. Doch für geraume Zeit blieb es beim Erwerb von Treviso im Zuge des Kampfes gegen die Scaliger von Verona in den Jahren 1336 bis 1339.
Familie Die Familie Dandolo spielte in der Geschichte Venedigs vom 12. bis zum 15. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Urkundlich nachgewiesen ist sie seit dem 11. Jahrhundert, sie gehört aber nicht zu den so genannten alten Familien (case vecchie), das heißt zur Reihe der bis auf die Gründung des Dogats von Venetien zurückzuführenden Familien. Die Dandolo stellten insgesamt vier Dogen: außer Francesco die Dogen Giovanni Dandolo, Andrea und Enrico Dandolo. Zwei Frauen der Familie waren mit Dogen verheiratet, nämlich Giovanna Dandolo mit Pasquale Malipiero und Zilia Dandolo mit Lorenzo Priuli.
Wie alle großen Familien Venedigs, so verzweigten sich auch die Dandolo. Francesco Dandolo wurde in den Zweig von S. Luca geboren. Sein Vater war Giovanni, genannt Cane (Hund). Nur durch den Chronisten Gian Giacomo Caroldo erfahren wir Francesco Dandolos Geburtsjahr, denn dieser gibt an, Dandolo sei bei seiner Wahl zum Dogen 71 Jahre alt gewesen (f. 170r).
Francesco Dandolo war mit Elisabetta Contarini verheiratet, die ihm drei Töchter und einen Sohn schenkte. Marchesina heiratete einen Sanuto, Sofia wurde Ehefrau von Nicolò Gradenigo und Agneta ehelichte einen Falier. Gratone, der einzig legitime Sohn, starb schon vor dem Vater. Sein außerehelicher Sohn Zanino wurde zu seinem Haupterben.
Leben Ämterlaufbahn Bailò von Negroponte, Unterhändler, Mitglied der Quarantia mini|Die Ägäis im 14. Jahrhundert Die Zeit vor seiner Wahl zum Dogen lässt sich bei Francesco Dandolo zum ersten Mal in der venezianischen Geschichte anhand von Quellen darstellen, die nicht erzählender Natur sind, wenn man von seiner Zeit als Gesandter am Papsthof in Avignon absieht. Eine gewisse Unsicherheit ergibt sich, wie so oft in Venedig, durch einen gleichnamigen Zeitgenossen. Dieser war ein Francesco Dandolo, Sohn eines Filippo, von dem nur gesichert ist, dass er 1328 als Schiedsrichter in einem Streit zwischen Venedig und Traù auftrat.
Von 1302 bis 1304 war Francesco Dandolo Bailò von Negroponte in der Ägäis. In dieser Funktion mit seinen richterlichen Befugnissen ging er gegen Giorgio Ghisi vor, der – wohl im Jahr 1302 – zusammen mit Belletto Giustinian und Bartolomeo Michiel den Byzantinern die Inseln Kea und Serifos geraubt hatte. Letztere beschuldigten den Ghisi, sie bei der Aufteilung der Beute betrogen zu haben. Daher wandten sie sich an Francesco Dandolo als Bailò. Dieser verurteilte Giorgio Ghisi.
1307 findet sich Francesco Dandolo als Mitglied der Quarantia in den Quellen, einer Art Obersten Gerichtshofs. Am 9. April 1309 schloss der mit Treviso einen Handelsvertrag.
Verhandlungen mit Philipp IV. und am päpstlichen Hof in Avignon, Ende der Exkommunikation (1309–1313) mini|Weltkarte von 1320: Marino Sanudo: Liber secretorum fidelium Crucis, 1321 von ihm an den Vatikan geschickt (MS. Vat. Lat. 2972), wohl gezeichnet von Pietro Vesconte Noch im September 1309 wurde er zusammen mit Carlo Quirini an den päpstlichen Hof in Avignon gesandt, um den Streit um Ferrara mit Papst Clemens V. beizulegen. 1308 war es um diese Stadt zum Krieg gekommen, der Papst hatte Venedig am 25. März 1309 exkommuniziert.
Auf ihrer Reise nach Avignon suchten die beiden Gesandten den französischen Hof auf und verhandelten dort mit König Philipp IV. Nur auf dessen Intervention empfing der Papst die venezianischen Gesandten überhaupt, denn bis dahin hatte er die vollständige Unterwerfung Venedigs gefordert. Anfang Oktober erreichten sie Avignon, doch noch im März 1310 hatten die eigentlichen Verhandlungen noch immer nicht begonnen. Clemens verlangte, dass die beiden Männer volle Verhandlungsfreiheit haben müssen. Der Doge Pietro Gradenigo und seine Räte räumten dies unter einmütiger Zustimmung des Großen Rates ein, der Generalversammlung der erwachsenen Männer aus den führenden Familien der Stadt. So verhandelten Dandolo und Quirini mit plena potestas mit den drei Kurienkardinälen Berengar von Tusculum, dem Priester Stefano von San Ciriaco alle Terme sowie Raimondo, Diakon von Santa Maria Nova. Über die schwierigen Verhandlungen, um die sich später sogar Legenden rankten, schickten die beiden Unterhändler am 15. Juni einen Bericht. Am 27. Juni 1310 erhielten die beiden eine Antwort des Kleinen Rates, in dem dieser sein Einverständnis zum Ausdruck brachte. Doch Venedig war nicht bereit einzulenken, und so zogen sich die Verhandlungen hin. 1311 wurde Quirini zurückbeordert und Dandolo verhandelte allein weiter, lieferte dabei eine Reihe von Berichten. Am 15. Juni 1310 erreichte er einen Waffenstillstand, der es den Venezianern gestattete, wieder Handel in Ferrara zu treiben. Venedig erklärte sich im Gegenzug bereit, in zwei Raten eine Geldsumme in Florentiner Goldmünzen nach Avignon zu liefern. Doch erst 1313 wurde der Streit endgültig beigelegt. Am 26. Januar dieses Jahres schrieb der Papst an den Dogen Giovanni Soranzo, dass Venedig wieder in die Kirche aufgenommen werde. Mit der päpstlichen Bulle Decet sedis vom 17. Februar 1313 wurde der Streit endgültig beendet.Augustin Theiner (Hrsg.): Codex diplomaticus dominii temporalis S. Sedis. Recueil de documents pour servir à l’histoire du governement temporel des états du Saint-Siège extraits des archives du Vatican, Bd. I: 756–1334, Imprimerie du Vatican, Rom 1861, n. DCXXIX, S. 459–468.
Anfang Mai 1313 kehrte Dandolo nach Venedig zurück, wo ihm ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Am 12. Mai präsentierte er vor dem gesamten Großen Rat den mit Avignon ausgehandelten Vertrag. Nach dem Genealogen Cappellari Vivaro wurde Dandolo in den Rang eines Prokuratoren von San Marco erhoben, doch gibt es dafür keine Belege.
Venedig, auf Istrien (ab 1314, um 1321), erneut Negroponte (1317–1319) und Zara (1321) Im September 1314 hatte Francesco Dandolo die Aufgabe, ein Inventar der umfangreichen Schädigungen aufzustellen, die Venezianern in byzantinischen Gewässern durch Genuesen seit dem Frieden von 1299 zugefügt worden waren. mini|Die Grafschaft Görz um 1250 Am 15. Dezember 1314 war er bereits in Capodistria. Dort war er unter den Schiedsmännern, die über missbräuchlich durch den Grafen von Görz angeeignetes Land zu entscheiden hatten. Am 6. März 1317 war er wieder in Venedig, wo er mit Treviso verhandelte.
Am 17. August 1317 wurde er erneut zum Bailò von Negroponte gewählt, wo er zwischen dem 6. Dezember des Jahres und dem 3. März 1318 erschien. Er blieb bis Ende 1319. In Venedig verhandelte er gemeinsam mit Niccolò Zane und Marino Falier im Juni 1320 mit den Gesandten des Nikola Orsini.
Eine Urkunde vom März 1321 erweist, dass er zu dieser Zeit Podestà von Capodistria war; am 21. August wurde er zum Conte von Zara gewählt.
Mit Marino Falier, Niccolò Arimondo und Enrico Michiel führte er Verhandlungen mit dem Emissär des Patriarchen von Aquileia, Pagano della Torre (1319–1332), mit dem es am 8. Dezember 1321 zu einem Vertragsabschluss kam. Unter dem 2. April 1326 erscheint Dandolo unter den Kreditgebern für den Florentiner Andrea Pilestri und am 9. Mai unter den zehn Sapientes, die sachkundig über die Angelegenheiten Negropontes beraten sollten.
Das Dogenamt mini|links|Domenico Tintoretto: Der Doge im Porträt im Dogenpalast, einer Darstellung des 16. Jahrhunderts; das Spruchband betont die Ausdehnung des Herrschaftsbereichs Richtung Marken und auf „Tarvisivm“ (Treviso): „MARCHIA TOTA DIU MECUM BELLANDO SUBACTA / TARVISIUM TANDEM SUB MEA IURA DEDI“ mini|Unter Francesco Dandolo geprägter Silber-Grosso, Numismatisches Museum Athen Am 4. Januar 1329 wurde Francesco Dandolo zum Dogen gewählt. Gleich zu Anfang musste er sich um die Einfuhr von Weizen in großen Mengen kümmern, denn es kam zu einer drastischen Teuerung. Er schickte Schiffe nach Sizilien und brachte Weizen von dort in die hungernde Stadt, was ihm großen Rückhalt eintrug.
Konflikt mit Aquileia (bis 1334), Kreuzzugsvorbereitungen bis zur Absage (1330–1336) Zu einem ersten Konflikt kam es mit dem Patriarchen von Aquileia. Pola und Valle auf Istrien hatten die ihnen aufgezwungenen Statthalter des Patriarchen vertrieben und sich Venedig unterstellt. Im Januar 1334 trat Aquileia Pola und andere Städte gegen einen jährlichen Tribut an Venedig ab. mini|hochkant=1.5|Die wichtigsten türkischen Herrschaften in Anatolien um 1330 Venedig wurde von Papst Johannes XXII. und Philipp VI. von Frankreich aufgefordert, an einem neuen Kreuzzug teilzunehmen. Die Vorbereitungen begannen 1330 und am 22. Juli 1332 nahm König Philipp das Kreuz. Er versuchte, den gesamten Okzident für das Unternehmen zu gewinnen. Schon am 18. November 1331 hatte er Venedig zur Teilnahme aufgerufen und forderte nun den Dogen auf, Gesandte an seinen Hof zu schicken. Zwar stellte Venedig einige Bedingungen auf, erklärte sich am 11. Mai 1332 aber bereit, Schiffe zu stellen.
Doch sieht man von Marino Sanudo dem Älteren ab, der sich für den Kriegszug begeisterte, so hielt man in Venedig doch eher Abstand. Dort hatte man bestenfalls ein Interesse daran, türkische Expansionsbemühungen einzudämmen. Unter diesem Gesichtspunkt schloss man eine auf fünf Jahre angelegte Liga mit Andronikos III., dem Kaiser von Byzanz, sowie mit den Johannitern von Rhodos. So wollte man am 6. September 1332 vertraglich 20 Galeeren für den Kampf gegen die Türken aufbieten. Am 2. November 1333 erklärte sich König Philipp auf Anfrage des Dogen bereit, ebenfalls Kriegsschiffe beizusteuern. Am 11. November kündigte dieser den Beginn des Kreuzzuges an und forderte erneut Unterhändler aus Venedig. Im März 1334 wurden die Einzelheiten festgelegt, der Aufbruch war für den Mai geplant. Doch der Tod des Papstes und die Spannungen zwischen Frankreich und England verzögerten den Kreuzzug, den Benedikt XII. schließlich 1336 absagte.
Scaligeri-Krieg (1336–1339), Besitz Trevisos mini|hochkant=1.5|Maximale Ausdehnung des Gebietes der Scaligeri unter Mastino II. della Scala im Jahr 1336