Die Göttinger Verkehrsbetriebe GmbH (GöVB) führen seit dem 1. Januar 2003 den ÖPNV mit Bussen im Stadtgebiet Göttingen sowie den Flecken Bovenden und Rosdorf durch. Die Vorläuferorganisation wurde 1927 als Städtischer Kraftwagenbetrieb gegründet. Der Verkehrsbetrieb wurde 1955 in die Stadtwerke Göttingen integriert, die 2003 mit dem Anteilsverkauf an e.on und Gelsenwasser ihren Verkehrsbetrieb in eine eigenständige GmbH ausgliederten, von der auch die Gleisanlagen im Industriegebiet (Industriegleis) bewirtschaftet werden.
Seit Anfang 2015 ist dieses Göttinger Verkehrsunternehmen ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der neugegründeten Göttinger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe GmbH (GöVV), bis Ende 2014 waren sie hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadtwerke Göttingen AG. Im Jahr 2021 wurden mit rund 400 Mitarbeitern und etwa 100 Fahrzeugen auf 27 Buslinien etwa 14,3 Mio. Fahrgäste befördert.
Geschichte mini|links|Göttinger Bahnhof um 1900 mit Pferdekutschen 1890–1926 Obwohl die Gründung der Göttinger Verkehrsbetriebe erst 1927 erfolgte, ließ schon im Jahr 1890 der „Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs“ zusammen mit dem privaten Fuhrunternehmer Werner erstmals im Linienbetrieb Pferdekutschen (sog. Kremser) zwischen Bahnhof und der Geismar Chaussee (heutige Geismarlandstraße) fahren. Schon zuvor fuhren Kutschunternehmer beliebte Göttinger Ausflugsziele an, diese Fahrten hatten jedoch eher einen Ausflugscharakter, sie hielten sich aber noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg.
Im Jahr 1900 gab es erste Planungen über den Betrieb einer Straßenbahn, eine Kommission wurde gegründet, die zwischen Stadtrat und möglichen privaten Betreibern verhandelte. 1909 lag ein erstes Gutachten mit genauen Kosten vor. Das Netz sollte zunächst aus drei Linien bestehen und eine Länge von 8,4 Kilometern aufweisen. Geplant war die Linie 1 von Weende über Kornmarkt und Groner Tor zum Stadtfriedhof. Die Linie 2 vom Bahnhof über Prinzenstraße, Nikolaistraße und Bürgerstraße zur heutigen Reinhäuser Landstr. (bis Höhe Schillerstraße) und die Linie 3 vom Bahnhof über Prinzenstraße und Theaterstraße zur heutigen Herzberger Landstr. Am 27. April 1914 erging der Ratsbeschluss über den Bau, am 30. April folgte der Antrag beim Regierungspräsidium in Hildesheim. Das Schienenmaterial war bereits geliefert, aufgrund des Ersten Weltkrieges musste der Bau der Straßenbahn jedoch unterbrochen werden. Ein Teil des Schienenmaterials wurde während des Kriegs beschlagnahmt und nach Jena verbracht. Nach Kriegsende wollte man den Bau der Straßenbahn wieder aufnehmen, aufgrund der Inflation musste die Stadt ihr Vorhaben jedoch aufgeben und ihre Schienen an die Westfälische Eisenbahn AG verkaufen. Die endgültige Entscheidung gegen eine Straßenbahn fiel im Jahr 1926.
Die Stadt selbst verzichtete zunächst auf einen Eigenbetrieb und überließ den öffentlichen Nahverkehr dem privaten Fuhrunternehmer Kulp, der den ersten Kraftomnibus auf der Strecke Stadtfriedhof – Dahlmannstr. einsetzte. Später folgte eine zweite Linie von Weende nach Grone. Die Stadt erkannte aber bald, dass sich der Busbetrieb lohnt und führte Verhandlungen mit dem Unternehmer (bei dem zu der Zeit noch die Konzessionen lagen), um den Verkehr in eigener Hand betreiben zu können.
1927–1950 Am 27. September 1927 übernahm die Stadt Göttingen nach langen Verhandlungen und hohen Abfindungszahlungen den Linienbetrieb in die eigene Trägerschaft und gründete hierzu den „Städtischen Kraftwagenbetrieb Göttingen“, der dem städtischen Betriebsamt unterstellt war. Eingesetzt wurden Niederrahmen-Busse des Typs Büssing Typ III GLN mit 45 PS starken Ottomotoren, die zunächst drei Linien bedienten.
Im ersten Jahr nach Gründung des Betriebs beförderten die Busse 1,6 Millionen Fahrgäste. Aufgrund dieser großen Nachfrage musste die Stadt schon nach kurzer Zeit neue Busse anschaffen. Mitte der 1930er Jahre gab es die ersten Anzeichen für die kommende Situation. Um vom internationalen Mineralölmarkt unabhängig zu sein, wurden von den Nationalsozialisten Motoren entwickelt, die mit heimischen Energieträgern betrieben werden konnten. Da in der Göttinger Region genug Holz zur Verfügung stand, beschaffte die Stadt Göttingen als eine der ersten deutschlandweit im Mai 1935 die ersten Holzgasbusse der Fa. Henschel. Die Göttinger Nachrichten schrieben damals:
mini|Die Zeitungsmeldung zum Eintreffen des ersten Holzgasbusses
Bis 1939 standen sieben dieser Fahrzeuge zur Verfügung. Zusammen mit sechs Omnibussen der Marke Büssing, die mit 75-PS-Ottomotoren betrieben wurden, bildeten sie bis in den Zweiten Weltkrieg das Rückgrat des städtischen Nahverkehrs. Bis 1942 stiegen die Fahrgastzahlen jährlich auf 3½ Mio. an, bis der Busverkehr nahezu vollständig eingestellt werden musste. Nach Ende des Kriegs waren gerade mal neun Busse vorhanden, davon nur vier betriebsbereit. Notdürftig setzte man die alten Busse instand und versuchte das Linienangebot aufrechtzuerhalten. 1948 waren die Fahrgastzahlen mit 3 Mio. Beförderungen wieder auf Vorkriegsniveau.
1951–1970 Die ständig steigenden Einwohnerzahlen in den Vorortgebieten wie Weende, Grone und Geismar oder die spätere Errichtung ganzer Wohnsiedlungen in der Weststadt wie dem Holtenser Berg, führten dazu, dass das Liniennetz großflächig auf 138 Kilometer Länge erweitert werden musste. Fuhren noch 1950 lediglich 4,6 Mio. Fahrgäste jährlich mit dem Bus, waren es 1954 schon 9,9 Mio. und 1957 14,5 Mio. Zwischenzeitlich wurden sechs Linien angeboten und der Städtische Kraftwagenbetrieb wurde 1955 in die Stadtwerke Göttingen integriert. Seitdem heißt dieser Unternehmenszweig, anfangs noch inoffiziell, Göttinger Verkehrsbetriebe – kurz GöVB.
mini|Büssing-Emmelmann U10 aus Münster, Busse gleichen Fabrikats fuhren bis Anfang der 1980er Jahre auch in Göttingen
1963 und 1964 erfolgte die Eingemeindung der Vororte Grone, Weende, Geismar, Herberhausen und Nikolausberg in das Stadtgebiet, die in das städtische Liniennetz integriert wurden. Die Linien nach Herberhausen und Nikolausberg wurden zuvor als Überlandlinien entweder von privaten Unternehmen oder von Bussen der Deutschen Bundesbahn bzw. durch den Kraftpostdienst (ab 1965 Postreisedienst) der Deutschen Bundespost bedient.
1967 erfolgte die Gründung des Gemeinschaftsverkehrs mit der Deutschen Bundesbahn für Linienverkehre in die Flecken Bovenden und Rosdorf, die sowohl von Bussen der Stadtwerke als auch von Bahnbussen bedient wurden. Für Fahrten in diese Orte galt ein besonderer Tarif, der etwas über dem Stadttarif lag. Um auch die Einnahmen des Verkehrsbetriebs zu steigern, vermietete die Stadtwerke dem Beispiel anderer Städte folgend nun auch Werbeflächen auf ihren Bussen. Überwiegend prägten in der Zeit die sogenannten „Emmelmänner“ das Stadtbild, Busse des Typs Büssing 13 RU 10 bzw. Büssing Präsident Verbund U 10 mit Aufbau der Fa. Emmelmann aus Hannover.
1968 wurde der Bahnhofsvorplatz umgestaltet, ein Jahr später der neue, abseits vom Bahnhofsgebäude gelegene Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) fertiggestellt. Für die Fahrgäste bedeutete dies, dass sie nicht mehr direkt am Bahnhofseingang ein- und aussteigen konnten. Inzwischen war der Fuhrpark auf 58 Fahrzeuge angewachsen, die mit ihren 112 Fahrern jährlich 2,7 Mio. Kilometer zurücklegten und rund 20 Mio. Fahrgäste verzeichnen konnten. Eine gravierende Änderung gab es auch im personellen Bereich, mit der 1962 schon begonnen wurde: die letzten 4 Schaffner gingen in den Ruhestand, die Busse waren nun nur noch im Einmannbetrieb unterwegs, der Fahrer übernahm neben seiner Fahrtätigkeit auch noch den Fahrscheinverkauf.
1969 kamen die ersten zehn von insgesamt 28 Standardlinienbussen zu den Verkehrsbetrieben, die vom Verband öffentlicher Verkehrsbetriebe (VÖV, heute Verband Deutscher Verkehrsunternehmen) erstmals nach einem für alle Hersteller verbindlichen Lastenheft entwickelt wurden. Nach ausgiebiger Erprobungen aller Hersteller, zu der neben Büssing, Daimler-Benz und MAN auch noch Magirus-Deutz zählte, entschied man sich für die Anschaffung von Fahrzeugen des Typs Büssing BS 110 V. Diese Lieferung war 1972 abgeschlossen.
1970–1997 Nach Errichtung des ZOB im Jahr 1968 folgte ein weiteres Projekt, das den Verkehr in der Innenstadt, neben dem Individual- auch dem Busverkehr, nachhaltig verändern sollte. Der zunehmende Autoverkehr zwang die Verantwortlichen der Stadt, diesen aus der Weender Straße zu verdrängen. 1970 kam das Verbot für den motorisierten Individualverkehr, 1972 war der Busring fertiggestellt, auf dem die Busse im Einbahnstraßensystem verkehren, womit die Weender Straße, die Haupteinkaufsstraße Göttingens, damit auch für Busse nicht mehr befahrbar war. Auch der seit 1927 zentrale Umsteigepunkt am Marktplatz musste zugunsten der neu errichteten Fußgängerzone aufgegeben werden. In anderen Straßen wie der Groner- oder der Nikolaistraße erfolgte neben den Straßen des Busrings ebenfalls die Umwidmung zur Fußgängerzone, hier blieb der Busverkehr allerdings erhalten. In nördlicher Richtung fuhren die Busse über die Kurze Geismarstraße und Jüdenstraße, bis sie an der Haltestelle „Weender Straße Ost“ wieder in die Weender Str. einmündeten. In südlicher Richtung aus Richtung Weender Tor/Auditorium kommend bogen die Busse von der Weender Str. in den Stumpfebiel und die Gotmarstraße ein und fuhren über Zindelstraße und die Haltestelle „Markt“ diesen nun auf der Rückseite des alten Rathauses an, wo sie entweder weiter in südlicher Richtung über die Nikolaistraße, oder westwärts in die Groner Straße, weiterfuhren. Die vom Groner Tor kommenden Linien fuhren über Groner Straße, Kornmarkt, Lange Geismarstraße und bogen dann links in die Jüdenstraße ab. Anfänglich wurden die Busse noch über die Johannisstraße geführt, bis auch dieser Teil zur Fußgängerzone umgestaltet wurde.
1973 folgte die letzte Stufe der Verwaltungs- und Gebietsreform, die Eingemeindung der Orte Groß Ellershausen, Hetjershausen, Knutbühren, Elliehausen, Esebeck, Holtensen und Roringen. Da diese Orte bislang nach eigenen, bundeseinheitlichen Tarifen durch die Verkehrsgemeinschaft Bahn/Post bedient wurden, und nun auch konzessionsrechtlich zum Stadtgebiet zählten, gründete man die Göttinger Verkehrsgemeinschaft – GVG, einen kleinen Vorläufer des heutigen Verkehrsverbundes VSN, wobei Busse von Bahn/Post und Stadtwerken eine gemeinsame Bedienung einheitlich zum Stadttarif anboten. Anders als beim 1967 gegründeten Gemeinschaftsverkehr zwischen DB und Stadtwerken für die Flecken Bovenden und Rosdorf; da beide im Landkreis liegen, wurde hier ein eigener Tarif eingeführt. Die Bahn-/Postbusse fuhren meist vom ZOB aufs Land und bedienten auf dem Weg den städtischen Linienverkehr mit, so dass in diese Fahrten im Zielschild mit doppelten Liniennummern wie „2554 Hann. Münden 23“ oder „2642 Holzminden 21“ geführt wurden, wobei die Linien 21 und 23 die innerstädtischen Linien bis Holtensen bzw. Hetjershausen/Knutbühren waren. Die Deutsche Bundespost gab Anfang der 1980er Jahre ihren Postreisedienst mitsamt der gelben Postbusse an die Deutsche Bundesbahn ab, die ihrerseits den Bahnbusverkehr in Südniedersachsen wiederum 1989 in die Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB) ausgliederte, seit 2008 wieder in den Bahnkonzern eingegliedert, als Südniedersachsenbus firmiert.
mini|Busse des Typs MB O 305 prägten über 30 Jahre das Göttinger Stadtbild. Der hier gezeigte Wagen 58 war sogar bis August 2009 als Traditionsbus im Besitz der GöVB, jetzt in Besitz der IG Traditionsbus Südniedersachsen.