John Harwood Hick (* 20. Januar 1922 in Scarborough/YorkshireProfessor John Hick The Telegraph, 16. Februar 2012; † 9. Februar 2012 in Birmingham Birmingham Post, 23. Februar 2012) war ein britischer presbyterianischer Theologe und Religionsphilosoph. Er war ein wichtiger Vertreter der pluralistischen Religionstheologie – also der Überlegung, dass unterschiedliche Religionen wahr und heilsvermittelnd sein können. Das philosophisch-theologische Werk von Hick fokussierte sich auf die Punkte des ‚Glaubens und Wissens‘, der ‚Erkenntnistheorie und Philosophie der Religion‘, der ‚Gottesfrage‘, der ‚Existenz Gottes‘, der ‚Möglichkeit der Erkenntnis Gottes und seiner Personalität‘ und der ‚Philosophie der Sprache‘.
Leben Kindheit und Berufsausbildung John Hick wuchs als zweiter von drei Söhnen des Rechtsanwaltes Mark Day Hick (1880–1962) und Mary Aileen, einer geborenen Hirst (1896–1988) in einer im Osten Englands gelegenen Küstenstadt auf; 7 Westbourne Grove, Scarborough, Yorkshire. Einer seiner älteren Brüder war Edwin Pentland Hick (1919–2016), britischer Unternehmer, Autor, Verleger und Veteran des Zweiten Weltkriegs; Royal Army Medical Corps von 1939 bis 1945. Seine Familie gehörte der Anglikanischen Kirche an.Werner Neuer: Heil in allen Weltreligionen? Das Verständnis von Offenbarung und Heil in der pluralistischen Religionstheologie John Hicks. Brunnen/Freimund, Gießen 2009, ISBN 978-3-7655-1755-6, S. 88 Seine Vorfahren väterlicherseits besaßen eine erfolgreiche Reederei. Sein Großvater Albert Edwin (1846–1900) verließ das Schifffahrtsgeschäft, um Anwalt zu werden.
Hick besuchte die Grundschule, grade school die „Lisvane-Schule“ vor OrtAuch „Lisvane Prep School“, seit 2010 umbenannt in „Scarborough College Junior School“Haejong Je: A Critical Evaluation of John Hick's Religious Pluralism in Light of His Eschatological Model. Dissertationsschrift Andrews University, Berrien Springs, Michigan 2009 ( auf digitalcommons.andrews.edu), S. 15, wo er sich als scheues Kind schlecht zurecht fand, dann wurde er von einem Privatlehrer Zuhause unterrichtet. Von 1937 bis 1938 besuchte er die Quäkerschule Bootham in York. Als Anwaltsgehilfe arbeitete er darauf im kleinen Anwaltsbüro Hick & Hands, das seinem Vater gehörte. Sein Großonkel mütterlicherseits Edward Wales Hirst, Uncle Eddy der christliche Ethik an der Universität Manchester lehrte, ermutigte ihn zu einem universitären Studium. Durch Uncle Eddy lernte er einem Freund von ihm kennen, David Smith Cairns (1862–1946)David Smith Cairns verließ die Universität von Edinburgh nach einer Glaubenskrise und besuchte ab dem Jahre 1888 die United Presbyterian Theological Hall. 1895 wurde er Minister in Ayton, Berwickshire und 1907 Professor für Dogmatik und Apologetik am United Free Church College in Aberdeen, dessen Direktor er späterhin wurde. Er war Vorsitzender der Kommission der World Missionary Conference von 1910, die eine Missionsbotschaft in Bezug auf die nichtchristliche Religionen verfasste., einem Professor im Ruhestand und Direktor einer der schottischen theologischen Fakultäten.
Studium und Evangelisierung Als Angestellter besuchte er nebenbei Vorlesungen in Rechtswissenschaften am University College in Kingston upon Hull. Schon in seinem siebzehnten Lebensjahr begann er wichtige Werke der westlichen Philosophie zu lesen, wobei Hick besonders von Immanuel Kant beeindruckt war. Seine vielleicht größten Einflüsse zu jener Zeit erhielt er durch Thomas Edmund Jessop, dessen philosophische Vorlesungen Hick in Hull besuchte. Während seinem Studium fand er Freunde, die zur Inter-Varsity Fellowship-Gruppe (Universities and Colleges Christian Fellowship) gehörten, und ihn in den evangelikalen Glauben einführten. Ein walisischer Evangelist und dessen Freunde waren maßgeblich an seiner Bekehrung beteiligt. Autobiografisch vermerkte Hick, dass er in dieser Zeit seines Lebens die gesamte evangelikale Theologie akzeptierte, so etwa die Verbalinspiration der Bibel, Schöpfung und Sündenfall, Jesus als der menschgewordene Sohn Gottes, der von der Jungfrau Maria geboren wurde usw. Er beschloss Pfarrer der presbyterianischen Kirche Englands zu werden. Daraufhin wechselte er zu Theologie und Philosophie, um später in den kirchlichen Dienst eintreten zu können. In Edinburgh besuchte er Vorlesungen beim Philosophen Norman Kemp Smith, der ihn weiter beeinflusste. Diese neu entdeckte Begeisterung für Philosophie und Religion veranlasste ihn, sein Jurastudium abzubrechen und sich 1941 für einen Philosophiekurs an der Universität Edinburgh einzuschreiben.Church Times. Obituary: Professor John Harwood Hick, 22. Februar 2012
Kriegsdienst und universitäres Studium, Abschlüsse Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs verweigerte Hick den Dienst an der Waffe und so konnte er bei einer Ambulanzeinheit der Freunde, Friends' Ambulance Unit in Ägypten, Italien und Griechenland eingesetzt werden.
In Edinburgh konnte er 1948 sein Studium abschließen, danach ging er ans Oriel College in Oxford. Unter Henry Habberley Price doktorierte er, in der Zeit von 1948 bis 1950, in Philosophie, zum Thema The Relationship Between Faith and Belief, woraus später sein erstes Buch Faith and Knowledge (1957) (deutsch: Glauben und Wissen) entstand. In seiner Dissertation thematisierte Hick die Relation zwischen dem Glauben, begriffen als existenzielle Haltung und der Bekenntnis, verstanden als kognitiver Glaubensinhalt. Was an sich an die thomasschen Differenzierung zwischen dem „Glaubensakt“ fides qua creditur ‚der Glaube, mit dem geglaubt wird‘ und dem „Glaubensinhalt“ fides quae creditur ‚der Glaube, der geglaubt wird‘ anzulehnen scheint. Hick überarbeitete seine Dissertationsschrift und schuf damit das Fundament für sein erstes Werk, das im Jahre 1957 mit dem Titel Faith and Knowledge. A modern Introduction to the Problem of Religious Knowledge publiziert wurde. Mit dem Einfluss der kantianischen und der positivistischen Philosophie entfernte Hick sich in seinen Überlegungen zunehmend von seinen evangelikalen Glaubensgeschwistern.
Von 1950 bis 1953 studierte er unter Herbert Henry Farmer reformierte Theologie am Westminster College in Cambridge, um presbyterianischer Geistlicher zu werden. 1953 wurde er ordiniert und diente für zweieinhalb Jahre als Pastor der Belford Presbyterian Church in Northumberland.
Hochschullehrer Von 1956 bis 1959 lehrte Hick als Assistenzprofessor für Philosophie an der Cornell University in Ithaca in New York. Im Jahre 1959 erhielt er den Stuart-Lehrstuhl für Christliche Philosophie an dem Princeton Theological Seminary. Hier geriet er erstmals in Konflikt mit Lehren der presbyterianischen Kirche. 1963 bekam er für je ein Jahr den Guggenheim- und den Cook-Crone Research Bye-Fellowship, den er am Gonville and Caius College in Cambridge verbrachte. Dort arbeitete er an seinem zweiten Buch Evil and the God of Love. In den frühen 1960er Jahren begegnete Hick persönlich dem kanadischen Religions- und Islamwissenschaftler Wilfred Cantwell Smith. Diese Begegnung beeinflusste Hick in seiner wissenschaftlichen Ausrichtung.Christian Danz: Einführung in die Theologie der Religionen (= Lehr- und Studienbücher zur Theologie, Band 1). Lit Verlag, Münster 2005, ISBN 3-8258-7058-8, S. 154.
Im Jahre 1964 kehrte er nach Großbritannien zurück um zunächst an der Universität Cambridge zu lehren. Ab 1966 hatte er den H. G. Wood-Lehrstuhl für Philosophie und Religion an der Universität Birmingham inne. Dort begann seine Wendung zum religionstheologischen Pluralismus öffentlich zu werden, indem er mit multireligiösen Gruppen Themen wie Rassismus und Grundrechte bearbeitete und vermehrt östliche Religionen zu studieren begann. Er reiste zudem nach Indien, um den Hinduismus zu verstehen, nach Punjab für den Sikhismus und nach Sri Lanka, um den Buddhismus vor Ort kennenzulernen. Aus diesen Studienreisen entstand sein Werk Death and Eternal Life (deutsch: Tod und ewiges Leben).Bernd Elmar Koziel: Kritische Rekonstruktion der Pluralistischen Religionstheologie John Hicks vor dem Hintergrund seines Gesamtwerks. Peter Lang, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-631-38039-9, S. 20–21
Als er im Jahre 1972 eine wichtige Funktion am Queens College erhielt, war ihm die multireligiöse Lebenssituation der Mitmenschen in Birmingham wichtiger geworden. So wurde Hick zum Vorsteher der Gruppe All Faiths for One Race und engagierte sich für ein tieferes Verständnis zu anderen Religionen. 1977 veröffentlichte Hick ein Buch mit dem provokativen Titel The Myth of God Incarnate (deutsch: Der Mythos der Fleischwerdung Gottes), das im ersten halben Jahr 30.000 mal verkauft und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Ab 1978 hielt er Vorlesungen an der Claremont Graduate University in Claremont bei Los Angeles, wo ihm die Danforth-Professur für Religionsphilosophie angeboten wurde. Bekannt sind zwei seiner Schüler: Alan Race (* 1951) und Gavin D’Costa (* 1958).
Die ersten drei Jahre pendelte er jeweils zwischen Claremont und Birmingham hin und her, um beide Lehraufträge erfüllen zu können. Im Sommer 1980 lehrte er zusätzlich in Südafrika, wo er Desmond Tutu kennenlernte, was zu einer lebenslangen Freundschaft führte. 1982 zog Hick ganz nach Claremont um, um dort seine Religionsphilosophie weiterzuentwickeln. Von 1986 bis 1987 konnte er sie bei den Gifford Lectures präsentieren, wo er in einem groß angelegten Interpretationsversuch die Religionen beleuchtete. 1989 erhielt er die Auszeichnung des Grawemeyer Award. Infolge seines Austausches mit buddhistischen Philosophen wie Masao Abe und weiteren Personen entfernte er sich zunehmend von der theistischen Gottesvorstellung.
Nach seiner Emeritierung 1992 in Claremont kehrte er nach Birmingham zurück, wo er als Fellow für Forschung und Studien der Sozialwissenschaften an der Universität tätig wurde. Er verfasste weitere Bücher und war für Konferenzen und Vorlesungen weltweit unterwegs. 2011 eröffnete die Universität Birmingham das John Hick Centre for Philosophy of Religion und verlieh ihm einen Ehrendoktor. Zu diesem Anlass hielt er seine letzte öffentliche Rede. Er starb bald darauf, kurz nach seinem 90. Geburtstag, im Queen Elizabeth Hospital Birmingham an den Folgen einer Lungenentzündung. Er wurde auf dem Dean Road and Manor Road Cemetery in Scarborough bestattet. (29. Juli 2020, englisch, abgerufen am 8. Mai 2026)
Familie Am Westminster College in Cambridge lernte Hick seine Frau Joan Hazel, geborene Bowers (21. Mai 1926 – 15. September 1996) kennen, sie heirateten am 30. August 1953Elizabeth Sleeman (Hrsg.): International Who’s Who of Authors and Writers 2004. Europa Publications. Psychology Press, 2003, ISBN 978-1-85743-179-7, S. 247 ( auf books.google.de) und hatten eine Tochter und drei Söhne. Hazel starb 1996 nach einer Operation an den Folgen eines Schlaganfalls.
Joan Hazel Bowers Mutter war die Missionarin Frances BowersJohn H. Hick: An Autobiography. Oneworld, Oxford 2002 S. 238; 248, geborene Harris sie war in Johannesburg zur Welt gekommen, wo ihr Vater, Rev J. T. Harris als Pfarrer wirkte.(GREAT) GRANDMOTHER’S FOOTSTEPS, 30. Juli 2016
Einer seiner Söhne, Michael (* 1961) (29. Juli 2020, englisch, abgerufen am 8. Mai 2026) , starb 1985 im Alter von 24 Jahren in der Schweiz bei einem Sturz aus großer Höhe, als er einem Freund half Weidetiere einzufangen. Drei weitere Kinder sind Eleanor (* 1955), Mark (* 1957) und Peter Hick sowie sechs Enkelkinder.John Hick: An Autobiography. Simon and Schuster, New York City 2014, ISBN 978-1-78074-683-8 ( auf books.google.de)
Werk und Lehre Hinwendung zur pluralistischen Religionstheologie