miniatur|Innozenz III. und Abt Arnold Amalrich (kniend; mit der hl. Fides und einem Schreiber; Miniatur in einer süddeutschen Handschrift aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts) Arnold Amalrich (lateinisch: Arnaldus Amalricus, französisch: Arnaud Amaury, katalanisch: Arnau Amalric; † 29. September 1225 in der Abtei Fontfroide) war ein Mönch des Zisterzienserordens, dem er von 1200 bis 1212 als Abt des Klosters Cîteaux vorstand. Er wurde als päpstlicher Legat zum geistlichen Führer des Albigenserkreuzzugs ernannt, den er in der Anfangsphase maßgeblich bestimmte. 1212 führte er ein französisches Kreuzfahrerkontingent nach Spanien und nahm mit dessen Resten an der Schlacht bei Las Navas de Tolosa teil. Ab 1212 bis zu seinem Tod amtierte er als Erzbischof von Narbonne.

Über Arnaud Amaurys frühe Jahre ist kaum etwas bekannt, außer dass er vermutlich ein gebürtiger Katalane war, seit 1196 als Abt von Poblet und ab 1198 als Abt von Grandselve amtierte, bevor er 1200 zum Abt von Cîteaux und damit an die Spitze des Zisterzienserordens berufen wurde.

Kreuzzug gegen die Albigenser

Legat im Albigenserland Am 31. Mai 1204 wurde Arnaud Amaury von Papst Innozenz III. mit der Führung der bereits im „Albigenserland“ (terra albigensis) tätigen Legaten Pierre de Castelnau und Raoul de Fontfroide betraut, die beide ebenfalls dem Zisterzienserorden angehörten.Innocentii III Registrorum sive Epistolarum, hrsg. von Jacques Paul Migne in, Patrologiae cursus completus. Series Latina. Bd. 215, Sp. 358–360. Die Mönche hatten zu jener Zeit im heutigen Südfrankreich, dem Languedoc oder auch Okzitanien genannt, seit einigen Jahren die Predigermissionen gegen die Katharer (Albigenser) angeführt, die von der römisch-katholischen Kirche als häretisch eingestuft wurde. Mit seiner Ernennung zum „außerordentlich bevollmächtigten Legaten“ (legatus a latere) wurde Abt Arnaud zur Führung der geistigen Speerspitze gegen das Ketzertum bestimmt.

Zuerst aber hatte er sich nach Nordfrankreich begeben, um dort im Auftrag des Papstes bei König Philipp II. August zu intervenieren, um diesen zu einem Handeln in Südfrankreich zu bewegen. Nachdem ihm in Paris kein Erfolg beschieden gewesen war, reiste er im Sommer 1206 nach Montpellier, um sich mit seinen beiden Kollegen zu beraten. Dort machte er die Bekanntschaft der beiden Weltgeistlichen Dominikus de Guzmán und Diego von Osma, die sich auf ihrem Weg aus Rom in das Albigenserland befanden. Von Papst Innozenz III. hatten sie die Bestätigung ihres, auf einem strengen Armutsgelübde basierenden, Predigerstils erhalten. In Prouille hatten die beiden Prediger einen Konvent gegründet, wo sie tatsächlich mehrere Häretiker zum Konvertieren bewegen konnten, was den Zisterziensern, die sich zu solch radikalen „dominikanischen“ Neuerungen außerstande gesehen hatten, nie gelungen war. Die Zisterzienser hatten sich im Albigenserland ob ihres Auftretens den Unmut der breiten Bevölkerung, nicht nur der katharischen, zugezogen und ihre Predigten waren dort entsprechend auf wenig Resonanz gestoßen.

Nachdem Arnaud Amaury im Winter 1206 am Generalkapitel der Zisterzienser in Cîteaux teilgenommen hatte, kehrte er im Frühjahr 1207 in das Albigenserland zurück und übernahm dort in Fanjeaux wieder die Legation. Von hier aus entsandte er seine in kleine Gruppen aufgeteilten Mitstreiter zur Predigt in das Umland. Pierre de Castelnau zog nach Toulouse, wo er im April 1207 die Exkommunikation über den mächtigen Grafen Raimund VI. aussprach, welcher der Unterstützung der Häresie und verschiedenster Verbrechen gegen die römische Kirche beschuldigt wurde. Der Bann wurde kurz darauf vom Papst bestätigt, der dazu erstmals die Forderung nach einem Kreuzzug zur Bekämpfung der Häresie und ihrer Beschützer aufgestellt hatte.Innocentii III Registrorum sive Epistolarum, hrsg. von Jacques Paul Migne in, Patrologiae cursus completus. Series Latina. Bd. 215, Sp. 1166. Arnaud Amaury selbst zog in die Provence, wo seine Predigten ebenso auf taube Ohren stießen wie die seiner Mitbrüder im restlichen Albigenserland. Pierre de Castelnau beabsichtigte, sich ihm in der Provence wieder anzuschließen und traf sich dabei auf dem Weg in der Abtei Saint-Gilles noch einmal mit Graf Raimund VI. zu einem klärenden Gespräch. Nachdem dieses aber ergebnislos beendet worden war, wurde der Legat am 14. Januar 1208 nach Überquerung der Rhone auf der Straße nach Arles ermordet. Arnaud Amaury zögerte nicht lang und denunzierte in einem Schreiben an den Papst den Grafen von Toulouse als Auftraggeber der Tat. Für Innozenz III. wurde damit ein Märtyrer für den Kampf gegen die Häresie und ein willkommener Vorwand zur Ausrufung eines Kreuzzugs gegen sie und ihre Unterstützer geschaffen, den er in mehreren Schreiben vom 10. März 1208 an den Klerus und Adel des Languedoc, an den Klerus und Adel Nordfrankreichs und schließlich an König Philipp II. propagierte.Innocentii III Registrorum sive Epistolarum, hrsg. von Jacques Paul Migne in, Patrologiae cursus completus. Series Latina. Bd. 215, Sp. 1354–1358; 1358–1359; 1359–1360 und 1361–1362.

Legat des Kreuzzugs – „Tötet sie.“ Bereits am 17. Mai 1208 richtete der Papst genaue Instruktionen an Arnaud Amaury, wie in der Albigenserfrage zu verfahren sei, und wies ihn an, erneut an den Hof zu Paris zu reisen, um dort einen Frieden zwischen König Philipp II. und Johann Ohneland zu vermitteln, der den König frei zur militärischen Führung des Kreuzzugs machen würde.Innocentii III Registrorum sive Epistolarum, hrsg. von Jacques Paul Migne in, Patrologiae cursus completus. Series Latina. Bd. 215, Sp. 1360. Am 28. März wurde Arnaud Amaury seinerseits mit der Legation für den Kreuzzug betraut und damit zu dessen geistigem Führer ernannt.Layettes du Trésor des Chartes, Bd. 1, hrsg. von Alexandre Teulet (1863), Nr. 843, S. 317–319 = Regesta Pontificum Romanorum, Bd. 1, hrsg. von August Potthast (1874), Nr. 3348, S. 886. Mit der am 9. Oktober 1208 veröffentlichten Bulle Ut contra crudelissimos wurde der Kreuzzug endgültig sanktioniert.Innocentii III Registrorum sive Epistolarum, hrsg. von Jacques Paul Migne in, Patrologiae cursus completus. Series Latina. Bd. 215, Sp. 1469–1470. Raimund VI. von Toulouse führte in dieser Zeit in Aubenas ein Gespräch mit den Legaten bezüglich seiner Rekonzilierung mit der Kirche, die ihn gegen den drohenden Kreuzzug geschützt hätte. Aber Arnaud Amaury verweigerte ihm diese, worauf sich der Graf direkt an den Papst wandte und diesen unter Berücksichtigung auf sein vorbelastetes Verhältnis zu Arnaud Amaury um die Ernennung eines neuen Legaten bat. Tatsächlich ernannte der Papst im Frühjahr 1209 mit Milon und Thedisius von Genua ein neues Legatenkollegium für das Albigenserland, die allerdings ohne Wissen Raimunds VI. in allen Belangen den Weisungen Arnaud Amaurys unterstehen sollten.Innocentii III Registrorum sive Epistolarum, hrsg. von Jacques Paul Migne in, Patrologiae cursus completus. Series Latina. Bd. 216, Sp. 187. Raoul de Fontfroide, der Kollege Pierres de Castelnau, war bereits im Sommer 1207 gestorben. Auch hatte der Papst dazu die vertrauliche Order ausgegeben, Raimund VI. in Sicherheit zu wiegen, um eine geschlossene Front gegen den Kreuzzug zu verhindern. Zunächst aber reisten die Legaten an den Hof Philipps II., der zwar im Mai 1209 auf einem Parlement in Villeneuve-sur-Yonne dem Kreuzzug seine persönliche Absage erteilte, der Ritterschaft seines Königreichs aber die Teilnahme gestattete. Während Arnaud Amaury in Lyon die Organisation des dort zusammengezogenen Kreuzzugsheers übernahm, reisten Milon und Thedisius nach Valence weiter, um dort gemäß der päpstlichen Order die Bedingungen für die Rekonzilierung des Grafen von Toulouse auszuhandeln, die schließlich am 18. Juni 1209 in der Abtei Saint-Gilles in einer öffentlichen Buß- und Versöhnungszeremonie vollzogen wurde. Der Graf genoss damit den Schutz des Heiligen Stuhls und dem Kreuzzug wurde einstweilen ein gefährliches Hindernis genommen. Den Kreuzzug führte Arnaud Amaury nun im Juni 1209 die Rhone entlang ins Albigenserland, da er das Unterwerfungsangebot des Raimund Roger Trencavel, Vizegraf von Béziers und Carcassonne, zurückgewiesen und diesen somit ohne Verbündeten dastehenden Fürsten zum ersten Ziel des Kreuzzugs bestimmt hatte. mini|Bei der Erstürmung von Béziers am 22. Juli 1209 begingen die Kreuzritter ein Massaker an der Bevölkerung. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Montpellier erreichte das Heer am 21. Juli 1209 das von Trencavel in Verteidigungsbereitschaft versetzte Béziers. Nachdem sich dessen Stadtoberen geweigert hatten, etwa 200 namentlich bekannte Katharer als Kapitulationsbedingung auszuliefern, nahmen die Kreuzritter die Belagerung der Stadt auf. Schon am folgenden Tag begingen die Verteidiger bei einem Ausfallversuch den Fehler, ein Stadttor nicht rechtzeitig zu schließen, so dass die Kreuzritter in die Stadt einbrechen konnten und daraufhin das wohl größte Massaker an der Zivilbevölkerung in der hochmittelalterlichen Geschichte Frankreichs anrichteten. Arnaud Amaury brüstete sich später in einem Schreiben an den Papst mit 20.000 getöteten Menschen, wobei diese Zahl nicht im wortwörtlichen Sinn zu verstehen ist, da sie zuerst als Redensart für unzählbar viele Opfer gebraucht wurde.Roquebert, S. 130, Anm. 30. Pierre des Vaux-de-Cernay (RHGF 19, S. 20) berichtet von 7000 Opfern, die in der Kirche Marie-Magdalena (heute die Kathedrale Saint-Nazaire) verbrannt seien, wobei der alte Kirchenbau sicher nicht so groß gewesen war, um eine solche Menschenmenge aufnehmen zu können. Vaux-de-Cernay war allerdings auch kein Augenzeuge des Massakers von Béziers; er hatte sich erst im Frühjahr 1212 dem Kreuzzugsheer angeschlossen und die Ereignisse bis dahin nachgetragen. Vor allem aber ist der Legat in diesem Zusammenhang mit einem ihm von dem deutschen Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach zugeschriebenen Ausspruch zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt. Nachdem ihn die Söldner und Ritter, die dazu übergegangen waren die Bürgerhäuser zu plündern, gefragt hatten, wie man „die Guten“ (Katholiken) von „den Bösen“ (Ketzern) unterscheiden könne, habe der Legat befürchtet, dass die Ketzer eine Rechtgläubigkeit vorheucheln könnten, um ihrer gerechten Strafe zu entgehen, worauf er geantwortet haben soll:

Übersetzung:

Die Historizität dieses erst mehrere Jahre später verfassten Dialogs wird von seriösen Historikern weitgehend mit Vorsicht betrachtet, auch wenn er in jeder Publikation zu diesem Thema zitiert wird und sei es nur zur Verdeutlichung des selbst für die damalige Zeit ungeheuren Ausmaßes der in Béziers begangenen Gräuel des fast ausschließlich aus nordfranzösischen Rittern bestehenden Heers. Auffällig ist dabei allerdings, dass Caesarius’ Hinweis auf das Hörensagen dieser Begebenheit (fertur dixisse/„soll gesagt haben“) in der Regel verschwiegen, dafür aber das Zitat aus Gründen der Emphase häufig zu „Tötet sie alle.“ verfälscht wird.So auch bei Roquebert, S. 130, und Oberste, S. 70, der wiederum nach Gerhard E. Sollbach, Pierre des Vaux-de-Cernay – Kreuzzug gegen die Albigenser (1996), S. 373–374, zitiert. Zur Problematik der Übersetzung siehe Barber, S. 342, Anm. 595. Als Zisterzienser mag Caesarius von Heisterbach über das Informationsnetz seiner Bruderschaft über Details aus dem Umfeld Arnaud Amaurys besser in Kenntnis gewesen sein als manch anderer, nichtsdestoweniger war er kein Augen- und Ohrenzeuge der Vorgänge vor Béziers. Und abseits seines Berichts taucht dieses Zitat auch sonst nirgendwo auf, auch nicht bei dem inoffiziellen Kreuzzugschronisten Pierre des Vaux-de-Cernay.