Riehl ist ein Stadtteil im linksrheinischen Norden von Köln.
Geografie Die Grenzen des Stadtteils Riehl bilden im Süden die Innere Kanalstraße, im Osten der Rhein, im Norden die KVB-Trasse der Gürtelbahn und im Westen die Amsterdamer Straße (wobei Teile der Bebauung westlich der Amsterdamer Straße, vor allem um das Kinderkrankenhaus, noch zu Riehl gehören). Die angrenzenden Stadtteile sind Neustadt-Nord im Süden, Nippes im Westen und Niehl im Norden. Mehr als ein Viertel der Riehler Fläche sind Park- und Grünanlagen.20 ha Zoologischer Garten, 11,5 ha Flora und Botanischer Garten, 10 ha Riehler Aue und 27 ha Rheinwiesen bezogen auf 239 ha Gesamtfläche.
Geschichte Besiedlung bis zum 19. Jahrhundert Das 972 erstmals urkundlich erwähnte Riehl war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine ländlich geprägte Ansiedlung. Im 13. Jahrhundert bildete ein 1244 urkundlich erwähnter Fronhof den Mittelpunkt des Riehler Lehens,Joachim Brokmeier: Köln-Riehl, Ein Stadtteil mit langer Tradition. Erfurt 2008, S. 9. das auch Sitz des ritterlichen Geschlechts der Schilling von Rile war.Die Linie v. Rile. auf: aborni.de Möglicherweise hat auch das zum Orden der Zisterzienserinnen gehörende Kloster Mariengarten als „conventus de Rile“ seinen Ursprung in Riehl. auf: kamps-toechter.de Am 15. August 1357 vereinbarten der Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep, Herzog Wilhelm II. von Jülich und die Städte Köln und Aachen, in der Burg Riehl eine gemeinsame Silbermünze schlagen zu lassen;Paul Fuchs (Hrsg.), Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 1, 1991, S. 294 die Burg fungierte nunmehr als kurkölnische erzbischöfliche Münzprägestätte und lag in Köln-Riehl auf der heutigen Straße An der Münze am Rheinufer.an ihrer Stelle stand bis 1898 das Ausflugslokal „An der Müntze“ Von ihr ist bekannt, dass sie vom 18. Mai 1463 bis zum 3. März 1464 insgesamt 146300 Münzen herstellte.Michael Rothmann, Die Frankfurter Messen im Mittelalter, 1998, S. 251 Die fürstbischöfliche Münze prägte über 130 Münzarten.Joachim Brokmeier, Münzen aus Riehl. In: Riehl intern 3/2009, Ein nachfolgendes Hochwasser beschädigte 1464 die Burg und die Höfe so stark, dass sie das Prägewesen einstellte. Die restlichen Mauern wurden von Kölner Truppen im Verlauf der Kölner Stiftsfehde niedergelegt, um dem aus Neuss anrückenden Feind keinen Stützpunkt vor der Stadt zu bieten.Joachim Brokmeier, Köln-Riehl, Ein Stadtteil mit langer Tradition, Erfurt 2008, S. 9
Riehl blieb hochwassergefährdet und entwickelte sich in den folgenden drei Jahrhunderten nur langsam. Es entstanden mehrere Höfe und ein Siechenhaus zur Versorgung von Leprakranken. Die beiden Hochwasser von 1784 und 1788 richteten abermals sehr schwere Schäden an. Während der französischen Herrschaft zwischen 1798 und 1814 gehörte Riehl zur „mairie de Longerich“. In der Schlacht bei Riehl am 3. Januar 1814 scheiterte der Versuch des preußischen Garde-Jäger-Bataillons unter Führung des Majors Ferdinand Wilhelm Franz Bolstern von Boltenstern, die französischen Truppen zu vertreiben. Boltenstern wurde auf dem Rückzug tödlich verwundet.Ulrich S. Soenius: Boltenstern. In: Ulrich S. Soénius (Hrsg.), Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Kölner Personen-Lexikon. Greven, Köln 2007, ISBN 978-3-7743-0400-0, S. 72. Erst am 14. Januar 1814 verließen die französischen Truppen Köln, Riehl wurde Bestandteil Preußens und gehörte bis 1886 zur preußischen Bürgermeisterei Longerich. Am 1. April 1888 wurde Riehl mit Nippes nach Köln eingemeindet.Joachim Brokmeier: Köln-Riehl, Ein Stadtteil mit langer Tradition. Erfurt 2008, S. 9f.
Die Goldene Ecke von Köln mini|links|Die goldene Ecke: Riehl 1899 mini|Kurfürstengarten am Rheinufer um 1900
Auf der der Kölner Stadtbefestigung vorgelagerten freien Fläche, dem Rayon, entwickelte sich am Rheinufer ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Kölner Vergnügungsviertel. Dieses Gelände wurde auf Stadtkarten „die Goldene Ecke von Köln“Stadtplan von J.L. Algermissen von 1895, zit. nach Joachim Brokmeier: Die goldene Ecke von Köln – das Amüsierviertel in Riehl. Erfurt 2009, S. 8. genannt und hieß im Volksmund „de jolde Spetz“ (Die goldene Spitze); an schönen Sonntagen wurde es von mehr als 50.000 Gästen besucht. Zu den Besuchszielen zählten großzügige Garten- und Tanzlokale (ab 1830), der „altkölnische Festplatz“ (1845 bis 1929), der Zoo (ab 1860), die Flora (ab 1864), mehrere Sommertheater (1865 bis 1919), das „Riehler Ballhaus“ (1869 bis 1943), ein Panoptikum (1887 bis 1935), die Radrennbahn (1889 bis 1955), das Freibad Rheinlust (1902 bis 1986), der sogenannte „Amerikanische Vergnügungspark / Luna Park“ (1909 bis 1928) und der Botanische Garten (ab 1914).Joachim Brokmeier: Die Goldene Ecke von Köln – Das Amüsierviertel in Riehl. Sutton-Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-571-2, S. 7ff.
Wegen der militärischen Vorgaben mussten alle Bauwerke aus Holz errichtet werden; diese sind daher heute vollständig verschwunden. Einzig das erste aller Ausflugslokale, das 1830 eingerichtete „Wattler's Fischerhaus“ wurde 1955 in Stein neu errichtet und besteht, heute mit neuem Namen unter der Zoo-Brücke am Konrad-Adenauer-Ufer, weiterhin.Joachim Brokmeier: Die Goldene Ecke von Köln – Das Amüsierviertel in Riehl. Sutton-Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-571-2, S. 28f. Der „Luna Park“ wurde 1928 abgebrochen, da die aus Holz errichteten Gebäude nicht mehr den Anforderungen an vorbeugenden Brandschutz genügten. Die Fläche wurde in den inneren Grüngürtel der Stadt eingebunden; heute ist ein Teil davon als Skulpturenpark genutzt.Joachim Brokmeier: Die Goldene Ecke von Köln – Das Amüsierviertel in Riehl, Sutton-Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-571-2, S. 82ff. Die Bemühungen, im Zuge der Bundesgartenschau 1971 mit einem „Kölner Tivoli“ an die alte Vergnügungspark-Tradition in Riehl anzuknüpfen, scheiterten nach wenigen Jahren. Die Anlage zwischen Mülheimer Brücke und dem Cranach-Wäldchen wurde wegen ihrer dezentralen Lage und der hohen Preise nicht von der Bevölkerung angenommen und meldete 1975 Konkurs an.Joachim Brokmeier: Die Goldene Ecke von Köln – Das Amüsierviertel in Riehl. Sutton-Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-571-2, S. 89ff.
mini|links|Palastartig: Flora mit Blumenteppich (Parterre) mini|Maurisch-Indisch: Das Antilopenhaus im Zoo (1863/1874)
Dagegen prägen der Kölner Zoo, die Flora und der Botanische Garten den Charakter Riehls als einer durchgrünten Gartenstadt bis heute wesentlich. Die Gartenanlage der Flora wurde 1864 nach den Plänen des preußischen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné angelegt; 1920 wurde der angrenzende Botanische Garten mit der Flora verbunden. Der Kölner Zoo ist in den über 150 Jahren seines Bestehens mehrfach deutlich erweitert worden und mit einer Fläche von 20 Hektar heute viermal so groß wie bei seiner Gründung. Die ältesten Gebäude in Riehl finden sich daher auch in Zoo und Flora: die klassizistische Direktorenvilla im Zoo (1859/60), das ehemalige Antilopen- und Elefantenhaus mit maurisch-indischen Architekturanleihen (1863) und das palastartige Palmenhaus in der Flora (1863), das in seiner Grundform vom Londoner Kristallpalast inspiriert und von 2011 bis Sommer 2014 aufwändig restauriert wurde.Hiltrud Kier: Reclams Städteführer, Architektur und Kunst. Köln/Stuttgart 2008, S. 265.
Exerzierplatz und Kasernenstadt mini|links|hochkant|Riehl 1899: Flora, Zoo und Exerzierplatz Mülheimer Heide mini|Kasernenstadt: Mülheimer Heide um 1915
Das Gelände am Rheinbogen, die sogenannte Mülheimer Heide, nutzte das preußische Militär seit 1818 als Exerzierplatz. 1844 richtete die Armee auf der Fläche auch die ersten Schießstände ein, bis 1896 wurden es insgesamt 26. Die verirrten Kugeln streuten über den Rhein bis nach Mülheim. Da sich die Bevölkerung beschwerte, ließ der Kölner Gouverneur Ludwig von Cranach im Jahre 1878 Schwarzpappeln als Kugelfang anpflanzen. Diese Grünfläche heißt bis heute Cranach-Wäldchen.Joachim Brokmeier: Köln-Riehl. Ein Stadtteil mit langer Tradition. Erfurt 2008, S. 17f.
Bis zum Ersten Weltkrieg wurde Riehl zu einem der größten Militärstandorte Kölns: insgesamt wurden zwischen 1893 und 1914 fünf Kasernen gebaut, in denen über 2.900 Soldaten stationiert waren, denen lediglich 2.150 zivile Anwohner gegenüberstanden.Einwohnerzahlen aus dem Jahre 1910 Die Barbara-Kaserne (1893–1895) wurde an der Amsterdamer Straße/Barbarastraße errichtet. Die Gebäude wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig abgetragen; seit Juni 1984 ist auf dem Gelände das Bundesverwaltungsamt angesiedelt. Die Fischerkaserne, in den Jahren 1899 bis 1901 an der Barbarastraße gebaut, ist bis heute erhalten und wird als Gewerbegelände genutzt.Historie des Barbara Hof Die sogenannte Kasernenstadt auf der Mülheimer Heide wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg angelegt. Dazu gehörten an der Boltensternstraße die Infanteriekaserne (1909–1912) und die Pionierkaserne (1907/08) sowie die Kasernen an der Slabystraße (1913/14). Insgesamt entstanden 60 Gebäude. Seit 1926 werden sie von den Riehler Heimstätten genutzt.Henriette Meynen (Hrsg.): Festungsstadt Köln, Das Bollwerk im Westen, Köln 2010, S. 503 f.
Riehl wird zum Stadtteil Da der historische Siedlungskern Riehls an der Frohngasse mit den Anlagen des Vergnügungsviertels bebaut worden war, bildete sich der neue Ortskern rund einen Kilometer rheinaufwärts. Die Siedlung entwickelte sich zwischen 1900 und 1930 zum Stadtteil: Um die Jahrhundertwende zählte Riehl rund 900 zivile Einwohner, 30 Jahre später über 14.000.Joachim Brokmeier: Köln-Riehl, Ein Stadtteil mit langer Tradition, Erfurt 2008, S. 15.
1874 begannen die Vorarbeiten für die neue Bebauung Riehls, die besser vor den Rheinhochwassern geschützt werden sollte. Der Bauunternehmer Steinbüchel ließ dazu das Gelände um rund 2 Meter mit Rheinkies aufschütten. Für den seit 1888 zur Stadt Köln gehörenden Ort entwickelte der Stadtbaumeister Josef Stübben im Jahre 1893 einen Fluchtlinienplan. Bis zur Jahrhundertwende entstand eine geschlossene Bebauung an der Stammheimer Straße und der Hittorfstraße.Vor allem die Häuser Stammheimer Straße 103-130 und Hittorfstraße 2-10. Joachim Brokmeier: Köln-Riehl, Ein Stadtteil mit langer Tradition, Erfurt 2008, S. 22f, S. 24. 1897 wurde an der Ecke Stammheimer Straße/Riehler Gürtel die erste katholische Kirche in Riehl, die Notkirche St. Engelbert nach Plänen von Heinrich Krings erbautSabine Heuser-Hauck: Der Architekt Heinrich Kriegs (1857 – 1925), Bonn 2005, S. 210; sechs Jahre darauf wurde Riehl zur Pfarrei erhoben. Das Kirchengebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.Joachim Brokmeier: Köln-Riehl, Geschichte(n) aus dem Veedel, Erfurt 2013, S. 21.
1902 entstand an der Stammheimer Straße die von Eduard Endler entworfene sogenannte Straßenbahnersiedlung, eines der ersten Beispiele für den kommunalen Mietwohnungsbau in Köln. Sie war für kinderreiche Familien von Straßenbahnbediensteten gedacht, die im nahen, von 1889 bis 1956 an der Riehler Straße gelegenen Bahndepot tätig waren. Die Siedlung im Heimatstil städtischer Prägung mit 66 Wohneinheiten erinnert im Grundriss an ein Palais und zeigte ursprünglich einen reichen Fassadenschmuck.Werner Heinen, Anne-Marie Pfeffer: Köln: Siedlungen 1888-1938, (Stadtspuren - Denkmäler in Köln Bd. 10), Köln 1988, S. 46ff
Als 1914 der Botanische Garten angelegt wurde, zeichnete Stadtbaumeister Carl Rehorst für Riehl einen vollständig neuen Fluchtlinienplan nach dem Konzept der Gartenstadt. Er ersetzte das noch aus der Planung von Josef Stübben stammende sternförmige Straßenraster durch ein organisch unregelmäßiges. Diese gekurvte Straßenführung definiert das Riehler Ortsbild bis in die Gegenwart.Wolfram Hagspiel: Die Entwicklung der stadtkölnischen Bauämter (bis 1945) und ihr Beitrag zur Baukultur. In: Architektur Forum Rheinland e. V. (Hrsg.): Kölner Stadtbaumeister und die Entwicklung der Städtischen Baubehörde seit 1821. S. 37–70, hier S. 56 f.