Bersrod ist ein Ortsteil der Gemeinde Reiskirchen im mittelhessischen Landkreis Gießen. Der Ort liegt etwa 12 km östlich von Gießen, am westlichen Rand des Vogelsberges, im Busecker Tal, direkt an der A 5. Bersrod hat Gemarkungsgrenzen zu den Nachbarorten Beuern, Großen-Buseck, Geilshausen, Reinhardshain, Winnerod und Reiskirchen.

Ortsgeschichte Mittelalter Die Ersterwähnung des Orts erfolgte zwischen 1252 und 1263: „… bona nostra in Birnesrode“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1 - 5. Band 1. Darmstadt 1860 - 1873. Nr. 1286, S. 866. (Unsere Güter in Bersrod). Vor 1282/83 datiert die Nennung Berensrode in einem Kopiar aus der Zeit zwischen 1290 und 1306.F. Wagner: Eppstein, Nr. 263, S. 101. 1359 heißt es in einer Urkunde des Klosters Arnsburg: „… zu Bernsrode“.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 874, S. 532.

Der Ortsname benennt im Grundwort eine Siedlung, entstanden durch eine Rodung. Die Namensforschung leitet „Bers-“ von dem Rufnamen „Bern“ ab. Demnach bezeichnete Birnesrode bzw. Berensrode die „Siedlung eines Berns“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 52.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über das Busecker Tal:

sowie über Bersrod

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. Januar 1977 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständige Gemeinde Bersrod durch das Landesgesetz Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen in die Gemeinde Reiskirchen eingegliedert. Für Bersrod wurde wie für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bersrod angehört(e):

1508 und später: Heiliges Römisches Reich, Gericht Busecker Tal 1565 gehörte ein Teil zur Vogtei Winnerod vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Busecker Tal (Ganerbschaft des „Busecker Tals“ der Freiherren zu Buseck) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Busecker Tal (die gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Landeshoheit endeten erst 1726) 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Busecker Tal ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Landamt Gießen, Gericht Busecker Tal ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landamt Gießen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen; 1827 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren zu Buseck an das Landgericht über) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Reiskirchen ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Reiskirchen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Reiskirchen

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Bersrod das „Patrimonialgericht der Freiherren zu Buseck“ in Großen-Buseck zuständig.

Im Großherzogtum Hessen wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen, aber erst ab 1827 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit durch das „Landgericht Gießen“ im Namen der Freiherren ausgeübt. Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.

Wirtschaft Vormals war der Ort stark bäuerlich geprägt, doch hat sich diese ländliche Struktur in den vergangenen 50 Jahren stark geändert. Früher waren nahezu alle Einwohner im Haupt- oder Nebenerwerb landwirtschaftlich tätig, heute gibt es im Ortskern von Bersrod keinen einzigen landwirtschaftlichen Erwerbsbetrieb mehr. Die Bewirtschaftung der Nutzflächen findet nur noch durch einige größere Betriebe -sog. „Aussiedlerhöfe“- statt, die außerhalb der alten Ortschaft liegen. Die Einwohner von Bersrod bewirtschaften nur noch zum Eigenverbrauch einige kleinere Flächen, wie Gärten oder kleinere Ackerparzellen oder Flächen zur Pferdehaltung und Pferdezucht. Die berufliche Tätigkeit führt die meisten Einwohner heute in den Einzugsbereich der Städte Gießen, Marburg und Frankfurt am Main.

Bevölkerung Auch in Bersrod zeigt sich die demographische Veränderung und idealtypisch auch die Ambivalenz der Entwicklung hessischer Dörfer und damit bäuerlicher Tradition insgesamt: Die Häuser im Dorfkern verfallen oder verwaisen, da die jüngere Generation in die am Ortsrand geschaffenen Neubaugebiete zieht oder ganz den Heimatort verlässt. Gleichzeitig aber findet eine Renaissance von alten Traditionen statt. So wird das jahrelang ungenutzte alte Backhaus schon seit vielen Jahren wieder in seiner Funktion verwendet und dient so der Aufrechterhaltung traditioneller bäuerlicher Gewohnheiten.

Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bersrod 714 Einwohner. Darunter waren 18 (2,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 120 Einwohner unter 18 Jahren, 312 zwischen 18 und 49, 147 zwischen 50 und 64 und 138 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 324 Haushalten. Davon waren 114 Singlehaushalte, 84 Paare ohne Kinder und 96 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 72 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 222 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1577: 34 Hausgesesse • 1630: 6 zweispännige, 17 einspännige Ackerleute, 7 Witwen, 6 Vormundschaften • 1669: 129 Seelen • 1742: ein Geistlicher/Beamter, 37 Untertanen, 5 Junge Mannschaften, 2 Beisassen/Juden. • 1800: 241 Einwohner • 1806: 293 Einwohner, 48 Häuser • 1829: 324 Einwohner, 58 Häuser • 1867: 386 Einwohner, 73 Häuser

Historische Erwerbstätigkeit  Quelle: Historisches Ortslexikon • 1961: Erwerbspersonen: 142 Land- und Forstwirtschaft, 107 Prod. Gewerbe, 46 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 42 Dienstleistungen und Sonstiges.

Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 323 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 560 evangelische (= 90,91 %), 56 römisch-katholische (= 9,09 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten Der Dorfkern – der Lindenplatz – ist ein ovaler von Linden umgebener Platz, in dessen Mitte ein Brunnen und am Anfang ein traditionelles mittelhessisches Backhaus steht. Er gilt als einer der schönsten Dorfplätze Hessens. In unmittelbarer Umgebung befinden sich die ehemalige Schule (worin sich das örtliche Jugendzentrum und die Schulungsräume der Freiwilligen Feuerwehr befinden) und die Einsatzräume der Feuerwehr von Bersrod. Auf dem Lindenplatz finden in regelmäßigen Abständen die Dorffeste statt.

Nördlich des Dorfplatzes steht die Evangelische Kirche Bersrod, eine im Kern gotische Saalkirche aus dem 13. oder 14. Jahrhundert mit einem Obergeschoss aus verputztem Fachwerk von 1634 und einer klassizistisch geprägten Südfassade von 1763.

Die Einwohner von Bersrod haben den Spitznamen die „Kuckucks“ bzw. „Bersröder Kuckucks“. Der Ursprung und die Bedeutung dieses Spitznamens liegen im Dunkeln. Seit der Erneuerung des Lindenplatzes und mit diesem des Dorfbrunnens wurde der „Bersröder Kuckuck“ auf dem Dorfbrunnen durch einmeißeln verewigt.

Das wohl älteste Wohngebäude von Bersrod („Zur Eiche 2“) befindet sich in der unmittelbaren Nähe des alten und auch noch heute aktuellen Dorfmittelpunktes, des Lindenplatzes. Um den Lindenplatz herum und auch in der Talstraße befinden sich noch weitere Fachwerkhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten. Die meisten Gebäude wurden aber im Laufe der Jahre bzw. Jahrhunderte umgebaut, verändert und den jeweiligen Bedingungen der Zeit angepasst. So findet man heute nur noch wenige Häuser mit sichtbarem Fachwerk und im Originalzustand.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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