mini|Denkmalgeschützte Baracke mini|Baracken des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, 2017 mini|Innenansicht Baracke 13, 2011 Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit befindet sich im Berliner Ortsteil Niederschöneweide im Bezirk Treptow-Köpenick. Es dokumentiert die Lebenssituation der Zwangsarbeiter in der Zeit des Nationalsozialismus. Bis zur Eröffnung des Museums Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Weimar 2024 war es das einzige seiner Art in Deutschland.epd/ank: Dauerausstellung für NS-Zwangsarbeiter eröffnet. In: Die Welt. 7. Mai 2013, abgerufen am 18. Mai 2014.
Geschichte Das rund 32.000 m² große Gelände zwischen der Britzer, Köllnischen und Rudower Straße gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zum größten Teil der Deutschen Reichsbahn. Es war mit Kiefern bewachsen und diente den Anwohnern als Naherholungsgebiet. Ein weitaus kleineres Stück, rund 1.000 m², befand sich im Besitz der beiden jüdischen Brüder Kurt und Willy Mannheimer. 1939 sollte auf dem Areal zunächst ein Heim der Hitlerjugend entstehen. Auf Grund der angrenzenden dichten Wohnbebauung nahm man jedoch von dieser Überlegung wieder Abstand. Im Juli 1939 plante die GEHAG den Bau von Zweiraumwohnungen, doch auch dieser Plan wurde trotz einer Freigabe des Bauplatzes nicht umgesetzt. Stattdessen enteignete man die Brüder Mannheimer und deren Eckgrundstück an der Britzer/Köllnischen Straße gelangte im Juni 1942 an die Vermögensverwaltung des Landes. Durch die fortschreitenden Kriegshandlungen gab es nun andere Pläne für das Waldstück. 1943 begannen die Planungen für den Bau eines Wohnlagers. Es sollte aus 13 symmetrisch angelegten Steinbaracken bestehen und Platz für über 2000 ausländische Zwangsarbeiter bieten. Durch den dichten Baumbewuchs, von denen einige Kiefern heute noch erhalten sind, erhoffte man sich einen gewissen Schutz gegen Luftangriffe. Außerdem wurden die Baracken aus Stein und nicht wie zuvor üblich aus Holz hergestellt. Einige erhielten einen Luftschutzbunker, obwohl dies nach den geltenden Richtlinien nicht zulässig war.Gabriele Layer-Jung und Cord Pagenstecher: Vom vergessenen Lager zum Dokumentationszentrum? Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager in Berlin-Schöneweide. Das GBI-Lager 75/76. In: GedenkstättenRundbrief. Förderverein für ein Dokumentations- und Begegnungszentrum zur NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide. Nr. 111, März 2003, S. 3–13 ( [PDF; 149 kB]). Geplant wurde es unter der Bezeichnung ‚Lager 75/76‘ vom Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Albert Speer und der ihm unterstellten Behörde. Die Bezeichnung 75/76 zeigt an, dass es streng genommen zwei Lagerbauten sind, die über das mittlere Versorgungsgebäude miteinander verbunden waren. Architekt war Hans Freese, seinerzeit Ordinarius an der Technischen Hochschule in Charlottenburg und später Rektor der Technischen Universität Berlin.. –Gabriele Layer-Jung und Cord Pagenstecher: Vom vergessenen Lager zum Dokumentationszentrum? Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager in Berlin-Schöneweide. Das GBI-Lager 75/76. In: GedenkstättenRundbrief. Förderverein für ein Dokumentations- und Begegnungszentrum zur NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide. Nr. 111, März 2003, S. 2 ( [PDF; 149 kB]).Die Universitätsleitung der Technischen Universität Berlin seit 1946. Abschnitt: Rektoren 1946–1970. In: tu.berlin, abgerufen am 23. Juni 2020.
In sechs Baracken des ‚Italienerlagers‘ lebten rund 500 italienische Militärinternierte und Zivilarbeiter, daneben vermutlich auch „Ostarbeiter“. In der anderen Hälfte des Doppellagers dienten zwei Baracken zeitweise als KZ-Außenlager für weibliche Häftlinge, die bei der Batteriefabrik Pertrix (VARTA) arbeiten mussten.
mini|Institut für Immunbiologie der Humboldt-Universität, 1959 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lagerareal kurzzeitig von der Roten Armee benutzt. Später zog unter anderem ein Seruminstitut (1946) der DDR in den westlichen Bereich an der Britzer Straße ein. Eine Baracke wurde abgerissen, weitere wurden unterschiedlichen Zwecken zugeführt. Nach der Wende brachen große Teile der umliegenden Industrieunternehmen zusammen und wurden abgewickelt. Dadurch stellte sich für den Bezirk die Frage, wie das Gebiet künftig angesichts der fortschreitenden Deindustrialisierung städtebaulich entwickelt werden sollte. 1993 wurde bei sanierungsvorbereitenden Untersuchungen ermittelt, dass sich dort in Niederschöneweide die weitgehend erhaltenen Überreste eines Zwangsarbeiterlagers aus der NS-Zeit befinden. 1995 fand eine erste Open-Air-Ausstellung auf dem Gelände statt. Verschiedene Initiativen und Einzelpersonen setzten sich seitdem für die Errichtung eines Dokumentations- und Gedenkortes ein. Seit 2004 sind sie im Förderverein Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zusammengeschlossen. Ab 2006 ist das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit eine Abteilung der Stiftung Topographie des Terrors in gemeinsamer Trägerschaft des Landes Berlin und der Bundesrepublik Deutschland.Homepage. In: ns-zwangsarbeit.de, abgerufen am 4. August 2020. –Die Stiftung Topographie des Terrors. Über uns. In: topographie.de, abgerufen am 4. August 2020. In der östlichen Lagerhälfte an der Köllnischen Straße befanden sich im Jahr 2014 unter anderem eine Physiotherapie mit Sauna, eine Kita und ein Kegelverein.
Gedenkstätte mini|Gedenktafel des Dokumentationszentrums Seit Juli 2001 war die Anlage mit einer Gedenktafel markiert. Als letztes von rund 3000 Berliner Zwangsarbeiter-Unterkünften steht das gesamte 3,3 Hektar große Ensemble seit 1995 unter Denkmalschutz.
Seit April 2005 betreut die Stiftung Topographie des Terrors das Projekt. Im Rahmen des Gedenkstättenkonzepts wurden sechs der heute noch elf vorhandenen Baracken baulich gesichert. Zwei davon wurden als Vortrags-, Ausstellungs- und Seminarräume sowie als Bibliothek und Archiv ausgebaut. Die Schlüsselübergabe für das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide am 24. August 2006 war der Beginn für eine kontinuierliche und intensive Aufbereitung und Darstellung von Fakten zum Thema Zwangsarbeit an diesem authentischen Ort. Neben wechselnden Ausstellungen finden in den Räumlichkeiten seitdem unter anderem Vorträge, Lesungen und Zeitzeugengespräche statt. Das Dokumentationszentrum leitet die Historikerin Christine Glauning.Kampagne „Spuren von Zwangsarbeit“. In: ns-zwangsarbeit.de, abgerufen am 4. August 2020.
Am 30. August 2010 wurde die sogenannte ‚Baracke 13‘ der Öffentlichkeit übergeben. Sie markiert den östlichen Rand des Lagergeländes. Sie wurde 1943 als eines der ersten Gebäude errichtet. In ihr sind, insbesondere im Luftschutzbunker, noch viele Originalspuren, u. a. Inschriften früherer Insassen, erhalten. Von außen ist teilweise noch der grüne Tarnanstrich sichtbar. Die unverputzten Mauersteine, der Wasch- sowie der Toilettenraum sind ebenfalls noch im Original erhalten geblieben. In einem der Räume befindet sich der Waschbrunnen aus Baracke 4. Die Einrichtung aus Holz ist nicht mehr vorhanden. Zeitzeugen zufolge bestand sie aus neun Etagenbetten, neun Doppelschränken, einem Tisch, einigen Gartenstühlen, einem Gusseisenofen sowie einem Eimer. Als Beleuchtung diente eine spärliche Glühlampe. Diese Baracke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Materiallager sowie für unterschiedliche Werkstätten genutzt. Zeitweilig unterhielt der VEB Kühlautomat Berlin dort eine Ausbildungswerkstatt. Seit 2003 lagerten dort Antiquitäten und Baustoffe. Im Erdgeschoss riss man zwar einige Trennwände heraus, diese wurden jedoch bei der Instandsetzung wieder eingezogen. Spalten zwischen der Trennwand und dem ursprünglichen Gebäude zeigen, dass es sich nicht um die originalen Wände handelt. Als behutsam unter Beachtung denkmalpflegerischer Anforderungen instandgesetztes Architekturzeugnis ergänzt die Baracke den pädagogischen und gesellschaftspolitischen Auftrag des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit. Die Eröffnung fand unter Teilnahme diplomatischer Vertreter Italiens und Polens sowie eines ehemaligen polnischen Zwangsarbeiters, der 1944/1945 in der nahe gelegenen S-Bahn-Hauptwerkstatt arbeiten musste, statt.
Die Baracken 5 und 6 wurden nach einer Spende der Familie Quandt zu einer internationalen Jugendbegegnungsstätte mit mehreren Seminarräumen, einer neuen Bibliothek, einem Veranstaltungsraum und Platz für Sonderausstellungen umgebaut. In: sanierungsgebiet-niederschoeneweide.de, 31. Dezember 2016, abgerufen am 4. August 2020.Ralf Drescher: Ausstellung „Batterien für die Wehrmacht“. In: Berliner Woche. 14. November 2015, abgerufen am 4. August 2020.
Die Baracke 4 wurde mit Finanzierung des Auswärtigen Amtes teilausgebaut,Kontakt. Impressum. In: ns-zwangsarbeit.de, abgerufen am 4. August 2020. um hier eine Dauerausstellung zum Schicksal der italienischen Militärinternierten zu zeigen.
Dauerausstellungen Am 8. Mai 2013 wurde in der Baracke Nr. 2 die erste Dauerausstellung „Alltag Zwangsarbeit 1938–1945“ eröffnet. Am 28. November 2016 eröffnete die zweite Dauerausstellung „Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943–1945“.
Alltag Zwangsarbeit 1939–1945
Die Dauerausstellung „Alltag Zwangsarbeit 1938–1945“ präsentiert die Geschichte der Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus als allgegenwärtiges Massenphänomen. Sie zeigt den Alltag der zur Arbeit verschleppten Männer, Frauen und Kinder – im Lager, bei der Arbeit und im Kontakt mit Deutschen. Sie veranschaulicht, wie sehr das Leben der Zwangsarbeiter geprägt war von der rassistischen Hierarchie des NS-Regimes.
Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943–1945
Im Zweiten Weltkrieg waren NS-Deutschland und das faschistische Italien zunächst Bündnispartner in der „Achse Berlin-Rom“. Mit dem Waffenstillstand von Cassibile vom 8. September 1943 trat Italien aus dem Bündnis aus. Die deutsche Wehrmacht nahm daraufhin die italienischen Soldaten und Offiziere gefangen. Etwa 650.000 Italiener wurden in das Deutsche Reich und in die besetzten Gebiete transportiert. Mit der Gründung der Repubblica Sociale Italiana (RSI) 1944 wurden die Gefangenen zu „Militärinternierten“ erklärt. So konnten sie trotz des neuen faschistischen Bündnisses und ohne Rücksicht auf das Völkerrecht als Zwangsarbeiter in der Rüstung eingesetzt werden. Die Dauerausstellung erzählt die Geschichte der italienischen Militärinternierten. Sie spannt den Bogen von der deutsch-italienischen Bündnispartnerschaft im Zweiten Weltkrieg bis zur Aufarbeitung des Themas in der Gegenwart. Die einzelnen Kapitel widmen sich zentralen Aspekten von Gefangennahme, Transport, Zwangsarbeit, Kriegsende und Erinnerung.
Sonderausstellungen
Eine Geschichte von Vertreibung und Überleben. Holocaust und Zwangsarbeit in Galizien 30. August 2019 – 2. Februar 2020
Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Im Distrikt Galizien, der zuerst sowjetisch und ab 1941 deutsch besetzt war, lebten über 500.000 Juden. Fast alle wurden von den Deutschen ermordet. Die Ausstellung zeigt die deutsche Besatzungspolitik gegenüber der jüdischen Bevölkerung in Galizien: einzelne Pogrome, die Bildung von Ghettos, Verschleppung in das Vernichtungslager Bełżec sowie Zwangsarbeit in Lagern. Dort beuteten die Deutschen die jüdischen Arbeitskräfte aus, Tausende kamen bei der Arbeit ums Leben – zugleich konnte ein Arbeitsplatz zeitweise vor der Deportation in den Tod schützen. Die Darstellung folgt dem Schicksal des Holocaust-Überlebenden Józef Lipman und den Rettungsversuchen einzelner Helfer, insbesondere von Berthold und Else Beitz sowie von Donata und Eberhard Helmrich. Sie konnten einige Menschen vor dem Tod bewahren.
Für das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit wurde die Wanderausstellung um einige Aspekte erweitert, die den Zusammenhang zwischen Holocaust und Zwangsarbeit in Galizien vertiefen. Eine Ausstellung der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und der israelischen Organisation Drohobycz-Boryslaw.