mini|hochkant|Wappen der Familie Hoesch mini|hochkant|Wappen der Familie Hoesch Die Familie Hoesch, in manchen alten Schriften auch Husche, Hoisch oder Huesch genannt, ist eine seit mehreren Jahrhunderten bestehende Unternehmerfamilie. Sie war vorwiegend in der Metallverarbeitung in den Räumen Aachen, Düren und Stolberg/Eschweiler sowie in Dortmund tätig. Ein bedeutender Zweig der Familie wird Heusch geschrieben. Beide Familienzweige gehen auf den gemeinsamen Stammvater Heinrich Hoesch († 1552) zurück.
Der Name Heusch/Huesch leitet sich von mittelniederländischen heufsch, heuvesch, hovesch ab und bedeutet etwa höfisch, hübsch oder höflich und bezeichnete zumeist Personen, die dem Hofe angehörten.Etymologie Heusch
Im Kölner und Aachener Dialekt sowie in der holländischen Sprache wird das Adjektiv heuschRechtschreibung im Niederländischen seit 1939: heus statt vorher: heusch. Bedeutung des Adjektivs seit dem 19. Jahrhundert: wirklich. noch heute angewendet.
Ursprünge Die Familie Hoesch, Heusch stammt ursprünglich aus dem Ort Kettenis im Eupener Land mit Stammsitz auf Schloss Libermé, aber auch mit Besitztümern in Walhorn, Dolhain und Baelen. Der älteste nachgewiesene Ahn ist Ende des 14. Jahrhunderts ein Husche de Libermé († vor 1403), dessen Sohn Hein Husche von Kettenis († um 1459) ebenso wie Hein Husches Sohn Mays (Bartholomäus) Hoesch von Libermé und Kettenis († um 1530) als Schöffen zu Walhorn genannt werden. Mays Hoesch wird zugleich auch als Lehnsmann des Aachener Münsters erwähnt, ebenso wie sein Sohn Hein Hoesch von Kettenis (1475–1552), der der gemeinsame Ahnherr aller sich nun verzweigenden und bis heute existierenden Linien der Familien Heusch/Hoesch ist.
Zweig Peter Hoesch (Hoesch/Heusch) mini|hochkant|Michael Heusch, Hamburg Hein Hoesch von Kettenis hatte sechs Söhne und vier Töchter. Sein ältester Sohn Peter Hoesch († vor 1561) verzog zunächst nach Zülpich, wo er zum Schöffen gewählt wurde, wechselte aber alsbald nach Antwerpen. Dessen beide Söhne Johann (1530–1580) und Michael (1533–1596) waren in Antwerpen erfolgreiche Kaufleute und heirateten auch dort. Deren jeweilige Kinder traten dem evangelischen Glauben bei, wodurch sie im überwiegend katholischen Antwerpen erhebliche berufliche und soziale Nachteile erlitten. Aus diesem Grunde verzogen diese daraufhin nach Hamburg bzw. nach Frankfurt am Main. Deren weitere Nachkommen nannten sich nun durchweg Heusch. In Hamburg machte ein gewisser Michael Heusch (1601–1684) auf sich aufmerksam, als er von 1665 bis 1667 zum Präsidenten der Handelskammer Hamburg gewählt wurde.Michael Heusch, auf Hamburger Persönlichkeiten Der Generalleutnant in italienischen Diensten, Nicola Heusch (1837–1902), welcher nach dem Sturz von Premierminister Antonio Starabba di Rudinì am 9. Mai 1898 das Kommando der in der Toskana stationierten Belagerungstruppen zur Unterdrückung der Maiunruhen übernommen hatte, ist ebenfalls ein Nachfahre dieser Hamburger Linie.
Aachener Hauptzweig (Hoesch/Heusch) mini|Wappen der Aachener Patrizierfamilie Heusch Der zweite Sohn von Hein Hoesch von Kettenis, Bartholomäus Hoesch (1533–1596), Schöffe des hohen Gerichtshofes in Limbourg, ist der Begründer des weit verzweigten Aachener Hauptzweiges. Er nahm mit seiner Familie den evangelischen Glauben an, weswegen sie 1568 mit der Reichsacht belegt wurden. Doch nachdem sowohl Mays selbst als auch sein Sohn Hermann († 1582), welcher als Offizier im Heere von Wilhelm I. von Oranien-Nassau gedient hatte, wieder zum katholischen Glauben zurückgekehrt waren, wurden sie bereits 1574 restituiert. Seitdem sind deren weitere Nachfahren, die sich nun einheitlich Heusch nannten, mehrheitlich katholisch und bekleideten in Aachen ansehnliche Ämter.
Einer dieser Nachkommen war Aegidius Heusch (1629–1685), der als Erster aus diesem Familienzweig nach Aachen kam, wo er eine Stelle als Badearzt übernahm und Gründer der Hirsch-Apotheke, der zweitältesten Apotheke Aachens, wurde. Sowohl dessen Sohn Gerhard (1678–1759) als auch sein Enkel Franz Aegidius (1712–1780) wurden zum Stadtphysicus Aachens berufen. Ein Enkel von Franz Aegidius, Gerhard Heusch (1744–1829), übernahm 1784 das verfallene Schloss Rahe und ließ es aufwändig und repräsentativ renovieren. mini|hochkant|Denkmal Hermann Heusch, Oberbürgermeister Aachen Mit dessen Enkel August (1807–1875) begann schließlich eine erfolgreiche Zeit als Nadel- und Kratzenfabrikanten.Nadel- und Kratzenfabrikation Heusch Im Jahre 1825 gründete er die erste und damit die älteste Aachener Kratzenfabrik, die zunächst unter dem Namen August Heusch & Kern, später unter August Heusch & Söhne firmierte und ihren Sitz ab 1861 in das Wylre’sche Haus in Aachen verlegte. Dieses wird deshalb zuweilen auch Palais Heusch genannt und befindet sich noch heute in Familienbesitz.Wylre’sches Haus (Palais Heusch) Aachen Der letzte bedeutende und bekannte Vertreter dieser Linie ist der Urenkel von August Heusch, der ehemalige Aachener Oberbürgermeister Hermann Heusch (1906–1981). Nach dessen Tod wurde das erhaltene und unter Denkmalschutz stehende Vorderhaus im Jahre 1996 innerhalb der Familie meistbietend versteigert und befindet sich auch heute noch in Familienbesitz. Die Kratzenfabrik einschließlich Anlagen und Achterhaus waren bereits Jahre zuvor aufgegeben worden.
Ein Vetter zweiten Grades von August Heusch, Severin Heusch (1827–1873), begann im Jahr 1859 zusammen mit dem Schlosser Wilhelm Oebel Tuchscherermesser auf maschinellem Wege herzustellen. Mit dieser Innovation war ihr Unternehmen die erste Tuchscherermesserfabrik Deutschlands, aus dem heutzutage das führende Spezialunternehmen für Hochleistungsmesser und Schersysteme Heusch GmbH & Co. KG geworden ist.Heusch GmbH & Co KG Aachen
Die Neffen und Großneffen von August Heusch stiegen ebenfalls in die Nadelfabrikation ein und gründeten nach dem Ankauf der ehemaligen Nadelfabrik von Laurenz Jecker die Nadelfabrik Heusch & Butenberg, welche später in Hugo Heusch & Co. umfirmierte und die ab 1908 ihre Fabrikation und ihren Sitz in der von Rudolf Lochner übernommenen und liquidierten Tuchfabrik Lochner am Karlsgraben in Aachen hatte. Im Jahr 1955 floss dieses Unternehmen in die Rheinische Nadelfabrik AG ein. mini|Majorica-Perlen der Firma Heusch Mit Eduard Friedrich Hugo Heusch (1865–1937) begann darüber hinaus eine erfolgreiche Unternehmertätigkeit der Familie in Spanien. Im Jahre 1902 gründete dieser in Barcelona zunächst die Nadelfabrik La Metalurgica Espanola, die bis zur Schließung 1978 in Familienbesitz blieb, sowie zwei Jahre später in Manacor auf Mallorca die edle mallorquinische Kunstperlenfabrik Industria Espanola de Perlas Imitacion S. A., die sein Sohn Alberto Carlos (1932–2007) im Jahre 1997 in die Alpha Invest Holding überführte.
Stolberger Hauptzweig (Hoesch) Der fünfte Sohn von Hein Hoesch, Lenert alias Leonard Hoesch (1525–1582) verkaufte um 1560 seine Besitztümer in Kettenis und zog nach Aachen, wo er die Bürgerrechte erhielt. Da auch er bereits dem evangelischen Glauben beigetreten war, wurde er ebenfalls 1569 verbannt. Nach einer vorübergehenden Tätigkeit als Baumeister in Frankenthal, kehrte er in einer Phase, in der der evangelischen Minderheit mehr Rechte zugestanden wurde, zunächst wieder nach Aachen zurück. Über seinem Sohn Jeremias I. (1568–1643) begründet sich dann der bis in die Neuzeit erfolgreiche Zweig der Eisen- und Stahlindustriellen der Familie, die mehrheitlich evangelisch geblieben ist und die Namensform Hoesch und auch einheitlich mit dem Umlaut oe beibehalten hat.
Kupfermeister mini|hochkant|Jeremias I. Hoesch
Jeremias I., später auch der Ältere genannt, war Mitglied der evangelischen Gemeinde Aachens, hatte das Handwerk des Kupfermeisters erlernt und heiratete in die Aachener Kupfermeisterfamilie Hansen ein. Er sah sich jedoch, wie bereits zuvor schon die Kupfermeister-Familien Peltzer, Schleicher, Amya und andere, gezwungen, auf Grund der Benachteiligungen und Nachstellungen der wieder aufkeimenden Aachener Religionsunruhen auf Dauer ins benachbarte Stolberg auszuwandern, wo er um 1610 zunächst den Kupferhof Alte Krautlade übernahm. In den Folgegenerationen gehörten den Hoeschs hier zeitweise auch die Östlinger Mühlen auf dem Kupferhof Unterster Hof sowie die Ellermühle.
Reitmeister Mit seinem Sohn Jeremias II., der Jüngere begann der eigentliche Aufstieg der Familie in der Eisenverarbeitung. Er wurde Reitmeister in Vicht und konzentrierte die Holzkohlenrechte anderer Reitwerke am Junkershammer, den er zum modernsten Betrieb im Herzogtum Jülich ausbaute. Seine Frau Katharina Prym (1610–1681) errichtete für ihre Söhne Jeremias III. (1641–1716) und Wilhelm (1642–1704) im Jahre 1664 den Platenhammer. Dessen anfangs gemeinsame Nutzung führte allerdings in der Folge zu Streit und zu einer Teilung in eine Junkershammer- und Platenhammer-Linie der Hoeschs.
Die Junkershammer-Linie, Nachkommen von Jeremias III., betrieb ihre Reitwerke noch fünf Generationen bis 1869 weiter. In jenem Jahr wurde als letztes Reitwerk am Vichtbach der Junkershammer stillgelegt, nachdem der Versuch des letzten Reitmeisters dieser Linie, Henri Hoeschs III. (1800–1879), den Junkershammer auf Koks umzustellen, am Widerstand seines Teilhabers Jeremias Reidt gescheitert war. Der Junkershammer blieb allerdings auch nach der Stilllegung im Besitz der Familie Hoesch. Henri Hoesch betrieb ferner noch die Schevenhütte bis zu ihrer Schließung 1870. Zu dieser Junkershammer-Linie zählt unter anderem auch der Enkel von Jeremias III., der spätere Staatsmann und Diplomat sowie Montanunternehmer Matthias Gerhard von Hoesch, der wieder zum Katholizismus konvertiert ist und 1744 in den Reichsfreiherrenstand erhoben wurde.
Die Söhne von Wilhelm Hoesch, Leonard (1684–1761) und Philipp Wilhelm (1686–1756) errichteten 1724 in unmittelbarer Nähe des Platenhammers den Neuenhammer, der mit dem Platenhammer eine Einheit bildete und als erweiterte Hofanlage gemeinschaftlich betrieben wurde. Der Neuenhammer wurde nur bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den Nachkommen des Leonhard geführt, wogegen der Platenhammer bei den Nachkommen von Philipp Wilhelm verblieb und später auch zur Messingverarbeitung genutzt wurde. Nach dem Tod des letzten Besitzers, Johann Philipp II. Hoesch (1834–1885), wurde er verkauft.
Die stetige Zersplitterung der Familienbesitze und die daraus folgende verschärfte Konkurrenz um Wasser- und Holzkohlenrechte, die auch die Kupfermeister erfolgreich beanspruchten, führten schließlich zur teilweisen Abwanderung von Familienmitgliedern aus dem Vichttal. Dies zeigt sich besonders deutlich bei den Söhnen des letztgenannten Leonhard Hoeschs, ab denen sich die Dürener Linie in vier Hauptäste aufspaltete: Johann Peter (1723–1785) zog es nach Moers, Hugo Ludolf (1727–1790) übernahm die väterlichen Betriebe in Düren-Schneidhausen, Johann Heinrich (1732–1788) zog nach Dadenberg, einem Lehnhof bei Lamersdorf/Inden (Rheinland) und Jeremias IV. Hoesch (1737–1803) verblieb auf dem Neuenhammer. Manche heirateten in Eifeler Reitmeisterfamilien im Kalltal und Schleidener Tal (heute westlicher Kreis Euskirchen) ein. Von unternehmerischer Bedeutung sollten aber diejenigen Familienmitglieder werden, die nach Düren verzogen.
Eisenfabrikanten miniatur|links|hochkant|Eberhard Hoesch
Besagter Leonhard Hoesch errichtete 1742 in Schneidhausen ein Hüttenwerk sowie ein angeschlossenes Herrenhaus, Haus Schneidhausen genannt. Die Anlage wurde 1772 durch seinen Sohn Hugo Ludolf noch um eine Papierfabrik und Ölmühle erweitert. Aus dem Hüttenbetrieb ging die heutige Badewannenfabrik Hoesch Design GmbH hervor, das zu den größten Badewannenhersteller Europas zählt.