mini|Porträt Emil Högg von Georg Wrba Emil Högg (* 5. Juli 1867 in Heilbronn; † 27. Dezember 1954 in Radebeul) war ein deutscher Architekt und Kunstgewerbler, Hochschullehrer in Dresden und kommunaler Abgeordneter in Radebeul; im Alter betätigte er sich auch als Maler.

Leben mini|Entwurf zu einem Gesellschaftshaus zur 2. Staatsprüfung im Hochbau, 1897

Högg studierte von 1886 bis 1890 an der Technischen Hochschule Stuttgart Architektur. Zunächst arbeitete er in seinerzeit bekannten Architekturbüros wie Eisenlohr & Weigle (Stuttgart), Bruno Schmitz (Berlin) und Karl Hoffacker (Berlin). Nach einem Referendariat legte er 1897 das 2. Staatsexamen ab und bekam im folgenden Jahr eine Stelle als Stadtbaumeister (Assessor) in der Bauverwaltung von Berlin unter Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. 1902 wurde er dort zum Stadtbauinspektor befördert. Högg wechselte zum 1. April 1904 als Direktor des 1884 gegründeten Gewerbemuseums, eines Vorgängers des Focke-Museums, nach Bremen. Er war im selben Jahr Begründer des Bremer Vereins für Niedersächsisches Volkstum.Nils Aschenbeck: Heinz Stoffregen 1879–1929. Architektur zwischen Moderne und Avantgarde. Vieweg, Braunschweig / Wiesbaden 1990, ISBN 3-528-08746-3. 1908 gehörte er dem Preisgericht für den Architektenwettbewerb zur Gestaltung des Marktplatzes sowie eines neuen Rathauses in Delmenhorst an.Edgar Grundig: Delmenhorst. Stadtgeschichte 1848 bis 1945. Band IV, 1960. 1909 war er Kurator einer Ausstellung für Friedhofskunst mit etwa 80 Grabmalen auf dem alten Doventorsfriedhof in Bremen;Carl Zetzsche: Ausstellung für Friedhofskunst in Bremen. In: Architektonische Rundschau, 1909, 25. Jahrgang, Heft 10, S. 77–83. er entwarf selbst zahlreiche Grabmale.

Auf Betreiben des Kunsthistorikers Cornelius Gurlitt wurde er 1911 auf den Lehrstuhl für Raumkunst und Ingenieurbaukunst an der Technischen Hochschule Dresden berufen, den er bis 1933 innehatte. 1923 verlieh ihm die Technische Hochschule Hannover die Ehrendoktorwürde (Dr.-Ing. E. h.). Högg fungierte ab 1926 als nebenamtlicher Kirchenbauwart des Landeskirchenrates Thüringen. Er wandte sich Anfang des 20. Jahrhunderts der heimatverbundenen Bauweise der Heimatschutzarchitektur zu (Haus Högg) und wurde zu einem Vertreter, der sich in den 1930er Jahren bejahend über den Nationalsozialismus äußerte. Bereits zum 1. Dezember 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 766.627), die er Januar 1935 verließ.Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/11470131 Im November 1933 unterzeichnete er das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler. Seine bedeutendsten Werke sind der Ernemannbau in Dresden (Pentacon) sowie das Generatorengebäude des Pumpspeicherwerks Niederwartha. In den 1930er Jahren betrieb er zusammen mit Friedrich Rötschke, der 1931 an der Technischen Hochschule Dresden promovierte,Friedrich Rötschke: Die Festung Dresden wird offene Stadt. Dissertation, Technische Hochschule Dresden, Dresden 1931. das Architekturbüro Högg & Rötschke. Mit ihm zusammen baute er auch dessen neues Wohnhaus in Radebeul, Hoflößnitzstraße 15.

mini|Grabstelle auf dem Friedhof Radebeul-Ost Högg war Mitglied des Deutschen Werkbunds, Deutscher Werkbund Nordrhein-Westfalen. in Dresden schloss er sich der Künstlervereinigung Die Zunft an.

Ab 1912 wohnte Högg in Radebeul in einem selbst entworfenen Haus Högg (Marienstraße 12a). Ebenfalls 1912 erhielt er durch den Verein zur Rettung der Hoflößnitz den Auftrag zur baulichen Wiederherstellung der Gesamtanlage. Ab 1918 war er kommunalpolitischer Abgeordneter in Radebeul sowie Mitglied des Bauausschusses. Nachdem sein Dresdner Architekturbüro 1945 zerstört war, arbeitete Högg im Grundhof im Radebeuler Stadtteil Niederlößnitz. Dort widmete er sich als Alterswerk auch der Malerei, er schuf zahlreiche Lößnitz-Bilder.

Högg war Ehrenmitglied der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Jena (1923).Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 202.

Högg wurde auf dem Friedhof Radebeul-Ost beerdigt.

Schüler Werner Lindner

Werk Bauten und Entwürfe mini|hochkant|Haus Högg in Bremen-Schwachhausen mini|Wettbewerbsentwurf für den Neubau des Stadthauses in Bremen, 1908 mini|Kriegerdenkmal für Brockel, 1909 mini|Entwürfe von 1909: Kandelaber für zwei Bogenlampen, zwei Gaslampen oder eine Glühlampe, Montage 2022

mini|Haus Högg in Dresden-Radebeul mini|hochkant|Pentacon-Turm in Dresden, auch als Firmenlogo verwendet () mini|hochkant|Trinitatiskirche in Sondershausen mini|Das Haus der Sorben (Serbski dom) – Sitz der Domowina am Postplatz in Bautzen 1904: Entwurf eines Landhauses, gezeigt auf der Kunstausstellung Berlin 1904Hermann Jansen: Die Architektur auf der Kunstausstellung Berlin 1904. In: Der Baumeister, 1904, 2. Jahrgang, Heft 11, S. 127. 1905: eigenes Wohnhaus in Bremen-Schwachhausen, Albersstraße 11Wilfried Baumgarten: Das Bremer Einfamilienhaus und seine Fortbildung. Emil Höggs Haus Albersstraße 11 in Bremen. In: Architektonische Rundschau, 1908, 24. Jahrgang, Heft 2, S. 9–12, Tafel 16.Walter Mackowsky: Das Bürgerhaus in den Hansestädten Lübeck und Bremen. In: Der Profanbau, 1916, 12. Jahrgang, Heft 13/14, S. 161–163. 1905: Restaurierung der Stadtpfarrkirche St. Martini in BremenBaukünstlerische Bestrebungen in Bremen. In: Deutsche Bauzeitung, 1908, 42. Jahrgang, S. 352–358, S. 360–362, S. 364–365, S. 368–370. 1905: Bogenlampen-Kandelaber-Paar auf dem Potsdamer Platz in BerlinDie neuen Beleuchtungsmasten auf dem Potsdamer Platz in Berlin. In: Architektonische Rundschau, 1905, 21. Jahrgang, Heft 10, Beilage S. X. 1906: Entwurf der Bremer Diele auf der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung Dresden 1906Robert Bruck: 3. Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung Dresden 1906. In: Der Baumeister, 1906, 4. Jahrgang, Heft 12/13, S. 121–141. 1907: Wettbewerbsentwurf zu einem Wohn- und Stallgebäude für Herrn H. Knief in Achim (Wettbewerb ausgelobt vom Verein für Niedersächsisches Volkstum) 1908: Arbeitszimmer für Bürgermeister Carl Georg Barkhausen in BremenErich Haenel, Heinrich Tscharmann: Die Wohnung der Neuzeit. J. J. Weber, Leipzig 1908, S. 212. 1907–1908: Wettbewerbsentwurf für den Neubau des Stadthauses (später genannt Neues Rathaus) in Bremen (engerer Wettbewerb unter den 15 besten Teilnehmern der ersten Wettbewerbsstufe, außer dem 1. Preis für Gabriel von Seidl keine Prämierungen; Höggs Entwurf gezeigt auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1908)Architektonische Rundschau, 1908, 24. Jahrgang, Heft 10, S. 73, S. 77–78, Tafel 74, Tafel 74a. 1908: Entwurf zu einem Niedersächsischen Volkskunstmuseum Am Werder in Bremen 1909: Entwurf für einen Kleinbahnhof in BrinkumFriedrich Seeßelberg: Niedersachsenkunst. In: Der Baumeister, 1910, 8. Jahrgang, Heft 8, S. 85–96 / Beilage zu Heft 8, S. 88, Tafel 63/64. 1909: Kandelaber für zwei Bogenlampen, zwei Gaslampen oder eine Glühlampe; einige oder alle ausgeführt von der Tangerhütte bei Stendal.Entwürfe zu Kandelabern. In: Die Bauwelt, 1910, 1. Jahrgang, S. 53.Das Werk 17/18 (1909)Entwürfe zu Kandelabern. In: Baumeister, 1909, 7. Jahrgang, Heft 12, Beilage, S. 372–376 1909: Stauwehr und Laufwasserkraftwerk der Bremen-Besigheimer Ölfabriken in Besigheim 1909: Kriegerdenkmal in Brockel, Ausführung durch die Bildhauer Max Rebhan und Hermann LüdeckeV. Jahresbericht des Vereins für Niedersächsisches Volkstum (1910), S. 9 1910: Entwurf für eine Apotheke in Kirchweyhe bei Bremen 1910: Inneneinrichtung eines Trauzimmers (Bremer Beitrag für die Weltausstellung Brüssel 1910, später integriert in das Gebäude des Staatsarchivs, An der Tiefer; nicht erhalten) 1910: Freilichtmuseum auf der Insel in Stade 1910: Wettbewerbsentwurf für das Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück (nicht prämiert)Max Schmid (Hrsg.): Hundert Entwürfe aus dem Wettbewerb für das Bismarck-National-Denkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück-Bingen. Düsseldorfer Verlagsanstalt, Düsseldorf 1911. (n. pag.) 1911: Entwurf für einen FriedhofseingangFriedhofseingang. Entwurf von Prof. Emil Högg in Bremen. In: Architektonische Rundschau, 1911, 27. Jahrgang, Heft 1, Tafel 10. 1911: Wettbewerbsentwurf für den Neubau der Kaiserbrücke (spätere Bürgermeister-Smidt-Brücke) in Bremen (prämiert mit dem 1. Preis, Kennwort „Ohne Maske“, zusammen mit der Brückenbauanstalt der Fried. Krupp AG in Rheinhausen; ausgeführt 1913–1916, im April 1945 zerstört) 1912: eigenes Wohnhaus Haus Högg in Radebeul 1913: Friedhofskapelle in Lilienthal, Falkenberger Landstraße 4BCarl Zetzsche: Friedhofskapelle in Lilienthal bei Bremen. Ein Beispiel künstlerischen Heimatschutzes. Architekt Professor Emil Högg, B.D.A., Dresden. In: Neudeutsche Bauzeitung, 1913, 9. Jahrgang, S. 695–696, S. 699–702. 1912–1914: gründliche Instandsetzung des Schlosses Hoflößnitz 1913: Restaurierung der Dorfkirche in Reichenberg 1913–1914: Restaurierung der evangelisch-lutherischen St.-Sylvester-Kirche in Quakenbrück 1914: Landwirtschaftliche Winterschule in Stade, Kehdinger Mühren 1 1914: Wiederaufbauplanung für die abgebrannte Nordseite des Marktes in MittweidaDer Baumeister, 1914, 12. Jahrgang, Heft 15. um 1914: Direktorwohnhaus im Zoologischen Garten Dresden 1915–1918 und 1922–1923: Fabrikgebäude mit Turmbau für die Ernemann AG in Dresden-Striesen, Schandauer Straße / Junghansstraße (gemeinsam mit dem Bauingenieur Richard Müller)Fabrikgebäude der Ernemann AG. das-neue-dresden.de; abgerufen am 23. April 2018. 1920: Erweiterung des Friedhofs Radebeul-Ost 1923: Umbau des Burgkellers in JenaH.: Zu den Arbeiten von Paul Perks, Bremen. In: Moderne Bauformen, 1924, 23. Jahrgang, S. 253, Tafel 51. 1923–1933: Wiederherstellung der romanischen Kunigundenkirche in Borna bei Leipzig um 1925: Entwurf eines Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Frohburg (Sachsen) (ausgeführt vom Kunstkeramiker Kurt Feuerriegel) um 1925: Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Jena 1925–1926: Umbau der Innenräume des ehemaligen Rathauses in Jena (Mitarbeit) 1927: Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs bei der Lutherkirche in Radebeul (Bronzeguss vom Bildhauer Georg Wrba) 1927–1930: Generatorgebäude des Pumpspeicherwerks Niederwartha 1930: Mustergehöft auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1930 1931–1932: Renovierung der Stadtkirche St. Trinitatis in Sondershausen 1931–1932: Umgestaltung der Inneneinrichtung des Marien-Doms in Wurzen (mit Friedrich Rötschke) 1932–1933: Wohnhaus Friedrich Rötschke in Radebeul (mit Friedrich Rötschke) um 1935: Diakonissen-Mutterhaus in Eisenach, Nikolaistraße (mit Friedrich Rötschke) 1936: Wohnhaus Weberstraße 13/15 in Radebeul 1936–1937: Fabrikgebäude der Zeiss Ikon AG, sog. „Aquarium“, in Dresden-Striesen, Schandauer Straße 1947–1956: Haus der Sorben (Serbski dom) in Bautzen, Postplatz (mit Friedrich Rötschke)Das Haus der Sorben. ski.sorben.com

Schriften (Auswahl) Der Wiederaufbau der St. Michaeliskirche in Hamburg. Karlsruhe 1909. Einfache christliche Grabmäler für Niederdeutschland. Berlin 1910. Heimatschutz, Baukunst und Industrie. München 1911. Park und Friedhof. München 1911. Friedhofskunst. Bielefeld 1912. Der Urnen-Friedhof. Dresden 1913. Moderne Ladeneinrichtungen in alten Häusern. München 1913. Zur Hebung der Friedhofskunst. In: Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender, 1913, S. 48–54 (Digitalisat). Die Baukunst als Wissenschaft. München 1913. Die Kunst in Bremen. In: Die Tat, 1913, S. 288 ff. Krieger-Grab und Krieger-Denkmal. Wittenberg 1915. Helden-Ehrung. München 1917. Der Wohnungsbau nach dem Kriege. München 1919. Der Umbau des Burgkellers in Jena. 1923. Das Ornament oder Schmuckwerk. Strelitz 1925. Gesetz und Freiheit in der Kunst. Dresden 1926. Deutsche Baukunst, gestern, heute, morgen. In: Das Bild, 1934, S. 61. Bauen und Schauen. Dresden 1938.

Literatur

Sabine Jacobs: Studien zu Emil Högg (1867–1954). Unveröffentlichte Magisterarbeit, Universität Trier, 1998.