mini|hochkant=1.5|Uferseite des Bonner Bogens (Oktober 2009) mini|Bonner Bogen mit der Baugrube für das „Rheinpalais“, Luftbild (2011) Der Bonner Bogen ist ein Neubaugebiet zwischen den rechtsrheinischen Bonner Stadtteilen Ramersdorf und Oberkassel im Stadtbezirk Beuel. Bis Ende der 1980er-Jahre befand sich dort eine Fabrik zur Herstellung von Zement; das führte zur Bezeichnung des Areals als Zementfabrik. Seit Mitte der 2000er-Jahre befinden sich auf dem Gelände unter Beibehaltung einiger denkmalgeschützter Gebäude Büro-, Restaurant- und Hotelflächen. Die darauf folgenden Bauabschnitte am Rheinufer werden als „Rheinwerk 1 bis 3“General-Anzeiger BonnGeneral-Anzeiger Bonn und der später errichtete Komplex an der Bahnlinie als „Rheinpalais“ bezeichnet.

Lage mini|Bundesviertel Bonn 2023, Planungsgebiet „Zementfabrik Oberkassel 1990“ und Bonner Bogen Das Neubaugebiet liegt auf dem Gelände der ehemaligen Zementfabrik am rechten Rheinufer, zwischen Oberkassel im Süden und Ramersdorf im Norden. Der Rhein vollzieht dort eine markante, teilweise durch eine „Prallmauer“ aus Basaltblöcken gesicherte Westbiegung im Bereich der Konrad-Adenauer-Brücke.Die Grenze zwischen den Ortsteilen Oberkassel und Ramersdorf verläuft in den Straßen Heinrich-Konen-Straße – Konrad-Zuse-Platz – Rheinwerkallee, während die Grenze zwischen den Gemarkungen Beuel und Oberkassel ab dem Konrad-Zuse-Platz vom Oberkasseler Ufer gebildet wird, sodass der Großteil des Geländes in der Gemarkung Beuel liegt. Im Süden schließt sich das Gelände der ehemaligen Sackfabrik Duwe auf Oberkasseler Seite an, im Nordwesten der Limpericher Teil der Rheinaue. In der Nähe liegen der Bahnhof Bonn-Oberkassel und das Ernst-Kalkuhl-Gymnasium. Die Rechte Rheinstrecke verläuft östlich des Bonner Bogens über die 2005 eröffnete UnterführungKurzer und direkter Weg an die Promenade, General-Anzeiger, 6. September 2005 der Heinrich-Konen-Straße. Das Gelände ist seit der Umgestaltung über die Karl-Duwe-Straße, Joseph-Schumpeter-Allee, das Oberkasseler Ufer und das Hermann-Bleibtreu-Ufer erschlossen. Senkrecht auf die Rheinuferpromenade stößt die Rheinwerkallee, die vom Karl-Zuse-Platz am Wasserturm vorbeiführt und zwischen Rohmühle und „Direktorenvilla“ endet. Östlich des Bonner Bogens mündet der Ankerbach in den Rhein.

Geschichte mini|Aufnahme des Werks von 1892

Zementfabrik wird Entwicklungsbereich mini|links|Schaubild der Anlage „nach der Natur“ (1906) Die Industrieanlage war 1853 in der Region des Bonner Bergwerks- und Hütten-Vereins entstanden. Dies geschah unter der Führung von Hermann Bleibtreu, der den Portlandzement in Deutschland einführte. Am 12. Juni 1856 erhielt er die Genehmigung zur Zementherstellung. Aufgrund der für den Transport günstigen Lage am Rhein und der Nähe zur Braunkohle- und Alaungewinnung auf der Ennert-Hardt wurde das Gelände zwischen Beuel und Oberkassel ausgewählt. 1858 begann dann – vorerst nur am südlichen Ende des heutigen Geländes – die Herstellung im „Bonner Portland-Zementwerk“. Anfangs waren sechs Schachtöfen in Betrieb. Nach Buxtehude (1850) und Züllchow bei Stettin (1855), war das Ramersdorfer Werk das dritte zur Herstellung von Portlandzement im damaligen Deutschen Bund. Nach Eröffnung der rechtsrheinischen Eisenbahnstrecke (1870) erhielt das Werk Anschluss an den Bahnhof Oberkassel, auch postalisch war es unter Oberkassel verzeichnet.Willi Hey: Oberkassel im Spiegel alter Ansichtskarten, Edition Lempertz, Bonn 2005, ISBN 3-933070-70-8, S. 46.

Entwicklung und Niedergang mini|Aufnahme von 1927 mini|links|hochkant=0.8|Aktie über 100 RM der Bonner Portland-Zementwerk AG vom Februar 1944 mini|hochkant|Luftbild der Anlage 1953 von Südwesten

Im Laufe der Zeit wurde das Areal um das ehemalige Zementwerk um weitere Fertigungs- und Verwaltungsgebäude nach Norden hin erweitert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine große Werft- und Verladeanlage, die während der Blütezeit der Zementbranche um das Jahr 1900 um zwei Schleppkräne erweitert wurde. 1897/98 folgte der Bau des Wasserturms zur Sicherung des Werkes gegen Brand. Von 1909 bis 1911 wurde von Hüser & Cie ein 60 Meter hoher und 2,5 Meter weiter, zylindrischer Schornstein nach dem Weber-System errichtet.Gustav Lang, Der Schornsteinbau, ISBN 978-1-145-63173-1, Hannover, S. 585

Nachdem der Wicking-Konzern eine Übernahme des Werkes versucht hatte, wurde ein Freundschaftsvertrag mit der Firma Dyckerhoff geschlossen, später kam es zur Fusion. Während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 schränkte die Zementfabrik ihre Produktion erheblich ein, die Mitarbeiterzahl ging von vormals bis zu 450 auf nur noch 40 am Jahresende 1932 zurück.Ansgar Sebastian Klein: Oberkassel in der Zeit des Nationalsozialismus. In: Bonner Heimat- und Geschichtsverein, Stadtarchiv Bonn (Hrsg.): Bonner Geschichtsblätter. Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins, Band 57/58, Bonn 2008, , S. 319–344 (hier: S. 320).

Während des Nationalsozialismus hieß das Werk „Bonner Portland-Zementwerk Aktien-Gesellschaft“ und gehörte zu einem reichsweiten Zusammenschluss der Zementindustrie. Die Produktion wurde für Autobahn-, Industrie- und Rüstungsbauten weiter erhöht, Bonner Zement kam etwa im Westwall zum Einsatz. Im Zweiten Weltkrieg gab es keine schweren Schäden.

1946 erhielt das Zementwerk von der alliierten Militärregierung wieder die Genehmigung zur Zementherstellung, nach der Währungsreform 1948 konnte der Betrieb wieder voll aufgenommen werden. 1964 hatte das Werk 430 Beschäftigte. 1985 wurde es vollständig von der Dyckerhoff AG in Wiesbaden übernommen, die das Werk unter anderem um ein Klinkersilo erweitern ließ.Walter Buschmann: Bonner Zementfabrik. Rheinische Industriekultur e. V. 2004–2006Friedrich Busmann: Vom Parlaments- und Regierungsviertel zum Bundesviertel. Eine Bonner Entwicklungsmaßnahme 1974–2004, Hrsg.: Die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, Juni 2004. (online PDF)

Die Dyckerhoff AG stellte 1986 aufgrund einer neuen Firmenstrategie sowie gestiegenen Umweltschutzauflagen die Produktion in dem Zementwerk ein, schloss den Betrieb Ende 1987Die Gebäude im Jahre 1987. In: "150 Jahre Bonner Portland-Zementwerk Oberkassel", Abb. 4, ohne Namensnennung, Heimatverein Bonn-Oberkassel e. V., abgerufen am 23. August 2023. endgültig und verkaufte die gesamte Liegenschaft 1988 an eine bayerische Immobiliengesellschaft, die das Gelände später durch die LEG überplanen ließ.Planungsstudie Zementfabrik 1994, Büro für Architektur und Städtebau

Im selben Jahr begann der Abriss der Werksanlagen, der im Juni 1990 mit der Sprengung von zwei Silos und einem Turm fortgesetzt wurde, Heimatverein Bonn-Oberkassel und bis ins Jahr 2002 dauerte. Von den Gebäuden, die sich um einen Hof gruppierten, verblieben nach Abbruch des Verwaltungsgebäudes (um 2000), der Remise und des Werkstattgebäudes, nur die seit 1989 unter Denkmalschutz gestellten Bauten: die Direktorenvilla, die „Rohmühle“ – in der Kalk und Gestein für die Zementproduktion zerrieben wurden – und der Wasserturm.

Die sogenannte „Tiefenenttrümmerung“ des ehemaligen Werksgeländes blieb dem neuen Eigentümer überlassen und zog sich noch über mehrere Jahre hin. Auch die südlich des Zementwerks liegende Papiersackfabrik Duwe stellte ab 1990 ihre Produktion ein.

1974 wurde zur Förderung des Ausbaus und der Neuordnung des damaligen linksrheinischen Parlaments- und Regierungsviertels eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme begründet. Sie umfasste von Beginn an auch rheinnahe Gebiete im rechtsrheinischen Stadtbezirk Beuel („Beuel-Süd“), auf die das Viertel – einschließlich einer Verbindung über den Rhein – ausgeweitet werden sollte. Nach der Schließung und dem Verkauf der Zementfabrik 1987/88 bot sich die Gelegenheit, auch dieses Gebiet mittelfristig in den Entwicklungsbereich einzubeziehen und es zu einem „städtebaulichen Brückenkopf“ zu gestalten.

Von der Zementfabrik zum Innovationspark Auf der Basis des weiterentwickelten städtebaulichen Rahmenplans von 1985 wollte im Jahr 1989 das Bonner Technologieunternehmen Klöckner-Moeller seine Hauptverwaltung von der Bonner Weststadt auf die südöstlichen Hälfte des ehemaligen Zementfabrikgeländes verlagern. und richtete 1990 zusammen mit der Stadt Bonn, der Bayerischen Immobilien Leasing GmbH, als neuer Eigentümer des Geländes und dem Bund einen nicht offenen städtebaulichen Ideenwettbewerb für die Neubebauung des Geländes unter Berücksichtigung eines Standortes für das Unternehmen aus. In der nordwestlichen Hälfte des Gebiets sollten hauptstadtbedingte Bundeseinrichtungen, darunter Bundesministerien, entstehen.

Dazu wurden sieben Teilnehmer eingeladen, unter anderem die Büros von Speer & Partner, Gerkan, Marg und Partner und Auer Weber.Axel Küppers: Wandel in Oberkassel: Von der Zementfabrik zum „Bürodorf“. In: Bonner General-Anzeiger, 27. Juni 1990, über genios.de Alle lokalen Bewerber waren von der Stadt in zwei Gruppen „gebündelt“ worden und galten als ein Teilnehmer. Die Jury unter dem Vorsitz von Hans Kammerer tagte am 25. Juni 1990. Siegreich, wegen des „Tricks“ die Konzern-Hauptverwaltung vom Landgrabenweg her über eine neue „Rheinallee“ zu erschließen, war in der 1. Stufe die Bonner Architektengruppe 2 mit van Dorp/Schmidt, Riemann+Roy, Volkhard Weber und Ralph Schweitzer. „Den zweiten Platz belegte der Entwurf des norwegischen Architekten Niels Torp. Platz drei ging an den Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan“ sowie zwei Ankäufe an Auer & Weber und an BHLM (Beucker Haider Langhammer Maschlanka). „Das Preisgericht habe sich „einhellig“ für den Entwurf des Bonner Architektengespanns entschieden. Die Wahl der drei Modelle bilde eine gute Grundlage für die Verwirklichung des Projekts... [Ratsmitglied] Pützer räumte ein, dass ursprünglich das Modell des Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan (Marg und Partner) vom Preisgericht favorisiert worden sei. Der halbrunde Doppelturm in der Mitte des Bürokomplexes habe an die frühere Zementfabrik erinnert.“Axel Küppers: Wasserturm bleibt Blickfang am Rheinufer. In: Bonner Generalanzeiger, 30. Juni 1990, kostenpflichtig abgerufen über genios.de am 4. September 2023. Im August stellte van Dorp dann auf einer Bürgerversammlung, in der die Verwaltung nicht gut wegkam, den Entwurf vor und nannte einige markante Gestaltungsmerkmale: Durch den Umbau des Landgrabenweges würden völlig neue Verkehrsbeziehungen in diesem Gebiet entstehen. Die Autofahrer, die zu ihren Arbeitsplätzen wollten, könnten durch den Strassenumbau dorthin gelangen, ohne über die Königswinterer Strasse zu fahren. Außerdem sei in der Planung ein direkter Zugang zum Rhein berücksichtigt worden, den es bislang dort nicht gebe. „Durch unseren Entwurf macht der U-Bahnhof in Ramersdorf nachträglich erst Sinn, weil er in das neu zuschaffende Areal miteinbezogen ist.“Holger Willcke: das Filetstück ist zu Gulasch verarbeitet worden. In: Bonner Generalanzeiger, 11. November 1990, kostenpflichtig abgerufen am 4. September 2023.

Weil die „Gestaltungsmerkmale“ des 1. Preises offenbar nicht überzeugten, sollte der Norweger Torp den Planungsauftrag erhalten, „Wegen der hervorragenden architektonischen Lösung, wegweisend in der Verwaltungsbau-Architektur“, aber „in Zusammenarbeit mit der Bonner Architektengruppe“, das teilte drei Monate später Emil Seidel, stellvertretender Vorstands-Vorsitzender von Klöckner-Moeller, mit und fügte hinzu: „Mit der Rohmühle kann man nichts anfangen, weil dort keine menschenwürdigen Büros geschaffen werden können. Der Klotz ist ein Hindernis, von dem wir uns gerne trennen würden.“Bernd Leyendecker: genios.de Norweger bauen Verwaltungsgebaeude von Kloeckner-Moeller – Bonner Elektrokonzern will Rohmühle abreißen. In: Bonner General-Anzeiger, 26. September 1990, über genios.de In der darauffolgenden 2. Stufe arbeiteten die Preisträger das Thema Architektur im Sinne der Corporate Identity stärker heraus. mini|hochkant=0.8|Wettbewerb Zementfabrik, Riemann + Roy, Überarbeitung 1990