mini|Hansjürgen Bulkowski, 2007
Hansjürgen Bulkowski (* 26. April 1938 in Berlin-Schmargendorf; † 28. Dezember 2024 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer.
Leben miniatur|Hansjürgen Bulkowski, 2016
Hansjürgen Bulkowski wuchs im Berliner Ortsteil Schmargendorf auf. Von 1957 bis 1961 war er Angestellter der Bundesknappschaft in Bochum. Nachdem er am Kölner Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen eine Ausbildung zum Diplom-Bibliothekar absolviert hatte, arbeitete er von 1964 bis 1969 als Bibliothekar an der Stadtbücherei Krefeld. Seit 1966 gab Bulkowski in Krefeld die Literaturzeitschrift PRO Blätter für Neue Literatur heraus, die bis 1977 erschien und eine Beilage Lyrik unserer Zeit führte.Zeitschriften Datenbank: Zeitschrift PRO. Abgerufen am 2. August 2026.Stadt Düsseldorf: Zeitschrift PRO Nr. 21. Abgerufen am 2. August 2026.
Ab 1966 trat er mit literarischen Texten, Lesungen und Happenings an die Öffentlichkeit. Im Jahr 1968 nahm er an der sogenannten „Aktion 68“ um den Künstler Hans-Peter Alvermann teil. 1968 war er Mitbegründer des sogenannten „LIDL-Raums“ in Düsseldorf (zusammen mit Chris Reinecke, Jörg Immendorff und Wolfgang Feelisch).
Ab 1969 war Bulkowski freier Schriftsteller in Düsseldorf. Von 1968 bis 1978 hatte er Lehraufträge zu den Themen „Literatur“ und „Medienkunde“ an der Fachhochschule Düsseldorf. 1973 wurde er Mitbegründer der Autoren- und Künstlergruppe RE'UN'ANZ. Im Juni 1977 nahm Bulkowski in Hamburg am Lyrikfestival teil. Für den Lyrik-Katalog, der nach dem Festival im Goldmann Verlag im Jahr 1978 erschien, erstellte Bulkowski unter dem Titel Gedichtbände 1970–1977 ein Auswahlverzeichnis von Einzeltiteln und Anthologien. Zwischen 1978 und 1986 hatte er die Leitung einer Literaturwerkstatt in Düsseldorf.
Seit Ende der 1970er Jahre lebte Bulkowski viele Jahre in Meerbusch-Osterath im Rheinland. Von August 2008 an wohnte er wieder in Schmargendorf.
Im Jahr 1978 kam es zu einer Begegnung mit Walter Höllerer und zu einer Teilnahme an dessen Welt-Ei-Fest 1979 in Sulzbach-Rosenberg. Bulkowski veröffentlichte je eine Erzählung über Norbert Wiener sowie über Albert Einstein in Walter Hölleters Reihe LCB-Editionen. 1982 und 1983 war er – zusammen mit Niklas Stiller und Peter Glaser – in der Redaktion Literatur im Überblick in Düsseldorf tätig. Ab 1983 übersetzte er Autoren der niederländischen Avantgarde, u. a. Paul van Ostaijen und Theo van Doesburg. Im Jahr 2012 hielt er sich in Tunis auf und berichtete darüber in der Zeitschrift Merkur. Ab Anfang 2013 bis Ende 2019 hat er wöchentlich Poetopien per E-Mail verschickt.
Seit 2007 befindet sich der literarische Vorlass im Archiv der Akademie der Künste Berlin, zum Teil auch im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf.
Am 28. Dezember 2024 starb Hansjürgen Bulkowski in Berlin-Schmargendorf.
Wirken
Hansjürgen Bulkowski ist Verfasser von Kurzprosa, Lyrik, Hörspielen und veröffentlichte u. a. im „Rowohlt Literaturmagazin“Eigenschreibweise "LiteraturMagazin", seit 1973 bis #46, 2001, Rowohlt Verlag Reinbek, Tintenfisch, Schreibheft, „Neues Rheinland. Zeitschrift für Landschaft und Kultur“, Litfaß, Sprache im technischen Zeitalter, Signum, neue deutsche literatur, Merkur u. v. a.
Mitgliedschaften und Auszeichnungen
Seit 1972: Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller 1980: Amt des Stadtschreibers von Soltau 1991: Stipendium Stiftung Künstlerdorf Schöppingen 1993: Stipendium Vertalershuis AmsterdamVertalershuis Amsterdam, ein Übersetzerhaus 1996: Stipendium Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop 1997: Stipendium im Vertalershuis Löwen 1999: Auslandsstipendium des Auswärtigen Amtes in Warschau Von 1988 bis 2013: Mitglied im Landesausschuss Nordrhein-Westfalen der Deutschen Künstlerhilfe
Werke Hier eines unabgeschlossenen Vorgangs papierner Teil. Krefeld 1969 Bulkowski live. Andernach 1971 Lesen, ein Vorgang. Wolfgang Fietkau Verlag, Berlin 1972, Schritte 22 media news of RE'UN'ANZ. Zusammen mit Landfried Schröpfer. Düsseldorf 1973 Hansjürgen Bulkowski. Düsseldorf 1976 Tempo. Köln 1977 Netz der Augenblicke. Krefeld 1979 Die Stimmung des Flusses zu beobachten ist immer reizvoll. Berlin 1979, Reihe: LCB-Editionen 55 Atlas. Bergen 1983 Ambrosias Himmel. Krefeld 1993 Greet’s Augen. Köln 1993 Das Modul. Düsseldorf 1995 Blickliebe. Andernach 1997 Hellers Fall. Weißach i.T. 1999 Nach dem Kino. Fiktionen und Realien. Düsseldorf 2003. Reihe: Ehrenwort Nr. 1. Es ist wie es ist, und wie. Siebenzeiler. Andernach 2008 Mitlesebuch 97 – Hansjürgen Bulkowski. Berlin 2008 Liebe zur Sache. Die Dinge, mit denen wir leben. Berlin 2010 Und wie! Berlin 2011 Nachrichten aus Notzeiten. Berliner Kindheit 1945 bis 1950. München 2017 Poetopies/Poetopien. Englisch/Deutsch. München 2017 Wie spät sind wir? 7-zeilige Gedichte. Berlin 2018 Aufs Ganze. Geschichten zum Weitererzählen. München 2019 Schreibvorgang 1980. Ein handschriftliches Jahreswerk. Berlin 2020 (Sämtliche) Poetopien/Poetopies. Deutsch/Englisch. München 2021 Derzeit. Heutige Gedichte. Berlin 2023
Beiträge, Essays, Aufsätze Gedichtbände 1970–1977. In: Jan Hans, Uwe Herms, Ralf Thenior (Herausgeber): Lyrik-Katalog Bundesrepublik. Gedichte, Biographien, Statements. Zweite Auflage. Goldmann, München 1979, ISBN 3-442-07017-1, S. 567–606. Liebe zur Sache. Über Dinge. Merkur, 677/678, 2005 Augenblicke in Tunis. Bericht. Merkur, 759, 2012 Worauf wir zugehen. Über einige Merkmale des Zeitenwechsels. Scheidewege, Jg. 42, 2012/2013 Von mir aus, von uns aus. Über eigenes und gemeinsames Vermögen. Scheidewege, 43, 2013/2014 Voller Energie. Im Wechselbezug der Bewegkräfte. Scheidewege, 44, 2014/2015
Herausgeber PRO, blätter für neue literatur (später PRO, ein schriftlicher Vorgang). Avantgardistische Literatur- und Kunst-Zeitschrift. Krefeld, Düsseldorf 1966–1977 Das ist ein Mensch, Kindertexte, Wuppertal 1974 Vorsicht, Texte der Literaturwerkstatt Düsseldorf, Düsseldorf 1982 Der zweite Mond, Krefeld 1984 Schwerkraft und Schweben, Andernach 1999
Übersetzungen
Evert Rinsema: De mens is van nature hoekig. Der Mensch ist von Natur aus eckig. Aphorismen. Zweisprachig herausgegeben, aus dem Niederländischen übersetzt u. mit einem Nachwort versehen. Eric van der Wal, Bergen (Holland) 1980. Theo van Doesburg: Das andere Gesicht. Aus dem Niederländischen übersetzt. edition text + kritik, München 1983, ISBN 3-88377-141-4. Theo van Doesburg: Auf dem Weg zu einer konstruktiven Dichtkunst. Aus dem Niederländischen übersetzt. Edition Fundamental, Köln 1991. Paul van Ostaijen: Bezette stad. Besetzte Stadt. Zweisprachig herausgegeben und aus dem Niederländischen übersetzt. edition text + kritik, München 1991, ISBN 978-3-88377-380-3.
Sonstiges Das Spiel, auf das wir alle gewartet haben. Zusammen mit Landfried Schröpfer. Hörspiel. Saarländischer Rundfunk, 1977 Das nichtverstandene Signal. Die Selbstverbrennung des Hartmut Gründler. Funkessay. WDR, 1978 und 1988 Der Kybervater. Hörspiel. Saarländischer Rundfunk, 1980 Die Suche nach der verborgenen Ordnung der Dinge. Über Thomas Pynchon. Radio-Essay, 1980 Die Dinge. Ein Bühnenstück für Gegenstände und Menschen. Uraufführung TAM Theater Krefeld, 2009. Hierzu eine DVD, Düsseldorf 2009 Zukunft oder Worauf wir zugehen. Radio-Essay. SWR 2, 2012
Weblinks
Hansjürgen Bulkowski in poetenladen.de Hansjürgen Bulkowski bei NRW Literatur im Netz
Hansjürgen Bulkowski im Deutschen Literaturarchiv Marbach Hansjürgen-Bulkowski-Archiv bei der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Schriftsteller (Düsseldorf) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Übersetzer aus dem Niederländischen Kategorie:Übersetzer ins Deutsche Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Gestorben 2024 Kategorie:Mann