Köttingen ist ein nordöstlicher Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis. Der Ort liegt zwischen Liblar und Kierdorf. Er wurde vor allem durch die dort angesiedelten May-Werke bekannt.

Geschichte Vorgeschichtliche Zeit Nachforschungen über eine erste Besiedlung des Gebietes um Köttingen führen bis in die Latènezeit zurück. Die Befunde mehrerer Grabhügel, die ein Grabungsteam des Kölner Archäologen Peter Anton Tholen durchführte, ergaben, dass sie dieser Zeit zuzuordnen waren und wiesen damit eine Besiedlung zwischen Köttingen und Kierdorf nach.Peter Simons: Liblar. Liblar 1956 S. 7, 65.

Römische und fränkische Zeit In römischer Zeit verlief eine Heerstraße zwischen den Kastellen Vicus Bonnensis und Novaesium (Neuss), an deren Verlauf in fränkischer Zeit Köttingen gegründet wurde. Der Name Köttingen, der im Westen Deutschlands häufig vorkommt, ist nicht eindeutig zu klären. Die Ortsbezeichnungen mit der Endung –ingen entstanden in der gleichen Zeit wie die mit –heim endenden Ortsnamen. Der Namenforscher Heinrich Dittmaier geht davon aus, dass der Name, der nicht auf eine Person bezogen ist, die Bewohner eines Ortes bezeichnete.Heinrich Dittmaier: Siedlungsnamen und Siedlungsgeschichte des Bergischen Landes. Neustadt an der Aisch 1956, S. 233–244.

Mittelalter

Ersterwähnungen Der Ort wurde 1166 erstmals urkundlich genannt, als die Äbtissin des Klosters Dietkirchen bei Bonn Zehntrechte, die entfremdet worden waren, zurück erwarb.Landesarchiv NRW Düsseldorf Bestand Dietkirchen Urkunde Nr. 6, veröffentlicht in: Karl und Hanna Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt. Band 1 Nr. 17.

Die ersten urkundlich erwähnten Einwohner waren die „Freien“ Heinrich, Albert und Adelheid und ihr Verwandter Heinrich, die 1239 ihre Freiheit aufgaben und Wachszinsige des Stiftes St. Kunibert in Köln wurden.Historisches Archiv der Stadt Köln Bestand Kunibert Urkunde Nr. 1/48, veröffentlicht in: Karl Stommel, Hanna Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt. Band 1 Nr. 69.

Geistlicher und adeliger Besitz Im 15. Jahrhundert hatte das Stift Dietkirchen mehrere Lehnshöfe in Köttingen, die alle einen Hofgeschworenen für den Fronhof in Liblar stellten und mit ihren Abgaben kurmutpflichtig waren. Im Jahre 1598 gehörten diesem Fronhof in Liblar vier Lehnshöfe in Köttingen an. Zwei von ihnen waren an Adelige vergeben, den dritten, den „Wedemhof“ genannten Pfarrhof, hatte der Liblarer Pastor inne und den vierten der Abt des Klosters St. Pantaleon in Köln.Landesarchiv NRW Düsseldorf Bestand Dietkirchen Akten 35C Bl. 181-183. Das Kloster St. Pantaleon hatte schon im 13. Jahrhundert Besitz und Einkünfte in Köttingen und zusätzlich 1463 den Dietkirchener Lehnshof von den Eheleuten „von Linzenich“ erworben.Historisches Archiv der Stadt Köln Bestand Pantaleon Urkunde Nr. 3/398, veröffentlicht in: Karl und Hanna Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt. Band 2 Nr. 1174. In späterer Zeit bestanden einige Lehen nur aus Ländereien wie das Lehen, das an die Besitzer der Blessemer Burg vergeben wurde, und der Hof der Herren von der Horst, der an die Wolff-Metternich fiel.

Neuzeit Lebensverhältnisse der Dorfbewohner mini|Belagerung Lechenichs 1642, nach Matthäus Merian d. Ä.

Köttingen lag an der mittelalterlichen Heerstraße Bonn - Swisterberg - Liblar-Kierdorf - Brüggen - Blatzheim - Aachen. Das Dorf gehörte zur Honschaft und Pfarre Liblar im Amte Lechenich, nach 1630 zur Unterherrschaft Liblar. Im Jahr 1660 bestand Köttingen aus zwölf Bauernhäusern und Höfen.Landesarchiv NRW Bestand Kurköln II 1257 Bl. 5-55. Bei einer Zählung im Jahr 1770 wurden 24 dem Hause Gracht dienstpflichtige Familien des Ortes erfasst. Einige wenige hatten bis zu 15 Morgen Ackerland, die meisten bewirtschafteten einige Viertel bis einige Morgen Land, von denen sie Grundpacht zahlten und den Zehnt an das Stift Dietkirchen lieferten.Archiv Schloss Gracht Akten 85, darin Einwohnerlisten.

Broichrechte Ursprünglich waren Weiden und Gemeindebroich Allgemeinbesitz der Köttinger Dorfbewohner. Mit den Broichrechten, an denen auch die Dietkirchener Lehen Anteile besaßen, war die Nutzung zur Abholzung für den Eigenbedarf und in späterer Zeit zur Turffgewinnung verbunden. Im Laufe der Zeit waren Anteile am Gemeindebroich in den Besitz der einzelnen Köttinger Familien gelangt und schon im 16. Jahrhundert durch Erbteilungen zersplissen. Häufig verkauften die Familien aus wirtschaftlicher Not ihre Broichanteile, sodass der Köttinger Broich um 1770 fast vollständig im Besitz der Grafen Wolff Metternich war. Die Einwohner durften jedoch an festgesetzten Tagen Holz in der Ville sammeln.Archiv Schloss Gracht Akten 553, 554, 556; Peter Simons: Die Gemeinde Kierdorf. Liblar 1940, S. 44–45.

Kriege und Brände Köttingen gehörte zu den Orten, die 1642 bei der Belagerung Lechenichs in Brand gesteckt wurden.Sarburg/Walram, Verteidigung und Triumph der Burg und der Stadt Lechenich gegen hessische, französische und weimarische Truppen im Jahre 1642. Köln 1643 Im Jahre 1672 wurde Köttingen im Holländischen Krieg wieder in Brand gesteckt.Karl Stommel: Die Franziskaner in Lechenich. In: Klöster und Stifte im Erftkreis. Pulheim 1988, S. 266–268

Nutzung der Braunkohle im 17. und 18. Jahrhundert Bereits am Anfang des 17. Jahrhunderts begann man mit dem Braunkohleabbau in kleinen Mengen, denn 1630 wurde eine „Klautentrettersche“ (Klüttentreterin) aus Köttingen genannt.Landesarchiv NRW Düsseldorf Bestand Kurköln XIII 166 (Gericht Liblar) Bl. 1- 36 Im 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließen die Eigentümer kleiner „Klüttenkaulen“ diese von Arbeitern ausbeuten. Die Arbeiter waren Tagelöhner, die in den in Zeiten, in denen sie keine andere Beschäftigung fanden, in den Kaulen ihren Lebensunterhalt verdienten. Als Nebenerwerb bestellten sie kleine landwirtschaftliche Flächen. Als nach dem Bergwerkgesetz von 1810/1812 Braunkohle nur noch mit staatlicher Konzession abgebaut werden durfte, verschwanden die kleinen privaten Kaulen und viele Köttinger arbeiteten in den konzessionierten Gruben.Fritz Wündisch: Von Klütten und Briketts. S. 53–54.

Französische Zeit Als eine neue Verwaltung und Justiz im Auftrag der französischen Regierung im Jahr 1798 geschaffen wurde, gehörte Köttingen zur Gemeinde Liblar. Nach Einführung der Mairien unter Napoleon blieb Köttingen bei der Gemeinde und Mairie Liblar im Kanton Lechenich.

Nach den von der französischen Verwaltung aufgestellten Einwohnerlisten hatte Köttingen 1799 etwa 119 Einwohner, darunter 27 Kinder in 36 Haushalten. Von den Haushaltsvorständen waren drei Landwirte, in 23 Haushalten lebten Arbeiterfamilien.Karl Stommel: Die Einwohnerlisten aus Erftstadt 1798-1801. Erftstadt 1988, S. 286–291.

Die Höfe im geistlichen Besitz wurden in der Säkularisation 1802 enteignet und in den folgenden Jahren verkauft.W. Schieder (Hrsg.): Säkularisierung und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements, Kanton Lechenich. S. 481.

Preußische Zeit

Köttingen gehörte in der Preußischen Zeit weiterhin zur Gemeinde Liblar und wurde von dort verwaltet.

mini|hochkant|St.-Anna-Kapelle (1840/41)

Auch die kirchliche Zugehörigkeit der katholischen Gemeinde zur Pfarre Liblar blieb im 19. Jahrhundert weiter bestehen. Von 1840 bis 1841 wurde an Stelle der früheren Hofkapelle eines Dietkirchener Lehnshofes die St.-Anna-Kapelle erbaut, in der der Liblarer Pastor gelegentlich die Messe feierte.Hans-Paul Müller: 50 Jahre St. Josef Köttingen. Liblar 1974.

Im Jahre 1889 erhielt Köttingen einen eigenen Schulbau an der Heerstraße (heute Peter-May-Straße), sodass die Kinder vor Ort und nicht mehr wie bisher in der Volksschule in Liblar unterrichtet werden konnten.

Am Ende des 19. Jahrhunderts verbesserte sich auch die Verkehrsanbindung Köttingens. Der Ort erhielt eine Haltestelle der Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn. Mit dem Jahr 1911 erhielt der Ort eine Wasserleitung und 1913 folgte der Anschluss an das regionale Stromnetz.Otto Straznicky: Die Bergarbeitersiedlung in Köttingen. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 1996. S. 23–30.

Zu dieser Zeit lagen die Häuser des Ortes wie seit alters her an der Heerstraße mit einem bescheidenen Mittelpunkt um die Annakapelle, die Schule und mehreren Gastwirtschaften. In der Bahnhofstraße (heute Waldstraße) lag der im Jahr 1867 zu einem großen Vierkanthof ausgebaute Kyrionshof.

Für den nach 1897 industriell betriebenen Abbau der Braunkohle und deren Weiterverarbeitung zu dem begehrten Brennstoff Brikett wurden zusätzliche Arbeitskräfte benötigt, die in Köttingen ansässig wurden. So wuchs der Ort bis zum Ersten Weltkrieg auf etwa 400 Einwohner. Es war zugleich die Zeit, in der die ersten Brikettpressen konstruiert worden waren, die die Fertigung steigerten und einerseits Arbeitsplätze einsparten, doch bei einer Expansion wie im Rheinischen Braunkohlerevier auch neue Arbeitsplätze schafften.

Weimarer Zeit

Auch der Braunkohlebedarf des RWE, das zum größten Stromerzeuger der Region angewachsen war, benötigte nach dem Ersten Weltkrieg Bergarbeiter. Diese warb man in wirtschaftlich schwachen Gegenden wie der Eifel, der Pfalz und im Bayerischen Wald an, um sie in Köttingen anzusiedeln.

So entstand in den Jahren von 1921 bis 1923 durch die Wohnungsbaugesellschaft für das Rheinische Braunkohlenrevier eine großflächige zusammenhängende Siedlung, die eigens für die Bergarbeiter erbaut wurde. Mittelpunkt der neuen Siedlung wurde der neue Kirchplatz im Osten des Dorfes, mit Kirche, Schule, Lehrerwohnungen und einem Gemischtwarengeschäft, dem Konsum. Um dieses Zentrum herum entstanden in sieben Straßenzeilen 190 Häuser, die als Einfamilien- oder Doppelhäuser mit angebauten Waschküchen konzipiert worden waren. Die Häuser verfügten über einen kleinen Vorgarten und hatten an ihren Rückseiten kleine Ställe zur Viehhaltung sowie einen Nutzgarten. Kleine rundbogige Durchgänge zwischen den Häusern führten von der Straße zu den Gärten. Die Siedlung war an das Strom- und Wasserleitungsnetz angeschlossen, jedoch fehlte vorerst eine Kanalisation. Für die jüngeren Kinder gab es einen Kindergarten, an den sich eine Turnhalle anschloss.

Die neuen Einwohner Köttingens arbeiteten überwiegend im Braunkohlebergbau der RoddergrubeStadtarchiv Erftstadt Faltblatt, eingefügt in Schulchronik mit Angaben zur Wasserentsorgung und Bau eines Hauptsammlers der Gemeinde Liblar, doch fanden sie auch Arbeit in Zieselsmaar, in Liblar und in Knapsack. Sie lebten ohne engeren Kontakt zu den alteingesessenen Köttingern und gründeten ihre eigenen Vereine wie den Bayernverein, den Theaterverein sowie Musik- und Sportvereine. Es dauerte bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, bis sich die gegenseitigen Vorbehalte zwischen den Einheimischen und den Neubürgern legten und das gegenseitige Misstrauen abgebaut war.

Die neue vierklassige 1923 erbaute Schule für alle Köttinger Kinder lag in der neuen Siedlung in der Nähe der Kirche. Sie löste die alte Volksschule ab, die wegen der gestiegenen Schülerzahl nicht ausreichend Platz bot. Im Jahr 1922 wurde der Grundstein zur eigenen Kirche in der neuen Siedlung gelegt, deren Bau sich in der Inflationszeit verzögerte und erst 1924 fertiggestellt werden konnte. Die Kirche mit einem einfachen Hauptschiff und Chorraum sowie einem Seitenschiff wurde nach Plänen des Kölner Regierungsbaumeisters Johann Mertzenich errichtet.Willy Weyres: Der Kirchenbau im Erzbistum Köln 1920-1931. In: Kunstgabe des Vereins für Christliche Kunst im Erzbistum Köln und Bistum Aachen. 1932. Seite 30

Die Zeit der Weltwirtschaftskrise traf auch die Köttinger Einwohner. Zeitweise gab es mehr Arbeitslose als Erwerbstätige, jedoch konnten Gartenerträge und Haustierhaltung die größte Not mindern.

Die Einwohner der Siedlung waren politisch „links“ orientiert, die anderen Einwohner wählten traditionell das Zentrum. Bei den Wahlen 1933 lag der Stimmenanteil der SPD bei 26,5 %. Auf die KPD entfielen 22,9 %.