Das Neusser Bürger-Schützenfest ist das Schützenfest der Stadt Neuss am Rhein. Es wird jährlich am letzten Augustwochenende ausgerichtet. Mit mehr als 7700 marschierenden Schützen und Musikern (ca. 1600 Musiker) ist es zwar kleiner als das Schützenfest Hannover, gilt aber als das weltweit größte Schützenfest, das von einem einzigen Schützenverein organisiert wird und bei dem keine Gastzüge aus anderen Städten teilnehmen. Im Jahr 2018 wurde die Rekordzahl von über 7700 Marschierern erreicht.Helga Bittner: Die Königsparade: Auch bei Regen ein Genuss. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung. 26. August 2011. Abgerufen am 30. August 2012. Das Schützenfest ist mit seiner Königsparade, den Festzügen, dem Königsschießen sowie etlichen Begleitveranstaltungen ein gesellschaftlicher Höhepunkt in Neuss sowie der näheren und weiteren Umgebung und zieht bis zu einer Million Besucher an. Rekordjahr war das Jahr 2007 mit 1,5 Millionen Besuchern.
Das Regiment Hatte das Schützenfest im Mittelalter noch einen militärischen Charakter, stehen heute die Traditionspflege, gewisse Disziplin, aber auch der gesellige Aspekt im Vordergrund. Daher tragen die Schützen Uniformen, zu denen allerdings lediglich Gewehrattrappen gehören.
Das Regiment umfasst 2016 7.684 aktive, d. h. marschierende, Schützen und Musiker. Es wird in mehrere Korps unterteilt, die jeweils eigene Uniformen tragen. Das Schützenfest wird über den Neusser Bürger-Schützen-Verein organisiert, in dem alle Schützen Mitglied sind. Dem Neusser Bürger-Schützen-Verein steht ein 10- bis 12-köpfiges Komitee vor, zu dem auch der Oberst gehört. Nach außen wird das Schützenfest von einem Schützenkönig repräsentiert, der jedes Jahr durch ein Vogelschießen ermittelt wird. Um die Königswürde kann sich jeder Schütze bewerben, allerdings ist sie mit beträchtlichem finanziellem und zeitlichem Aufwand, auch für die Gattin des Schützenkönigs, verbunden. Der König gehört nicht dem Komitee an.
Die Korps Das Regiment unterteilt sich in insgesamt 10 Korps, die im Laufe der Zeit entstanden. Zwei Korps, das Grenadierkorps und das Jägerkorps, nehmen bereits seit der Gründung des Schützenfestes 1823 teil.
Einheitliche Regelung ist, dass nur unbescholtene männliche Bürger (ab 16 Jahren, sowie teilweise auch jünger) die aktive und passive Mitgliedschaft im Neusser Bürger-Schützen-Verein erwerben können.
Die Korps haben jeweils eigene Uniformen, so dass die Festzüge abwechslungsreich sind und nicht alle Schützen einheitlich angezogen sind. Bis auf die Edelknaben, die Sappeure, die Scheibenschützen, die Artillerie und das Reiter-Corps sind alle Korps in Züge mit etwa 15 bis 30 Mann unterteilt.
Das Neusser Sappeur Korps von 1830 Die Sappeure stellen mit 20 Mann ein kleines Korps. Sie tragen einen blauen Waffenrock, darüber eine weiße Lederschürze, eine hohe Mütze mit einer rot-weißen Bürste darauf sowie ein Beil, da damals die Sappeure die vorderste Einheit waren, welche auf feindliche Barrikaden stürmte und sie mit Beilen zertrümmerte, wobei die Schürzen die Uniform schützten. Seit 1830 gehen sie bei jedem Umzug dem Regiment voran. Während der Schützenfesttage stellen sie als Ehrengarde außerdem Wachposten an den Aufenthaltsorten des Schützenkönigs und des Reitersiegers.
Das Neusser Grenadierkorps von 1823 Die Grenadiere nahmen bereits an dem ersten Schützenfest 1823 teil. Sie tragen eine weiße Hose, ein weißes Hemd, eine weiße Fliege sowie einen schwarzen Frack oder schwarzen Cut mit schwarzer Weste oder schwarzer Bauchbinde und einen schwarzen Zylinder. Die Offiziere tragen dagegen anstatt des Fracks einen blauen Uniformrock und einen Zweispitzhut mit Federbausch, den sogenannten Bonaparte, sowie einen Löwenkopfsäbel. Die Grenadiere stellten 2011 das zweitgrößte Korps.
Das Edelknaben-Korps von 1835 Das Edelknaben-Korps bietet Jungen schon ab sieben Jahren die Möglichkeit, am Schützenfest teilzunehmen. Andere Korps im Neusser Schützenregiment sehen eine Beteiligung zwar auch vor, allerdings in kleineren Zahlen und in leicht höherem Alter. Die Uniform der Edelknaben besteht aus einer schwarzen Jacke mit diagonal darüber gelegter rot-weißer Schärpe, einer kurzen schwarzen Hose aus Samt, weißen Kniestrümpfen und schwarzen Schuhen. Die Kappe der Edelknaben wird von einem rot-weißen Pompon verziert. Die Edelknaben tragen einen Säbel und gehen in ihrer Entstehung wohl auf die Zeit und u. a. auf den Brauch zurück, als weißgekleidete Mädchen die Kutsche des Königs begleiteten und Blumen auf den Weg streuten.
Die Gründung des Edelknaben-Korps wird auf 1835 datiert, das Datum kann jedoch nicht genau verifiziert werden, sondern ist lediglich mit der frühesten Quittung über den Kauf von Uniformen belegt. Die Edelknaben gehen bei der Königsparade dem Schützenkönig mit Komitee und Ehrengästen als Ehrengeleit voran und marschieren bei den Umzügen vor der Kutsche des Königs.
Das Neusser Jägerkorps von 1823 Das Jägerkorps wurde wie das Grenadierkorps bereits 1823 gegründet und war lange Zeit das größte Korps. Heute belegt das Korps mit knapp 800 Schützen den vierten Rang. Die Jäger tragen einen grünen Waffenrock, eine weiße Hose und einen grünen Hut. An der linken Seite eines jeden Zuges trägt ein Schütze (Höness genannt) ein riesiges Trinkhorn, das mit Blumen geschmückt ist.
Die Neusser Schützenlust 1864/1950 Die Schützenlust gibt es seit 1864 oder 1868 (so wurden früher auf Urkunden und Orden 1868 als Gründungsdatum benutzt, danach 1864), sie ging 1930 mangels Nachwuchs und Ablehnung gegenüber des Nationalsozialismus ein und wurde 1950 auf Initiative des Komitees wiederbegründet. Die Schützenlust trägt einen mattgrünen zweireihig geknöpften Rock mit dunkelgrünen Kragen, eine weiße Hose und einen grünen Hut mit dunkelgrüner Hutkordel mit Korpsabzeichen.
Bis 2011 von der Zahl kleiner als die Grenadiere, stellt die Schützenlust seit 2011 das größte Korps.
St.-Hubertus-Schützen-Gesellschaft Neuss 1899 Die St.-Hubertus-Schützen-Gesellschaft wurde 1899 als Bruderschaft zu Ehren des Heiligen Hubertus von Lüttich gegründet. Die Hubertusschützen tragen einen grünen Rock, eine schwarze Hose und einen schwarzen Hut mit grünem Band sowie mehreren Hahnenfedern. Sie tragen, ähnlich wie das Jägerkorps, je Zugreihe ein blumengeschmücktes Horn. Die Hubertusschützen stellen mit etwas mehr als 800 Schützen das drittgrößte Korps. Auch die Hubertus-Schützen erlebten nach dem Zweiten Weltkrieg einen personellen Niedergang. Auf Initiative des Komitees erfuhr die Gesellschaft jedoch eine Neubelebung im Jahre 1953.
Auch bei den St.-Hubertus-Schützen besteht die Möglichkeit, in jüngerem Alter bereits am Schützenfest und am Vereinsleben teilzunehmen. So können Jungen, die in etwa das elfte Lebensjahr erreicht haben, im Zug der Bogenschützen teilnehmen und diesem bis zum 16. Lebensjahr angehören und dann in einen Zug einsteigen.
Neben den Scheibenschützen ist die St-Hubertus-Schützen-Gesellschaft die einzige Bruderschaft im Regiment. Sie gehört dem Bund historischer deutscher Schützenbruderschaften an.
Die Hubertus-Schützen feiern (normalerweise) am ersten Sonntag jedes Novembers den Patronatstag zu Ehren des Hl. Hubertus. Dabei gibt es ein Hochamt in St. Marien, einen Marsch zur Stadthalle, einen Festkommers, Königsschießen, Königsproklamation, Fackelzug und einen Zapfenstreich.
Die Schützengilde Neuss von 1850/1961 e. V. Die Schützengilde existierte bereits 1850 bis 1891 und wurde 1961 wiederbegründet, bevor man 1962 erstmals wieder „über den Markt“ marschierte. Die Gilde wurde wiederbegründet, da die konservativen Kreise der neubegründeten Hubertusschützen keine Mehrheit waren und sich somit abspalteten, um diesem Problem gerecht zu werden. Da nur einst bestehende Korps begründet werden dürfen, wählte man, nachdem der Stadtarchivar die Existenz der früheren Gilde zweifelsfrei nachweisen konnte, dieses Korps. Die Schützen der Gilde tragen einen hellgrünen Rock, eine schwarze Hose und einen hellgrünen Hut mit weißer Feder. Mit 42 Zügen und insgesamt ca. 737 Schützen (stand 2024 aktuellen Programmheft des NBSV) sind auch sie ein sogenanntes kleines Korps mit 12,2 % Schützenbeteiligung.
Auch hier können bereits Kinder am Schützenfest teilnehmen. So existiert der Zug „Gildeknappen“, wo Jungen im Bereich von 8 bis 12 Jahren mitmarschieren.
Der Zug der Neusser Scheibenschützen-Gesellschaft von 1415 Die Geschichte der Scheibenschützen geht auf die Sebastianusbruderschaft zurück, die bereits 1415 Schießwettbewerbe austrug. Von dieser Bruderschaft wird der Zug gestellt. Die Scheibenschützen nehmen seit 1920 regelmäßig mit diesem Zug am Schützenfest teil. Dabei marschieren die über 120 Schützen in drei Reihen. Sie tragen eine graue Jacke und eine schwarze Hose, dazu einen Schützenhut. Als besondere Ehrerbietung vor dem König ziehen sämtliche Scheibenschützen beim Defilee auf ein Zeichen hin gleichzeitig den Hut.
Das Neusser Artillerie-Corps 1854 Das Artillerie-Corps wurde 1851 gegründet, darf aber erst seit 1854 am Neusser Schützenfest teilnehmen. Im Korps finden sich Artilleristen zu Fuß und zu Pferde. Blickfang des Artillerie-Corps ist eine Protze mit Kanone, die von sechs Kaltblütern gezogen wird.
Das Neusser Reitercorps 1828 Das Reiterkorps wurde 1828 gegründet. Die Reiter tragen einen schwarzen Reitfrack, darunter eine Rot-Weiße Schärpe. Die Reiter bilden das Ende des Festzuges. Während des Schützenfestes finden sogenannte Ringstechen statt, bei denen die Reiter im Galopp auf aufgehängte Ringe zureiten und probieren, diese mit einer Art Miniaturausgabe einer Lanze zu treffen. Am Schützenfestdienstag wird nach diesem Verfahren der Reitersieger ermittelt, welcher mit dem König beim Krönungsball gekrönt wird.
Festablauf Die Eckpfeiler des Schützenfestes sind die Königsparade, die Festzüge und das Königsschießen. Daneben gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Das Schützenfest findet am Wochenende des letzten Sonntags im August statt. Es beginnt samstags und endet dienstags. Die begleitende Kirmes wird bereits am Freitagnachmittag um 17.00 Uhr durch den traditionellen Fassanstich eröffnet.
Das Schützenfest beginnt offiziell samstags um 12.00 Uhr mit dem Donnern der Geschütze, dem Hissen der Fahnen an den Gebäuden der Stadt und dem Geläut des Quirinus-Münsters. Um 17:00 Uhr findet auf dem Marktplatz vor dem Rathaus das Totengedenken statt. Unmittelbar danach spielen die Tambourkorps unter den Klängen des „Freut Euch des Lebens“ auf (Reveille) und beginnen mit einem Sternmarsch durch die Stadt. Abends findet dann mit dem Fackelzug der erste Zug statt. Dazu tragen die Schützen Fackeln statt ihrer Gewehrattrappen und einen dunklen Anzug anstelle der Uniform. Einzelne Züge bauen Großfackeln zu Themen ihrer Wahl, die auf Wagen durch die Stadt geschoben werden. Diese Großfackeln sind die Attraktion des Fackelzuges. Es werden etwa 85–95 Großfackeln gebaut.
Sonntagvormittags findet die Parade zu Ehren des Schützenkönigs statt, bei der das Regiment auf dem Markt am König und am Komitee vorbeizieht. Nicht selten sind auch hochrangige Ehrengäste anwesend. So war 2010 der damalige Bundesminister des Innern Thomas de Maizière vertreten. Die Parade am Sonntagvormittag wurde bis 2018 live im 3. Fernsehprogramm des WDR übertragen. Es folgen Festzüge der Schützen durch die Stadt, und zwar sonntagnachmittags, montagnachmittags und montagabends, sowie dienstagnachmittags und dienstagabends.
Nach dem Festzug am Dienstagnachmittag wird auf der Festwiese der neue Schützenkönig ermittelt. Die Schützen, die sich um die Königswürde bewerben, schießen reihum auf einen Holzklotz (den sog. „Vogel“), der auf einer Stange befestigt ist. Der Holzklotz ist einfach zu treffen, man braucht aber trotzdem etwa 20 bis 40 Schüsse mit einer Bockbüchse, um den Klotz zu zerlegen. Dadurch hängt die Königswürde mehr vom Glück als von den Schießkünsten der Bewerber ab.
Nach dem Königsschießen findet im Festzelt auf der Schützenwiese der offizielle „Große Zapfenstreich“ statt.