Das Kernkraftwerk Tarapur (, TAPS) liegt im indischen Bundesstaat Maharashtra im Distrikt Palghar. Die Reaktoren TAPS-1 und TAPS-2 wurden schlüsselfertig von General Electric (GE) geliefert. Dabei handelt es sich um Siedewasserreaktoren mit jeweils 160 MW Leistung. Es waren seinerzeit fast die ersten Kernreaktoren Asiens (erster war der JPDR; er hatte aber nur 13 MW). Die Reaktoren sind die einzigen von GE nach Indien gelieferten, da die USA wegen des indischen Atomwaffenprogramms die Zusammenarbeit beendeten und erst 2006 wieder aufnahmen.
Am 9. Mai 1983 berichtete die Tageszeitung The Times of India, das Kernkraftwerk Tarapur sei radioaktiv stark kontaminiert und könne kaum noch betrieben werden. Die Mitarbeiter des Prestigeobjektes würden der ionisierenden Strahlung weit über den offiziell und international zugelassenen Richtwerten ausgesetzt.Knaur Weltspiegel. ISBN 3-426-07658-6
In Tarapur befinden sich auch die ersten beiden indischen 500 MW-PHWR (Schwerwasser-Druckreaktor); in ihnen wird schweres Wasser als Moderator eingesetzt. TAPS-4 wurde am 6. März 2005 kritisch. TAPS-3 wurde am 15. Juni 2006 an das Netz angeschlossen und ging am 18. August des Jahres in den kommerziellen Betrieb. Die Kosten für die beiden Reaktoren sollen 6,5 Milliarden Rupien betragen.
Der Siedewasserreaktor von Tarapur arbeitet mit niedrig angereichertem Uran (LEU), das ursprünglich aus den USA kommen sollte. Wegen des indischen Atomwaffenprogramms und der Weigerung der damaligen indischen Regierung, IAEO-Inspektionen zuzulassen, wurde der Vertrag 1979 von den USA gekündigt. Das ist eine Forderung des Nuclear Non-Proliferation Act von 1978, der Lieferung von Nuklearmaterial an Staaten ausschließt, die keine Inspektionen durch die IAEO zulassen (siehe Atomwaffensperrvertrag).
Danach wurde arrangiert, dass die Franzosen das LEU liefern. Das taten sie von 1983 bis 1993, bis die Lieferungen aus demselben Grund gestoppt wurden. Ab 1995 lieferte nun China, seit 2001 Russland. Die Reaktoren 1 und 2 waren seit 2020 im Langzeitstillstand, um überholt und modernisiert zu werden. Am 29. Januar 2026 ging Reaktor 1 wieder in Betrieb, am 6. Juni Nr. 2, beide erhielten eine Genehmigung für weitere zehn Jahre Laufzeit.https://www.world-nuclear-news.org/articles/worlds-oldest-operating-nuclear-units-back-on-indias-grid
Weitere Anlagen Auf dem Gelände finden sich neben den Generatoren seit 1982 auch PREFRE (Fuel Reprocessing Plant) und Advanced Fuel Fabrication Facility (AFFF) zur Herstellung von MOX-Brennelementen sowie Brennelementen für Leichtwasserreaktoren (LWR) und Schwerwasserreaktoren (PHWR).
Seit 1990 gibt es eine Waste Immobilization Plant (WIP), in dem der Atommüll verglast wird und ein Endlager (Solid Storage Surveillance Facility), das bis 2010 den Müll aus Tarapur und Trombai aufnehmen soll.
Daten der Reaktorblöcke Das Kernkraftwerk Tarapur hat insgesamt vier Blöcke:
ReaktorblockIndia, Republic of: Nuclear Power Reactors. Power Reactor Information System der IAEO (englisch) Reaktortyp Netto-leistung Brutto-leistung Baubeginn Netzsyn-chronisation Kommer-zieller Betrieb Abschal-tung Tarapur (TAPS)-1 Siedewasserreaktor150 MW160 MW01.10.196401.04.196928.10.1969 Tarapur (TAPS)-2 Siedewasserreaktor150 MW160 MW01.10.196405.05.196928.10.1969 Tarapur (TAPS)-3 PHWR490 MW540 MW12.05.200015.06.200618.08.2006 Tarapur (TAPS)-4 PHWR490 MW540 MW08.03.200004.06.200512.09.2005
Siehe auch Liste der Kernkraftwerke Liste der Kernreaktoren in Indien
Weblinks
Tarapur (englisch) Tarapur Modernisierung (englisch)
Einzelnachweise
Tarapur Kategorie:Bauwerk in Maharashtra Kategorie:Kernkraftwerk in Asien Kategorie:Distrikt Palghar Kategorie:Wirtschaft (Maharashtra)