Das Land Salzburg (auch „Salzburger Land“) ist heute ein Bundesland Österreichs. Salzburg war nach dem Rückzug der Römer zuerst gut 600 Jahre Teil Bayerns, dann etwa 500 Jahre selbständiges Fürstentum im Staatsverband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1805 bis 1810 und endgültig nach dem Wiener Kongress 1816 kam das Land Salzburg (außer dem Rupertiwinkel) zum Kaiserthum Österreich. Es teilt nun seit über 200 Jahren dessen historische Entwicklung. mini|Das Salzburger Wappen mini|Das Land Salzburg in seinen heutigen Grenzen mit seinen Gaue genannten Verwaltungsbezirken
Vorgeschichte und Antike Salzburg bis zur Hallstattzeit Die Anwesenheit von Menschen im Raum des heutigen Landes Salzburg lässt sich bis in die Altsteinzeit zurückverfolgen. Funde von Knochen, Steinwerkzeugen und Reste von Holzkohle einer Feuerstelle in der Schlenken-Durchgangshöhle (Gemeinde Vigaun im Tennengau) sind 40.000 Jahre alt. Dies belegt, dass auch in der letzten Zwischen-Eiszeit altsteinzeitliche Jäger und Sammler das Land durchstreiften.Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs. Salzburg 1984, S. 17 f.
Das Mesolithikum (14.000–4.500 v. Chr.) wird in Salzburg durch Gerätefunde aus Silex etwa in Maxglan (Stadtteil der Stadt Salzburg), vom Dürrnberg, vom Hügel St. Nikolaus bei Golling oder die eines Kindergrabes in Elsbethen (Flachgau) belegt,Josef Brettenthaler: Salzburgs Synchronik – Weltgeschehen, Deutschland, Europa, Österreich, Salzburg Stadt und Land. Salzburg 2002, S. 11. die auf die dauernde Anwesenheit der jagenden und umherziehenden Menschen hinweisen.
Die Jungsteinzeit (4.500–1.900 v. Chr.) ist durch zahlreiche Siedlungsfunde belegt. Zu Siedlungsschwerpunkten wurden damals die Inselberge im Salzburger Becken (vor allem am Rainberg und am ehemaligen Grillberg in Elsbethen (heute zur Gänze abgebaut)). Aber auch in Tallagen wurden Reste größerer Siedlungen ausgegraben (Mattsee, Liefering). Kleinere Siedlungen oder Wohnstellen waren am Hellbrunner Berg, am Georgenberg bei Kuchl oder am Adneter Riedl. Aber auch in den Gauen „Innergebirg“ gibt es Siedlungsspuren (etwa am Hohenwerfen, am Götschenberg bei Bischofshofen im Pongau, am Biberg bei Saalfelden am Steinernen Meer oder bei Burgstall nächst Gries im Pinzgau). Landesweit sind heute Über 80 Fundstellen aus der Jungsteinzeit bekannt.Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs. Salzburg 1984, S. 20 f.
In der Bronzezeit (etwa 1900–1250 v. Chr.) erlangte das heutige Land Salzburg eine überregionale Bedeutung. Die Kupfervorkommen in der Grauwackenzone um Bischofshofen und Mühlbach am Hochkönig machten die Region zum größten Kupfer-Bronze-Produzenten der Ostalpen mit weitreichenden Handelsbeziehungen. Besonders in den Bergbaugebieten des Pongaus (in St. Johann im Pongau), aber auch des Pinzgaues (Stuhlfelden, Viehhofen) war eine größere Bevölkerungsdichte gegeben. Mit Rohkupfer und Halbfertigwaren (z. B. Bronzereifen) wurde reger Handel betrieben. Die Siedlung am Rainberg in der heutigen Stadt Salzburg (damals die größte Siedlung der Region) war das wichtigste Handelszentrum im heutigen Land Salzburg.
In der Urnenfelderzeit (etwa 1250–750 v. Chr.) mit ihrer typischen Bestattungsform gehörte Salzburg gemeinsam mit Bayern zur nordalpinen Urnenfelderkultur. Aus dieser Zeit wurden Wohnstätten, Grabaufschlüsse, Hort-, Weihe- und Einzelfunde ausgegraben. Aus allen Gauen ausgenommen dem Lungau liegen reiche Funde vor. Allein aus der Stadt sind 31 verschiedene Fundstellen bekannt.Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs. Salzburg 1984, S. 46.
Hallstattzeit und La-Tène-Zeit In der Hallstattzeit (von 750 bis 450 v. Chr.) wurde der Kupferbergbau gegenüber dem neuen Werkstoff Eisen weniger bedeutsam. Der Bedeutungsschwund, verbunden mit einem raueren Klima führte zu einem Bevölkerungsrückgang in den Gebirgsgauen des Landes. Neues Zentrum wurde das Salzburger Becken – vor allem der Dürrnberg bei Hallein – durch den Salzbergbau, der erstmals ebenso wie in Hallstatt in Oberösterreich als Untertagbau betrieben wurde.
Im Flachgau sind vor allem die vielen Hügelgräber bemerkenswert.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die keltische Hallstattkultur zur La-Tène-Zeit weiter. Die Salzgewinnung am Dürrnberg führte das Land zu einer wirtschaftlichen Hochblüte, die bereits vorindustrielle Formen erreichte. In den Hohen Tauern wurde Gold im Waschverfahren gewonnen. Vermutlich wurde in der La-Tène-Zeit schon Salz im Laugeverfahren gewonnen. Nur auf diese Weise konnte einwandfreies Blanksalz hergestellt werden.
Auf Salzburger Boden wurden die Namen zweier keltischer Stämme bekannt: die Alaunen im Raum um das Salzburger Becken und die Ambisonten im Innergebirg, vor allem im Raum Saalfelden, von denen sich der Name „Pinzgau“ ableitet. Viele Orts-, Gewässer- und Flurnamen im Land Salzburg sind keltischen Ursprungs: etwa Anif, Adnet, Gnigl, Lammer, Enns, Fritzbach, Gastein, Rauris und Iuvavum, ein keltischer Name im Raum der Stadt Salzburg. Mit den Römern in Italien pflegten die Kelten regen Handel und gingen mit diesen Bündnisse ein bzw. unterzeichneten Schutzverträge.Georg Rohregger: Die Kelten Österreich. A&M Vlg, Salzburg 2003, ISBN 3-902397-62-4.
Seit der Gründung der Stadt Aquileia (181 v. Chr.) in der Provinz Venetien am Adriatischen Meer intensivierten sich die Handelsverbindungen zwischen den Kelten im Alpenraum und den Römern. Salz, Gold, Eisen, Pelze, Lederwaren und Speik wurden über die alten Saumpfade exportiert, während die keltische Oberschicht sich an Olivenöl, Wein, den Gewürzen und den Luxuswaren aus der Handelsstadt am Mittelmeer erfreute.
In der Spätlatènezeit befanden sich bedeutendere Höhensiedlungen auf dem Rainberg (heute im Salzburger Stadtgebiet), auf dem Burgstein bei Bad Reichenhall-Karlstein, auf dem Dürrnberg bei Hallein, auf dem Georgenberg bei Kuchl, auf dem Biberg bei Saalfelden, auf der Alten Passstelle bei Schwarzach, auf dem Steinbühel bei Uttendorf und auf dem Bürgkogel bei Kaprun.Günther E. Thüry, Die Stadtgeschichte des römischen Salzburg. Befunde und Funde bis 1987, Oxford 2014, S. 42.
Römerzeit Mit der Besetzung des Alpenraumes 15 v. Chr. begann im Salzburger Raum die 500-jährige Herrschaft der Römer. Die keltische Urbevölkerung wurde schrittweise romanisiert, sie bewahrte aber auch viele keltische Traditionen.
mini|Römischer Silber-Denar mit Reliefbild von Kaiser Claudius
Viele keltische Höhensiedlungen wurden während der Pax Romana aufgelassen. Die Menschen siedelten sich in den Tälern in neuen römischen Orten an, oder mussten sich im Auftrag der römischen Machthaber dort ansiedeln (etwa Ani, Immurium, Vocario, Cucullae, Tarnantum). Unter Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) erhielt Norikum mit seiner Hauptstadt Virunum am Magdalensberg in Kärnten den Status einer römischen Provinz. Iuvavum, auf dem Gebiet der heutigen Stadt Salzburg gelegen, wurde Municipalstadt und verwaltete einen Bezirk, der größer war als das heutige Bundesland Salzburg und dabei Teile des heutigen Chiemgaus, des Attergaus und Gebiete im westlichen Tirol umfasste. Die Gebirgstäler waren damals dünn besiedelt, im Salzburger Becken entstanden zahlreiche römische Gutshöfe.
Die genaue Lage des Forum als Mittelpunkt des römischen Iuvavum ist unbekannt, sie wird zwischen Kaigasse und Domplatz vermutet. In der jetzigen Kaigasse stand ein großer Tempel und am heutigen Residenzplatz möglicherweise ein Ehrenbogen. Bedeutende Funde aus der Römerzeit sind ein Fragment einer astronomischen Wasseruhr (Raum Linzergasse, 1. Jahrhundert), eine Statuette des Genius loci (Alte Universität) und ein Acheloos-Mosaik am Mozartplatz. Der größte römische Friedhof lag am Fuß des Bürglsteins am Äußeren Stein.H. Lange: Römische Terrakotten aus Salzburg, Schriftenreihe des Salzburger Museums Carolino Augusteum Nr. 9, Salzburg 1990.
Die beiden Salzachufer waren in der Römerzeit offensichtlich durch eine hölzerne Brücke verbunden. Die Straße über den Radstädter Tauern, die über diese Brücke führte, verband Virunum mit Iuvavum. Nach 170 n. Chr. wurde die „pax romana“ erstmals durch die Markomannen-Kriege und deren Verwüstungen gestört. Die Bevölkerung hatte schwer unter den Kriegswirren, verstärkt durch Epidemien zu leiden. Iuvavum wurde zerstört. Über das erneuerte römische Straßennetz konnte der Wohlstand in der Folge weitgehend wiederhergestellt werden. Um 200 n. Chr. ließ Kaiser Septimius Severus einen Weg über das heutige Obertauern und weiter über die Leisnitzhöhe (östlich des Katschbergs zwischen den heutigen Orten Sankt Margarethen im Lungau und Rennweg am Katschberg) nach Teurnia ausbauen. Die norisch-rätische Voralpenstraße verband Iuvavum mit Augusta Vindelicorum (dem heutigen Augsburg) im Westen und Ovilava (heute Wels) im Osten. Im 3. und 4. Jahrhundert wurde Norikum vor allem durch Einfälle der Alemannen verwüstet. Kaiser Diokletian (287–305 n. Chr.) teilte die Provinz in Ufernorikum (Noricum Ripense) und Binnennorikum (Noricum Mediterraneum). Der nördlich der Alpen gelegene Bezirk Iuvavum gehörte zu Ufernoricum, der Lungau bereits zu Binnennorikum. Ab 350 breitete sich das Christentum über die städtischen Zentren auch im Bezirk Iuvavum aus.
Im 5. Jahrhundert wurde die Lage in Norikum durch Einfälle der Goten, Vandalen, Alanen und Hunnen drückend. Die Landbevölkerung Norikums unternahm einen Aufstand gegen die immer höher werdenden Steuerlasten, der 430 bzw. 431 niedergeschlagen wurde. Das Wirken des heiligen Severin von Noricum (455–482), der auch nach Cucullae (Kuchl) und Iuvavum kam, verhinderte noch einmal den Zusammenbruch der römischen Herrschaft.
Zeit der Völkerwanderung 488 befahl der Heerführer Odoaker, der den letzten römischen Kaiser abgesetzt hatte, den Abzug der römischen Bevölkerung nach Italien, ein Teil der romanisierten Bevölkerung blieb aber trotzdem in Norikum. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts erfolgte die bajuwarische Zuwanderung, zuerst in den heutigen Flachgau, den Rupertiwinkel und das Saalfeldner Becken. Mit der Salzburger Romania nahmen die Bajuwaren friedliche Kontakte auf. Frühbajuwarische Ortsnamen enden auf die Silben „-ing“, „-ham“ oder „-heim“ ('wie Anthering, Siezenheim). Die Salzburger Romania hielt im Raum zwischen der Altstadt von Salzburg bis über den Pass Lueg in den nördlichen Pongau noch längere Zeit ihre Kultur. Romanische Siedlungsinseln im Norden von Iuvavum sind teils noch heute als sog. „Walchen“-Orte erkennbar (etwa Seewalchen, Straßwalchen, Wals). Gegen Ende des 6. Jahrhunderts erfasste den Lungau, den Ennspongau, die beiden Arltäler, das Gasteiner und das Rauriser Tal eine slawische Siedlungswelle. Berg-, Flur- und Ortsnamen wie Gurpitschek, Granitzl, Göriach, Lessach, Stranach und Weißpriach sind slawischer Herkunft.
Salzburg als Teil Bayerns Vom heiligen Rupert bis zum Erzbistum mini|Hl. Rupert von Salzburg. Dargestellt mit dem Salzfass in der Hand.