mini|Ziegelstempel der Legio XI Claudia Die Legio XI Claudia war eine Legion der römischen Armee. Der Ursprung der Legion ist nicht genau zu ermitteln, vermutlich wurde sie von Gaius Iulius Caesar um 58 v. Chr. aufgestellt und bestand bis ins frühe 5. Jahrhundert. Ihr Name unter Octavian war Legio XI Actiaca.Das stehende Heer der frühen Kaiserzeit (Kapitel III, Liste der Legionen) in: Marcus Junkelmann: Die Legionen des Augustus (= Kulturgeschichte der antiken Welt. Band 33). Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1986, S. 98. Möglicherweise tat sie sich nach der Schlacht bei Actium bei der Verfolgung des Heeres des Crassus nach Makedonien hervor. Sie erhielt ihren Ehrennamen Claudia Pia Fidelis („pflichtbewusst und treu“) unter Kaiser Claudius. Der Name der Legion wurde danach als LEG XI CPF abgekürzt.

Das Emblem der caesarischen Legion war ursprünglich vermutlich ein Stier. Seit Augustus war der Gott NeptunYann Le Bohec: Die römische Armee, Von Augustus zu Konstantin dem Großen. Franz Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 287. das Legionssymbol, doch kommt vereinzelt auch die Kapitolinische Wölfin mit den Zwillingen Romulus und Remus vor. Die Kontinuität von Caesars zu Octavians Legio XI ist nicht gesichert.Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire. University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 0-8061-3014-8, S. 199–200. mini|Signum der Legio XI Claudia Pia Fidelis (vereinfachte Darstellung)

Geschichte der Legion Republik Caesars Legio XI lang=de|mini|Caesars Feldzüge während des gallischen Krieges Es wird vermutet, dass die Legion im Jahre 58 v. Chr. zusammen mit der Legio XII Fulminata ausgehoben wurde. Im Verlauf des Gallischen Krieges des Feldherren Gaius Iulius Caesar, wurde die Legio XI im Jahre 58 v. Chr. gegen die Helvetier und im Jahre 57 v. Chr. gegen die Nervier eingesetzt. Es kann angenommen werden, dass sie 52 v. Chr. auch in den Kämpfen um Avaricum und Alesia beteiligt war..

Im Jahr 51 v. Chr. wurde die Legion wieder namentlich genannt, als Caesar mit der VII., VIII., VIIII. und XI. Legion einem Aufstand der Bellovaker, Ambianer, Aulercer, Caleten, Veliocasser und Atrebaten unter der Führung des Correus entgegentrat. Caesar errichtete ein stark befestigte Lager in Sichtweite des feindlichen Lagers und rief die verbündeten Remer und Lingonen sowie drei weitere Legionen als Verstärkung herbei. Nach einer Entscheidungsschlacht war der Aufstand beendet.Aulus Hirtius: De bello Gallico VIII, 6–10 (online)

Während der Römischen Bürgerkriege nahm sie im Jahr 49 v. Chr. an der Invasion Caesars in Italien teil und wurde anschließend in Apulien stationiert. Im Jahr 48 v. Chr. nahm sie an den Kämpfen von Dyrrhachium teil und war auch in der Schlacht von Pharsalos präsent. Die Legio XI wurde 46/45 v. Chr. aufgelöst und die Veteranen im mittelitalienischen Bovianum angesiedelt.

Octavians Legio XI Octavian, der Adoptivsohn des ermordeten Imperators Gaius Iulius Caesar, der mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus das Zweite Triumvirat gebildet hatte, hob erneut eine Legio XI aus bzw. stellte Caesars Legion wieder her.

Während des Triumvirats wurde sie 42 v. Chr. gegen die Caesarmörder Brutus und Cassius in der Schlacht bei Philippi eingesetzt. Dann verlegte Octavian die Legio XI wieder nach Italien und setzte sie im Winter 41/40 v. Chr. im Perusinischen Krieg gegen Marc Antons Bruder Lucius Antonius bei der Belagerung von Perugia ein. Möglicherweise wurde sie unter dem Kommando von Marcus Vipsanius Agrippa auch gegen Sextus Pompeius eingesetzt. Dieser hatte sich der Insel Sizilien bemächtigt und bedrohte so die Getreideversorgung der Stadt Rom. Im Jahre 31 v. Chr. befand sich die Legio XI während der Schlacht bei Actium im Heer Octavians gegen seinen ehemaligen verbündeten Marcus Antonius und die ägyptische Herrscherin Kleopatra. Die Legion erhielt danach den Beinamen Actiaca. Antonius war in der Seeschlacht besiegt worden und zog sich zu Kleopatra nach Ägypten zurück. Octavian nahm ein Jahr später Ägypten ein, woraufhin Marcus Antonius und Kleopatra Suizid begingen. Zwei Jahre später wurde Octavian unter dem Kaisernamen „Augustus“ (27 v.–14 n. Chr.) der alleinige Herrscher über das Römische Reich.

Julisch-claudische Dynastie Nach der Schlacht bei Actium wurde die Legio XI zunächst in Illyrien stationiert, wobei der genaue Stationierungsort nicht bekannt ist. Nachdem im Jahre 9 n. Chr. die Legionen XVII, XVIII und XIX unter dem Kommando von Publius Quinctilius Varus in der Varusschlacht gegen die Cherusker unter Arminius aufgerieben worden waren, wurde die Legio XI in das dalmatinische Burnum (heute Kistanje in Kroatien) verlegt. Hier wurden die Legionäre zu Bauarbeiten herangezogen, vor allem auch im Straßenbau, was zur wirtschaftlichen Erschließung und zum ökonomischen Aufschwung der römischen Provinz beitrug. Nachzuweisen sind diese Tätigkeiten vor allem in der Provinzhauptstadt Salona (heute Solin bei Split in Kroatien) und in Gardun (ebenfalls im heutigen Kroatien).

Während der Revolte des dalmatischen Statthalters Lucius Arruntius Camillus Scribonianus im Jahr 42 hielten die Legionen VII und XI zu Kaiser Claudius (41–54) und erhielt daraufhin den Beinamen Claudia und die Ehrenbezeichnung Pia Fidelis („pflichtbewusst und treu“).Lesley Adkins: Handbook to Life in Ancient Rome. Sonlight Christian, 2004, ISBN 0-8160-5026-0, S. 60. Um die Mitte des 1. Jahrhunderts wurden Veteranen der Legio VII Claudia und der Legio XI Claudia in Aequum (Čitluk) angesiedelt.Lawrence J. F. Keppie: Legions and veterans: Roman army papers 1971–2000 (= Mavors. Roman Army Researches. Band 12). Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07744-8, S. 304. Im Jahre 58 n. Chr. wurde die Legio VII CPF an die Donau versetzt, während die Legio XI in Dalmatien stationiert blieb. Eine Abteilung (Vexillatio) der Legio XI unterstützte den Feldherrn Gnaeus Domitius Corbulo bei seinem Feldzug gegen die Parther im Jahr 63 n. Chr., bei dem es um die Kontrolle über Armenien ging.

Erstes Vierkaiserjahr Gegen Ende der Herrschaft Neros (54–68) hatten sich verschiedene Empörungen und Bündnisse in den militärischen Hierarchien gegen seine Regierungsweise entwickelt und nach der Ausrufung des Galba am 3. April 68 n. Chr. zum Kaiser, beging Nero Selbstmord. Galba brachte jedoch ebenfalls das Volk und vor allem die römische Rheinarmee gegen sich auf, so dass diese am 2. Januar 69 n. Chr. den Statthalter Aulus Vitellius in Köln zum Kaiser ausrief. Damit begann das sogenannte Vierkaiserjahr, denn schon im Gegenzug, am 15. Januar 69, ließ sich in Rom der Galba-Anhänger Otho nach Bestechung der Prätorianer-Garde ebenfalls zum Kaiser ausrufen. Marcus Salvius Otho ließ Galba ermorden und setzte sich vorerst als Kaiser durch. Die Legionen am Rhein bestanden aber auf Vitellius, überquerten die Alpen und schlugen Othos Truppen in der Ersten Schlacht von Bedriacum (bei Cremona). Es ist nicht geklärt, ob die dalmatischen Legionen, auch die Legio XI Claudia, auf dem Schlachtfeld zu spät erschienen oder den Ausgang der Schlacht abgewartet hatten. Auf die Nachricht von der Niederlage beging Otho Selbstmord. Der neue Kaiser Vitellius beorderte die Legio XI Claudia nach Dalmatien zurück. Nun wurde im Osten der dortige Feldherr Titus Flavius Vespasianus in Alexandria am 1. Juli 69 n. Chr. zum Kaiser ausgerufen. Auch die Legionen des Donauraums und in Dalmatien unterstützten Vespasian. Sein General Marcus Antonius Primus marschierte nach Italien und schlug in der Zweiten Schlacht von Bedriacum die Streitkräfte von Kaiser Vitellius. Dieser wurde bei Wirren in Rom am 20. Dezember 69 getötet. Mit dieser Niederlage wurde der Bürgerkrieg beendet. Am 21. Dezember 69 n. Chr. wurde Vespasian vom Senat als Kaiser anerkannt. Er traf jedoch erst im Oktober 70 n. Chr. in Rom ein.

Flavische Dynastie Vespasian wurde zum neuen Kaiser des Römischen Reiches und Begründer der Flavischen Dynastie, die bis ins Jahr 96 n. Chr. Bestand hatte. Im Jahre 70 n. Chr. war die Legio XI CPF Teil eines Expeditionskorps unter dem Kommando des Feldherrn Quintus Petillius Cerialis, der den Bataveraufstand unter Iulius Civilis niederschlug.

mini|Ziegelstempel der 11. Legion aus Vindonissa (Im Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz) Da es gegen den Zug der Rheinlegionen des Vitellius 69 n. Chr. zu den Alpen Widerstand der einheimischen, von Rom geduldeten helvetischen Miliz gegeben hatte, wurde dieser „von der 21. Legion und ihren Hilfstruppen in wenigen Tagen gebrochen und eine grosse Zahl von Zivilsiedlungen (zum Beispiel Baden/Aquae Helveticae) zerstört. […] Vespasian beliess die 21. Legion nicht in Vindonissa, sondern ersetzte sie durch die 11. Legion.“Martin Hartmann: Das römische Legionslager von Vindonissa (= Archäologischer Führer der Schweiz. Band 18). Hrsg.: Gesellschaft Pro Vindonissa, 1983. Aktualisierung René Hänggi/Thomas Pauli-Gabi, 2003, S. 10. Ihre Stelle in Dalmatien übernahm die Legio IIII Flavia Felix.John J. Wilkes: Army and Society in Roman Dalmatia. In: Géza Alföldy, Brian Dobson, Werner Eck (Hrsg.): Kaiser, Heer und Gesellschaft in der römischen Kaiserzeit. Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07654-9, S. 327.

Der Verbleib der Legio XI Claudia ist von 70–101 n. Chr. mit Hauptquartier in Vindonissa festgestellt. Dort wurde von der zuvor stationierten Legio XXI Rapax das Holz-zu-Stein-„Bebauungskonzept“ übernommen: „Sie erneuerte die Verteidigungsanlagen mit einer mit Türmen versehenen Steinschalenmauer und einem Spitzgraben.“ Auf einer Fläche von 21 ha runden zahlreiche Gebäude um monumentale Thermen „das Bild eines für eine längere Besatzung errichteten Standlagers ab.“M. Hartmann: Vindonissa. S. 6. Zahlreiche archäologische Funde belegen ihre Anwesenheit im alpinen Raum.

mini|Gestempelter Ziegel aus Juliomagus Dazu kam der Ausbau der Infrastruktur entlang der transalpinen Routen und über den Rhein nach Norden in Vorbereitung des ‚Schwarzwaldfeldzuges‘ in den Jahren 73/74 n. Chr. unter Gnaeus Pinarius Cornelius Clemens bis ins Neckartal.M. Hartmann: Vindonissa. S. 10. Im Jahre 74 wurde von Tuttlingen (Kastell Tuttlingen) bis Straßburg (Argentoratum) die sogenannte Kinzigtalvariante der Donausüdstraße ausgebaut, die die Marschstrecke zwischen Augusta Vindelicum (Augsburg) und Mogontiacum (Mainz) um 160 km oder sieben Tagesmärsche verkürzte.

Diese neue Ost-West-Strecke erhielt Anschluss an die Süd-Nord-Verbindung von Vindonissa aus über den Rhein bei Tenedo (Bad Zurzach) über Juliomagus (Schleitheim-Stühlingen) nach Brigobanne (Hüfingen), die vermutlich bereits um 45 n. Chr. angelegt worden war und die dann 74 n. Chr. mit der Fortsetzung über das Kastell Tuttlingen nach Arae Flaviae (Rottweil) – und von dort nach Argentorate (Straßburg) – weitergebaut wurde. Diese Strecke wurde wahrscheinlich von der in diesem Zeitraum in Vindonissa stationierten 11. Legion ausgebaut. Heute ist sie als Teilstrecke der Römerstraße Neckar–Alb–Aare ausgewiesen.

mini|Grundmauern der Thermen des Legionskastells von Arae Flaviae (Rottweil) Nördlich des Rheins ist die Legio XI Claudia Pia Fidelis zunächst in Iuliomagus (Schleitheim) auf gestempelten Tonziegeln nachgewiesen. Mindestens eine Vexillation der Legion lag dann im „Kastell I“ bei Rottweil, wie Stempel auf dort verwendeten Ziegeln zeigen. Nach Ansicht mancher Historiker war hier zwischen 74 und 84 sogar die gesamte Legio XI stationiert. Vermutlich gehörten Veteranen der Legion auch zu den ersten Siedlern im neugegründeten Municipium Arae Flaviae (Rottweil).Philipp Filtzinger: Arae Flaviae / Rottweil. Verkehrsknotenpunkt am oberen Neckar. In: Marlis Weinmann-Walser (Hrsg.): Historische Interpretationen: Gerold Walser zum 75. Geburtstag, dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern (= Historia Einzelschriften. Band 100). Stuttgart 1995, ISBN 3-515-06739-6, S. 27–28 und 34–35.