mini|hochkant=1.4|Physische Geographie des Übergangsbereichs zwischen Ostalpen und Westkarpaten. Das rautenförmige Wiener Becken (i. w. S.) zeichnet sich deutlich in der Bildmitte ab. Das Wiener Becken ist ein fossiles, geologisch junges tektonisches Einbruchsbecken und Sedimentbecken im Nahtbereich zwischen Alpen, Karpaten und der Pannonischen Tiefebene. Hinsichtlich des Einbruchsmechanismus handelt es sich um ein Scherungsbecken (Pull-Apart-Becken). Es trennt zwar topographisch die Alpen von den Westkarpaten, verbindet sie aber geologisch über entsprechende Untergrundgesteine.
Physische Geographie mini|hochkant=1.3|Marchniederung nahe der Mündung der March in die Donau (Blick nach Norden). Links erstreckt sich das Marchfeld. Rechts im Bild erhebt sich der Thebener Kogel (Devínska Kobyla), ein Ausläufer der Kleinen Karpaten. hochkant=1.3|mini|Blick über das Chvojnica-Hügelland im slowakischen Teil des Wiener Beckens (nördliche Westslowakei, Okres Senica). mini|hochkant=1.3|Blick vom Großen Otter in den Südwestzipfel des Wiener Beckens. mini|hochkant=1.3|Blick vom Harzberg über die Gainfarner Bucht, einen relativ weit nach Westen in die Alpen hineinreichenden Ausläufer des südlichen Wiener Beckens.
Allgemeines Das Wiener Becken hat einen spindel- oder rautenförmigen Grundriss mit einer Längsausdehnung (Südwest-Nordost) von 200 km und einer Querausdehnung (Nordwest-Südost) von maximal 50 km. In der naturräumlichen Gliederung Niederösterreichs wird mit dem Namen Wiener Becken nur das annähernd dreieckige morphologische Becken südlich der Donau („Südliches Wiener Becken“) sowie das Marchfeld („Nördliches Wiener Becken“) belegt. Diese beiden Tiefländer nehmen Teile der Bezirke Mödling, Baden, Bruck an der Leitha, Gänserndorf, Neunkirchen und Wiener Neustadt ein.
Unter Berücksichtigung geologischer Aspekte zählen aber auch das Hügelland des östlichen Weinviertels, das Niedermährische Becken in Tschechien und das Záhorie-Tiefland in der Slowakei dazu.
Naturräumliche Gliederung Übersicht Österreich Wiener Becken im engeren SinnNaturräumliche Gliederung Niederösterreichs nach M. Fink und T. Wrbka, 1989. Nördliches Wiener Becken (Marchfeld, Gebirgsgruppe 1930 bzw. 1931 nach TrimmelDie Teilgruppe 1931 Marchfeld ist die einzige in der Untergruppe 1930 Marchfeld; in einer überarbeiteten Fassung der Gebirgsgruppengliederung zählt das Marchfeld hingegen nicht mehr zur Hauptgruppe 1900 Wienerwald, Wiener Becken und Alpenvorland östlich der Traisen, sondern trägt als Teil der Hauptgruppe 6800 Böhmische Masse und Karpatenvorland und der Untergruppe 6840 Mühl-, Wald- und Weinviertel die Gebirgsgruppennummer 6848, siehe: Günter Stummer, Lukas Plan: Speldok-Austria – Handbuch zum Österreichischen Höhlenverzeichnis inklusive bayerischer Alpenraum. Verband Österreichischer Höhlenforscher/Karst- und Höhlenkundliche Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien, Wien 2002, S. 84 (PDF 2 MB).) Südliches Wiener Becken (Wiener Neustädter Bucht, Gebirgsgruppe 1920 bzw. 1921 nach TrimmelDie Teilgruppe 1921 Wiener Becken westlich der Leitha ist die einzige in der Untergruppe 1920 Wiener Becken westlich der Leitha, ibidem.) Feuchte Ebene (nördlicher Teil) Trockene Ebene (= Steinfeld, südlicher Teil) Östliches Weinviertel Tschechien Niedermährisches Becken (Dolnomoravský úval)vgl. Geomorphologische Einteilung Tschechiens Slowakei Zahorische Ebene (Záhorská nížina) Bor-Tiefland (Borská nížina)vgl. Geomorphologische Einteilung der Slowakei Chvojnica-Hügelland (Chvojnická pahorkatina)
Wiener Becken nördlich der Donau Dieser Teil des Beckens ist der größere und morphologisch abwechslungsreichere. In Österreich wird er hauptsächlich vom Marchfeld und dem Hügelland des östlichen Weinviertels eingenommen. Die topographisch insgesamt eher unauffällige West- und Nordwestgrenze des Wiener Beckens nördlich der Donau wird dort von den Leiser Bergen, einigen isoliert stehenden Kalksteinfelsen, wie der Staatzer Klippe oder dem Falkenstein, und den Pollauer Bergen (bereits in Tschechien) gebildet. Diese kleinen Höhenzüge und Berge sind morphologischer Ausdruck der Waschbergzone, einem oft nur wenige Kilometer breiten Gesteinsgürtel, der die Ostalpen oberirdisch mit den Westkarpaten verbindet und so das Wiener Becken geologisch nach Nordwesten vom Molassebecken der Ostalpen bzw. der Westkarpaten abgrenzt.
Der sich weiter nordöstlich anschließende flache Beckenteil wird als Niedermährisches Becken bezeichnet. Er reicht in die Thaya- und March-Niederungen Mährens und der Slowakei und wird nach Nordwesten und Norden begrenzt durch die Ausläufer der Westkarpaten Steinitzer Wald, Marsgebirge und Wisowitzer Gebirge, wobei Erstgenannter geologisch zur nordöstlichen Fortsetzung der Waschbergzone, der so genannten Ždánice-Einheit, gehört. Die Ostgrenze verläuft am Fuße der Weißen und der Kleinen Karpaten. Die z. T. relativ hügeligen Beckenanteile in der Slowakei östlich des Marchtals werden unter dem Begriff Záhorie zusammengefasst.
Wiener Becken südlich der Donau Dieser Teil des Beckens wird unterteilt in die sogenannte Feuchte Ebene im Norden und die Trockene Ebene im Süden, auch Steinfeld genannt.
Die fürs Auge deutlichste Grenze dieses südlichen Beckenteils ist die Thermenlinie im Westen, wo die Ausläufer der Alpen (Flysch-Wienerwald) relativ steil um 200 bis 300 Meter in die Ebene (Höhenlage 150 bis ) abfallen und die Kalkalpen sogar um bis zu 1000 Höhenmeter. Diese Linie bleibt bis Wien deutlich sichtbar, quert im Nordwesten der Stadt an der Wiener Pforte die Donau und läuft nordöstlich des Bisambergs aus (Weinviertel).
Im Osten und Südosten wird das südliche Wiener Becken durch eine Kette von Bergrücken gegen die Pannonische Tiefebene abgegrenzt. Die Namen der Bergrücken sowie der Durchgänge (Pforten) dazwischen lauten, von Norden nach Süden: Hainburger Pforte, Hundsheimer Berge, Brucker Pforte, Leithagebirge, Ödenburger Pforte und Rosaliengebirge. Da dessen Kammlinie nicht, wie die der anderen genannten Höhenzüge, gerade in etwa Nordost-Südwest verläuft, sondern einen Bogen von Nordosten nach Südosten beschreibt, ist das Rosaliengebirge nur teilweise an der Umrandung des südlichen Wiener Beckens beteiligt. Zudem bildet die Ödenburger Pforte keine direkte Passage zur Pannonischen Tiefebene, sondern führt ins Eisenstädter Becken, dessen südwestliche Umrandung vom Südostteil des Rosaliengebirges gebildet wird. Im äußersten Südwesten, wo das Wiener Becken bereits sehr schmal ist und zu den Alpen hin ansteigt, wird es östlich durch die Bucklige Welt und südlich durch das Semmeringgebiet begrenzt.
Vegetation und Klima Das Wiener Becken bildet den westlichsten Teil des eurasischen Steppengürtels, einer sehr ausgedehnten Vegetationszone.
Wirtschaft Das Becken bildet das Kernstück der grenzübergreifenden Europaregion Centrope.
Österreich mini|hochkant=1.3|Blick über Weingärten am Westrand das Wiener Beckens bei Gumpoldskirchen (südlich von Wien) nach Südosten. Das Hochhaus im rechten Bildmittelgrund ist der Firmensitz des Glücksspielkonzerns Novomatic. Am Horizont zeichnet sich im Dunst die Silhouette der Leithaberge ab.
Im Osten herrscht noch die Landwirtschaft vor, wobei hauptsächlich Getreide und Zuckerrüben angebaut werden. Aber auch hier macht sich der Strukturwandel bemerkbar, so wurden zum Beispiel die Zuckerfabriken in Bruck an der Leitha und Siegendorf stillgelegt. An Stelle der Brucker Zuckerfabrik wurde eine Ölmühle für Biodiesel errichtet und die Bauern setzen vermehrt auf den Anbau von Raps und Sonnenblumen.
Durch die Lehmvorkommen entstand schon Ende des 19. Jahrhunderts eine erste Industrie in Form der Ziegelindustrie südlich von Wien. Am südlichen Rand Wiens, am Wienerberg, begann die Geschichte der Ziegelproduktion der Firma Wienerberger AG. In dieser Zeit kamen viele Zuwanderer aus den Kronländern ins Wiener Becken. Diese werden noch heute umgangssprachlich als Ziegelböhmen oder Ziegelbehm bezeichnet. In der Folge der Ziegeleien sind auch viele Ziegelteiche entstanden, die heute zum Teil unter Naturschutz gestellt wurden oder als Badeteiche genutzt werden. Die meisten Ziegelteiche wurden im Zuge der Industrieansiedlungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder zugeschüttet.
Wirtschaftlich zählt vor allem der nördliche Teil der Wiener Neustädter Bucht (Feuchte Ebene), die zum Umland von Wien gehört, zu den wirtschaftlich stärksten Regionen Österreichs. So ist im Bezirk Mödling das höchste Pro-Kopf-Steueraufkommen Österreichs zu verzeichnen. Erwähnenswert ist hier das größte Industriegebiet der Eco Plus, das Industriezentrum Niederösterreich Süd (IZ NÖ-Süd), das sich über die Gemeindegebiete Wiener Neudorf, Biedermannsdorf, Guntramsdorf und Laxenburg erstreckt sowie die Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf. Aber auch der Flughafen Wien-Schwechat mit der um ihn angesiedelten Wirtschaft stellt einen Wachstumsmotor dar. Bis auf Wiener Neustadt, das erst später wirtschaftlich aufgeholt hat, sind Gebiete dank der Wasserkraft von Schwechat, Triesting und Piesting vorwiegend durch Textilbetriebe sehr früh industrialisiert worden. Viele Betriebe mussten durch den Strukturwandel große Probleme durchmachen. Dies betrifft zum Beispiel auch ehemalige Paradeunternehmen wie die Semperit AG in Traiskirchen. So müssen heute viele Menschen in Richtung Wien auspendeln. Vereinzelt werden aber auch wieder neue Betriebe wie Magna International mit der Europazentrale in Oberwaltersdorf oder der Pferdesportpark in Ebreichsdorf angesiedelt.
Verkehrstechnisch wurde das Gebiet schon sehr zeitig erschlossen. So sind bereits alte Römerstraßen bekannt und die Bernsteinstraße führte durch das Wiener Becken. In der Neuzeit wurden hier zeitig Eisenbahnen gebaut. So führen heute etwa 10 von Wien aus gehende Bahnlinien, 5 Autobahnen durch die Ebene und rund 20 Bundesstraßen verbinden die Verkehrsknoten der Region.
An der Thermenlinie, die als Wetterscheide fungiert, gibt es seit der Römerzeit Weinbau, hier liegen die Weinorte Sooß und Gumpoldskirchen.
Im südlichen Teil, dem sogenannten Steinfeld, ist der Boden durch eiszeitliche Schotterablagerungen sehr karg und der sogenannte Schneebergwind aus dem Westen verbläst die wenigen Zentimeter fruchtbare Erde. Deswegen wurde unter Maria Theresia begonnen, Schwarzföhrenwälder anzupflanzen, einerseits, um Harz für die Pecherei zu gewinnen und andererseits, um den Boden zu befestigen.
Probleme verursachen zum Teil die im Zuge der Industrialisierungswelle in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg angelegten Mülldeponien, wie die Fischer-Deponie, die schlecht abgedichtet ihre Schadstoffe, vor allem Kohlenwasserstoffe, langsam an das Grundwasser abgeben. Mit teuren, meist von der öffentlichen Hand durchgeführten Sanierungen werden aber die Grundwasservorkommen im östlichen Teil, der so genannten Mitterndorfer Senke, als Trinkwasser wieder verwendbar gemacht. Diese Vorkommen können auch zusätzlich zu den Wiener Hochquellenwasserleitungen die Stadt Wien mit Wasser versorgen. Aber auch andere Ortswassernetze wie das von Mödling oder der Triestingtaler Wasserleitungsverband haben hier zusätzliche Quellen.
Geologie Allgemeines mini|hochkant=1.3|Stark vereinfachte geologische Karte des Wiener Beckens und dessen Umgebung. Die tektonischen Strukturen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Wiener Becken stehen, sind schwarz hervorgehoben. mini|hochkant=1.3|Digitales Tiefenmodell des prä-tertiären Basements des Marchfeldes (nach G. Gerstbach). Beckenteile unter −4300 m sind blau dargestellt.