Die Hofruine Geisskopf – alternativ Ruine Geiskopfhof, Geiskopferhof oder Geiskopfhof genannt – ist eine untergegangene Waldbauernsiedlung südlich von Iggelbach innerhalb der Gemarkung der Ortsgmeinde Elmstein.

Geographie

Die Siedlung umfasste fünf Wohnhäuser. Der Walddistrikt Geiskopf (467 m) liegt im Mittleren Pfälzerwald, im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord südlich des zur Ortsgemeinde Elmstein gehörenden Ortes Iggelbach, zwischen dem Hofberg (371 m) im Norden, und dem Erdbirnkopf (506 m) im Süden unmittelbar an der Grenze des Landkreises Bad Dürkheim und der kreisfreien Stadt Landau in der Pfalz.

Der Geiskopf ist von drei Bachläufen eingerahmt: im Westen von Teufels- und Geißbach (4,19 km), im Norden vom Helmbach (11,04 km) und im Osten vom Grobsbach (4,35 km). Nächstgelegene bewohnt Orte sind die Hornesselwiese im Nordosten, das Stille Tal im Osten und Iggelbach im Norden.

Geschichte Vorgeschichte Das Waldgebiet um den Geiskopf gehörte ursprünglich zur Unteren Frankenweide. Um 1300 war es im Besitz der Grafen von Leiningen, ebenso wie die Falkenburg bei Wilgartswiesen, die zum Schutz der Unteren Frankenweide erbaut war. Nach öfterem Wechsel der Lehensverhältnisse war das Gebiet dann jahrhundertelang gemeinsamer Besitz der Grafen von Leiningen und des Herzogs von Zweibrücken. Unmittelbar südlich und südwestlich schloss sich das Gebiet der Haingeraide an.

Dieser gemeinsame Besitz war regelmäßig Ursache von Streitigkeiten zwischen den beiden Häusern, die vor allem die Einkünfte aus den wertvollen Eichen- und Buchenbeständen in dem Gebiet um den Geiskopf betrafen.Ernst Bilfinger: Johanniskreuz, eine Pfälzerwaldgeschichte. Kaiserslautern 1904, Seite 103 Online Die Überwachung des Waldes erfolgte von Wilgartswiesen, das räumlich weit entfernt lag, aus, dem Sitz der leiningischen Beamten. Durch die weite Entfernung waren diese Kontrollen jedoch sehr lückenhaft, sodass Diebstähle von Holz und Wild regelmäßig vorkamen und Hirten aus den Haingeraiden ihr Vieh zur Waldweide in das Gebiet brachten. Um dem Waldfrevel Einhalt zu gebieten, beschloss die leiningisch-zweibrückische Herrschaft, das Gebiet am Geiskopf in Temporalbestand (= Pacht auf Zeit) zu geben. In der Folge wurde mit Bauwilligen wegen eines dort zu erbauenden Hofs verhandelt. mini|Gedenkstein mit geschichtlichem Abriss der untergegangenen Siedlung

Erste Schritte Es folgten Verhandlungen mit Interessen für einen zu erbauenden Hof auf dem Geiskopf. Den Zuschlag erhielt Friedrich Zeiß aus Albersweiler, der jedoch 1732 auf der weiter nordwestlich liegenden Geisweise eine Sägmühle errichtete, die mit der später entstehenden Siedkung auf dem Geiskopf eng verbunden sein sollte. Der Geiskopf selbst blieb zunächst unbewohnt.

Im Jahr 1744 entschloss sich die gemeinschaftliche Herrschaft, oberhalb des Geiswieserhofes auf der Geiskopfer Hochfläche – 390 m ü. NN – einen weiteren Hof anzulegen, der anschließend in Erbbestand gegeben werden sollte. Dies bedeutete, dass eine Verpachtung auf mindestens 25 Jahre, meistens auf Lebenszeit, mit dem Recht der Weitervererbung auf die leiblichen Nachkommen stattfand. Folgende Punkte wurden vorgegeben: Rund 150 Morgen Wald könnten zu Ackerfläche umgewidmet werden. Dem Beständer musste die Schmalz- und Rauweide im gesamten Walddistrikt Geiskopf eingeräumt werden. Wegen des Mangels an Wiesen auf der Hochfläche müsste der Beständer nach Ablauf des Temporalbestandes auf dem Geiswieserhof zusätzlioch die Talwiesen erhalten. Dem neuen Hof sollte nach Ablauf des Temporalbestandes ebensoder Geiswieserhof mit der Sägmühle zugeschlagen werden. Das Bauholz sollte gestellt und die Brennholznutzung auf heruntergefallenes und gerodetes Holz beschränkt werden. Die Rodungsflächen und Äcker sollten nunmehr frei von Zehntabgaben sein, die Abgabenfreiheit aller anderen Anlagen im bisherigen Umfang erhalten bleiben. Der Beständer sollte das mit den angrenzenden Haingeraiden (mittelalterliche Genossenschaftswaldungen) und der Kurpfalz gemeinschaftliche Fischereirecht erhalten. Schließlich sei dem Beständer die Jagdausübung zu überlassen, da der Wildbestand auf dem Geiskopf wegen der Nähe weitgehend ausgewilderter Waldungen ohnehin gering sei.

Die 1748 durchgeführte Vermessung ergab eine Gesamtfläche des Temporalbestandes von 517 Morgen, davon waren neun Morgen Wiesen, ein Morgen Haus, Hof und Gartenfläche sowie acht Morgen Ackerfläche.

Es folgten Herausforderungen wie Waldbrände, Holzdiebstähle und Interessenskonflikte, die die Realisierung der Pläne zunächst verhinderten.

Wechselnde Pächter 1752 ging der Sägmühlbestand auf der Geiswiese zu Ende. Da aber immer noch kein Bewerber für den ganzen Geiskopf in Sicht war, erklärte sich der bisherige Betreiber der Sägmühle Wendel Metzger bereit, die Mühle so lange zu betreiben, bis ein Pächter für den Geiskopf gefunden sei.

Am 29. Mai 1759 stand der ganze Geiskopf in Flammen. Es wurde gemutmaßt, dass Holzdiebe das Feuer ausgelöst hätten. Aufgrund dieses Ereignisses entschloss sich die gemeinschaftliche Herrschaft Leiningen-Zweibrücken fortan endgültig, den Geiskopf in Erbbestand zu geben.

mini|Rekonstruktion der Siedlung mit der exakten Lage der Häuser

Ab Februar 1777 gab es zwei neue Bewerber – Michael Matz und Konrad Schäfer, beide aus Rinnthal – für die Geiswiese. Ein Vertrag auf 12 Jahre wurde mit den beiden abgeschlossen. In dieser Zeit wurde wahrscheinlich das erste Wohnhaus von einem Bewohner der Geiswiese auf dem Geiskopf errichtet und mit der Rodung des Waldes begonnen. Mutmaßlich wohnte einer der Pächter bereits auf dem Geiskopf. Nach Ende der Pachtzeit 1789 sind beide Bewerber wieder abgewandert.

Am 23. Juni 1789 wurde der Geiskopf zum ersten Mal in Erbbestand gegeben. Da im gleichen Jahr der Temporalbestand an der Geiswiese abgelaufen war, wurde er dem Erbbestand auf dem Geiskopf zugeschlagen. Ersteigerer war der 88-jährige Andreas Bügler, der damit sein lang ersehntes Ziel – Erbpächter auf dem Geiskopf zu sein – erreicht hatte. Nun galt es für seine Söhne und deren Nachkommen, die Bauten zu erhalten und womöglich zu erweitern. Bügler, der die beiden Höfe auf dem Geiskopf an seine Söhne Sebastian und Konrad vererbte, hatte im östlich angrenzenden Grobsbachtal bereits einige Äcker und Wiesen in einer Talweitung anlegen lassen. Um 1795 entstand dort der Hornesselwieserhof (250 m ü. NN) als Siedlungsplatz, der in abgeänderter Form als Waldgaststätte „Stilles Tal“ Bestand hat. Andreas Bügler starb auf dem Geiskopf am 29. August 1797 im Alter von 96 Jahren.

Niedergang und Aufgabe Ebenfalls im Jahr 1789 brach die Französische Revolution aus. Französische Truppen besetzten in den folgenden Jahren die gesamte Pfalz, Adel und Geistlichkeit verloren ihre Besitzungen. Schwere Kämpfe bei Johanniskreuz und am Schänzel zogen auch die Geiskopfbauern in starke Mitleidenschaft. Infolge der Kämpfe hatten die Hofbauern und ihre Leute schwere Belastungen zu ertragen, besonders am 13. Dezember 1795, beim Rückzug der Franzosen unter General Michel Reneauld. Nach dem Ersten Pariser Frieden von 1814 kam die Pfalz zu Bayern, die ehemals herrschaftlichen Wälder wurden Staatsforst. Die Waldbauernhöfe Geiskopf und Geiswiese verblieben den jeweiligen Besitzern.

Bedingt durch Missernten in den Jahren 1816 und 1817 folgte eine große Hungersnot. Auf dem Geiskopf lebten inzwischen über 40 Menschen, denen der Hunger schwer zugesetzt hatte und für deren Ernährung das vorhandene Ackerland nicht ausreichte. Daher verlangten sie von der pfälzischen Regierung in Speyer die Erfüllung der im Erbpachtvertrag verbrieften Rechte auf die Zuweisung von 180 bis 200 Morgen Land. Langjährige Prozesse folgten, die in einem Vergleich teilweise beendet wurden.

Gegen den vom Staat beabsichtigten Ankauf aller Güter streubten sich die Hofbauern lange Zeit. Doch unter dem Druck der immer schlechteren wirtschaftlichen Verhältnisse kam es dann am 20. November 1845 zu dem Verkauf an den bayerischen Staat, zu dem das Gebiet damals gehörte.Ernst Christmann: Die Siedlungsnamen der Pfalz, Teil II; Die Namen der kleineren Siedlungen, Burgen, Klöster, Höfe, Mühlen usw. (= Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Band 47). Speyer 1964. Seite 225, Online Im Laufe des folgenden Jahres sind die meisten Geiskopfbewohner – inzwischen mehr als 70 Personen – in die umliegenden Dörfer wie Elmstein, Appenthal, Iggelbach, Hofstätten, Rinnthal, Dernbach und Eußerthal verzogen. Die letzten Bewohner des Hofes folgten 1852. Durch die Forstbehörden wurden die Gebäude abgerissen und die gesamte Fläche wurde aufgeforstet.

Nachwirken

mini|Ritterstein 186 an der Stelle, an der sich die Hofruine Geisskopf befand

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Standort mit dem Ritterstein 186 gekennzeichnet. Bis in die Gegenwart sind Reste der Fundamente vorhanden, die mit Moos bedeckt sind.

In einer 1985 erschienenen Studie zu den ehemaligen Hofwüstungen im Pfälzerwald legten Christoph Jentsch, Klaus Hünerfauth und Dieter Kreye detaillierte Ergebnisse über den Geiskopferhof vor. Nach dem Urkataster von 1838 umfasste der damalige Erbbestand Geiskopferhof eine Fläche von 58,19 Tagewerk. Weiterhin wurden in Rekonstruktionsversuchen die Lage der Einzelgebäude sowie ein Lageplan des Geiskopferhofes erstellt.

Sagen Nach Aufgabe der Siedlung entstanden außerdem zwei Sagen. Beispielsweise soll die „Hoorrambel“, eine verwilderte Frau, als Gespenst auf dem Geiskopf und den dortigen Wäldern spuken. Zum anderen wird erzählt, dass ein Bauer, der seinerzeit auf dem Geiskopf gelebt hatte und der beim Verkauf seines Hofes von einem Forstbeamten betrogen worden war, am Ort seines einstigen Hauses erscheine.

Verkehr Die Zufahrt zum ehemaligen Geiskopferhof erfolgt über die B 39 (Speyer – Kaiserslautern) bei Frankeneck auf die Landesstraße 499 (Frankeneck – Johanniskreuz) bei Helmbach auf die K 51 (Helmbach – Helmbachweiher) ab Helmbachweiher auf die Kreisstraße 18 (Helmbachweiher – Waldgaststätte Stilles Tal) bei Waldgaststätte Hornesselswiese, weiter auf befestigter Forststraße bis zum Parkplatz Geiswiese.

Literatur Arnold Ruby: Elmstein im Naturpark Pfälzerwald und seine Umgebung. Werden und Vergehen der Waldbauernsiedlung auf dem Geiskopf. Edeldruck, Lambrecht 1971. Karl Heinz Himmler: Geißkopf. Geschichte einer untergegangenen Waldbauernsiedlung bei Iggelbach. Ortsgemeinde und Verkehrsverein Elmstein, Elmstein 1991. Walter Eitelmann: Rittersteine im Pfälzerwald. Eine steinerne Geschichtsschreibung Pfälzerwald-Verein, Neustadt 1998, ISBN 3-00-003544-3. Christoph Jentsch, Klaus Hünerfauth, Dieter Kreye: Die Höfe im oberen Helmbachtal. Sonderdruck aus: Berichte zur deutschen Landeskunde, Heft 2, Jahrgang 1989. Klaus Hünerfauth: Der Geiskopferhof bei Iggelbach. In: Mitgliederzeitschrift des Pfälzerwald-Vereins, Nummer 3/1996. Nur alte Steine erinnern noch an vergessenen Hof. In: Mittelhaardter Rundschau, Nr. 195 vom 25. August 1986.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung in Rheinland-Pfalz Kategorie:Bauwerk in Elmstein Kategorie:Geographie (Elmstein) Kategorie:Wüstwerdung im 19. Jahrhundert